"Schönwetterkatastrophe"

Bericht vom 24., 26./27. September und 1. Oktober 2011 (Altenmarkt i.T., Steyersberger Schwaig/Steyersberger Schwaig, Altenmarkt i.T.)

Was uns der Sommeranfang vorenthalten hat, hat der Nachsommer ausgebügelt. Es hat sich ein stabiles Hochdruckgebiet ausgebildet, wo selbst eine Störung nicht viel ausrichten konnte, jedoch genug, um eine Nacht zu verpatzen. Jedenfalls gab es so viele klare Nächte "am Stück", dass man unmöglich alle davon nützen hätte können. Zu so etwas kann man eigentlich nur "Schönwetterkatastrophe" sagen.

Der 24. September war nicht ideal für eine "Exkursion" in die Berge, deswegen zog es uns nach Altenmarkt i.T. - dunstig, ja, für einen Autoguider Test würde es aber auch im Weinviertel reichen. Wir, das waren Martin Springinklee mit Sprösslingen und meine Wenigkeit. Jedoch war der Himmel im Zenitbereich wirklich gut. Mein SQML zeigte gegen Mitternacht (Sommerzeit) einen Wert von 21.10 mag/arcsec2 im Zenit. Durch den Horizontdunst sackte die Milchstraße aber ab der Schildwolke ab. Es war so ein Gefühl, als wenn man in einer Milchglas Schüssel sitzen würde. Dafür gab es tolles Seeing. Die Nacht war trocken und windstill.

Am 26. unternahm ich eine Tour auf die Steyersberger Schwaig. Unter der Woche ist oben mit heiliger Ruhe zu rechnen. So war es auch. Wiederum war Martin Springinklee dabei, diesmal solo, auch Michi Tittl stattete uns einen kurzen Besuch ab, aber nur, um bei mir ein bissl mit zu spechteln. Wenn die Arbeit am nächsten Tag ruft - ich kenne das aus früherer Zeit. Jetzt geht es mir als Selbstständiger ja besser, äh, falsch. "Canis Maior" sorgt dafür, dass ich auch nicht wirklich ausschlafen kann, wie ich gern wollte...

Der Himmel auf der Schwaig war wirklich toll. Mit 21.41 mag/arcsec2 habe ich bis dato dort meinen besten Wert gemessen. Das Seeing war anfangs gut, wurde im Laufe der Nacht aber mies. Schnelles Geflirre war am Ende die Spaßbremse für Jupiter. Ich hatte aber irgendwie in dieser guten Nacht keinen rechten Plan, oder wie, oder was, jedenfalls gab ich mich mit leichter Kost zufrieden. Ok, ich kann auch nicht immer nur an harten Brocken rumwürgen, eh klar. Auch diese Nacht war trocken, allerdings war es auf der Schwaig wieder einmal windig. Dicht an den Wald im Westen gedrückt, war es aber auszuhalten.

Ich bin ja kein romantischer Schwärmer, aber die Szenerie hatte was für sich: Die schwarze Silhouette der Nadelbäume im Westen, die knallharte Milchstraße als Hintergrund, und zwischen den Bäumen blinkten ab und zu Sterne durch. Wenn man das auf sich einwirken lässt, kann man schon einmal tief durchatmen. Es war ein gigantischer Anblick.

