Astroexpedition in die Ennstaler Alpen

21.-24. September 2009

Oberst Klinke Hütte mit Kalbling
Oberst Klinke Hütte mit Kalbling

Nein, dieses Jahr war ich ausnahmsweise mal nicht auf der Großglockner-Hochalpenstraße. Die kenne ich nun wirklich schon zur Genüge, jetzt wollte ich mal was Neues kennenlernen. In Erwägung zog ich zunächst die Silvretta in Tirol und Vorarlberg - die Bielerhöhe wird von deutschen Amateuren sehr empfohlen - jedoch hat mich dann die lange Anfahrtszeit abgeschreckt. Von Wien aus hätte ich doch 7-8 Stunden dorthin gebraucht. Letztlich wäre es auch vom Wetter her im September kaum möglich gewesen.

Als nächstes mögliches Ziel nahm ich die Edelraute-Hütte in den Rottenmanner Tauern (Steiermark) ins Visir. Ein Anruf am Tag der Abreise ergab jedoch, dass dort genau in dieser Woche Jagdsperre gilt, und zwar von 16 Uhr am Nachmittag bis 8 in der Früh, in der Zeit darf man nicht mit dem Auto herumfahren. Damit schied die Edelraute-Hütte aus. Wenn dort in der Nacht geschossen wird, will ich nicht mal nur am Parkplatz vor der Hütte stehen...

Somit kam ich auf die Oberst Klinke Hütte, die beinahe im gleichen Gebiet liegt, nur auf der anderen Seite des Paltentales - in den Ennstaler Alpen. Die steilen Felsberge rund um den Nationalpark Gesäuse kenne ich schon seit meiner Jugend von einigen Bergwanderungen. Auch der dunkle Himmel über dieser Gebirgsgruppe ist mir von Übernachtungen in diversen Hütten bekannt. Jedoch gibt es ein Hindernis für potentielle Teleskopbeobachter: Man kann kaum wo mit dem Auto hinauffahren. Die Mautstraße zur Mödlinger Hütte z.B. endet mit einem Parkplatz im Wald, zu anderen Berghütten führt gar keine Straße - mit einer Ausnahme: Zur Oberst Klinke Hütte gibt es eine Schotterstraße. Diese Hütte liegt südlich von Admont auf 1486m Seehöhe wunderschön unter der eindrucksvollen Kalkspitze des Admonter Kalblings.

Dort also habe ich am Montag, den 21. September, Quartier für 3 Nächte genommen. Die Mautgebühr für die Schotterstraße, die vom Schloss Kaiserau zur Hütte hinaufführt, beträgt bei jeder Auffahrt 6 Euro, Ermäßigung bei Übernachtung oder mehrfacher Benutzung gibt es nicht (automatischer Schranken).

Vogelbeeren vor dem Kalbling Vogelbeeren Kalbling mit Vogelbeeren Wollgras vor dem Schloss Kaiserau
Auffahrt zur Oberst Klinke Hütte - Vogelbeeren (mit Kalbling im Hintergrund), Wollgras vor dem Schloss Kaiserau

Der Lokalaugenschein vor Ort ergab zunächst nicht ganz so günstige Bedingungen: Genau im Süden liegt ein Waldrücken, der zum 1778m hohen Lahngangkogel gehört, und den Südhimmel stark begrenzt. Im Osten geht's bergauf zum Kalblinggatterl, auch dort liegt der Horizont sehr hoch. Die ganze Nordseite wird von den Bergen der Admonter Reichensteingruppe eingenommen, die hoch aufragen, besonders eindrucksvoll ist der 2196m hohe Kalbling im Nordosten. Lediglich nach Westen hin - genauer gesagt Richtung WSW - ist der Horizont tief, dort sieht man in der Ferne die Berge der Rottenmanner Tauern - wenn es klar genug dazu ist. Am Anreisetag war der Horizontdunst allerdings recht ausgeprägt. In dieser Richtung ist auch die größte Lichtverschmutzung zu erwarten: Die Städte Rottenmann, Trieben und Liezen sowie die Pyhrn Autobahn A9 sorgen für relativ viel Licht in der Nacht.

