Beobachtungsbericht - 22./23.5. und 26.5.2009 (Oberleis, Mistelbach)

Der heurige Mai brachte bereits einige schöne Nächte mit durchaus gutem bis sehr gutem Seeing, das mir denkwürdige Saturn Beobachtungen bescherte... Würde das Wetter auch bei der diesjährigen WAA Weinviertel Starparty durchhalten? Die Wetterprognose sah nicht gerade rosig aus. Mit viel Pech hätte das ganze Wochenende ins Wasser fallen können. Es kam zum Glück doch ein bisschen anders...

Die erste Nacht des Teleskoptreffens, vom 20. auf den 21. Mai, war für mich voll ok. Ich war jedoch nicht am Oberleiser Berg, sondern im südlichen Niederösterreich astronomisch unterwegs, unter einem durchaus feinen 6 mag Himmel. Wie es am Oberleiser Berg ausgesehen hat, kann ich daher nicht beurteilen. Das einzige, was ich am Folgetag in der Satellitenbildrückschau gesehen hatte, dass zwei Bänder dünner Wolken drübergegangen sind. Prinzipiell hätte ich diese auch merken müssen, an meinem Standort war jedoch klarer Himmel ohne Beeinträchtigung.

Die Nacht vom 21. auf den 22. Mai fiel den Wolken zum Opfer. Eine Front kündigte sich an. Ich machte mich trotz der kaum vorhandenen Aussichten auf den Weg zum Oberleiser Berg. Dort waren auch einige Unentwegte. Es wurde aber nichts mehr draus, das war bald absehbar, deshalb zog ich den Rückzug vor. Für mich war die Sache damit erledigt.

Der 22. Mai war wolkenverhangen, am Nachmittag gab es ein Gewitter. Doch damit war die Front durch, und es klarte auf. Faszinierend, die Wolkengrenze zu beobachten - wie abgeschnitten, auf einmal blauer Himmel. Die Sonne im Westen und die abziehende Regenwand im Osten, das gab noch eine schönen Regenbogen. Die Sonne stand freilich noch hoch genug, dass sich sofort hinter der Front erneut Quellwolken bildeten, die lokal im Mühl- und Waldviertel noch zu dem einen oder anderen gewittrigen Schauer geführt hatten. Hier im Weinviertel zogen noch ein paar Wolken durch, doch das Rückseitenwetter, auf das ich gespitzt hatte, trat ein. Sehr verwundert war ich ob der Absage der Beobachtungsnacht seitens der WAA. Ganz glauben konnte ich es nicht. Ich hätte mich sicher irgendwo im Weinviertel hinstellen können, bin aber dennoch auf den Oberleiser Berg gefahren.

Dort kam ich an - der Berg leer, ich war mutterseelenallein. Es war ein wenig windig, nicht arg, aber da ich beim Beobachten kein Freund des Windes bin, positionierte ich mich im Schutz des Partyzeltes und drehte zudem noch die Nase des Autos in den Wind, um im Schutz der geöffneten Heckklappe ungestört beobachten zu können. Ich baute also mein Teleskop - den 5.7" f/6 Maksutov-Newton - auf, und wartete auf das Ende der Dämmerung. Etwas später kam mein Freund Walter Koprolin nach, um mir Gesellschaft zu leisten. 

Am frühen Abend zuckten noch ein paar Blitze am Südhorizont. Später bildete sich über Wien eine beständige "Nebelwolke" wie wir es von Herbstnächten typischerweise kennen. Den Beobachter am Oberleiser Berg freut's, der Himmel ist dadurch dunkler ;-). Der Wind schlief mit der Zeit ein. Was allerdings nach dem Regenguss am Nachmittag zu erwarten war: es wurde sehr feucht. Sucher und Okulare waren bald beschlagen. Im Laufe der Nacht wurde die Feuchtigkeit aber nicht mehr ärger, der klitschnasse Tubus meines Fernrohres trocknete sogar etwas ab. Ganz einsam blieben wir nicht, ein paar Leutchen von der Leiser Astrorunde kamen zu Besuch.

Der Himmel war gut, so gut wie es hier nur sein kann, viel mehr als die 6,1 mag gibt es hier kaum. An Objekten kamen der Jahreszeit nach eine Menge Kugelsternhaufen zusammen, und sonst halt ein bissl was. M5, M13, M92, M57, M81 und M82, M51, M12, M10, und M14 war die Ausbeute dieser Nacht. Gemäss der Tatsache, dass ich Gäste hatte, war eher leicht Beobachtbares am Programm.

