Bericht vom 25./26. und 28./29. August 2011 (Steyersberger Schwaig/Mistelbach, Hochbärneck/Mistelbach)

Wenn es nicht besser geht

(Alle Fotos stammen von Walter.)

Zur Neumondperiode Ende August/Anfang September hat sich erst einmal eine sommerliche Hochdrucklage gebildet, mit Hitze und Tropennächten. Die Luft war eher trocken. Wärmgewitter können sich aber im Berg- und Hügelland überall bilden, so war der Tenor der Wetterprognosen. Meteoblue zeigte potentielle Gewittergefahr an allen möglichen Beobachtungsorten, und Schleierwolken, zum Teil auch für die Nachtstunden. Wohin soll man da? Wann ist der beste Tag? Man will ja auch den Mondaufgang erst ausreichend nach Mitternacht haben. So gesehen wäre der 24. August der erste Tag gewesen. War es aber nicht wirklich. In der Nacht sind plötzlich Wolken aufgegangen wie ein Germteig, und haben den ganzen Zentralraum und Norden bis in den Osten hin zugedeckt. Der äußerste Osten war noch am wenigsten betroffen.

Der 25. war vom Wettergeschen wieder ruhiger. Eigentlich war eine "Exkursion" zum Hochbärneck angedacht, aber die flache Dunstschicht, die ich bei meiner abendlichen Runde mit Canis Maior feststellen konnte, sagte mir, auffi muass i, Höhe ist gefragt. Da kommt eigentlich dann nur mehr die Steyersberger Schwaig in Frage. Ich kenne die Ebenwaldhöhe mit eher mattem Himmel, und auch das Hochbärneck ist mit 900 Meter Höhe sehr dunstanfällig. Die 1500 Meter der Steyersberger Schwaig ermöglichen einem zwar nicht, dem Dunst gänzlich zu entfliehen, jedoch ist überkopf nimmer soviel davon vorhanden. Schon diese Nacht war windig, mit zunehmender Stärke gegen den Morgen hin.

Am 26. gab es noch eine klare Nacht vor der herannahenden Front, aber mit lebhaft bis stürmischem Südwind. Kein Wetter zum Ausrücken, nicht einmal hier im Weinviertel. Ich nahm den kürzesten Weg, in meine Sternwarte. Und wurde durchaus belohnt.

Am 28. gab es nach Durchzug der Front "Kaiserwetter" mit traumhafter Fernsicht. Das wird   d i e   Nacht am Hochbärneck, dachte ich. Jedoch, es kommt immer anders als man denkt. Der Himmel war irgendwie enttäuschend. Speziell der Süden ungut hell. Eigentlich die schwächste Nacht, die ich dort bislang erlebt habe. Bei der Inspektion des 12 Stunden ZAMG Satellitenbildes am folgenden Morgen wurde es aber klar: Alles weiß, Dunst bzw flache Nebel, und drüber noch dünne Wolkenschleier.

Am 29. gab es die wohl letzten für mich nutzbaren klaren Nachtstunden dieser Neumondperiode. Ich hatte etwas Unerledigtes vom 28. nachzuholen. Soweit ein kurzer Überblick.

25. August: Ich kam etwa eine halbe Stunde später als geplant auf der Schwaig an. Zumindest war das kein Nachteil, weil mir bei der Auffahrt ein paar Autos hintereinander entgegen kamen, wohl die letzten Hüttengäste, und kurz drauf noch ein einzelnes Auto, das war wohl der Wirt. Ich war oben erst einmal allein, Martin Sprininklee ist etwas später nachgekommem. Es war wie erwartet alles finster, kein Licht mehr von der Hütte, und die Milchstraße stand eindrucksvoll da, gleich so nach dem Aussteigen, ohne noch gute Dunkeladaption zu haben. Da wirkt der Himmel irgendwie bombastischer. Ist man dann endlich dunkeladaptiert, erscheint der Himmel deutlich heller. So ist es halt, die Steyersberger Schwaig ist eine Oase in der Lichtwüste rundherum. Der gegen 1 Uhr MESZ gemessene SQML Wert von 21,4 mag/arcsec2 entspricht auch gut meinem Empfinden von etwa 6,2 bis 6,3 mag Grenzgröße. Das ist eigentlich so, wie ich diesen Standort kenne. Vielleicht geht im Winter, wenn alles unter einer Hochnebeldecke liegt, etwas mehr. Unter den gegebenen Umständen war das sicher noch der beste Himmel, den ich haben hätte können, gemessen an den anderen Standorten Ebenwaldhöhe und Hochbärneck.

