"Schlechtwetterspechteln"  - 9. / 10. 3. und 16. 3. 2009 (Mistelbach)

Anhaltendes Schlechtwetter hat mir die beste Zeit des Kometen C/2007 N3 Lulin vermiest. Hochdruckeinfluss wird hier im Flachland des Ostens Österreichs mit Hochnebel "geahndet", ansonsten nur Wolken, Wolken, Regen, Sturm, Wolken, Regen, Wolken, Wolken.... Doch halt, ab und zu gab es auch ein paar Sonnenstrahlen, mitunter sogar fast blauen Himmel. Davon hat aber der nächtliche Himmelsbeobachter nichts. Und ein paar größere nächtliche Wolkenlücken um die Vollmondzeit sind auch nicht wirklich befriedigend. Dennoch, mit etwas Hartnäckigkeit  kommt man auch noch auf seine Rechnung - äh, sofern das Wetterglück ein bisserl mitspielt und die Erwartungen nicht zu hoch sind...

Eine erste Sichtung des Kometen Lulin gelang mir in der Nacht vom 9. auf den 10. März. Im Satellitenbild hatte ich ein Wolkenloch erspäht, und spekulierte, dass es vielleicht "halten" könnte und mir einen Blick auf den Sternenhimmel bescheren könnte. Knapp vor Mitternacht steckte ich die Nase beim Fenster hinaus, und siehe da, tatsächlich, die Wolken waren aufgerissen, der Mond schien klar vom Himmel. Doch, wo sind die Sterne? Ah, doch nicht so klar, eine dünne Wolkendecke war noch vorhanden. Ein paar Minuten später merkte ich, dass sich diese dünnen Wolken langsam verzogen. Also packte ich schnell den 7x50 Feldstecher und legte mich im Garten auf die Lauer. Langsam, urlangsam, bewegten sich die Wolken weg. Der nördliche Himmel war schon frei, aber vor dem Krebs noch Wolken, und ohne Sterne kaum Orientierung, zumal der Mond den Himmel ja stark aufhellte.

Dann endlich, im Fernglas M44 sichtbar. Also wo ist jetzt der Komet? So einfach zu angeln war der doch nicht. Also schnell nochmals rein ins Haus zum Computer, nochmals die Position prüfen. Ahja, von Castor/Pollux die Linie runter zum Zeta Cnc, etwa 1.5 fache Castor-Pollux Distanz. Tja, ich schaute und schaute, aber da wollte mir nix verdächtiges ins Auge springen. Dann kamen wieder ein paar Wolken. Etliche Minuten Pause. Mir war schon kalt, das Genick steif, beim letzten Versuch hat es aber dann geklappt. Mein Blick streifte indirekt ein nebeliges Fleckerl, grade noch wahrnehmbar. Halt, das müsste der Komet sein. Ich versuchte diese Beobachtung noch zu verifizieren, der Eindruck blieb. Angesichts der nächsten Wolken, die heranzogen, gab ich auf und ging wieder zurück ins Haus. Da überprüfte ich nochmals meine gesehene Position mit der am Bildschirm - passt, genau dort. Ok, gesehen, aber sensationell war das wirklich nicht...

Gibt's da nicht so eine "eiserne" Regel, wenn man ein neues Teleskop hat, dass es garantiert drei Wochen Schlechtwetter gibt? Jessasna, wer hat da aller neue Teleskope bekommen, dass wir mit soviel Schlechtwetter "bestraft" wurden. Dennoch machte ich mich unverdrossen an die Arbeit, meinen Astromedia Kartonbausatz des historischen Galilei Teleskops (Replikat) zusammenzupicken. Kaum fertig, gab es auch einen Tag mit heftigen Regen- und Graupelschauern. Mir blieben nur einige Testblicke am Tag. Wunzikleines Gesichtsfeld, aber dennoch erstaunlich scharfe Abbildung, natürlich mit Farbfehler. Aber ich hätte mir das schrecklicher vorgestellt...

Galilei Teleskop
Mein Replikat des historischen Galilei Teleskops (Kartonbausatz von Astromedia)

