Kometennotiz C/2011 L4 PANSTARRS (Mistelbach)

Etwa Anfang März kursierten Berichte von den ersten Sichtungen aus unseren und etwas südlicher gelegenen Breiten. Für mich hieß es wetterbedingt bis Mitte März warten, bis ich den Kometen erstmals beobachten konnte. Konkret war es am 16. März soweit. Ein klarer Abendhimmel kündigte sich an. Für horizontnahe Westhimmelbeobachtungen bevorzuge ich den Platz oben am Waisenhausberg unweit des Containers. Knapp nach Sonnenuntergang baute ich das Teleskop, den 102/1100 Achromaten, auf der iOptron ieq45 auf. Am Horizont waren noch etliche Wolken zu sehen, jedoch hoffte ich, dass sich diese auflösen würden, und so kam es letztlich auch. Es war sehr kühl und windig. Ich musste einige Zeit warten, bis ich den Polarstern im Polsucher sehen konnte. Nach der Poljustierung ging es weiter mit einem 1 Stern Alignment und Eintippen der aktuellen Koordinaten des Kometen. Das Teleskop fährt los, stoppt, ich guck' ins Okular, und da ist der Komet! Am Ende der bürgerlichen Dämmerung war der Komet am besten zu sehen, sogar freisichtig, wenn auch schwierig. Im Teleskop zeigte sich ein etwa 20' langer Schweif. Bald nach Beginn der nautischen Dämmerung sank der Komet so tief, dass die Beobachtung trotz dunkler werdenden Himmels weniger hergab. Ein erstes Foto mit stehender Kamera gelang auch, es ist aber eher ein Suchbild geworden.

Komet PANSTARRS am 16.3.2013 in der späten Abenddämmerung - Der Komet ist links von der Bildmitte zu finden. Belichtung 8 Sekunden bei ISO 400

Die nächste Chance zu einer Beobachtung des Kometen bot sich am 19. März 2013. Selber Ort, selbe Ausrüstung. Der Wind war an diesem Abend heftig und böig, die Temperatur lag nur knapp über 0 Grad. Es war ungemütlich kalt. Dieses Mal spielten die Wolken nicht ganz mit. Erst sah es aus nach "das wird heute nichts", es ging dann doch etwas, aber letztlich hat eine Wolke die beste Sichtbarkeit des Kometen verhindert. Auch diese Wolke löste sich noch auf, allerdings zu spät. Wie der Komet wieder sichtbar war, stand er schon zu tief. Kurz gesagt: Freisichtig war der Komet nun leichter zu sehen, als diffuser kleiner Fleck, im 7x50 Feldstecher kein Problem. Im Teleskop bot sich der Anblick wie bei der ersten Beobachtung. Auch von diesem Abend gibt es ein Foto, aber nicht mehr ganz so auf Suchbild... Es ist ein Komposit aus mehreren Einzelbildern.

Komet Panstarrs am 19.3.2013. Belichtung 4x 8 Sekunden bei ISO 400

Als Kamera für die beiden obigen Bilder diente eine Olympus PEN E-PL1, Objektiv war das 14-42mm Zoom. Verglichen mit einer herkömmlichen 35mm Kleinbildkamerea entspricht die verwendete Brennweite 84.