Meine Erzählungen von dem tollen Himmel animierten Walter am 27. zu einer Tour auf die Steyersberger Schwaig. Und ich konnte halt den Hals nicht voll kriegen von dem tollen Himmel, ich sagte zu, dass ich auch kommen würde. Wenigstens hatte ich in der vorigen Nacht meine Augen nicht extrem belastet, so rechnete ich, dass ich doch noch fit genug wäre für ernsthafte Beobachtungen. Es war die Nacht vor dem Durchzug einer schwachen Störung. Gemäß dem Satbild rechnete ich, dass es von Norden irgendwann Wolken hereindrücken könnte. Allein, der Spaß war schon weit vor Mitternacht aus. Lokale Wolken, die sich über dem Bergland bildeten, beendeten die Sache, bevor wir noch richtig angefangen hatten. Eigentlich sollte man über diese Nacht sowieso den Mantel des Schweigens breiten. Ist Sternenlicht eine Droge, von der man rauschig wird? Könnte schon sein. Was sonst könnte mich geritten haben, das Notebook mitzunehmen, als Hilfe via Planetariumsprogramm bei der Aufsuche von kniffligen Objekten. Oida, so geht des doch ned. Der Bildschirm blendet ja, dass es ein Graus ist. Der Trick, das Beobachtungsauge zuzukneifen, wenn man was am Bildschirm nachschaut, hat zwar einigermaßen funktioniert, aber das ist keine wirkliche Lösung. Folie zum Abdunkeln? Nein, besser ist eine Aufsuchkarte auf Papier, die kann man so schwach beleuchten, dass man gerade noch was erkennen kann... Fazit: außer Spesen nichts gewesen. Eine Nacht ist sowieso nicht wie die andere. Diese Nacht wäre es sehr feucht geworden, dafür gab es keinen Wind.

Ziemlich blöd habe ich dreingeschaut, wie ich heimgekommen bin. Daheim war eine milde, trockene Nacht, und es gab sogar in Mistelbach einen respektabel guten Sternenhimmel. Die 12h Satbild Rückschau hat gezeigt, dass es im Weinviertel die ganze Zeit wolkenlosen Himmel gab...

Der "Doppelschlag" hat mich natürlich erwischt, den folgenden Tag habe ich noch halbwegs gut hinbekommen, am Abend bin ich aber regelrecht "abgestürzt". Das Schlafdefizit wollte aufgeholt werden. Demnach traute ich mich erst wieder am 1. Oktober hinaus, wiewohl ich astronomisch dazwischen nicht ganz untätig war. Samstag, da will ich eigentlich weder die Schwaig noch Ebenwald, gerade wenn ich etwas beobachten will, wo ich wirklich ungestört sein muss. Ich wählte daher Altenmartk i.T. als Beobachtungsplatz, diesmal allein. Nun wollte ich nachholen, was am 27. September nicht sein hat wollen - die Beobachtung "meiner" Abell Planetarischen, siehe letzter Bericht. Da hatte ich noch eine Rechnung offen.

Der Himmel bot sich ähnlich wie am 24. September. Im Zenit sogar noch einen Tick besser. Die Milchstraße war überhopf wirklich fein für's Weinviertel. Mit 21.20 mag/arcsec2 zeigte das auch mein SQML an. Aber auch in dieser Nacht war unterhalb der Schildwolke bald Schluss. Das IR Satbild gab Aufschluss: im Südwesten lag ein Dunstfeld. Also kein Wunder, dass die Sicht in diese Richtung beeinträchtigt war. Das Seeing war allerdings fein. Und es war trocken. Ab und zu leichter Wind aus West, eher warm.

Ich war auch nun perfekt vorbereitet, hatte Aufsuchkarten aus dem Tri-Atlas ausgedruckt. Bis ich mit dem Aufbau von Montierung und Teleskop fertig war, war der Mond untergegangen. Ich wollte gleich losstarten, aber halt, wo ist die Beobachtungsliste mit den Koordinaten? Schöne Bescherung, da hat man feine Aufsuchkarten mit, aber weil das keine ganzen Seiten aus dem Tri-Atlas waren, sondern vergrößerte Ausschnitte, wo halt nur mehr Gitternetzlinien, aber keine Werte mehr zu finden sind, war ich erst einmal ratlos.

