Pluto und Planetarische Nebel zur "Geisterstunde" - Beobachtungsbericht 25. - 30. 6. 2003, Mistelbach

Gegen Ende Juni stabilisierte sich eine Schönwetterlage, die einige klare Nächte mit sich brachte. Schon Tage zuvor fiel mir auf, dass der Himmel tagsüber recht schön blau war, und nur wenig Dunst vorherrschte. Doch die Nächte erwiesen sich mehr oder weniger wolkendurchsetzt. Am Abend des 25. 6. ergab sich schließlich die erste Beobachtungschance. Da ich aus privaten Gründen wenig Zeit erübrigen konnte, und es zudem Ende Juni nur wenige Stunden mit dunklem Himmel gibt, wählte ich kurzerhand den allernächsten Beobachtungsplatz - den Garten hinter dem Haus. Die Nacht begann recht mild, beim Aufbau des Teleskops war ich noch in kurzer Hose unterwegs, es kühlte später aber doch merklich ab, eine lange Hose und eine Weste waren letztlich gut zu vertragen.

Ich wollte wieder einmal meinen 8" f/6 Maksutov-Newton zum Einsatz bringen. Doch es gab unvorhergesehene Probleme mit der Montierungs-Steuerung. Durch die Fehlersuche verlor ich wertvolle Zeit, bis ich einsehen musste, dass ich den Fehler jetzt nicht finden und beheben würde können. Also zog ich alle Kabel wieder ab, stellte die Rutschkupplungen extrem weich ein, und machte mich la Dob per handgeschubster Nachführung an die Arbeit.

Mein Ziel galt eigentlich Pluto, dem wollte ich auch heuer einen Besuch abstatten. Doch halt, die Aufsuchkarte im Sky & Telescope Aprilheft wies einen Planetarischen Nebel in der Nähe des Pluto auf, NGC 6309, den "Box" Nebel. Den wollte ich kurzerhand "mitnehmen". Die Daten dieses Objekts lesen sich ja nicht so anspruchsvoll: 11.6 mag, 16" Durchmesser, Zentralstern mit 13 mag. Es dauerte doch ein Weilchen bis ich mich in dem Sternfeld orientiert hatte, etwa wusste, wo Pluto zu finden sein wird, und dann auch den Ort des Planetarischen Nebels aufsuchte. Schon bei 54x stach mir bei indirektem Sehen das kleine Nebelfleckerl in's Auge. Bei 120x war NGC6309 als nahezu rechteckiges Nebelfleckchen zu erkennen, den Zentralstern konnte ich nicht sehen. Ein etwa 13 mag Sterndl steht knapp nördlich.

Nun machte ich mich auf die genauere Suche nach Pluto. Die nähere Umgebung war rasch ausgekundschaftet. Die genaue Position abzuschätzen,  und in Bezug zu den allernächsten schwachen Sterndln zu bringen, kostete einige Zeit. Die schwachen Sterne kann man ja nicht so direkt sehen und "abholen", die muss man sich erst der Reihe nach indirekt rauspicken. Ein oder zwei Mal hatte ich den Eindruck, ein schwaches Bemmerl - dort wo ich Pluto vermutete - zu erhaschen. Doch bevor ich die Sache noch richtig dingfest machen konnte, ging mit das Himmelsareal an der Kante des Garagendaches "unter". Mit der handgeschubsten Montierung war es auch recht schwierig bei hohen Vergrößerungen um die 200x zu arbeiten. Seeingbedingt war auch die Definition so tief im Süden nur mäßig gut, bei 200x waren Sterne schon recht dicke Knöderl.

Nachdem der Himmel im Zenitraum gar nicht so übel aussah, sogar die Milchstraße zeigte von Cassiopeia bis hinunter zur Schildwolke einige Struktur, wollte ich noch einen weiteren Planetarischen Nebel im Herkules knacken: NGC 6058. Mit 12.9 mag bei einem Durchmesser von 23" sollte dieses Objekt nicht allzu schwierig sein. Bei 54x hatte ich ohne Filter dann auch schon einen ersten Verdacht. Bei 120x war der 13.6 mag Zentralstern zu sehen, indirekt wurde ein rundliches Nebelfleckerl evident. Mit UHC oder OIII Filter war der Nebel letztlich eindeutig und leicht zu sehen. Damit hatte ich aber für diese Nacht genug, baute mein "Gerümpel" ab, und trollte mich in's Bett.

