Beobachtungsbericht vom WAA Weinviertel-Teleskoptreffen, 30. 4. - 3. 5. 2008, Oberleis

Das Weinviertel zählt sicher nicht zu den besten astronomischen Standorten, doch auch hier - entgegen aller Nachteile - lassen sich durchaus respektable Beobachtungen durchführen, was unsere (Walters und meine) Berichte sicher gezeigt haben. Als es darauf zu sprechen kam, eine WAA Starparty hier zu landen, war mein Tipp für die "richtige" Zeit der Mai. Aus langjähriger Erfahrung hat sich erwiesen, dass im Mai - speziell mit Rückseitenwetter oder einem stabilen Hoch - die klarsten Nächte erwartet werden können. Beobachtungsplätze gibt es im Weinviertel einige, jedoch die ganze Gesellschaft einer Starparty unterzubringen ist nicht so einfach. Da bot sich noch am ehesten der Oberleiser Berg an. So kam es also, dass die Erste WAA Weinviertel Starparty am ersten Maiwochenende 2008 steigen sollte.

Am 30. 4. war der offizielle Start-Termin. Ich kam direkt von der Arbeit auf den Oberleiser Berg, ohne Teleskop. Es würden schon genug Fernrohre vorhanden sein... Die erste Nacht bot ein "Fenster" zwischen zwei Fronten, also ein bisschen von Rückseitenwetter mit ein bisschen von Vorboten einer nahenden Front. Windig war's, und oben am Berg kriegt man das natürlich voll ab. Nachdem der Himmel bei der Anreise in der frühen Dämmerung recht freundlich aussah, überraschte eine hartnäckige Wolke über dem Oberleiser Berg. Im Gegenteil, anstatt dass sich die Wolken auflösten, führte die Abendthermik dazu, dass sich just über dem Berg ein Wolkenschirm ausbildete. Zum Buschberg hinüber war Ähnliches bemerkbar. Hm, da kamen mir ein wenig Zweifel, ich weiß, dass man im Weinviertel durchaus am falschen Ort stehen kann... Aber in der späten Dämmerung brach die Thermik zusammen, und damit zerfiel auch der "Wolkenhut", und gab einen durchaus feinen Sternenhimmel frei, den wir später mit 5.8 mag  bewerteten.

In der Dämmerung gab es durch Wolkenlücken hindurch erste Blicke auf Merkur, den ich in im WAA 6" f/8 Achromat und Rolands 18" Dob bewundern durfte. Nun ja, "bunt", mit rotem und blauem Rand, und mit mäßigem Seeing Gewaber. Das übliche halt, so tief am Himmel, aber sicher auch schon schlechter gesehen. Tipp: Merkur am Morgenhimmel in dieser Hinsicht meist besser.

Weiter ging es mit Saturn, bei durchaus brauchbarem Seeing im 18" Dob ein feiner Anblick. Weiter ging es in der einbrechenden Nacht mit M3. Ich machte darauf aufmerksam, dass nur etwa 5 Grad östlich ein weiterer Kugelsternhaufen zu finden wäre - NGC 5466. Der wurde alsbald auch im 18" Dob eingestellt. Ein richtiger "Knaller" ist das nicht, und wenn man zu hoch vergrößert, geht der Haufeneindruck ziemlich verloren, da man eher locker verstreut die hellsten Einzelsterne sieht. Ich kenne dieses Objekt ja schon lange, hab es auch in meinem kleinen 5.7" Maksutov-Newton schon aufgespürt, und damals ein paar Einzelsterne indirekt erspähen können.

Drillinge: Mars bei Castor und Pollux (Foto: Walter Koprolin)

In Alex' 12" SC gab es NGC 5053 zu sehen. Dieser Kugelhaufen ist auch eher "spröd" zu beobachten, mit 12" spielt sich da noch nicht all zuviel ab, ein paar locker verstreute Sterne, die bei zu hoher Vergrößerung den Haufencharakter vermissen lassen. Jedoch die unmittelbare Nähe zu M53 verschafft ihm etwas mehr Bekanntheit als z.B. dem NGC 5466.

