Bericht: Supernovae 2016cok in M66 und 2016coj in NGC 4125, und Mars
(31.5. / 6. und 7. 6. 2016, Mistelbach)

Mich selbst treiben meist andere Dinge herum. Andi hat mich aufmerksam gemacht, dass es eine Supernova in der Galaxie M66 und eine weitere in der Galaxie NGC 4125 gäbe. Da wollten wir sehen, was sich machen lässt. Viel "Astronomie" habe ich heuer sowieso noch nicht betrieben, also mal eine Abwechslung im Test-Alltag.

Der 31. Mai gab uns die erste Gelegenheit. Wir bauten bei mir in der Einfahrt auf - meine iOptron ieq45, und drauf einen TS 102 f/7 ED Refraktor. Als Kamera kam meine astromodifizierte Canon 1000D zum Einsatz. M66 würden wir nicht so schnell kriegen, das war klar, bis es soweit dunkel ist, ist die Galaxie hinter dem nachbarlichen Baum. Also galt unsere Aufmerksamkeit erst einmal der Galaxie NGC 4125 und der Supernova 2016coj. Schon auf dem Kamera Display einer Probeaufnahme war die SN erkennbar. Also das sollte im Kasten sein, sozusagen. Wir wollten nun eine Serie ziehen, aber verhagelt... Lokale Wolkenbildung, dann ein massiveres Wolkenfeld, wir haben dieses eine brauchbare Foto dem Himmel irgendwie abgerungen. Es hätte eine 10 Minuten Belichtung werden sollen, wir mussten aber vorzeitig abbrechen.

Supernova 2016coj in der Galaxie NGC 4125. Die Supernova ist das Sternchen knapp oberhalb des Galaxiekerns.
Foto: astromodifizierte Canon 1000D am TS 102mm f/7 ED Refraktor. 7,6 Minuten Einzelbelichtung (Abbruch wegen Wolken), ISO 400

Bis endlich M66 wieder hinter dem Baum hervorkam, mussten wir noch ein bissl warten, weil der Guider noch mehr Baum als Sterne sah. M66 stand da keine 20° mehr hoch. Wir knipsten dennoch los. Auf die Schnelle war auf den Bildern nichts zu sehen. Die Sterne waren durch das Seeing dicke Tupfen. Andi hat am nächsten Tag auf unserem Bild die SN doch entdeckt, aber man muss sagen, mit viel Phantasie. Ein Versuch, die Supernova sichtbar zu machen, hat die Supernova zwar prinzipiell gezeigt, das Foto war aber damit vergraust. So etwas kann man nicht herzeigen. 

Wir planten jedenfalls, bei nächster Gelegenheit mit "schwerem Geschütz" aufzufahren. In der Form meines 100mm f/8 APM Super-APO und meiner SBIG ST 402 CCD Kamera. Auf die nächste klare Nacht mussten wir etwas warten.

Am 6. Juni war es schließlich so weit. Wir standen dieses mal auf dem Berg östlich von Mistelbach. Noch untertags herrschten labile Luftmassen vor, im westlichen Weinviertel zogen Gewitterzellen durch. Erst gegen abend sickerte trockenere Luft von Nordosten ein. Der Nachthimmel war dann tatsächlich besser als es untertags zu erwarten war. Die Nacht war allerdings windig. Wir bauten zwar hinter dem Auto auf, wo die geöffente Heckklappe meines Kombi das meiste abhielt. Dennoch baumelten die Kabel der CCD Kamera und des Autoguiders meist im Wind. Der Guider hatte sichtlich gegen etwas anzukämpfen.

Die "Blaue Stunde" war noch nicht zu Ende, zogen wir mit der CCD Kamera schon die ersten M66 Bilder - und die Supernova war drauf, sogar bei einem ersten 20 Sekunden "Probeschuss". Wir ließen nun eine Serie von 2 Minuten Belichtungen laufen. Die letzten 5 Aufnahmen, da war es praktisch wirklich Nacht geworden, verwendete ich für das nachfolgende Bild. Anmerkung: Das Bild wurde so bearbeitet, dass eher die Supernova klar zu sehen ist als dass die Galaxie alles zeigen würde, was die Aufnahme prinzipiell hergäbe.