Nun war erst einmal eine Sichtung der Datenlage angesagt. Auf der Arbeitsliste wären Abell 70, Abell 71, Abell 77 und Abell 81 (IC1454) gestanden. Gut, Abell 81 hat eine IC Nummer, den konnte ich direkt mit der Goto Montierung anfahren. Auf der Karte von Abell 77 fand ich ein weiteres IC Objekt (IC 1378), somit war es kein großes Problem, diese Objekt anzufahren und sich von dort weiterzutasten. Zwei meiner Planetarischen waren also "gerettet". Abell 71 ist in unmittelbarer Nachbarshaft von Sh2-115 zu finden. Ich hatte einen Ausdruck des Tri-Altas A-Set mit. Auf dieser Karte fand ich Sh2-115, und konnte sehen, dass ist nicht allzuweit weg von den Sternen ω1 und ω2 Cygni. ω2 fand ich im Kartkoschka. Ha! Damit hatte ich Koordinaten, und konnte diesen Stern anfahren. Mit der Tri-Atlas A-Karte konnte ich mich zu Sh2-115 tasten (natürlich sah ich nichts von dem Nebel), dort steckt eine durchaus markante Sternfigur drin. Und so war es mir möglich, auch Abell 71 zu finden. Weil ich aber noch wusste, dass Abell 70 auf praktisch der selben RA zu finden ist, nur bei -7° und Brösel Deklination, war auch das einen Versuch wert. Ich knöpfelte diese Koordinaten in die Handbox der Montierung rein, und siehe da, das Feld, wo ich landete, kam mir sofort bekannt vor, hatte ich doch in der Nacht vom 27. 9. auf der Steyersberger Schwaig dort herumgestochert. Damit war auch der Weg zu Abell 70 geebnet. Und sogar Glück, dass ich mich erst jetzt an diesen Kandidaten machte, weil das Himmelsgebiet, der äußerst östliche Zipfel im Adler, nun genau zwischen den Aufhellungen von Wien und Hollabrunn stand, und noch nicht sooo tief, dass ich durch Dunst stark beeinträchtigt wurde.

Zu meinen Beobachtungsinstrumenten: Die Nacht vom 24. Steptember hatte ich den 120/900mm ED Refraktor mit, die anderen Nächte durfte mein ehrwürdiger 5,7" f/6 Maksutov-Newton mit. Diese beiden Teleskope nehmen sich nix von der Bildhelligkeit her, aber ich hatte auch einen interessanten Vergleichseindruck an Jupiter. Na, was soll's, der 120mm ED Refraktor schlägt sich recht tapfer, aber gegen mein rußig schwarzes Ofenrohr kommt der nicht an. Das ist eine andere Liga, auch preislich. Man merkt halt, dass auf dem Refraktor "APO" drauf steht, aber keiner drin ist, weil sonst sollte er ein ebenbürtiger Sparringpartner sein. Als Montierung diente in allen Fällen die iOptron ieq45. Somit durfte mein 5.7" Maksutov-Newton erstmals Goto Luft schnuppern. Nachfolgend zu den Beobachtungen:

24. 9. 2011 (Altenmarkt i.T.)

C/2009 P1 Garradd: Dem Kometen Garradd haben wir nachgespürt, Martin hat ihn fotografiert, ich habe ihn visuell beobachtet.

M27 ist immer eine Augenweide.

M2 ein erfreulicher Anblick.

M11 ein klassisch schöner Sternhaufen, immer einen Blick wert.

M26 führt dagegen ein Mauerblümchen Dasein, etwas unscheinbar.

Ich sage nun, ich war "sportlich" unterwegs, weil ich alles nur mit 41x beobachtete. Da ist das Auge gefordert, die Erkennung von Details ist deutlich erschwert. Oder war ich nur zu faul, Okulare zu wechseln? Bitte schön, das lasse ich nicht auf mir sitzen - nachfolgend der Beweis für den "sportlichen" Anspruch:

IC 5146 (Cocoon Nebel): Im Weinviertel soll der gehen? Also ran ans Okular, wiederum bei 41x, und ohne Nebelfilter, eh klar. Ich musste mich erst ein bissl umschaun, wo wie was, aber dann hatte ich de Dunkelnebel, und am Ende den Sternhaufen mit "Wattebausch" entdeckt. Das war sogar besser als erwartet!

NGC 6992/95: Vielleicht merkt der geneigte Leser schon meine "Wiederholungstäterschaft" - ja, im letzten Bericht waren diese Objekte dabei, ohne Nebelfilter. Das versuchte ich hier auch. Quasi ein Vergleich der Zenitqualität im Weinviertel und auf der Steyersberger Schwaig. Hoho, auch hier war ich angenehm überrascht. Der Bogen war deutlich zu erkennen, sogar die "Knochenhand" war indirekt da. Das war nicht viel schlechter als damals auf der Schwaig.