Es war etwas kühler als ich erwartet hatte, an dem Eindruck war auch der leichte bis lebhafte Wind aus Süd bis Südwest beteiligt. Ich griff gleich eimmal zur Weste. Während ich meine Gerätschaft aufbaute, wurde die Sitzfläche des Astrostuhls, der als erstes raus gestellt wurde, feucht. Gut, es geht schneller mit Taubeschlag, wenn man auf der Wiese steht. Es wurde aber keine feuchte Nacht. Der Wind ließ nach einiger Zeit nach, um später wieder aufzufrischen, aber wärmer, und damit war es mit Taubeschlag endgültig vorbei. Keine Probleme mit der Teleskopoptik, obwohl die die meiste Zeit senkrecht in den Himmel gerichtet war, und auch keine Problem mit den Okularen, dass die beschlagen wollten. Der Wind wurde gegen Ende meiner Beobachtung stärker, und langsam lästig. Dabei war ich ganz an der Westseite des Platzes, direkt an den Wald gedrückt, noch am ehesten vor dem Wind in Sicherheit.

Als Teleskop hatte ich den Skywatcher Equinox 120/900 ED-Refraktor auf der iOptron ieq45 Montierung. Ich habe mir zwar einige sehr harte Nüsse auf die Liste geschrieben, aber kaum daran versucht. Der Himmel war doch ein bissl zu hell, und die Öffnung ein bissl gar zu gering für solche Unterfangen. Ich beschränkte mich auf machbar erscheinende Objekte, dennoch war einiges zu Knobeln.

26. August: Der Tag versprach zwar eine klare Nacht, aber eine ziemlich windige. Weite Reise? Nein. Ich plante zuerst Alternmarkt i.T. anzusteuern, allein ein Blick auf die INCA Wetter Analysekarte hat mich sofort auf den Boden der Realität zurück geholt. Dort drüben ist ein Windloch, ich weiss es eigentlich eh. Also dann einfach den kürzesten Weg in die Sternwarte nehmen. Der Wind war in Mistelbach nicht das große Problem. Er rührte noch merklich in den Baumwipfeln um, ich spürte nur ab und zu einen leichten Lufthauch, den ich in dieser sehr warmen Nacht eher angenehm empfand. Zugegeben, in der kurzen Hose und im Ruderleiberl war ich auch noch nie in meiner Sternwarte bei der Arbeit. Der Himmel war, mit 5 mag durchschnittlich für hiesige Verhältnisse. Dennoch, der Komfort einer Sternwarte ist etwas Feines, und ein Achtzöller ist ein Achtzöller. Ich konnte einige Sachen der letzten Nacht klären.

28. August: Ich kam bald nach Sonnenuntergang am Hochbärneck an. Bei der Anfahrt war der Ötscher zwar prächtig zu sehen, jedoch fiel mir die ganze Zeit auf, dass der Himmel nicht mehr so tief blau war wie noch am Vormittag.

Abenddämmerung Astrocows
Abenddämmerung am Hochbärneck: Astronomisch interessierte Kühe?
Links hinten Günter Jenner beim Aufbau, rechts vorne Walters "Teleskoppack" auf einer OTE Montierung.