Alex hatte noch die Idee, den Kugelhaufen Palomar 4 zu versuchen. Da wir am 18" anderweitig beschäftigt waren, und keine rechten Anstalten machten, dieses Objekt suchen zu wollen, stellte es Alex kurzerhand im 12" SC ein und lockte mich zu einer "Begutachtung" hinzu. Ah, üblicher Ersteindruck, ich schau rein, und sehe außer ein paar Sterne gar nichts. Das sind so die Beobachtungen ganz nach meinem Geschmack :-) Ich wusste weder, was mich erwarten würde, wie das Objekt überhaupt aussehen würde, und nachdem ich nicht selbst per Starhop das Objekt eingestellt hatte, wusste ich auch nicht, wo im Feld ich suchen sollte. Also ließ ich meinen Blick indirekt im Bereich um die Mitte umherstreifen. Da kam ab und zu etwas "Nebeliges", mal da, mal dort. Das machte mich irgendwie stutzig, offenbar sah ich immer nur einen Teil eines größeren Objektes. Aber ich wusste nun genauer, wo ich suchen sollte, und die Zeit am Okular hilft natürlich, etwas bessere Dunkeladaption zu erreichen. Und dann auf einmal, mehr aus dem Augenwinkel heraus, zapp, hatte ich einen bleichen, runden, überraschend großen Nebelfleck erblickt. Ha! Da sprach auch mein akustischer Entdeckungsmelder an :-) Na, so schwer war das auch wieder nicht, geht sicher noch mit einem Zehnzöller.

Reges Treiben am nächtlichen Oberleiser Berg (Foto: Walter Koprolin)

Mittlerweile war auch mein Astropartner Walter eingetroffen. Wir machten uns in der Folge mit dem 18" Dob am Coma Galaxienhaufen (Abell 1656) zu schaffen. Puh, da wimmelt es nur so von Galaxien! Das wäre eine genauere Nachschau wert. Ah, bevor ich vergesse, bei der Suche kam uns auch zufällig NGC 4565, die "Needle" Galaxie, ins Okular.

Mm, da wäre noch die Episode mit dem "Lichtschwert". Nein, wir wollten nicht wirklich Gefechte austragen. Anstatt einen Blick in die Sternkarte zu machen, diskutierten wir am Himmel, und da ich noch immer Rolands Laserpointer in der Hand hielt, wurde auch mit dem "diskutiert". Wir fummelten damit am Himmel herum, und jeder tat seine Meinung kund, wo welcher Stern wäre ;-) Wie ich den Laserpointer wieder in der Hand hatte, drückte ich mit meiner patscherten Rechten wohl etwas zu fest auf den Knopf, und auf einmal ließ sich dieses Laserschwert nicht mehr abschalten. Die Umstehenden hatten eine rechte Gaudi mit mir, der ich fluchend da stand und es nicht mehr schaffte, das Ding zur Ruhe zu bringen - irgendwie kam ich mir vor wie der Zauberlehrling. ;-) Roland kam dann  zu Hilfe, baute die Batterie aus, und konnte auch den Schalter wieder reparieren, der war schlicht "steckengeblieben".

Als nächstes probierten wir im 18" Dob den Jet in M87 zu erspähen. Kaum war das 7 mm Okular im Auszug, nahm ich mir das Zentrum der Galaxie näher vor. Die Westrichtung ist ja einfach zu finden, das Objekt driftet bei dieser hohen Vergrößerung merklich rasch ab. Und nun suchte ich am Westrand des Zentrums nach einer Asymmetrie. Auf den dritten Blick hatte ich auch den kurzen "Lichtzapfen" entdeckt. Sicher ein subtiles Ding, aber ich habe diese Übung ja schon einmal mit meinem eigenen 18" Dob absolviert, und fand es diesmal gar nicht so schwer. Walter konnte nach einiger Zeit meine Sichtung bestätigen. Für den Rest der Beobachter war die Sache vielleicht ein wenig zu "magic" :-)

Hier wird am 18" Obsession gespechtelt (Foto: Walter Koprolin)

Für einige Zeit ließ ich nun den 18" Dob in Ruhe, und schaute ein wenig in Thomas Weilands 5" Maksutov-Newton mit. Da gab es M13, M63 und M104 zu sehen. Für mich gar nicht so erstaunlich, was in kleinen Optiken "geht", ich bin es ja gewohnt, von meinem 5.7" MN...

Der steife Südostwind war zwischenzeitlich fast eingeschlafen, selbst das Wetterleuchten, das die anrückende Front ankündigte, erlosch. Allerdings konnten wir tief am Horizont bereits die ersten Wolken der Front erkennen, die vorerst nur sehr langsam höher stiegen.

