Halloween - oder die Nacht der Achromate

Beobachtungsbericht vom 31. 10. 2013 (Ebenwaldhöhe)

Eine klare Nacht kündigte sich an, jedoch hat dieser Herbst viel mit Nebelbildung zu tun, und das Weinviertel erschien uns daher unsicher. Eine Fahrt auf die Ebenwaldhöhe war geplant. Die Halloween Nacht vor dem langen Wochenende, da rechneten wir mit einigem Betrieb oben am Berg. Wir wollten daher zeitlicher dort sein, um einen für unsere Zwecke günstigen Stellplatz zu ergattern. Wir, das sind Andi Berthold, meine Wenigkeit und "Canis Maior". Im Gepäck hatten wir zwei Achromate, einen 150/750, es ist ein alter Skywatcher, und den "Langen", 152/1200 Bresser. Montierung war die iOptron ieq45, allerdings auf Baader Hartholzstativ. Endlich, ich habe mir einen Adapter geschnitzt, und kann nun die ieq45 für Refraktoren auf ein ordentliches Stativ setzen. Und damit hat mein altes Baader Stativ auch wieder Verwendung gefunden.

Bei der Fahrt sahen wir in den Ortschaften einige "Gespenstergruppen", aber alles sittsam, Kinder in Begleitung eines Erwachsenen. Mit dem zeitlich oben sein am Berg ging es nicht so nach unserem Plan. Schon vor den Tunneln auf der S2 Richtung Tangente kam der Verkehr ins Stocken, bis Höhe Handelskai Stau. Wir haben da ordentlich Zeit liegen gelassen. Aber unsere Sorge war unbegründet: auf der Ebenwaldhöhe angekommen waren wir allein. Niemand dort, auch weiter hinten nicht. Es war schlicht gar nix los. Vor 10 Jahren wär an so einem Tag vor einem langen Wochenende Hochbetrieb gewesen. Wo sind die einstig Aktiven alle hingekommen?

Es war nicht allzu kalt, wärmer als prognostiziert. Kein Wind, trocken. So ist es durchaus angenehm. Allerdings war das Seeing nicht ganz so gut, es folgte der Prognose genauso wenig wie die Temperatur. Diesen Herbst habe ich damit einfach kein Glück, immer ist irgendwie die Höhenströmung im Weg, ein versprengter Ausläufer des Jetstreams, der sich in unseren Breiten herumtreibt. Der Himmel bot sich in einer für den Beobachtungsort durchschnittlichen Qualität. 6,2 mag im Zenitraum. Richtung Wien war der Himmel schon sehr hell. Also die Lichtverschmutzung ist weiter auf dem Vormarsch, kann man feststellen. Die alten und als gut bekannten Plätze sind nimmer ganz das was sie einst waren.

Als erstes Teleskop durfte der 150/750 Refraktor Nachtluft schnuppern. Es ist jener Refraktor, der in diesem Bericht vorkommt, wo ich für die kleine Montierung ein stabileres Stativ adaptiert habe. Da ich aber nicht zwei Stative und Montierungen mitschleppen wollte, hat der Refraktor kurzfristig unten eine Schiene dran bekommen, um auf der ieq45 per Goto "reiten" zu dürfen. Mit diesem Refraktor, auf seiner "angestammten" Montierung und dem adaptierten Stativ, habe ich daheim bei mir schon ein paar typische Sommerobjekte beobachtet, wie M27, M71, M57, M56, M13, M92. Dabei war ich durchaus schon beeindruckt, und wollte den Refraktor einmal unter wirklich gutem Himmel erleben.

Der 150/750 Skywatcher Achromat auf der ieq45 im Beobachtungsbetrieb

Ein Teil meiner geplanten Beobachtungsobjekte lag zu dieser Zeit schon zu weit im Westen, hinter den Baumwipfeln, den Anfang der Liste konnten wir gleich einmal streichen. Wir begannen unsere Beobachtung mit einem eher "unfreundlichen" Objekt, der Galaxie M77. Die sehe ich normal eher nur bei einem Messiermarathon in der Dämmerung, oder besser was dann davon halt zu sehen ist. Nun ja, soviel besser ist es mit einem Sechszöller auch unter dunklem Himmel nicht. Klar, das helle Zentrum ist deutlich zu sehen, und indirekt erhascht man schwach die Spiralarme, den inneren Teil halt.