Es wurde eine gesellige Nacht. Günter Jenner war schon dort, später kam Walter dazu, auch in einer der Hütten der Astrostation wurde gearbeitet, und in der späten Dämmerung kam Martin Springingklee mit seinem Sohn Daniel an. Die Himmelsqualität konnte diese Nacht allerdings nicht wirklich überzeugen. Der Süden einfach zu hell. Die Zenitqualität war mit 21,4 mag/arcsec2 gleich wie am 25. auf der Steyersberger Schwaig. Gemessen wurde auch etwa um die selbe Zeit. Es geht am Hochbärneck definitv besser. Fallweise hatten wir leichten Wind, und es wurde auch ein bissl feucht, aber nicht arg.

Milchstraße 18 mm
Milchstraße über dem Ötscher, belichtet nur 30s bei stehender Kamera, daher etwas verrauscht. Ein Flugzeug und 2 Satelliten hinterließen Strichspuren.

Milchstraße Mosaik
Mosaikaufnahme der Milchstraße vom Schützen bis hinauf zum Schwan, bestehend aus zwei Einzelaufnahmen, belichtet nur 30s bei stehender Kamera.

Ötscher, Teleskop, Milchstraße, Strichspuren, 25min, 18mm
Sternstrichspuren über dem Ötscher mit Milchstraße, belichtet 25 min. Links unten das Rohr von Günter Jenner.
Man erkennt die doch reichlich vorhandene Lichtverschmutzung am tiefen Südhorizont.

M8 in Ha M8
Deepsky-Foto von Walter: M8, der Lagunennebel, im Hα Schmalband-Filter und als HαRGB Farb-Komposit

Für diesen Ausflug hatte ich wieder die iOptron ieq45 mit, als Teleskop aber einen 8" f/4 Newton drauf. Mit einem Achtzöller würde ich wohl besser ausgerüstet sein für meine schwachen Fuzerl als mit dem 120er Refraktor. Der Newton bringt aber eindeutig mehr Gewicht auf die Montierung. Mit den zwei 5kg Gewichten ist es an der kurzen Gegengewichtsstange bereits zu wenig, wenn im Okularauszug der Paracorr und eine Glasgranate von Okular steckt. Ich hatte ein kleines Losmandy Gewicht mit, das sich sogar klemmen ließ. Ich hab es aber sicherheitshalber zwischen die beiden 5kg Gewichte geklemmt. Nun, entweder hatte ich diese Nacht nette Betreuung von Herrn Dr. Murphy oder die Montierung hatte schwer zu kämpfen mit dem aufgepackten Gewicht. Am Ende war die Stativ Nivellierung beim Teufel, da hat offenbar ein Stativhaxen nachgegeben, und damit ist auch die Poljustierung dahin, dementsprechend ungenau wurde das Goto. Da bin ich aber eigentlich zu spät draufgekommen. Zudem hat sich die Montageschiene gelockert, der Tubus hat auf einmal auf der Montierung herumgewackelt. Ich habe halt irgendwas gesehen, Sterne waren immer im Feld, aber da kann man Nebelfilter hin und her schrauben, Okulare tauschen, wo nichts ist, wird man nichts entdecken können...

Schlicht gesagt, diese Nacht ist bei mir alles verkehrt gegangen. Aber es war eine nette Runde, und ich habe zum Glück auch ein paar andere Dinge ins Okular geholt, beziehungsweise auch bei Martin öfter mal durchs Okular geguckt. Die Abarbeitung meines Programms war halt nicht. Und bevor ich mich auf heikle Objekte einlasse, werde ich in Hinkunft zwischendurch immer ein Standardobjekt in der Nähe anfahren, um zu sehen, ob das Goto auch noch wie erwartet trifft. Ich war halt verwöhnt von der bislang guten Zuverlässigkeit des Goto bei dieser Montierung. Es ist aber nur gegeben, wenn wirklich alles passt mit dem Aufbau.

Osthimmel, Autos, Strichspuren, 16min, 18mm
Abbau der Teleskope, darüber der Osthimmel. Jupiter zieht die hellste Strichspur.