Supernova 2016cok in der Galaxie M66. Die Supernova ist nicht ganz leicht zu entdecken. Links der Galaxie findet man drei schwache Sternchen. Nimmt man die beiden der Galaxie näher stehenden, und verlänger diese Linie zur Galaxie hin, findet man im Spiralarm, etwas abgesetzt, ein schwaches Sternchen.
Foto: SBIG ST 402 CCD Kamera am APM 100mm f/8 Super-APO. 5x 2 Minuten Belichtung.

Zur besseren Erkennbarkeit hier ein Ausschnitt, 3x vergrößert, als Negativ. Der Pfeil zeigt zur Supernova.

Andi wollte unbedingt mit der CCD nochmals auf die SN in der Galaxie NGC 4125 drauf halten. Die SN sei heller geworden. Also gut, einen Versuch ist es wert. Konkret gesagt: Da diese Bilder nicht linear im Kontrast bearbeitet werden, ist es schwer eine Aussage zu treffen. Im Vergleich zum Kern der Galaxie scheint die SN heller zu sein.

Supernova 2016coj in der Galaxie NGC 4125. Die Supernova ist das Sternchen knapp oberhalb des Galaxiekerns.
Foto: SBIG ST 402 CCD Kamera am APM 100mm f/8 Super-APO. 5x 2 Minuten belichtet.

Wie ich halt bin, wollte ich diese Supernova auch visuell probieren. Schnell weg mit Guider und CCD, umrüsten auf visuelle Beobachtung. Die ideale Vergrößerung war für mich bei 106x gefunden. Der Kern der Galaxie war zu erkennen, ein paar Umgebungssterne auch, zur Orientierung. Mich hat schon immer wieder was "gejuckt", aber ich konnte das Ding nicht wirklich festmachen. Dann auf einmal der "goldrichtige" Augenblick, da war sie, die Supernova, stach hart neben dem Kern heraus! Andi versuchte es ebenfalls, und konnte die Supernova auch erspähen.

Hier wird der APO gerade von fotografischem Einsatz auf visuell umgerüstet.
Die Kamera Kabel sind schon weg, die CCD selbst ist noch dran, auch der Guider.

Zum Abschluss schwenkten wir das Teleskop auf Mars. Der rote Planet hatte den Meridian gerade überschritten. So tief unten im Süden (20° Höhe) gab es flirrendes Seeing, dennoch, bei 133x konnten wir einige Details ausmachen. Damit hat ein netter Abend sein Ende gefunden.

Die folgende Nacht (7.6.2016) sollte ebenfalls klar verlaufen. Also planten wir einen weiteren Einsatz, ebendort, wo wir in der letzten Nacht gestanden sind. In den späten Nachmittagsstunden zogen ein paar Schleierwolken von Norden herein. Die sollten aber, bis es dunkel wird, eher nach Osten hin gezogen sein, der Westhimmel sollte frei sein. So ist es auch gekommen. Die Nacht war aber dennoch mehr oder weniger von Schleierwolken geprägt. Am Ende ist es dicker von Nordwest hereinzogen, wir hatten aber sowieso schon genug. Für uns war es ok, wo wir Himmel brauchten, gab es ihn. Nicht ganz so dunkel wie in der letzten Nacht.

Wir hatten Andis C8 auf meiner ieq45, und bis es dunkel wurde, vertrieben wir uns die Zeit mit der zunehmenden Mondsichel. Die Fotos sind aber nicht sehenswert, weil der Mond zu dieser Zeit schon wirklich sehr tief stand, das Bild stark gerötet war und das Seeing tat seins dazu.

Gegen Ende der "Blauen Stunde" hielten wir auf M66 drauf. Beim ersten "Testschuss" mit 20 Sekunden war der Himmel auf dem Foto noch blau, aber die Supernova zu war drauf. Wir zogen dann eine Serie mit je 5 Minuten, deren letztes Bild (es war nun wirklich Nacht geworden) ich "verwurstet" habe, hier als Ausschnitt. Es ist ein Einzelbild, ohne Bias, Dark, Flat, irgendwas.