Das Zwergl-Bergl zeigte gegen 1 Uhr seine Krallen: Es bildeten sich lokale Nebel, die binnen kurzem den Himmel fast bedeckten. Wir ließen es gut sein, packten zusammen und fuhren heim. Daheim in Mistelbach war der Himmel klar, immerhin kam ich in dieser Nacht auch auf 5.5 mag im Siedlungsgebiet.

Walter hat wieder einmal ein paar Fotos gemacht, um die Lichtverschmutzung am Oberleiser Berg zu dokumentieren. Daraus ist gut zu sehen, was man hier dem Standort abtrotzen kann und was man besser sein lässt. Quintessenz: Der Zenitraum ist "weitgehend" intakt, nach Weste zu und nach Norden zu geht es auch tiefer. Osten über Süden bis Westen sind mäßig bis stark aufgehellt.

Strichspuraufnahme des Osthimmels. Man sieht bereits die Milchstraßenwolken im Schwan. Es ist auch deutlich zu erkennen, dass die Milchstraße hier nur im Zenitraum halbwegs eindrucksvoll erscheinen kann.

Blick auf unseren Standpunkt neben der Aussichtswarte. Schemenhaft sieht man wo das Teleskop steht und die Silhouette der geöffneten Heckklappe meines Autos. Das rote Lichtgefummel deutet auf aktiven Beobachtungsbetrieb hin. Die schwachen, tief roten Spuren sind von meiner LED Leuchte mit roten LEDs, die hellroten Spuren von Walters rot gefilterter Weißlicht LED Leuchte. Man sieht daraus, an den roten LEDs führt kein Weg, sicher kein Filter, vorbei. Die Wiener Lichtglocke bewirkt die starke Himmelsaufhellung am Südhorizont (links). Man sieht auch, dass die Aufhellung am Südhimmel sehr hoch hinauf reicht.

Für die Nacht vom 23. auf 24. war die Wetterprognose gut, das Wetter war es tatsächlich, und Samstag auch noch. Hitverdächtig. Naja, nicht ganz. Es drohte eine Wolkenfront von Westen her, und erste Wolkenausläufer zeigten sich schon in der Dämmerung, lösten sich aber noch auf. Wie schnell die Front dann tatsächlich vorankommen würde, war abzuwarten. Wir alle hofften auf ein paar Stunden Beobachtung.

WAA Starparty und zu erwartender klarer Himmel, zudem Samstag, da ist es weise, rechtzeitig auf den Oberleiser Berg zu kommen, um einen guten Stellplatz zu erwischen. Wie ich in der noch sehr hellen Dämmerung ankam, war schon einiges los. Ich überlegte kurz, wie ich für Walter, der nachkommen wollte, einen Platz sichern könnte. War ganz einfach, ich machte einfach die Lücke zu den Ausgrabungsfundamenten zu, nebenbei war kein Stellplatz mehr, aber gerade noch Platz für Walter, durch zu fahren und hinter mir am Waldrand aufzustellen. Ich hatte mein Teleskop auch hinter dem Auto stehen, so waren wir da hinten irgendwie dabei, aber abseits des Trubels und hatten quasi ein Séparée. Wir wurden auch tatsächlich verdächtigt, da besseren Himmel zu haben als die übrige Gesellschaft. Na sicher doch, als Ortskundiger weiß ich ja, wo ich mich hinstelle ;-) In der Tat, als später Wind aufkam, war unser Platz wirklich etwas bevorzugt.

Der Himmel war wie in der vergangenen Nacht mit 6,1 mag gut. Mehr wird man an diesem Standort kaum erleben. Da müsste schon Rückseitenwetter und ein genereller Stromausfall in Wien zusammentreffen... Ich hatte dieses mal einen 8" f/6 GSO Dob dabei. Dieses Teleskop ist mir irgendwie "zugelaufen" - nicht glauben, dass ich jetzt mit dieser Geräteklasse den Himmel niederreißen will, oder doch? Nein, in erster Linie wollte ich die Beweglichkeit des Dobs durch echten Beobachtungsbetrieb testen. Die Azimut Gleitlager hatte ich bereits durch eine Teflonbremse verbessert, Feintuning war noch ausständig. Das Höhengleitlager war noch im Originalzustand. Ich nehme es hier vorweg: Bis 200x hat der GSO Dob anstandslos hergehalten, sowohl optisch, wie auch von der Beweglichkeit. Mehr war aber nicht zu wollen, dann wurde speziell die Bewegung in Höhe bockig und arg ruckelig.