29. August: Die sich ankündigende klare Nacht wollte ich noch in meiner Sternwarte nützen. Der Himmel war in dieser Mistelbacher Nacht etwas besser, mit etwa 5,3 mag im Zenit. Meine Liste, die am Hochbärneck ja unbearbeitet blieb, stand auf dem Programm. Es war windstill, mild, aber es "herbstelte", wie schon oft in diesem Sommer. Über meinem Kopf bildeten sich Nebelflecken, mal da, mal dort, dann waren sie wieder weg. Fallweise zog ein Wolkenstreifen durch. Ich hatte jedoch Glück - meine Zielgebiete blieben unbehelligt, nur einmal musste ich ein paar Minuten warten. Kaum war ich fertig mit meinem Programm, zog es von Südwesten her zu. Maximale Chancenverwertung war das.

Nun zu den Objekten: Wo nichts anderes dabeisteht, ist die Beobachtung vom 25. mit dem 120mm Refraktor auf der Steyersberger Schwaig. Die Abell Planetarischen wären zwar Programm für die Hochbärneck Nacht gewesen, die Beobachtung war eben nicht, wie oben beschrieben. Ich machte mich am 29. mit dem 8" Maksutov-Newton in meiner Sternwarte an die Arbeit, um nachzuholen, was nicht war.

NGC 7354: Planetarischer Nebel, 20" Durchmesser, 12,2 mag. Schon 41x ohne Nebelfilter ein Verdacht, ein schwacher Nebelfleck asymmetrisch um einen 10,5 mag Stern herum. Mit UHC Filter und höherer Vergrößerung (90x) war ein etwas elongiertes Scheibchen zu sehen.

IC 5217: Planetarischer Nebel, 6" Durchmesser, 11,3 mag. Daran bin ich auf der Steyersberger Schwaig gescheitert. Ich war wohl zu wenig konzentriert. Bei der Nachbeobachtung am 26. in meiner Sternwarte mit dem 8" f/6 Maksutov- Newton fand ich an dieser Stelle ein ca. 12,5 mag hellern "Stern". Mit UHC Filter kam dieser "Stern" heller heraus. Bei 200x war der Planetarische Nebel nicht mehr stellar, es zeigte sich ein winziges Scheibchen. Was mich halt stört: die visuelle Helligkeit von 11,3 mag stimmt offenbar nicht. Eher wäre die fotografische Helligkeit von 12,6 mag zutreffend.

IC 5117: Planetarischer Nebel, 1" Durchmesser, 11,5 mag. Stellar erscheindende Dinger sind immer eine Herausforderung. Dieses Exemplar war aber relativ schnell identifiziert. Es war ein 10 mag Stern und daneben ein schwächerer "Stern" sichtbar, der dann mit UHC Filter etwa gleich hell wurde wie der 10 mag Stern. Bei der Nachbeobachtung am 26. in meiner Sternwarte ergab sich im 8" Maksutov-Newton der gleiche Effekt.

NGC 7048: Planetarischer Nebel, 61" Durchmesser, 12,1 mag. Dieses Objekt habe ich am 26. in meiner Sternwarte mit dem 8" Maksutov-Newton beobachtet. Bei 60x mit UHC Filter war ein deutlich sichtbarer runder Nebelfleck neben einem 10,2 mag Stern zu sehen.

NGC 7243 (Caldwell 16): Offener Sternhaufen, 21' Durchmesser, 6,4 mag. Das schaut im Okular durchaus eindrucksvoll aus, jedoch seien die hellen Sterne nur Vordergrundsterne. Immerhin kommen indirekt noch viele Sterne heraus. Zumindest ein netter Anblick.

NGC 7082: Offener Sternhaufen, 14' Durchmesser, 7,2 mag. Man hat hier Mühe, einen Sternhaufen zu finden. Mam sieht einen Haufen Sterne, aber kaum den Sternhaufen.

NGC 7209: Offener Sternhaufen, 25' Durchmesser, 7,7 mag. Auf dieser Fläche konnte ich relativ helle Sterne finden, die eher als zwei Gruppen erschienen, locker verstreut.