Am 26. 6. behob ich die Probleme an der Montierung, und war damit bereit für den nächsten Einsatz. Am späteren Nachmittag lösten sich auch die Wolken auf, nur gegen Abend und bis in die Nacht hinein zogen wiederum Wolken von West herein, wohl Restwolken von weit entfernten Gewittern. Zur nächsten Beobachtung kam es dann am 27. 6. Es war neuerlich eine Nacht mit gutem Himmel, etwa gleichen Bedingungen wie in meiner ersten Nacht, nur dass es diesmal deutlicher abkühlte, was mich sogar zur Daunenjacke greifen ließ. Mit der nun wieder funktionierenden Nachführung war freilich entspannteres Beobachten angesagt. Als Optik diente abermals der 8" f/6 Maksutov-Newton.

Ich begann die Suche diesmal gleich mit Pluto. Die Umgebung hatte ich ja schon "angespechtelt", daher war ich recht flott bei der Sache. Es dauerte aber dennoch ein Weilchen, bis ich alle schwachen Sterne der Umgebung indirekt abgeklappert hatte, und endlich wusste, wo ich Pluto genau in Referenz zum nächstgelegenen Stern suchen sollte. Die ganze Zeit über erwischte ich immer wieder ein Punkterl an der vermuteten Stelle, doch ich wollte es genau wissen - was schließlich auch gelang. Für einige Sekunden konnte ich Pluto und seinen nächsten "Nachbarstern" gemeinsam indirekt halten. Das war für mich die Bestätigung, die ich gesucht hatte. Und ja, freilich hatte ich den Pluto schon die ganze Zeit über immer wieder aufblinken gesehen, nur wollte ich es eben genau wissen. Beobachtet habe ich mit 200x und 300x, bei letzterer Vergrößerung waren die Sterne aber gar dick, was sich eher als kontraproduktiv erwies. Auch ist bei 200x noch mehr "Feld" zu sehen, was die Orientierung erleichtert.
So nebenbei stattete ich auch dem "Box Nebula", NGC 6309, noch einen weiteren Besuch ab. Bei 200x ähnlicher Eindruck, ein nahezu rechteckiges Nebelfleckerl, etwa 20" x 10" in der Ausdehnung.

Da ich recht spät begonnen hatte, war es nun auch schon fortgeschrittene Nachstunde, als ich meinen nächsten Kandidaten auf's Korn nahm: Vy 1-2 (PK 53+24.1), einen Planetarischen Nebel mit 12 mag und einem Durchmesser von 5", laut Datenblatt . Allein mit der Uranometria Karte war die Position nicht so genau zu ermitteln, also probierte ich es einmal mit der "Brechstange", und knallte mit 200x drauf. Nu, da wollte aber kein Stern "dicklich" erscheinen, nichts, was meinen Verdacht erweckte. Eine detaillierte Suche hätte wohl gut eine Stunde kosten können, ich zog aber die Nachtruhe vor und ließ es erst einmal gut sein.

Die nächste Beobachtungsnacht gab es vom 29. auf den 30. 6. - nach einem heißen Tag eine recht milde Nacht. Es kühlte nicht so dramatisch ab, zu Ende der Beobachtung war es noch immer kurzärmelig auszuhalten. Der Himmel war nicht mehr so gut wie in den vorigen beiden Nächten. Nur mehr knapp 5 mag im Zenitraum, die Milchstrasse war im Schwan nur schwach zu sehen, die Schildwolke gerade noch auszunehmen. Weil ich noch etwas knapper bei Zeit war, wollte ich nicht viel Aufwand mit Auf- und Abbau des Achtzöllers treiben, und stellte kurzerhand meinen 5.7" f/6 Maksutov-Newton hinaus.

Mein erster Kandidat war natürlich Vy 1-2, mit dem hatte ich ja noch eine Rechnung offen. Diesmal war ich besser vorbereitet, und hatte mittels des Programms "Guide" die Position genau ermittelt. Nur, da war einfach ein 12 mag Sterndl zu sehen, aber nix dran wollte bei 174x oder 217x nebelig erscheinen. Ich nahm nun den UHC Filter zur Hand und versuchte den fraglichen Stern zu "blinken". Aha, scheint auf Filter anzusprechen! Nächster Versuch mit OIII Filter: reagiert deutlicher beim "Blinken". Nun schraubte ich den OIII Filter rein, und betrachtete das Sternfeld genau. Der Planetarische Nebel steht ein Stückerl nördlich eines etwa 10 mag Sternes. Ohne Filter war letzterer deutlich heller, mit Filter erschien Vy 1-2 fast gleich hell. Und ich bin mir nicht ganz sicher, ob nicht bei indirekter Beobachtung fallweise eine wunzikleine, schwache Nebelhülle um den 12 mag Stern zu sehen war. Jedenfalls, ohne Blinktest hätte ich den Burschen kaum richtig identifizieren können.