Foto: Canon 1000D (nicht astromodifiziert) am C8 mit 0,67x Reducer. 5 Minuten Einzelbelichtung, ISO 400
Die Supernova ist klar zu sehen.

Danach wurde sofort auf visuellen Einsatz umgerüstet. Ich wollte der M66 Supernova visuell auf den Pelz rücken. Also 2" Ansatz an's C8 dran, Baader Maxbright Zenitspiegel, und mit einem 15mm Okular (134x) war die perfekte Vergrößerung gefunden. Ich taxierte mal die Galaxie, versuchte ihre Lage und Ausdehnung zu erfassen, und orientierte mich an den Umgebungssternen. Dann suchte ich diese Dreierkette der schwachen Sterne (links der Galaxie im Bild). Die beiden näher zur Galaxie liegenden konnte ich mit einem Blick erhaschen. Da war das Zielgebiet schon gut eingegrenzt. Und nun indirekt drauf. Erstaunlich schnell kam ich zum Erfolg. Zack, da war ein Sterndl. Deutlich. Aber etwa so sensationell wie der M57 Zentralstern im 4" Refraktor... Ich versuchte es noch einmal, mit neuer Orientierung und Eingrenzung der Position, und wieder war die SN da. Dann wollte Andi auch versuchen. Die beiden Sterne schaffte er, die SN aber nicht. In seiner Okular Orientierung, wir hatten den Zenitspiegel auf die andere Seite geschwenkt, guckte ich nochmals. Und konnte mit etwas "Augen Gymnastik" erstaunlich viel von der Gestalt der Galaxie ausmachen. Ich hatte nun alle Muße das Bild abzugrasen. Da waren auch wieder diese beiden Sterne, und nun war die Lage im Bildfeld für mich noch besser, die Supernova war letztlich locker zu sehen. Obiges Bild gibt mir die Bestätigung. Die beiden Sterne sind auch etwa so hell wie die SN, und dort wo die SN ist, gibt es weit und breit keinen anderen Stern dieser Helligkeit.

Dann schwenkten wir das C8 nochmals auf NGC 4125. Oh, das war easy! Da konnte man locker rein spechteln und hatte den Kern der Galaxie, und knapp daneben die Supernova.

Den Rest der brauchbaren Nachtstunden schlugen wir uns mit Saturn und Mars um die Ohren, von Mars zogen wir ein paar Webcam Filmchen. Erster Versuch mit 2m Brennweite, dann habe ich meine Celestron Ultima 2x Barlow raus gekramt, wir sind bei 4m Brennweite (f/20) nochmals drauf gegangen. Und soviel war rauszuholen:

Mars im C8, f/20, Webcam

Dann kam zufällig Besuch. Ein Mistelbacher ist offenbar auf den Berg rauf gekommen um hier ein bissl mit dem Feldstecher zu schauen, und hat uns angetroffen. Wir haben geplaudert, nochmal Mars und Saturn gezeigt, und letztlich noch M13 und M27. Es war ein netter Abend ohne Zwang, das Plansoll hatten wir schon, dieser Abend war Zugabe. Die fotografisch eingefahrenen Ergebnisse visuell nachspechteln wollen ist halt meine Sache, das brauche ich für meinen Seelenfrieden. Die M66 SN visuell, so etwas ist Balsam für mich "Grenzgänger". Nicht leicht zu verstehen. Es geht hier um "Sternchen" mit etwa 16 mag, und durch die Extinktion und den etwas dunstigen Himmel kommt auf der zu dieser Zeit grad noch etwa 20° hohen Stellung am Himmel eine Packung von 0.5 mag drauf. Aber ja, selbst damit ist es nach Wahrscheinlichkeit für die Wahrnehmung mit einem Achtzöller noch über 5%, gegen 10% hin. Sozusagen noch mit Respektabstand zum "Eingemachten"...

Howdii


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