Weiter ging es mit M74. Diese Galaxie gibt fast noch weniger her. Das helle Zentrum ist kleiner, und maximal ein bissl "Nebel" deutet die Spiralarme an. Dann nahmen wir uns M31 vor, visuell, jo, schön, und Andi hatte die "verrückte" Idee, mal durch den Refraktor fotografieren zu wollen. Ok, 2" Flattener war mit dabei, Autoguider auch, also dann los, wenn uns der Hafer sticht - und dabei ist dieses Foto entstanden:

Nein, das sind keine Halloween Geister, es sind die blauen Farbhöfe, die ein Achromat um hellere Objekte (hier Sterne) erzeugt.
Belichtet wurde M31 durch den 150/750 Achromat 1x 10 Minuten, Kamera war eine unmodifizierte Canon 1000D.

Ein Sechszöller ist sicher schon was ganz Ordentliches zum Fotografieren, ein Achromat halt weniger... Die blauen Höfe um die Sterne lassen vom Farbfehler grüßen, dem das Auge viel toleranter gegenübertritt... Die blauen Höfe kann man nachträglich bei der Bildbearbeitung auch nur schlecht "wegoperieren", weil man ja nicht weiß was dahinter verborgen ist. Dass eine Belichtungszeit von einmal 10 Minuten etwas dürftig ist, ist auch klar. Dark Abzug wurde nicht durchgeführt. Das Bild ist auch nur ribsch-robsch bearbeitet. Es war halt ein Versuch, um zu sehen was man eh weiss ;-) Wer sich allerdings mit SW Bildern zufrieden gibt, schaltet einfach einen Grünfilter vor, der die "bösen" Spektralbereiche ausblendet, und hat damit scharfe Sterne ohne Halo. SW Bilder sind heute nicht mehr so "in", jedoch z.B. für photometrische Messungen an Veränderlichen tut's so ein Achromat mit Grünfilter allemal. Das sei hier nur angemerkt.

Mit dem Foto haben wir doch etliche Zeit vertan, uns blieben abschließend noch ein paar Blicke auf die offenen Haufen im Fuhrmann und vor allem Jupiter. Das Seeing war leider nicht so gut wie erhofft. Dennoch, sogar dieser 150/750 Achromat ist nicht ganz verloren bei der Planetenbeobachtung. Freilich hat man eine stärkere Farbverschiebung am Planeten und einen satten Blauhalo drum herum, aber die Details sind ok, die Optik ist ja scharf. Ich darf der Optik generell ein durchaus gutes Zeugnis ausstellen. Im Zustand des Austemperierens tritt kurzfristig ein merklicher Astigmatismus auf. In diesem Zustand habe ich den Refraktor wohl bei meinem Kurztest anlässlich des Stativ Umbaus erwischt, da schien mir die Abbildungsqualität nicht so gut. Asche auf mein Haupt, der Refraktor liefert zumindest bis 200x eine saubere Stern Abbildung, und im Startest kann man der Optik bis auf den inherenten Farbfehler nichts vorwerfen. Es gibt ein sauber definiertes Beugungsscheibchen zu sehen. Und wie gesagt, wie im damaligen Bericht beschrieben ist dieser nicht ganz so leichte Refraktor auf der kleinen Montierung mit dem guten Stativ drunter erstaunlich stabil, das muss man erlebt haben um es zu glauben.

Genug damit, es war Zeit, das Fernrohr zu tauschen. Der kurze Sechszoll Achromat kam in die Schachtel, der Lange auf die Montierung. Es war aber höchst angenehm gegenüber den letzten Nächten im Weinviertel, mal ein trockenes Teleskop von der Montierung zu "pflücken"... Der lange Bresser Achromat braucht natürlich schon auch einige Zeit zum Austemperieren, daher ging es erst mal mit Deepsky weiter.

Hier "reitet" der lange Bresser 6" Achromat auf der ieq45. Im Okularauszug steckt das 2" Zeiss Zenitprisma.