Parken kann man das Auto auf mehreren Schotter-Abstellplätzen westlich knapp unterhalb der Hütte. Es war jedoch absehbar, das Licht von der Hütte hier stören würde. Lediglich hinter einer Scheune kann man einigermaßen in "Lichtdeckung" gehen.

Beginnend bei der Hütte führt eine grob geschotterte Forststraße mit einer Schleife nordseitig hinauf zum Kalblinggatterl. Entlang der Forststraße gehend fand ich vielleicht 30 Meter oberhalb der Hütte eine grasbewachsene ebene Stelle gleich neben der Forststraße, die mir auf Anhieb gefiel: Hier war der Südhorizont schon etwas tiefer, und Nebengebäude würden das meiste direkte Licht von der Hütte abblocken. Nur: Darf man hierher mit dem Auto fahren? Der Forstweg ist als solcher gekennzeichnet, was für Nichtberechtigte ein Fahrverbot bedeutet, und es stand dort eine Zusatztafel "Radfahren verboten". Nun ja, Mountainbiker bin ich keiner, und fragen kostet schließlich nichts. Auf der Klinke Hütte erfuhr ich jedoch, dass der ganze Grund dem Stift Admont gehört, und dass der vom Stift beauftragte Förster jeden anzeigt, der den Forstweg entlang fährt. Am Telefon war der Förster zu dieser Uhrzeit nicht mehr zu Erreichen.

Also blieb mir in dieser Nacht nichts anderes übrig, als doch am Parkplatz aufzubauen, in Lichtdeckung der Scheune, so gut es eben ging. Während der Nacht machte sich dort ein weiteres Problem bemerkbar: Der Rauch aus den Schornsteinen der Hütte zog zeitweise talabwärts genau an meinem Beobachtungsplatz vorbei... Außerdem wurde es eine extrem feuchte Nacht. Auf allen Oberflächen bildete sich Tau, selbst die Korrektorplatte meines Wright-Newton Teleskops war am Morgen beschlagen, trotz Taukappe, was nur selten vorkommt.

Strichspuren mit Kalbling, 22:56 MESZ Strichspuren mit Kalbling, 2:59 MESZ
Strichspuraufnahmen der ersten Nacht - Sterne über dem Kalbling, belichtet ca. 13 min um 22:56 und um 2:59 MESZ.
Man beachte die unterschiedliche Färbung des Himmelhintergrundes in der ersten und in der zweiten Nachthälfte (bei gleichem Weißabgleich der Kamera).

Die visuelle Grenzgröße lag bei 6.3 mag im Kleinen Bären, Klasse 4 auf der Bortle-Skala. Nicht so gut wie erhofft, wohl wegen dem Dunst, aber auch nicht schlecht. Das Licht von der Hütte hellte den Himmel noch dazu merklich auf - siehe die Strichspuraufnahmen - es wurde erst nach 23 Uhr abgedreht. Fotografiert habe ich in dieser Nacht mit dem 4.9" Wright-Newton Teleskop, für visuelle Beobachtungen war der 9.5" Newton da. Priorität hatten jedoch die Astrofotos. Insgesamt waren 3 Kameras im Einsatz: Eine neue ALccd6c Pro im Primärfokus vom Wright-Newton, eine Canon Kamera parallel dazu montiert mit Teleobjektiven, und eine Nikon Kamera auf Stativ für Stichspuraufnahmen mit Zoomobjektiv. So konnte ich die Nacht weitgehend optimal fotografisch nutzen. Auf der "Abschussliste" des Wright-Newton Teleskops standen für die erste Nachthälfte lichtschwache Emissionsnebel im Schwan: Lynd's Bright Nebula (LBN) 310 und umgebende HII-Regionen, eher selten fotografiert. Umso einfacher war das Ziel der zweiten Nachthälfte: Die Andromedagalaxie M31, die ich schon lange nicht mehr fotografiert habe. Leider war bei dieser Aufnahme die Korrektorplatte bereits beschlagen, so daß das Ergebnis nicht herzeigbar ist.