NGC 6960: Der "Feuervogel" war aber doch flügellahm. Der hellere Teil bis zum Stern 52 Cygni war gut zu erkennen, der in zwei Linien auffächernde südliche Teil war eher nur zu erahnen. Also bei uns im Weinviertel kann der Zenitbereich respektabel gut sein, auf das was die Steyersberger Schwaig bietet, fehlt halt da schon ein "Alzerl", freilich gibt der Himmel auf der Schwaig auch allgemein mehr her.

M13 und M92 waren wieder etwas zum Entspannen, nette Anblicke, aber durchaus ein Training für's Auge bei der niedrigen Vergrößerung möglichst viel zu erkennen.

Seit längerem wieder einmal ein Blick auf M56, und wenn man schon in der Nähe ist, darf M57 auch nicht fehlen.

Bei NGC 6905 (Blue Flash Nebula) entdeckte ich zuerst nichts, fuhr ein bischen die Gegend ab, nichts. Ob ich mich vertippt hatte beim Eingeben der Nummer? Also nochmals, und ich landete genau an der selben Stelle wie vorhin. Der muss also da sein. Ich sah wieder nichts. Verdammt, was ist los, so klein und schwach ist der doch nicht. Vielleicht war ich etwas geblendet, weil Martin knapp davor weggefahren war. Ich machte eine kleine Pause, und ging nach ein paar Minuten wieder ans Okular. Ja was denn, da, zwischen drei Sternen drin sitzt er ja, ein bläulich wirkender, kleiner Nebeltupf. Ein reizvoller Anblick. Der Name "blue flash" ist in diesem Sinne nicht schlecht gewählt. Man fixiert die Sterne, dann schweift der Blick ein bissl ab, und der Nebel blitzt auf, man schaut hin, und weg ist er. Der Blick schweift wieder ein bissl ab, der Nebel blitzt auf. Natürlich war ich auch hier mit 41x unterwegs, wenn schon, denn schon.

Der NGC 7662 (Blue Snowball Nebula) weist eine sehr hohe Flächenhelligkeit auf, der ist auch bei niedriger Vergrößerung kaum zu übersehen, ein dicker, recht intensiv bläulich wirkender "Stern".

NGC 6543 (Cat's Eye Nebula) ist quasi das Gegenstück in Grün. Auch dieser Planetarische Nebel zeigt sich bei niedriger Vergrößerung als dicker Stern, nur eben intensiv grünlich.

Jupiter war sozusagen das Betthupferl. Das Seeing war sogar recht gut. Um die Jupitermonde waren nur leicht flirrende Beugungsringe zu sehen. In den besten Momenten war das schon richtig geil, einen Jupiter wie ausgestanzt zu sehen. Die Farben wirken im 120/900mm ED Refraktor etwas verschoben. Jupiter selbst eher mit leichten Gelbstich, die Bänder tief braun. Jupiter weist einen roten Rand auf, und schwimmt in einer tiefblauen Soße. Dennoch: diese Jupiter Beobachtung gab schon was her. Man konzentriere sich halt auf den Planeten, dann fallen die "Bildartefakte" gar nicht so sehr auf. Und das Seeing war gut genug, dass ich bis 225x gehen konnte.

26. 9. 2011 (Steyersberger Schwaig)

Der 5,7" f/6 Maksutov-Newton auf der Steyersberger Schwaig. Irgendwas fehlt da, ja, die Taukappe, daheim vergessen. Aber kein Problem mit Tau.

Extra für meinen Gast Michi Tittl gab es eine kleine visuelle Führung. So musste freilich einmal der Komet C/2009 P1 Garradd herhalten, immerhin Michis erster Komet. 

Nachfolgend warfen wir einen Blick auf M27.

Dann folgten "Anstandsbesuche" bei Neptun (ein winziges bläuliches Scheibchen bei 40x) und Uranus (ein kaum weniger winziges grünliches Scheibchen).