Wie wir schon eher an das Ende der Beobachtungsnacht dachten, kam Walter noch auf die Idee, M101 im 18" anzuschauen. Ui, ziemlich exakt im Zenit, das ist eine Herausforderung mit einem  Dob. Roland schaffte es aber, M101 einzustellen, und mit fortschreitender Beobachtung war es dann auch wieder einfacher, den Dob nachzuschubsen. Knapp 100-fache Vergrößerung erwies sich als ideal, so wie ich es von meinem 18" Dob kenne. Auch diesmal stand das "Feuerrad" mit seinen Spiralarmen da, ein Anblick für Götter... Den krönenden Abschluss aber bildete M51. "Bam", das ist ein richtiger "Krocha"! :-)

Die nun rasch höher steigenden Wolken unterstrichen die allgemeine Aufbruchstimmung. Es war aber ohnehin die Müdigkeit, die uns zum Ende der Beobachtung veranlasste. Auftakt nach Maß, würde ich sagen, nach diesem feinen Sternenhimmel.

Der Rest des Wochenendes brachte allerdings ziemlich durchwachsene Nächte. Gleich die folgende Nacht des 1. Mai zum Beispiel haben wir aufgrund der Prognose ausgelassen. Dem Satellitenbild war es auch nicht zu entnehmen, doch gegen 22 Uhr riss der Himmel in Mistelbach auf, und gegen 23 Uhr war es sternklar. Ja, die im Satellitenbild feststellbare Wolkenbank konnte man im Süden vorbeiziehen sehen. Ich selbst unternahm aber auch nichts, weil ich auf die nächste Nacht hoffte.

Der 2. Mai brachte zu Mittag einen kurzen Regenschauer, am Nachmittag jedoch gab es nur mehr flache Wolken, es sah durchaus freundlich aus. Die paar Wolken würden sich schon noch auflösen, dachte ich, und wohl viele andere auch so. Der Blick aufs Satellitenbild war allerdings beunruhigend. Anstatt dass man auch hier Auflösungstendenzen gegen Abend sehen sollte, hatten sich zwei dicke Wolkenbänder gebildet, Nord-Süd über ganz Österreich, die nun ostwärts zogen. Da steckte offenbar noch viel Energie drin. Mit Sonnenuntergang zog es dann von Western her ganz schwarz auf. Es war aus astronomischer Sicht eigentlich ziemlich "sinnfrei", dass ich noch ausrückte, den 18" Dob im Kofferraum. Aber eine winzige Hoffnung gab es ja noch, dass es zwar spät, aber doch aufklaren könnte. Ich war ja nicht allein, ein paar Unentwegte hatten sich dennoch auf dem Oberleiser Berg eingefunden. Ab und zu rissen die Wolken ein bisschen auf, jedoch war die gesamte Lage eher aussichtslos. Es blieb nichts anderes übrig als dem Wetter zuzusehen. Letztlich fuhren wir unverrichteter Dinge wieder heim. Dieses Mal kam halt der "Weinviertel-Faktor" nicht zum Tragen - oft schon gab es nach scheinbar aussichtsloser Lage in der Dämmerung zu später Stunde doch noch klaren Sternenhimmel.

Am 3. Mai war das Wetter gedeihlicher. Zwar zog von NNW gegen Abend eine Schauerfront durch, dahinter kam aber nichts Nennenswertes nach. Wir hofften auf eine klare Nacht. Dementsprechend groß war auch der Andrang am Oberleiser Berg. Wahrlich, so einen Astrorummel hat dieser Berg noch nicht gesehen :-)

Es tut sich was am Oberleiser Berg (Foto: Wolfgang Wiesinger)

18" und 16" Dobs vor dem Aussichtsturm (Foto: Wolfgang Wiesinger)

 Der abendliche Regen war aus astronomischer Sicht allerdings mehr als suboptimal. Die Nacht war zwar windstill, wurde aber sehr feucht, und als Folge war der Himmel auch nicht so topp wie wir gehofft hätten. Mehr als 5.5 mag waren nicht drin.

In der Abenddämmerung gab es wieder Merkur zu sehen, ich verzichtete auf einen Blick durch ein Teleskop, versuchte vielmehr Merkur mit freiem Auge zu sehen, was letztlich sehr leicht war, wenn man nur wusste wo man suchen sollte.

Merkur in der Abenddämmerung (Foto: Wolfgang Wiesinger)

In der späten Dämmerung wurde freilich auch Saturn wieder beobachtet. Im 18" Dob habe ich aber schon sicher bessere Eindrücke gewonnen, das Seeing gab nur kurze Momente ruhigerer Luft ab, die längste Zeit franste Saturn ein bissl aus, und fallweise zappelte er recht ordentlich.

Mittlerweile war Walter eingetroffen. Ich war gerade dabei M3 anzuvisieren. Helle Kugelsternhaufen lassen sich ja im späten Dämmerungslicht schon recht gut beobachten. Bis alle, die wollten, durchgeguckt haben, war es dann auch schon dunkel genug, dass wir mit NGC 2903 die erste Galaxie einstellten. Wui, eine feine Balkenspirale, mit länglichem, helleren Zentrum, und von den Balkenenden abgehenden Spiralarmen.