Die nächste Beobachtung gelang am Morgen des 8. April 2013. Beobachtungsort und Ausrüstung gleich wie bei den vorigen Beobachtungen. Nur die Kamera ließ ich dieses Mal daheim. Ich wollte mich rein der visuellen Beobachtung widmen. Der Morgeneinsatz kam relativ spontan. Etwa um Mitternacht löste sich die hochnebelartige Bewölkung auf. Das habe ich noch anhand der Satbilder mitbekommen, und auch mit einem Blick aus dem Fenster registriert. Ich legte mich kurz aufs Ohr, um 3:15 MESZ holte mich der Wecker aus leichtem Schlaf. Ich checkte sofort das Satbild, das sah soweit gut aus, und auch ein kritischer Blick aus dem Fenster zeigte Sterne, wenn auch keinen besonders tollen Himmel. Aber was sieht man schon mit verschlafenen Augen... Also hiess es nun zack, zack, einpacken und rauf auf den Berg zum Container. Bis ich den Kometen erstmals im Okular hatte, war es schon 4:15 MESZ. Der Himmel war noch dunkel zu dieser Zeit. So sah der Komet im Teleskop immer noch hübsch aus, praktisch unverändert zu den ersten beiden Beobachtungen, und das, obwohl er seither wesentlich schwächer geworden war. Was halt ein dunkler Himmel ausmacht... Sobald die Dämmerung einsetze, verblasste der Kometenschweif schnell. Irgendwie war es die schönste Beobachtung bislang, nur schwacher Wind, aber recht frisch.

Der Komet war mittlerweile zirkumpolar, in unterer Kulmination zwar sehr tief, aber Tag für Tag stieg der Komet am Nordhimmel höher. So kam ich am 10. April von daheim aus zu einer Beobachtung und einem Foto. Etwa um 22 Uhr MESZ war der Komet im 7x50 Fernglas nur schwach zu sehen. Es war nach einem verregnetem Tag feuch und dunstig, nicht der beste Himmel. Diesmal hatte meine Olympus Kamera den Luxus, auf meiner alten Vixen SP-DX Montierung "huckepack" mitfahren zu dürfen. Damit waren auch längere Belichtungszeiten möglich, und auch notwendig. Daraus ist folgendes Komposit entstanden:

Komet Panstarrs am 10.4.2013 um 22 Uhr MESZ auf dem Weg zur unteren Kulmination. Belichtung 5x 60 Sekunden piggyback bei ISO 800, Kleinbild Äquivalentbrennweite ist 84mm

Weitere Beobachtung gelangen am 14. und 15. April 2013, jeweils mit dem 7x50 Feldstecher. Ich konnte den Kometen beide Male um 23 Uhr MESZ auffinden, speziell mit leichtem Schwenken des Fernglases wurde der Komet deutlich, und ich konnte von Tag zu Tag die Positionsänderungen sehen. Schön an diesen Beobachtungen war der Umstand, dass ich grad nur die Haustüre aufmachen mußte, den Feldstecher nehmen und schauen. Das nenn' ich halt Komfort ;-) Am 14. ist zudem endlich einmal ein Foto durchs Teleskop entstanden. Ich hatte in der Einfahrt vor dem Haus die ieq45 mit meinem 100/800 Triplet APO aufgebaut. Eigentlich wollte ich auf den Kometenkopf guiden. Irgendwas war los, der Guider hat sich bemüht, die Motoren haben kein Signal erhalten. So musste ich halt auf ein anderes Verfahren zurückgreifen, wo halt wiederum unguided das Limit der Aufnahmezeit besteht... Kamera war diesesmal die SBIG ST 402.

Komet Panstarrs in den frühen Morgenstunden des 15. April 2013. Belichtung 2 Serien von 10x15 Sekunden mit SBIG CCDOPS Track&Accummulate

Damit war die mondfreie Zeit "aufgebraucht", aber selbst bei fast Vollond konnte ich den Kometen noch einmal mit dem 7x50 Fernglas aufstöbern, wenn er auch sehr schwierig zu sehen war. Die beste Sichtbarkeit hat dieser Komet freilich schon hinter sich. Im Fernrohr gibt er visuell noch was her, für Fotografen sowieso. Mit freiem Auge geht überhaupt nichts mehr, und selbst mit Feldstecher bewaffnet bleibt der Komet nun Spezialisten vorbehalten. Also zumindest im Mai lohnt es sich noch dran zu bleiben. Der Komet ist zwar nach Einbruch der Dunkelkeit bereits in brauchbarer Höhe am Nordhimmel zu beobachten, vor Eintritt der Morgendämmerung steht er aber entschieden höher. Ganz klar eine Sache für Frühaufsteher. Vielleicht geb' ich mir das noch einmal.

Howdii


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