Ah, noch immer "sportlich" unterwegs? ;-)  Jein. Den Blue Flash Nebula (NGC 6905) zogen wir von 40x bis 218x. Dabei war zu sehen, wie man den Nebel dem Auge zukzessiv besser und besser präsentiert. Freilich, durch höhere Vergrößerung steigt der Abbildungsmaßstab, das Sterndreick und der Nebel sind nun isoliert, und damit geht auch der "Flash" Effekt verloren. Die Form des Nebels wird natürlich deutlicher.

Weiter ging es mit M31 (das Staubband fiel dem im Osten doch aufgehellten Himmel zum Opfer), M33 (die S-Form der Spiralarme kam bei 40x schwach heraus), und dem Helix Nebel (NGC 7923), der bei 44x mit UHC Filter beeindruckend zu sehen war.

Der Blue Snowball Nebula (NGC 7662) weist eine sehr hohe Flächenhelligkeit auf. Selbst bei 218x, wo man einen ordentlich dicken Knödel zu sehen bekommt, kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass da ein Blaustich vorhanden ist.

Die Pleiaden (M45) bildeten den Abschluss. Der Merope Nebel (NGC 1435) ist ja kein sehr schwieriges Beobachtungsobjekt. Barnard's Merope Nebula IC 349 war hingegen in dem Seeinggeflirre, was auch ordentlich Streulicht um Merope verursachte, einigermaßen schwierig auszunehmen, jedoch in einigen Momenten evident.

1. 10. 2011 (Altenmarkt i.T.)

Der 5.7" f/6 Maksutov-Newton bei Altenmarkt i.T. - diesmal mit Taukappe, "Luxus", auch diese Nacht war trocken.

Abell 77 (PK 97+3.1): Planetarischer Nebel, 37" Durchmesser, 15,2 mag. Nach Versuchen mit UHC Filter bei 44x und 58x, wo ich schon einen ersten Verdacht hatte, konnte ich diesen bei 58x mit [OIII] Filter erhärten. Das runde Nebelfleckerl poppte definitiv mehrmals auf.

Abell 81 (IC 1454): Planetarischer Nebel, 33" Durchmesser, 13,8 mag. Der war ja fast "einfach". Beste Sichtung war bei 58x mit UHC Filter gegeben.

Abell 71 (PK 85+4.1): Planetarischer Nebel, 157" Durchmesser, 14,0 mag. Erst einmal ein paar Worte zum Objekt: Die einen Untersuchungen weisen es als eine kompakte HII Region aus, andere, wie z.B. der SEC (Strasbourg-ESO Catalogue of Galactic Planetary Nebulae), wo genau solche strittigen Objekte untersucht wurden, hat Abell 71 als Planetarischen Nebel drin, vom Typ III b, mit einem 19 mag Zentralstern. Auf Astroaufnahmen erscheint das Objekt rot, was auf eine dominante H-Alpha Strahlung hinweist. Die Daten sind etwas herb für den visuellen Beobachter. Bei 44x mit UHC Filter hatte ich schon einen Verdacht, als Sichtung würde ich es noch nicht bezeichnen. Wie zu erwarten, spricht dieses Objekt auf den H-Beta Filter gut an. Damit war die Sichtung erhärtet. Ich konnte mehrmals das Objekt aufpoppen sehen, und jedesmal erschien die Westkante härter definiert.

Abell 70 (PK 38-25.1): Planetarischer Nebel, 43" Durchmesser, 14,5 mag. Hier hatte ich bei 44x einen ersten Verdacht, mit 58x und UHC Filter war dann die Sichtung bestätigt.

Leicht waren solchen Objekte noch nie mit nur 5,7" Öffnung. Auch diesesmal war es nicht anders. Man muss die Stelle schon genau kennen, und sich dann indirekt "draufhängen". Wenn man das Objekt indirekt goldrichtig trifft, und das Nebelscheibchen poppt in der Sicht auf, ist es jedesmal ein schönes Erfolgserlebnis.

Jupiter war ein Hochgenuss. Das Seeing war fein, ich konnte den 5.7" Maksutov-Newton problemlos bis 218x treiben. Der GRF war gerade am Rand sichtbar. Die delikaten Farbtöne von orange bis braun und zarten Kontraste in den Hauptbändern, das war ein Erlebnis. Ein gutes Planetenrohr ist das eine, aber Jupiter ist sehr sensibel auf's Seeing. Damit man einen wirklich schönen Jupiter zu sehen bekommt, muss alles zusammenpassen.