Beobachtet wurde dennoch fleißig, mit durchaus zufriedenstellender Abbildungsleistung: M3, M13, M5, M104, NGC 6210, M51, M101, NGC 6543, M11 und M57. Zu NGC 6543 speziell ein paar Worte: Bei 200x war um das helle Zentralgebiet indirekt ein diffuser Halo beobachtbar. Für eine Chance, an den Zentralstern heranzukommen, müsste man in einem Achtzöller extrem hoch vergrößern, das war aber so nicht drinnen.

Gegen 2 Uhr sah man im Westen die ersten Wolken der Front, und sie kam doch relativ rasch daher. Viel Zeit war nicht mehr, und der Himmel war schon zur Hälfte "zu". Zeit, Schluss zu machen und heim zu fahren. Abschließend noch eine Impression vom Teleskoptreffen - eine Langzeitaufnahme von Walter.

Wenn man nur lang genug belichtet, sieht man, dass auch der Zenitraum noch durch die Himmelsaufhellung betroffen ist. Richtig dunklen Himmel gibt es im Weinviertel nirgends, schon gar nicht am Oberleiser Berg, wo man direkt in die gar nicht so ferne Bundeshauptstadt hineinschauen kann...

Zum GSO Dob noch ein paar Worte: Nach Feintuning des Azimutlagers und Modifikation des Höhenlagers, inklusive Feintuning, mit Erprobungen am Sternenhimmel an den Abenden des 24. und 25. Mai, stand am 26. noch ein weiterer Test an, in "endgültiger" Konfiguration. 

8" f/6 GSO Dob mit verbesserten Gleitlagern

Dabei nahm ich mir M5, M3, M13, M92, M57, NGC 6543 und den sehr tief stehenden M27 vor. Am Katzenaugennebel (NGC 6543) habe ich etwas mehr "herumoperiert". Bei einem immerhin 5.5 mag Himmel hier im Siedlungsgebiet an meinem Mistelbacher Wohnort war bei 200x der Halo um das Zentralgebiet des Nebels wohl zu sehen, aber doch etwas schwieriger als am vergangenen Samstag am Oberleiser Berg. Bei 330x war der Halo dann doch deutlich auszunehmen. Ich hatte aber noch etwas anderes vor. Es gibt um den NGC 6543 noch einen äußeren Halo, mit total zerrissener Struktur. Darin befindet sich westlich des Nebels ein helleren Knoten (IC 4677), der visuell zu "derpacken" sein sollte. Tatsächlich, bei 420x schaffte ich es, einen ovalen, etwas länglichen schwachen Nebelfleck westlich des Zentralgebietes von NGC 6543 zu sehen. 

NGC 6543 Foto, gewonnen mit dem Northern Optical Telescope (La Palma) mit Schmalbandfiltern (Sauerstoff blau, Stickstoff rot). Der helle Knoten rechts im äußeren Halo trägt die Bezeichnung IC 4677. Der innere Halo ist in diesem Bild blau zu sehen.

Na, wer sagt's denn: Nach meinem Tuning lässt sich das Teleskop auf einmal auch bei 400x und darüber noch recht gut kontrollieren! Ich wollte es noch höher treiben, stand auf um das 4mm Okular zu holen, doch hatte vergessen, dass die Brille auf meinem Oberschenkel lag, und schepper-klirr, war die Brille wieder einmal auf den Granitplatten gelandet. Darüber bin ich so erschrocken, dass ich am Teleskop auch angestoßen bin, und weg war der Katzenaugennebel. Um nochmals von vorn anzufangen war ich schon zu müde. Die Brille hat den Sturz übrigens ohne Schaden überstanden wie schon viele meiner "Attacken", inklusive zweimal arge Kaltverformung durch Draufsetzen... Kurzum, meine eigene Blödheit hat verhindert, dass ich auf den Zentralstern losgegangen wäre. Was nicht ist, kann aber noch werden. Ich bleibe dran. Und falls mich der GSO Achtzöller doch im Stich lassen sollte, hätte ich noch einen Versuch frei mit dem Achtzöller in meiner Sternwarte, der doch ein ganz anderes Kaliber von Optik ist...

#owdii


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