LBN 278, LBN 301, LBN 310, LBN 313, LBN 325, LBN 326, LBN 335 LBN 278, LBN 301, LBN 310, LBN 313, LBN 325, LBN 326, LBN 335, NGC 6914, vdB 132
Deep-Sky Aufnahmen der ersten Nacht - LBN 310 und umgebende Nebeln, Wright-Newton und 135mm Teleobjektiv

Kurz nach Mitternacht machte der Akku schlapp. CCD und Heizmanschetten (letztere im Einsatz gegen den Taubeschlag) ziehen viel Strom, selbst für einen 40Ah Akku. Da blieb nichts anderes übrig, als alle Geräte an die Autobatterie anzuhängen.

Visuell beobachtet habe ich Jupiter. Trotz der windstillen und feuchten Bedingungen war jedoch das Seeing mäßig bis schlecht, mehr als 200x zu vergrößern machte kaum Sinn. Dann standen Nebel am Beobachtungsprogramm: Der Nordamerikanebel NGC 7000, er war jedoch nur mit UHC-Filter eindrucksvoll, ohne Filter war der Kontrast eher schwach und der Nebel kaum abzugrenzen, abgesehen von der kontrastreichen "Golf von Mexiko"-Region. Bei den Pleiaden war der Merope-Nebel gut zu sehen (ohne Filter), jedoch ohne erkennbare Struktur. Der Andromedagalaxie gönnte ich auch einige Beobachtungszeit. Den Abschluss machte der Orionnebel M42/43, kurz vor dem Einsetzen der Morgendämmerung. Eindrucksvoll wie immer, zahlreiche Filamente in der Huygens Region, ganz ohne Filter. Das Trapez war in 5 Komponenten zerlegbar, für den 6. Stern reichte das Seeing nicht.

Ins Bett kam ich erst gegen 6 Uhr, da waren die ersten Hüttenbewohner schon wieder auf den Beinen...

Frühstück gibt es nur bis 10 Uhr, mit dem langen Ausschlafen war es also nichts. Nach dem Frühstück erreichte ich endlich telefonisch den Förster, der mir freundlicherweise die Erlaubnis gab, die Forststraße zu befahren, so dass ich in den folgenden Nächten meinen angestrebten Beobachtungsplatz nördlich oberhalb der Hütte erreichen konnte. Nach diesem Erfolg fuhr ich den Berg hinab, zunächst in die Stadt Liezen, um dort einen zweiten Akku zu kaufen, das sollte dann ausreichend Kapazität für die folgenden Nächte sein. Danach hielt ich Ausschau nach möglichen weiteren neuen Beobachtungsplätzen in den Niederen Tauern. Ich folgte dabei ich einem Tipp meines Beobachtungspartners Howdii, indem ich über Donnersbach und Donnersbachwald aufwärts in Richtung Glattjoch fuhr, doch leider versperrte mir dort bald ein Schranken den Weg, dahinter ist alles grob geschotterte Forststraße, also für normale Straßenfahrzeuge eher nicht geeignet. Auch die ganz in der Nähe gelegene Planneralm muß leider als nicht besonders geeignet bezeichnet werden, sie liegt in einem Talkessel, und dort gibt es viele Häuser, also wohl auch viel Licht in der Nacht. Auf dem Weg zurück zur Oberst Klinke Hütte fotografierte ich noch den Grimming, der mit seinen 2351m so markant das obere Ennstal dominiert. Als Vordergrund eignete sich das Schloss Trautenfels bei Irdning, das derzeit eine Ausstellung über die "geheimnisvolle Welt der Vögel" beherbergt, und die das Schloß umgebenden Seen.