NGC 7039: Offener Sternhaufen, 16' Durchmesser, 7,6 mag. In diesem sehr sternreichen Gebiet geht der Haufen völlig unter, ist eigentlich fast nicht zu erkennen.

IC 5146 (Cocoon Nebel): Aus Erfahrung weiß ich, dass hier besser ohne Nebelfilter gearbeitet wird. Schwach, aber doch war der Nebel am Ende des dunklen Schlauches zu erkennen.

NGC 7000 (Nordamerika Nebel): Hat mir gut gefallen, auch am 28. im 8" Newton am Hochbärneck. Es kam jeweils der UHC Filter zum Einsatz.

IC 5067-70 (Pelikan Nebel) Der hat mir eigentlich am 28. im 8" Newton besser zugesagt. Meine Augen? Den Verdacht habe ich schon länger, dass ich nun eher 8" dafür brauche, was ich früher mit nicht ganz 6" erledigen konnte.

IC 5068, LBN 329 und LBN 332 sind drei Nebelflecken "zu Füßen" des Pelikannebels. Eigenlich "alte Bekannte". Jedoch waren diese Nebelflecken für mich leichter im 8" Newton sichtbar (am 28.) als im 120mm Refraktor (am 25). Siehe Kommentar zum Pelikan Nebel oben...

Ein Genuß wurde der Cirrus Nebel. Beobachtet habe ich alle drei Teile, NGC 6960, den Feuervogel - auch Witch's Broom genannt, NGC 6992/95, den Bogen östlich davon und auch den dreieckigen Teil dazwischen (Pickering's Triangular Wisp). Freilich mit UHC Filter - jedoch wurde ich übermütig, und versuchte ohne Nebelfilter mein Glück. Der Cirrus Nebel gilt ja gemeinhin ohne Nebelfilter als schwierig zu beobachtendes Objekt. Aber es ging relativ locker, bei NGC 6960 war der hellere Teil bis zum Stern 52 Cygni deutlich zu erkennen, der in zwei dünnere "Linien" auffächernde "Hexenbesen" war deutlich schwieriger zu erkennen. NGC 6992/95 hingegen war problemslos und durchaus strukturiert zu sehen.

Jupiter war im 120mm Refraktor recht fein. Am 25. herrschte brauchbar gutes Seeing. Im Zenitraum gab es bei hoher Vergrößerung nur leicht flirrende Beugungsringe um hellere Sterne. Je höher Jupiter stieg, desto klarer wurde das Bild. Auch wenn der 120er ED Refraktor nicht der absolute Planetenkiller ist, so zeigte er dennoch ein sehenswertes Bild.

Zum Ausklang der Nacht am 25. kamen ein paar Schaustücke dran. Zum Beispiel h+χ im Perseus, NGC 281 (deutlich mit UHC Filter), M31 mit den Begleitern M32 und NGC 205 (M110), M33, NGC 891, und den Abschluß bildete der topasfarbene Stern Beta And (Mirach) mit der Galaxie NGC 404. Speziell NGC 891 litt aber doch unter dem aufgehellten Osthimmel. Es war eigentlich nur der zentrale Teil zu sehen.

C/2009 P1 Garradd: Den Kometen hätte ich eigentlich am 25. beobachten wollen, hatte aber vergessen, die Koordinaten aufzuschreiben. Dafür habe ich die Beobachtung am 26. in meiner Sternwarte nachgeholt. Ich schickte die Montierung auf M71 und was ich da zu sehen bekam, zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Der Sternhaufen mit seinen nadelfeinen Glitzerpunkten und gleich daneben der Nebeltupf des Kometen. Ein wirklich zuckersüßer Anblick. Allerdings war der Komet irgendwie ein Aha- Erlebnis. Den hatte ich schon am 23.8. zufällig im 120er Refraktor gesehen. Ich war damals mit dem Test einer Montierung beschäftigt, und zum Abschluß stocherte ich ohne Sucher irgendwo am Himmel herum. Was da ins Okular kam, konnte ich als Teile des Sternbildes Pfeil und des Sternbildes Delphin erkennen, und irgendwo dazwischen stolperte ich über ein Nebelfleckerl. Zum Kuckuck, dachte ich, habe ich all die Jahre da etwas verpasst? Es war der Komet Garradd, den ich da unwissentlich vor der Linse hatte. Natürlich wurde der Komet auch am 28. im 8" Newton beobachtet. Aber dennoch hat mir der Komet am 29. im 8" Maksutov-Newton meiner Sternwarte von allen bisherigen Sichtungenam am besten gefallen.