Der schöne Abschluss eines gelungenen Beobachtungsabend zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich strich sanft über den mattschwarzen Tubus, um zu fühlen, ob er feucht wäre. Da hörte ich eine leise Stimme: "Was ist los mit Dir? Goto Montierung und Astrostuhl? So kenne ich dich gar nicht! Mir scheint, du bist alt geworden." Soso, mein Teleskop spricht zu mir. Ich sagte: "Alt? Geh bitte, ich bin etwas älter geworden, du auch, mit deiner staubigen Linse". Die Antwort war: "Das ist der Staub aus einer Zeit, wo wir beide noch jünger waren." Ich meinte nur: "Hast ja recht, alter Knabe, aber es geht eh noch ganz gut mit dir." Knapper Kommentar: "Das freut mich". Ich nahm die Taukappe ab, setzte die Linsenabdeckung auf. Kein Wort mehr, es blieb stumm.

So, eine Beobachtung darf ich noch nachreichen: vom 5. Oktober 2011, in meiner Sternwarte. Ich habe mir wieder einmal an G1, einem zur Andromeda Galaxie gehördenen Kugelhaufen, zu schaffen gemacht. Letzten Herbst war ich mit dem 8" f/6 Dobson dran. Ich habe mich damals penibel zu der Stelle vorgearbeitet, das schlanke gleichschenkelige Aufsuch-Dreieck gefunden, und dann das kleine fast gleichseitige Dreieck, in dem G1 eine Ecke bildet, zumindst als dreieckigen Nebelfleck identifiziert. Zu mehr hat es nicht gereicht, die Himmelsqualität war damals schlecht. Diesesmal hatte ich mehr Glück, statt 4 mag freisichtige Grenzgröße waren es zumindest 5 mag, im Zenitraum sogar etwas besser. Und es war absolut Zenit, weil kaum hatte ich begonnen, lief die Montierung schon ins Meridianlimit. Ich musste die Stelle neu anfahren, freilich von der anderen Seite, und mich im Okular neu orientieren. Nachdem ich vorher schon einen Blick erhascht hatte, wollte ich das einfach nocheinmal sehen, und verifzieren. Es wunderte mich erst, warum ich nur mehr die hellsten Sterne sehen kann. Bis ich drauf kam, es war feucht geworden, und die frei herumstehenden Okulare auf einmal alle beschlagen. Also Anwärmem in der Hand ist ein probates Rezept, aber baldigst, noch vor dem Winter, wird die Sternwarte einen Fön erhalten, der dort zu manchem Zwecke gut ist... Kaum war das Tauproblem gelöst, lief es ja schon wie geschmiert. Der Kugelhaufen G1 sticht eigentlich eher heraus als die beiden Sterne, mit denen er das kleine Dreieck bildet. Und, indirekt ist er schon ein erstaunlich dicker Patzen. Neuerlich gelang mir ein goldrichtiger Blick, wo ich nun das ganze Dreieck hatte, mit dem Kontrast der beiden Sterne als zwei Eckpunkte und dem dicken Patzen G1 als dritter Eckpunkt. Ein erhebender Augenblick. So ganz leicht kriegt man das in einem Achtzöller auch wieder nicht gebacken, vor allem nicht leicht so schön, aber es geht. Man braucht nur "genug" Himmel dazu.

Aufnahme von G1 vom 13.10.2011. CCD: SBIG ST 402, 21 x 10 sec, Clear Filter, unguided. Vollmondhimmel, Seeing schlecht (da Rückseitenwetter).
Bearbeitet: Align und Median Combine in CCDSoft, Rest in Fitswork.

Dieses langanhaltene Schönwetter, mit klaren Nächten am laufenden Band, wird mir noch ein Weilchen in Erinnerung bleiben. Es ist arg, wenn man schon zu spekulieren anfängt, ob die oder die nächste Nacht besser sein würde. Ein andermal ist man zufrieden, wenn man überhaupt ein paar Stunden klaren Himmels bekommen kann.

Howdii


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