Grimming über Wald Grimming über Seen Schloss Trautenfels mit dem Grimming Grimming über Seen
Der markante Grimming über Schloss Trautenfels und Umgebung

Nachdem ich in der Hütte ein wenig ausgeruht hatte, war es Zeit, mich auf die nächste Nacht vorzubereiten. Auch in dieser Nacht sollten der Wright-Newton als Fotooptik und der 9.5" Newton als visuelles Beobachtungsinstrument zum Einsatz kommen. Diesmal baute ich meine Geräte also auf dem von mir bevorzugten Beobachtungsplatz etwas oberhalb der Hütte auf, der sich auch wirklich als wesentlich besser geeignet erwies: Etwas tieferer Südhorizont und kein Rauch von der Hütte. Direktes Licht zum Beobachtungsplatz gab es nur von wenigen Zimmerfenstern im 1. Stock des Hauptgebäudes, und diese Lampen waren nur kurzzeitig aufgedreht. Von der näher gelegenen Jagdhütte gab es kein Licht. Schon in der Abenddämmerung war der Himmel auffallend klar, der Horizontdunst kaum mehr vorhanden, und die Silhouette der Rottenmanner Tauern im Südwesten war klar gezeichnet - alles Vorzeichen einer sehr klaren Nacht.

Beobachtungsplatz Oberst Klinke Hütte vom Beobachtungsplatz
Am Beobachtungsplatz - die halbwegs ebene Stelle links neben dem Forstweg, Blick hinunter zur Hütte

Kalbling im Abendlicht Sonnenuntergang hinter Fichten Dämmerungshimmel WSW mit Mond
Abendstimmung - Kalbling im rötlichen Abendlicht, Sonnenuntergang hinter Fichten, Dämmerungshimmel Richtung WSW mit Mond

Strichspuren mit Kalbling, 22:05 MESZ
Strichspuraufnahmen der zweiten Nacht - Sterne über dem Kalbling, belichtet ca. 9 min um 22:05 MESZ.
Diesmal mit braun gefärbtem Hintergrund.

Und so kam es dann auch. Die visuelle Grenzgröße im Kleinen Bären habe ich auf 6.4 mag eingeschätzt, was aber wieder nur Klasse 4 auf der Bortle-Skala entspricht. Ein kaum wahrnehmbarer, warmer Ostwind sorgte dafür, daß die Feuchtigkeit niedrig blieb und sich kein Dunst bilden konnte. Fotografiert habe ich in der ersten Nachthälfte die Emissionsnebel um den offenen Sternhaufen IC 1311 im Schwan, der zu den Nebeln um den hellen Stern γ Cygni (Sadr) gehört, und in der zweiten Nachthälfte den offenen Sternhaufen NGC 7380 im Cepheus, der recht hübsch vom Emissionsnebel Sharpless 142 umgeben ist.

IC 1311, B343 NGC 7380, Sh2-142, LDN 1199 NGC 7380, Sh2-142, LDN 1199
Deep-Sky Aufnahmen der zweiten Nacht - IC 1311 und umgebende Nebeln, NGC 7380 und umgebende Nebeln (mit Vergrößerung)

Zentrum des Sternbilds Schwan Cepheus/Cassiopeia Grenzregion
Sternfeld-Aufnahmen der zweiten Nacht - Das Zentrum des Sternbilds Schwan, die Cepheus/Cassiopeia Grenzregion

Visuell hatte ich in dieser Nacht mit dem Nordamerikanebel NGC 7000 mehr Freude: Besserer Kontrast als in der Nacht davor, da kamen sogar die beiden Schockfronten visuell ganz gut heraus. Der Schmetterlings-Nebel IC 1318 hingegen war eher eine Enttäuschung - hier fehlt dem 9.5" Newton einfach das ausreichend große Bildfeld, um die Nebelgrenzen gut zu erfassen. Howdiis Ceravolo wäre fein für sowas gewesen. Im Westteil der Nebel um γ Cygni, um den Sternhaufen IC 1311 herum gelegen, fiel mir der Dunkelnebel Barnard 343 aufgrund seines hohen Kontrastes sofort auf. Der Cirrus-Nebel war unter diesen Bedingungen leichte Beute - sowohl der Bogen als auch der Feuervogel zeigten Struktur in den Filamenten, das Dreieck und andere kleinere Nebelflecken südlich des Bogens waren auch leicht zu finden.