Comet Garradd (C/2009 P1) in Sagitta
Animation der Bewegung des Kometen Garradd
am 29. August 2011, 00:20 - 02:11 MESZ, aufgenommen am Hochbärneck von Walter

Abell 70 (PK 38-25.1): Planetarischer Nebel, 43" Durchmesser, 14,5 mag. -7° Deklination ist verdammt tief für meinen Standort. Es ging sich gerade in der großen Lücke zwischen den Bäumen aus. Zumindest der Beobachtungszeitpunkt war optimal. Der Himmel ist freilich im Stadtgebiet im Zenitraum weitaus besser als in dieser Himmelsgegend. Es geht zum Glück aber nicht über's Stadtzentrum. So hält sich der Schaden in Grenzen. Ich hantierte fest mit Filtern und Okularen, es geht nur so, das Optimum auszuloten. Und was war? Die Position konnte ich eindeutig finden. Sehr, sehr vage, vielleich zweimal hatte ich den Verdacht, da ist was. Als wirklich gesehen werte ich das nicht, es ist mir zu unsicher. Ich bin dem Objekt vielleicht auf der Spur.

Abell 71 (PK 85+4.1): Planetarischer Nebel, 157" Durchmesser, 14 mag. Das ist wohl das schwierigstes Objekt auf der Liste. An der entsprechenden Stelle sind mir ein paar schwache und schwächere Sterne aufgefallen. Die können leicht im Nebelfilter durch Streulicht als Nebelfleck erscheinen. Einmal hatte ich das Glück optimal die Stelle anzuspechteln, da erschien es mir, als ob diese Sterngruppe in einem einseitig scharf begrenztem runden Nebelfleck wäre. Das ist zwar schon verdächtig, aber einmal ist keinmal, das ist total unsicher. Meine Nachrecherche anhand von Bildern hat ergeben, dass dies mit der einseitig scharfen Kante passen würde, auch auf der richtigen Seite. Hm. Zufall? Glückstreffer?

Abell 77 (PK 97+3.1): Planetarischer Nebel, 37" Durchmesser, 15,2 mag. Ich sag dazu: vage, mehrmals hatte ich den Verdacht, da ist was, aber ganz sicher bin ich mir nicht.

Abell 81 (IC 1454): Planetarischer Nebel, 33" Durchmesser, 13,8 mag. Der schaut von den Daten noch am freundlichsten aus, und da bin ich mir auch relariv sicher, dass ich ihn erwischt habe. Zwar waren es auch nur einige "Treffer", die haben aber akustischen Output gegeben, und das ist bei mir normal ein gutes Zeichen.

Was soll ich nun als Resumee sagen? In Bezug auf die Beobachtung der Abell Planetarischen lasse ich mich nicht zu einem Sager - dunkler Himmel wäre total überbewertet - hinreißen. Es war schon etwas vermessen, mich mit nur 8" Öffnung im Stadtgebiet an diese Objekte heranzumachen. Jedoch, man tut was man kann, wenn es nicht besser geht. Und ja, die Suche nach der Supernacht am Hochbärneck wird so etwas wie die Suche nach dem Heiligen Gral. Oder doch nicht? Vielleicht habe ich den bestmöglichen Himmel dort gleich bei meinem allerersten Besuch gehabt? Eigentlich hätte ich dem Standort eher solch eine Himmelsqualität häufig zugetraut, habe sie aber nicht mehr wirklich so gefunden. Vielleicht wäre wieder die Steyersberger Schwaig der bessere Beobachtungsort für den 28. August gewesen?

Howdii


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