Wir hielten gleich nochmal auf M74 drauf. Unsere Aufmerksamkeit galt nun aber eher der Supernova SN 2013ej. Visuell war die Supernova nicht gar so schwierig zu sehen, wohl nur mit indirektem Blick. Wir haben aber schon einige Zeit damit zugebracht, uns an den Umgebungssternen zu orientieren, und die Supernova ausfindig zu machen. Ich darf hier ein Foto beisteuern, das mit einem 102/700 Triplet APO am 28. 10. 2013 auf den Feldern östlich von Niederleis, in einer sehr feuchten Nacht, entstanden ist.

M74 und die SN 2013ej. Belichtet wurde 4x 10 Minuten mit eine unmodifizieren Canon 1000D DSLR (Niederleis)

Klar, dass 4x 10 Minuten eine etwas dürftige Belichtung für M74 ist. Die Galaxie stand dabei auch im Einflussbereich der Wiener Lichtglocke, also in einem stark aufgehellten Himmelsbereich. Die Supernova ist tadellos drauf, das war eigentlich das Ziel und die Galaxie M74 ist als solche erkennbar.

Unser nächstes Deepsky Objekte war NGC 246. Dieser Planetarische Nebel erschien indirekt deutlich, als einseitig offenes Scheibchen, beobachtet wurde ohne Nebelfilter. Weiter ging es mit den Sternhaufen M34, M37, NGC 1931 (Nebel mit wenigen Sternen), M38 und den "schwächeren Nachbarn" NGC 1907, M76 (Kleiner Hantelnebel), M35 und den "Nachbarn" NGC 2158, sowie M42, dem Großen Orionnebel.

Mit dem Orionnebel haben wir uns ausführlicher beschäftigt. Da ging es mal um einen Vergleich Baader Maxbright Zenitspiegel gegen mein alt-ehrwürdiges Zeiss Zenitprisma. Eigentlich konnte man im Deepsky Bereich keinen wirklichen Unterschied feststellen. Der Maxbright Zenitspiegel ist schon was Feines, ist sein Geld wert. Erstaunlich, dass der doch dicke Glaskörper des Prismas nicht wirklich viel Licht schluckt. Es kann tadellos mithalten, mit vielleicht ein Spürchen Lichtverlust aber auch einem Spürchen mehr Kontrast macht es alles wieder wett. De facto sieht man mit beiden gleich viel.

Dann gingen wir mit Vollgas auf die Trapezsterne los. Das Seeing war nicht besonders gut, aber es gelang mir, den 5. und 6. Stern zu erspähen. Der 5. Stern war leichter sichtbar, der 6. verschmolz bald mal in dem Seeing Gewurl mit dem nahe stehenden helleren Trapezstern. Das Gewölk in der Huygens Region war beeindruckend, und auch die Strukturen in M43.

Als letztes Deep Sky Objekt nahmen wir uns die M45, die Pleiaden, vor. Dabei galt unsere Aufmerksamkeit IC 349 (Barnard's Merope Nebula). Allzu schwer war dieses kleine Nebelchen nicht zu erspähen.

Jupiter, ja Jupiter wollten wir mal ordentlich im langen Bresser Achromat sehen. Der Riesenplanet stand zwar nun deutlich höher, das Seeing war leider kaum besser als vorher, wo wir auf Jupiter mit dem kurzen Skywatcher Achromat drauf hielten. Mit etwas Geduld konnte man aber doch einiges zusammenkratzen und ich muss sagen, nicht übel! Der Lange kann durchaus was, das ist nicht zu verachten, Farbfehler hin oder her.

Damit ließen wir es genug sein. Die Heimreise war unspektakulär, mir war das nur recht, es war schon weit nach Mitternacht. Nun ja, für eine respektabel klare Nacht hätten wir nicht bis auf die Ebenwaldhöhe fahren müssen. Der Altenmarkter Himmel im Weinviertel hätte es auch getan. Nur halt mit der üblichen Luftfeuchte, und der damit auch zu späterer Stunde abnehmenden Transparenz. Dafür soll angeblich das Seeing gut gewesen sein. Wir hatten auf der Ebenwaldhöhe ja eine trockene Nacht, aber ein lausiges Seeing. Jedoch, wenn ich mal nicht patschnasse Teleskope heim führen muss, bin ich auch nicht traurig darüber ;-)

Howdii


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