Strichspuren Richtung NO, 23:30 MESZ Strichspuren Richtung SO, 23:30 MESZ Strichspuren Richtung SW, 3:14 MESZ Strichspuren Richtung NW, 0:20 MESZ
Himmelsrundblick - Der Himmel in Richtung NO (Milchstraße), SO (Orion), SW (Jupiter, Lichtverschmutzung, Milchstraße) und NW (Milchstraße).
Belichtet 2-4 min, Weitwinkel-Objektiv 18mm

Zwischendurch riskierte ich mal mit unbewaffnetem Auge einen Blick auf den Südhimmel, ins Sternbild Fische: Der Gegenschein muß doch irgendwo nahe dem rechten Fisch stehen, das wusste ich schon von meinen vielen Astro-Expeditionen um diese Jahreszeit. Und tatsächlich: Links unterhalb das rechten Fisches war er als lichtschwacher, diffuser Fleck sichtbar, das sah so aus, als würde dort unten eine kleine Wolken stehen. Hätte ich aber nicht gewusst, wo ich suchen muss, so wäre mir der Fleck wahrscheinlich nicht aufgefallen.

M74 ist eine große face-on Spiralgalaxie in den Fischen. Scheibe und Kern waren zwar leicht auszumachen, für die Spiralarme hat es aber nicht ausgereicht, dazu war der Newton dann doch zu klein und der Himmel wohl nicht transparent genug. Da half auch mehr Vergößerung (bis zu 200x) nicht.

Die große Spiralgalaxie M33 im Dreieck war mit freiem Auge und indirektem Sehen zu erkennen, direkt konnte ich sie jedoch nicht halten - ein weiteres Indiz für Klasse 4 nach der Bortle-Skala. Im Newton-Teleskop war die S-förmige Struktur der Hauptarme gut zu erkennen, NGC 604 war ein deutlicher Fleck am Ende des südlichen Armes. Einige weitere Knoten (HII-Regionen) waren auszumachen, ebenso die Struktur der helleren Nebenarme.

Auch diese Nacht endete für mich mit der Morgendämmerung, erst dann baute ich ab.

Am nächsten Tag (inzwischen war es Mittwoch) nach dem Frühstück beschloss ich, einen der Berge zu besteigen. Die Wahl fiel klarerweise auf den Kalbling, der steht ja so markant direkt über der Hütte, da muss man einfach hinauf. So steil und unzugänglich der Berg von seiner Südseite aus gesehen auch aussehen mag, er ist doch einfach zu besteigen, nämlich über das grüne Latschen- und Gras-Band, das sich von rechts unten schräg nach links zu einem Sattel hinaufzieht. Über dieses gelangt man auf die Nordseite des Berges, von wo aus man auf Wiesen und Geröll leicht zum Gipfel hinaufsteigen kann. Von oben hatte ich eine herrliche Aussicht auf die umliegenden Berge der Ennstaler Alpen, vor allem auf die prominenten Felsberge Admonter Reichenstein, Sparafeld, und Riffel. Von oben aus fielen mir auch einige potentielle Beobachtungsplätze auf, leider alle nur mit Geländewagen zu erreichen...

Kalbling: Obere Wand Aufstiegsweg Aufstiegsweg Unter der Felswand Gipfelaufbau
Aufstieg auf den Kalbling - Unter der Felswand, Gipfelaufbau

Tiefblick Oberst Klinke Hütte Tiefblick Eisloch
Tiefblicke - Oberst Klinke Hütte (mit Forstweg und Beobachtungsplatz), Eisloch

Gipfelkreuz am Kalbling
Am Gipfel - Gipfelkreuz, Blick nach WNW. Ganz links hinten im Dunst erkennt man den Grimming.

