Merkur am Abendhimmel, Ende März/Anfang April 2017, Mistelbach

Merkur ist bekanntlich zweimal im Jahr gut beobachtbar: im Frühling am Abendhimmel, im Herbst am Morgenhimmel - wenn jeweils die Ekliptik möglichst steil zum Horizont verläuft.

Dieses Jahr musste ich wetterbedingt warten, um eine erste Sichtung zu versuchen. Ich wollte es mit meinem abendlichen Ausgang mit "Canis Maior" verbinden, bin aber von daheim etwas zu spät aufgebrochen. Also ja, Merkur wäre schon noch sichtbar gewesen, doch: keine Chance. Tief unten am Horizont Wolken, drüber auch Wolkenstreifen. Merkur stand zu tief. Einmal gab es einen Spalt wo immer noch ein Wolkenschleier hing, da juckte mich ein Lichtreiz, aber gleich war es damit auch wieder vorbei. Kann sein, dass es Merkur war, kann auch ein Beobachtungsartefakt sein, einfach ein Lichtreiz ohne wirkliche Lichtquelle. Ich spähte weiter, ob ich nochmal was erwischen könnte, aber es wollte nicht mehr sein. Ich musste mit dem höher am Himmel stehenden Mars vorlieb nehmen, den ich auch nur kurz zu Gesicht bekam, aber doch mehrmals. Was lernt man draus: etwas früher zur Beobachtung raus, und: Glück mit den Wolken braucht man schon auch.

Ein paar Tage später, am 26. März, war ich zwecks Testarbeit oben auf dem Hügel im Osten von Mistelbach. Dort hat man einen prächtigen Rundumblick, und einen Wolkenstreifen gab es in der Dämmerung nur ganz tief am Horizont. Drüber war der Himmel klar. Gleich nach der Ankunft ein prüfender Blick: und da war Merkur schon eindeutig mit freiem Auge zu sehen (-0,56 mag). Auch Mars war schon ausnehmbar.

Während der Aufbauarbeiten immer wieder ein Blick zum Westhimmel. Die noch helle Dämmerung schwand langsam, mit dem etwas dunkler werdenden Westhimmel wurde Merkur immer deutlicher, eigentlich unübersehbar. Klar, es ist ein relativ kurzer Zeitabschnitt, wo der Himmel dunkel genug ist, und Merkur noch hoch genug steht. Von dem weiter dunkler werdenden Himmel profitiert man letztlich nicht mehr, weil das Licht des tiefer sinkenden Merkurs letztlich von der Extinktion geschwächt und gerötet wird. So war es auch gut zu beobachten.

Am 27. März war von der Früh weg strahlend blauer Himmel, kein Wölkchen. Gegen Sonnenuntergang auf einmal ein paar dünne Wolkenstreifen. Bis es dunkel wurde, war der Himmel fast bedeckt. Abendthermik. Ich bin eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang mit Kameras und Stativ bewaffnet raus gegangen bis zu den Feldern im Westen der Siedlung. Dort habe ich mich auf einem Bankerl niedergelassen und gewartet, bis ich Merkur mit freiem Auge eindeutig ausnehmen konnte. Stativ aufgestellt, und mal die Olympus E-PL1 mit Tele drauf. Später ist es mir zu dunkel geworden, ich habe diese Kamera noch nicht "blind" im Griff, dass ich im Finstern alle Bedienelemente richtig treffen würde. Also Kameratausch, meine alte und vertraute Sony DSC-V1 drauf. Und damit dann das zweite Bild.

Merkur am 27. 3. 2017, -0,45 mag, in der frühen Dämmerung, Kamera: Olympus E-PL1, 2 Sekunden, ISO 200

Merkur am 27. 3. 2017 in der späteren Dämmerung, Kamera: Sony DSC-V1, 5 Sekunden, ISO 100

Dass Wolken ordentliche Spielverderber sein können, musste ich neuerlich am 29. März hinnehmen. Ich war gerade mit "Canis Maior" unterwegs, gut vom Timing her, dass ich Merkur hätte sehen können. Es wäre sicher ein reizvoller Anblick gewesen, zusammen mit der sehr dünnen Mondsichel. Aber wie gesagt, ein paar Wolken die just dort rum hängen, und die Sache wird verunmöglicht. Es waren eh nur ein paar Wolkenschleier, aber doch dick genug, um selbst die Mondsichel deutlich zu schwächen. Merkur war hinter einer schmalen kleinen Wolke perfekt versteckt. Keine Chance. Einige Sterne konnte ich am Dämmerungshimmel entdecken, aber Merkur wollte sich einfach nicht zeigen. So kann es auch gehen.

Am 31. März, spazierte ich mit Canis Maior in der beginnenden Dämmerung raus aus der Siedlung, auf's freie Feld. Ich hatte die Sony DSC V1 und ein Fotostativ mit, und so konnte ich nicht nur Merkur beobachten, sondern auch ein Foto mitbringen. Merkur war bereits schwächer, ich mussten länger warten, bis ich ihn eindeutig sehen konnten.

Merkur am 31. 3. 2017, 0,08 mag, Kamera: Sony DSC-V1, 2.5 Sekunden, ISO 100

Generelle Anmerkung: Die Bilder zeigen am Horizont die Leiser Berge, in etwa der Bildmitte - das "Bemmerl" links ist die Buschberg Radarkuppel, rechts davon die kleinere Radarkuppel auf dem Steinmandl. Die Helligkeit des Planeten Merkur sank von Tag zu Tag, dadurch wurde speziell bei den letzten Sichtungen die Beobachtung schwieriger.

Am 2. April, wohl für einige Tage der letzte klare Dämmerungshimmel, konnte ich Merkur auf meiner abendlichen Runde mit Canis Maior nochmals sehen. Merkur war schon deutlich schwächer (0,36 mag), und ich musste bis 20:10 MESZ warten, bis ich ihn erstmals sicher mit freiem Auge erkennen konnte. Nur fünf Minuten später war Merkur besser zu sehen, aber auch noch immer leicht zu verlieren. Ich schritt langsam weiter, immer wieder den Blick gegen den Westhimmel richtend. Bevor ich mich letztlich wieder Richtung Osten in die Siedlung begab, drehte ich mich nochmals um, da stand Merkur nun über den Bäumen, der Planet war nun sicher zu erkennen.

Howdii


Zurück zu den Beobachtungsberichten