Ein Replikat des historischen Galilei Teleskops scheint aber für die "Wettermacher" kein Kriterium für eine "hohe Strafe" zu sein. Denn bereits am darauffolgenden Tag, dem 16. März, konnte ich das neue Spielzeug am Nachthimmel testen. Die letzten Stunden vor Sonnenuntergang gab es blauen Himmel, alles sah nach der ersten klaren Nacht seit langem aus. In der noch hellen Dämmerung fuhr ich mit meinem Pappendeckelröhrl auf den Waisenhausberg, um dort oben freie Sicht auf den Westhimmel zu haben. Naja, frei, zwischen Wolkenfetzen gelang es mir noch die Venus zu erwischen. Die Sichelgestalt war schon im 7x50 Feldstecher erkennbar. Jetzt war ich gespannt, was das Galilei Röhrl bei 12x zeigen würde. Nun, mit dem kleinen Feld ein Objekt anzuvisieren und im Feld zu halten, ist schon fast ein Kunststück Ich stützte beide Arme am Autodach ab. Doch der nicht gerade sanft anblasende Wind hat meine Wackelei noch etwas verstärkt. Dennoch gelang es mir, Venus "einzufangen": Die Sichel war zu sehen, aber deutlich überstrahlt. Beste Eindrücke hatte ich wenn grad eine dünne Wolke vor der Venus vorüberzog. Da war dann wirklich eine hauchfeine Sichel zu sehen, erstaunlich scharf. Nachdem im Norden schon die nächste Wand dunkler Wolken dräute, und das Satellitenbild auch nicht viel Hoffnung aufkommen ließ, dachte ich, das war's wohl schon für diese Nacht.

Doch weit gefehlt: Nach Einbruch der Dunkelheit gab es da und dort Lücken in den Wolken, die später sogar größer wurden. Wie ich zufällig wieder raus sah, war fast der ganze Himmel wolkenfrei. Na flugs, Okularkoffer her, raus in die Sternwarte, Dach auf, Teleskopdeckel runter, Okular rein, und wo ist der Komet jetzt? Nahe bei Delta Gem habe ich ihn schließlich gefunden, diesmal leicht im 8x50 Sucher lokalisierbar. Bei 54x im 8" f/6 Maksutov-Newton ein noch leicht grünlich aussehendes Ding, eher "tropfenförmig". Die zentrale Verdichtung sah nicht annähernd sternförmig aus. 

Jetzt aber schnell auf Saturn. Bis 160x war das Seeing noch halbwegs gut, es gab immer wieder längere ruhigere Momente. 300x war aber bei weitem zu viel verlangt. So blieb ich auf der bewährten Vergrößerungsstufe, und mit etwas Geduld wurde ich auch mit durchaus feinen Anblicken verwöhnt. Der Ring ist schon sehr schmal, doch innen drin zur Planetenscheibe hin konnte ich noch schwarzen Himmel hindurch sehen. Der Ring war auch vor dem Planeten als helle Linie sichtbar, und drunter als dunkle Linie der Ringschatten. Die Wolkenbänder der "mittleren Breiten" waren leicht zu sehen. Nachdem ich mich an Saturn sattgesehen hatte, wechselte ich nochmals auf den Kometen Lulin, wollte mit höherer Vergrößerung die zentrale Verdichtung untersuchen. Da kamen schon wieder die nächsten Wolken dazwischen, es reichte aber noch für einen Blick auf den Kometen. Nun, die zentrale Verdichtung erwies sich als dickerer Knödel mit einem helleren Punkt drin, aber alles andere als sternförmig. Und damit hatte sich's wieder einmal. Tja, fast alles erledigt, den Saturn würde ich gerne noch im Galilei Röhrl sehen.

Diese Gelegenheit bot sich auch noch, etwas später. Da war - dem Satellitenbild zum Trotz - der Himmel über Mistelbach neuerlich klar. Ich schnappte das Pappendeckelröhrl und stürmte hinaus. Am Sternwartendach stützte ich mich ab, um so eine etwas ruhigeres Bild zu haben. Nun, wieder war das Einfangen des Saturn nicht so leicht, und schon gar nicht das im-Feld-halten beim Fokussieren. Doch dann, selbst bei 12x war Saturn als winziges Scheibchen zu sehen. Nur, der Ring blieb erstmals verborgen. Da musste ich noch genauer nachfokussieren, und wenn ich mal eine etwas ruhigere Hand hatte, konnte ich andeutungsweise den Ring als zwei von der Scheibe abgehende "Stricherl" erkennen. Insgesamt durchaus beeindruckt von der optischen Leistung dieses Karton-G'machters, darf ich aber dennoch meine Hochachtung vor den ersten Teleskopbeobachtungen des Galileo Galilei aussprechen. Grad Saturn, wenn man nicht weiß was man vor sich hat, ist ein harter Brocken, und war ja tatsächlich längere Zeit ein regelrechtes Mysterium.

Zufrieden mit meiner Ausbeute wollte ich mein Glück nicht länger strapazieren und zog mich wieder ins Haus zurück. Wohl kamen mir Gedanken, ob man nicht noch Fotos vom Kometen und Saturn machen könnte, doch das braucht seine Zeit. Die wäre nicht mehr gegeben gewesen. Kurz darauf war der Himmel wieder "dicht".

#owdii


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