Nun machte ich mich mit dem kleinen Maksutov-Newton testhalber an die Nachbeobachtung von NGC6058. Bei 87x war ohne Filter schon der Zentralstern zu sehen, und indirekt der Nebel zu erahnen. Bei 174x und 217x mit UHC Filter war der Nebel eindeutig zu erkennen. Ich probierte auch noch mit OIII Filter, der Nebel war damit bei 174x schön zu sehen, bei 217x wurde das Bild aber schon recht dunkel. Nun, das war ja insgesamt gar nicht so schwierig.

Ungeachtet der mehr als herben Daten stürzte ich mich auf mein nächstes Objekt: K 1-14 (PK 45+24.1): 15.1 mag bei einem Durchmesser von 48". Mir war schon klar, dass dies, wenn überhaupt, sehr am Limit liegen würde. Die Position war anhand der Uranometria Karte nicht allzu schwer zu finden. Nun klemmte ich mich mit mit UHC und auch OIII Filter bei 44x bzw. 58x ans Okular, und versuchte die Stelle indirekt anzuspechteln. Das war gar nicht so einfach, weil ich mit dem Auge keinen guten "Rastplatz" fand. Egal wie, dann und wann, eher mit UHC Filter, kaum zu sagen ob eher bei 44x oder bei 58x, vermeinte ich in äußerst schwaches Nebelfleckerl an etwa der betreffenden Stelle zu erkennen. In so flüchtigen Momenten lässt sich ja die Position nicht wirklich exakt festlegen. Nachdem ich diesen Eindruck aber etliche Male wiederholen konnte, war Kontrolle angesagt, ob mich nicht schwache Sterndl narren würden. Dazu sondierte ich die Gegend bei 87x ohne Filter. Nein, keine Grüppchen von schwachen Sternen, eher ziemlich leere Gegend, etwa an der Stelle wo ich mein Nebelfleckerl zuordnen würde, fand ich ein schwaches Sterndl, vielleicht 11 bis 12 mag, das ich letztlich auch fallweise "UHC gefiltert" indirekt sehen konnte. Wenn, dann erschien dieses Sterndl aber sauber definiert, ohne großartigen Streulichthof. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass dieses eine Sterndl einen Nebelfleck in der Größe, wie ich den Eindruck hatte, verursachen sollte. Eine nachträgliche Analyse mittels Guide zeigte den K 1-14 just an der Stelle des Sterndls, halt knapp daneben. Die Sache würde ich zwar als sehr vage bezeichnen, aber nicht ganz von der Hand weisen. Eine Nachbeobachtung unter besserem Himmel, vielleicht auch mit einer größeren Optik, steht an.

Und damit es nicht fad wird, war mein letztes Objekt für diese Nacht ein kaum minder harter Brocken: Abell 46 (PK 55+16.1): 14.3 mag bei 60" Durchmesser, der Zentralstern wird mit 14.8 mag angegeben. Ich machte mich mit selbigem Setup wie bei K 1-14 auf die Suche: UHC und OIII gefiltert, bei 44x und 58x. Erst mal vermeinte ich ein Nebelfleckerl zu erkennen, doch die Position passte so gar nicht, und siehe da, ein enges Grüppchen schwacher Sterne wollte mich narren. Dann versuchte ich anhand weiterer Umgebungssterne die Position genauer abzustecken, damit ich mich dort indirekt "draufklemmen" konnte. Es wollte aber nicht recht etwas "kommen". Flüchtig hatte ich den Eindruck eines Nebelfleckerls, aber mehr "vielleicht" als sonst was. Um zu sehen, ob da wieder schwache Sterne für Täuschungsmanöver sorgten, begutachtete ich die Stelle bei 87x ohne Filter. Und siehe da, auf einmal streifte mein Auge goldrichtig drüber, ein großes, rundes Nebelfleckerl wurde sichtbar. Ich versuchte nun auch bei selbiger Vergrößerung mit UHC Filter, selber Eindruck. Das war also nicht ganz sooo unsicher, geisterhaft allemal. Was will man auch anderes erwarten, wenn man zur "Geisterstunde" draußen steht und solche Sachen beobachtet :-)

#owdii


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