In der Folge beobachteten wir das Leo-Triplet - M65, M66, NGC 3628 im 18" Dob. Bei 74x passten alle drei Galaxien bequem ins Feld des Okulars, bei 90x hingegen war es schon knapp, die Galaxien pickten just am Rand des Gesichtsfeldes. Eigentlich wäre es Sache gewesen, die Galaxien einzeln mit höherer Vergrößerung noch genauer in Augenschein zu nehmen. Jedoch standen grad etliche Gäste hier, die etwas im 18" Dob sehen wollte, so zog ich mich vorerst zurück und überließ Walter, der die Gäste am Teleskop betreute, das Feld.

Impression eines gut besuchten Teleskoptreffens (Foto: Walter Koprolin)

Weiter ging es mit den Kugelsternhaufen im Herkules. Natürlich M13, M92, aber was ist der dritte Kugelhaufen? NGC 6229. Letzterer ist weniger bekannt, mir aber schon lange, von früheren Beobachtungen, mit 18" und selbst mit nur 5.7". Im 18" Dob ist dieser Haufen bei höherer Vergrößerung - wir hatten 267x drin - durchaus reizvoll, feinster "Sternenstaub" kommt hier raus. Dieses Objekt durfte ich auch im 16" Dob von Martin Helm begutachten, auch hier ein feiner Eindruck..

Damit war die Nacht aber praktisch gelaufen. Von Norden drückten immer wieder Wolken herein, zuerst nur vereinzelt, dann machte aber ein größeres Wolkenfeld den Himmel für längere Zeit dicht, es gab nur mehr da und dort ein paar Lücken. Meine eigenen Versuche den planetarischen Nebel Abell 39 aufzusuchen wurden zum Geduldsspiel, immer wieder musste ich abbrechen und später wieder neu beginnen. Die Wolken geboten dem Treiben auf dem Oberleiser Berg schließlich Einhalt. Leider. Die Gesellschaft zerfiel, es war auch schon reichlich fortgeschrittene Stunde. Schade. Anstatt der Wolken hätten wir als Höhepunkt der Nacht gerne im 18" Dob ein paar "Kracher" wie M101 und M51 gezeigt. Dazu wollte es leider nicht mehr kommen.

Obwohl ich länger ausharrte, um den Abell 39 vielleicht doch noch zu schaffen, war meine Geduld auch irgendwann am Ende, und ich packte ein. Als letzter Unverdrossener blieb Tahir Saban zurück, der am Nordhimmel eine beständigere Wolkenlücke gefunden hatte, die sogar zum Fotografieren reichte.

Bleibt mir nur noch ein zusammenfassender Kommentar. Das WAA Teleskoptreffen hier im Weinviertel gab der lokalen Astroszene mächtigen Auftrieb. Es war ein gelungenes Treffen, mit guter Stimmung. Erfreulich, sogar ein paar lokale Gäste zog das Teleskoptreffen an. Nun zum Wetter: Das Hoch, das uns überhaupt klare Nächte beschert hat, war leider nicht stabil genug, um allen Unbill von uns zu halten. Jedoch eine sehr gute Nacht, und ein paar Stunden einer durchaus noch guten Nacht waren drin. Somit gar nicht schlecht, man kann sagen 50%, mit einem Auftakt nach Maß. Das Wetter kann man sich nicht aussuchen, wenn eine Veranstaltung auf lange Sicht geplant ist. Mein genereller Eindruck von diversen erlebten Teleskoptreffen ist ja, dass solche Ereignisse das schlechte Wetter förmlich anziehen. ;-) Wie es so im Leben kommt, ergab sich die stabile Wetterlage mit sehr klaren Nächten in der folgenden Woche. Bereits am Dienstag konstatierte ich klaren Himmel, wie ich spät in der Nacht von der Arbeit heimkam. Am Mittwoch war dann wohl der klarste Himmel, locker 5.6 mag in Mistelbach, gleich nach dem Aussteigen aus dem Auto. Donnerstag zogen Wolken, Ausläufer einer schwachen Kaltfront, von Norden durch - Sendepause. Freitag, Samstag, Sonntag jedoch eine weiterer Serie klarer Nächte - halt mir immer mehr "Bereicherung" durch den zunehmenden Mond.

Einerlei, es kommt ein anderes Mal, mit anderem Wetter, und wir werden es erleben, wie es dann wird :-)

#owdii


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