Gipfelpanorama Norden
Panoramaaufnahme - Blick nach Norden: Kreuzkogel (links, 2011m) und Riffel (Mitte, 2105m), unten im Tal liegt der Ort Weng bei Admont

Gipfelpanorama Osten
Panoramaaufnahme - Blick nach Osten: Sparafeld (2247m) und Admonter Reichenstein (2251m)

Nachdem ich am Nachmittag ausgeruht hatte, bereitete ich mich auf die nächste Nacht vor. Diesmal sollte der 9.5" Newton als Fotoinstrument dienen, und der Wright-Newton für die visuelle Beobachtung, was einen größeren Umbau erfordert. Ich war gerade damit beschäftigt, als eine Hauptschulklasse aus Admont, die im Lager der Oberst Klinke Hütte übernachtete, vorbeikam. Sofort war ich von den Schülern umringt und wurde mit neugierigen Fragen konfrontiert, so dass ich schließlich eine "Schulstunde" über die Planeten und ihre Mond hielt - schade, daß zu diesem Zeitpunkt gerade kein Teleskop einsatzbereit war, sonst hätte ich wenigstens unseren zunehmenden Mond herzeigen können, der am Dämmerungshimmel gerade im Südwesten stand.

Als dann später endlich alles einsatzbereit war, machte mir das Wetter leider einen Strich durch die Rechnung: Vom Süden her zogen Wolken auf, die rasch den ganzen Himmel bedeckten. Ich wartete noch ab bis gegen Mitternacht, aber nachdem sich die Situation nicht besserte, blieb mir nichts übrig, als wieder abzubauen. Einige Strichspuraufnahmen, die ich vor Aufzug der Wolken bereits gemacht hatte, und Aufnahmen vom Monduntergang sind also meine einzige fotografische Ausbeute dieser Nacht.

Abenddaemmerung Richtung W mit Mond Fichte mit Strichspuren
Aufnahmen der dritten Nacht - Dämmerungshimmel Richtung W mit Mond, Strichspuren hinter einer Fichte.
Diesmal ist der Himmelshintergrund neutral grau.

Monduntergang hinter den Rottenmanner Tauern
Monduntergang hinter den Rottenmanner Tauern - im Primärfokus des 9.5" Newton. Das CCD-Fenster war leicht beschlagen.

Am Donnerstag war es zunächst noch bewölkt, die Wolken lichteten sich aber bald. Da hieß es Abschied nehmen von den Bergen - die Heimreise stand bevor. Da der Weg nach Wien aber nicht weit war, hatte ich die Zeit, noch einige Besichtigungen durchzuführen. Das Stift Admont ist sehr sehenswert - es beherbergt die größte Klosterbibliothek der Welt. Besonders haben es mir aber die schönen Gärten mit den vielen exotischen Blumen rund um das Kloster angetan. Vor allem die Fuchsienzucht ist berühmt.

Stift Admont mit See Stiftskirche
Stift Admont - Ansicht vom Südosten, Stiftskirche

Zitronenfalter Stiftsgärten Admont Farbenpracht
Farbenpracht in den Klostergärten

Gefüllte Fuchsien-Blüte Fuchsia fulgens Kokardenblumen mit Bienen Rosen-Malve mit Biene Rote Rosen zwischen Nadeln Kamillenblüten
Blüten in den Klostergärten - Gefüllte Fuchsien-Blüte, Fuchsia fulgens, Kokardenblumen mit Bienen, Rosen-Malve mit Biene, Rote Rosen zwischen Nadeln, Kamillenblüten

Gemeine Nachtkerze vor Schilfrohr Gemeine Nachtkerze vor Scheiblingstein Schilfrohr Gemeine Nachtkerze im Gegenlicht
Pflanzen in den Klostergärten - Gemeine Nachtkerze, Schilfrohr

Anschließend ging es durch das Gesäuse. Die Tour wäre nicht komplett gewesen, wenn ich dieses von schroffen Kalkgipfeln umrahmte wilde Durchbruchstal ausgelassen hätte, von dem 2002 ein großer Teil zum Nationalpark Gesäuse erklärt wurde. Da steht man tief unten an der Enns, und schaut die imposanten, bis zu 1000m senkrecht ansteigenden Kalkwände empor. Beim "Weidendom" gibt es einen interessanten Themenweg, auf dem man viel über den Auwald entlang der Enns erfährt.

Nationalpark-Pavillon_Gstatterboden Wilde_Enns Zweige über der Enns
Im Nationalpark Gesäuse - Nationalpark-Pavillon Gstatterboden, Wilde Enns

Admonter Reichenstein und Sparafeld im Gegenlicht Felskanzel Hochtorgruppe im Gegenlicht Himbeerstein
Felsberge im Gesäuse - Admonter Reichenstein und Sparafeld im Gegenlicht, eine Felskanzel, die Hochtorgruppe im Gegenlicht, der Himbeerstein

Über Gaming und Scheibbs ging es dann heim nach Wien.


Zusammenfassend kann ich schreiben, dass es mal eine nette Abwechslung war zur Großglockner-Hochalpenstraße. 2 von 3 Nächten nutzbar, eine gut, die andere sehr gut - mehr ist selten drin, ich bin zufrieden. Die fotografische Ausbeute ist reichlich und wird mich noch einige Wochen lang beschäftigen.

Allerdings erreicht der Himmel über der Oberst Klinke Hütte nicht ganz die Transparenz, die ich von der Glocknerstraße her gewohnt bin. Dazu fehlen einfach Höhenmeter - über 1500m kommt man in den Gesäusebergen einfach nirgendwo mit dem Auto rauf, während man auf der Glocknerstraße locker auf 2300-2500m kommt. Die fehlenden Höhenmeter machen sich vor allem in feuchten Nächten, wie sie im September schon üblich sind, stark bemerkbar.

Der Schotter-Abstellplätze westlich knapp unterhalb der Oberst Klinke Hütte sind als Astro-Standplatz nicht besonders geeignet, der freie Himmel ist dort stark eingeschränkt, und das Licht von der Hütte stört hier. Wer den Förster fragt, darf die Forststraße befahren, die weiter hinaufführt, dafür braucht man aber schon ein Fahrzeug mit viel Bodenfreiheit. Die ersten 100m bis zu der ebenen grasbewachsenen Stelle, an der ich stand, sind aber für normale Autos noch kein Problem, wenn man im Schritttempo fährt und leichte Kratzer im Unterboden nicht fürchtet. Allerdings wird das Gelände dort gelegentlich als Kuhweide genutzt.

Ein Vorteil der Klinke Hütte ist, dass sie am Ende einer Stichstraße liegt - es gibt in der Nacht keinen Durchzugsverkehr, und überhaupt kaum Autos, die dann noch rauffahren. Die Lichter in der Gaststube der Hütte werden um ca. 23 Uhr abgedreht. Einen tiefen Horizont hat man nur nach WSW, und das ist auch die einzige Richtung, in der sich Lichtverschmutzung bemerkbar macht. Die anderen Himmelrichtungen haben einen hohen Horizont, der dafür auch weitgehend dunkel ist.

Mehr freien Himmel hätte man unten beim Schloss Kaiserau (großer Schotterparkplatz, gebührenpflichtig), den ich allerdings in der Nacht nicht ausprobiert habe, und der auch nur auf ca. 1130m liegt. Dort steht man außerdem näher an den Lichtverschmutzern Rottenmann, Trieben, Liezen und Pyhrn Autobahn A9.

In den Zimmern der Oberst Klinke Hütte wohnt man zwar nicht luxuriös, WC gibt's nur am Gang, Dusche dafür in jedem Zimmer. Aber es ist recht gemütlich, die Gastwirte sind freundlich und hilfsbereit. Speziell auf Astronomen eingestellt sind sie nicht - ich war wohl einer der ersten, der sich als solcher zu erkennen gegeben hat, und mit dem Teleskop dort beobachtet hat. Man bekommt als Zimmermieter den Hausschlüssel, so dass man in der Nacht problemlos raus und rein kann.

Insgesamt war es auch dieses Jahr wieder eine schöne Astro- und Bergtour, an die ich mich noch lange erinnern werde.

Walter

Kalbling im Morgennebel
Kalbling im Morgennebel


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