Beobachtungsbericht vom 28. 5. 2017 (Niederleis) mit dem 25" Dob

Der 25" Dob im Test Einsatz

Ich muss an dieser Stelle erst einmal ein bisschen ausholen. Den 25" Dob habe ich schon seit November bei mir stehen. Zum Service - z.B. sind die Gleitbeläge immer wieder in gewissen Abständen gängig zu machen, das ist bei jedem größeren Dobson so, ich kenne es auch von meinem ehemaligen 18" nicht anders. Zudem, der 25" ist ein Prototyp, und nach einiger Zeit des Gebrauchs stellen sich gewisse Dinge erst nach und nach heraus. So waren diverse Nachbesserungen notwendig, und im Zuge unserer bisherigen Tests haben wir noch weitere Dinge gefunden, die nachzubessern waren. Die Beobachtungen dazu waren allerdings nicht berauschend. Total schlechtes Seeing, teils windig, so waren es mehr Auf- und Abbauübungen mit ein paar Erkenntnissen.

Jetzt hatten wir die Kiste wieder so bereit, um eine Testbeobachtung zu wagen. Für ein paar Tage nach einer Kaltfront waren wir neuerlich in einer straffen nördlichen Höhenströmung, wie schon so oft in diesem Frühjahr. Somit planten wir etwas voraus und erkoren den 28. Mai als den Tag, wo wir uns aufgrund der Windprognose nicht grottenschlechtes Seeing erwarteten. Weit wollten wir nicht fahren, wer weiß was man vielleicht noch an Problemchen findet, vielleicht baut man eh gleich wieder ab, nicht nur die Technik, auch die Bedingungen können drein pfuschen.

Also sind wir drei, Roland, Andi und ich, noch vor Sonnenuntergang zusammengetroffen, um den Dob reisefertig zu machen. Nach dem Verladen schipperten wir die Sachen auf die Felder östlich von Niederleis und bauten in der beginnenden Dämmerung auf. Mein Ziel war, Jupiter noch in der Dämmerung zu erwischen. Mit etwas Glück hat man da gutes Seeing.

Bei so hellem Himmel sieht man noch keine Sterne, also Alignment wird man nicht durchbringen, dem Vernehmen nach kann man einen Dob ja auch mit der Hand weiter bewegen. Die große Kiste mit servicierten Gleitbelägen lässt sich eh butterweich bewegen. Somit, einschalten wohl, weil wir die Spiegelbelüftung in Betrieb nehmen wollten. Und mit Hurra auf Jupiter drauf. Das könnte großes Kino sein, wenn nur das Seeing mitspielt. Wir haben mal sachte angefangen, bei 130x und sind letztlich bis 280x gegangen. Kein Wunschkonzert, supergut war's nicht, aber in besten Momenten war es gewaltig. Nicht nur von den Details her, auch die Farben haben es mir angetan, dieser irre Orangeton in einem der Bänder! Planetenbeobachtung ist halt Warten auf den guten Moment. Und da kann jeder von uns seine eigene Ansicht erlangt haben, was die anderen nicht sehen konnten. Aber wir waren alle drei hoch begeistert. Das war ein Erlebnis! Es braucht schon ein etwas größeres Teleskop fürs Imaging, um an die gesehenen Details heranzukommen.

Jupiter Beobachtung im 25" Dob während der Abenddämmerung.

Die Bedingungen: Der Himmel war mit Wolkenschleiern "verziert", diese machten uns ein bissl Sorgen. Von Norden drückte da ganz schön was herein. War aber letztlich kein großes Thema, wir konnten immer zwischen den Schleiern genug klaren Himmel finden für unsere Beobachtungen. Je später der Abend, desto weniger wurden die Wolken. Fallweise leichter Wind, und mit fortschreitender Stunde wurde es auch etwas dunstiger, eine allgemeine Erscheinung an diesem Standort, die ich sehr gut kenne...

Mittlerweile war es dunkel genug, dass wir ans Stern Alignment gehen sollten, um langsam mit Goto/Tracking Tests und der Deepsky Beobachtung zu beginnen. Also erst einmal den Dob in den Zenitanschlag bringen, dann 2-Stern Alignment. Ich wollte das Teleskop auf M3 schicken, Argo Navis sagte mir: "Alt Fix may be required". Ich stand verwundert da. Haben wir doch gemacht? Nochmal, von vorn weg. Nun sagte mir Argo Navis: "Not aligned". Ich drückte nochmal herum dran, es gab mir eine Zielführung. Wir schwenkten das Teleskop manuell dort hin, jo eh, Objekt ist im Okular!  Was ist da los. Also noch einmal die ganze Prozedur des Alignments, selbes Ergebnis. Andi leuchtete vorn auf die ServoCat Einheit hin, und entdeckte ein Kabel, das nicht angeschlossen ist. Ah, die DSC Buchse ist frei, stecken wir es dort mal rein. Also am G'scheitesten alles abschalten, nochmal starten, und die Prozedur wiederholen. Jetzt, ah, jetzt hat es geklappt! Dieses Problem war hausgemacht, klar. Bei letzten Testarbeiten hatten wir das Argo Navis Com Kabel am ServoCat abgezogen, und vergessen, es wieder anzustecken...

Na dann, M3 eingeben, Goto drücken, nix tut sich. Häh? Das war doch beim letzten Test draußen kein Problem. Ich schaute, welche Speed ist am ServoCat eingestellt. Die 2er, also sollte doch? Ich griff hin, drückte den Schalter auf 1 und wieder auf 2, siehe da, die gelbe LED ging an, es machte "ssssssssd" und das Teleskop nahm Fahrt auf - es bewegt sich doch :-) Wir kletterten auf die Leiter und guckten ins Okular, M3 im Feld! Was für ein Anblick! Feine Sterne, geballte Ladung!

Das war eine etwas schwierige Geburt jetzt, aber ja, man kommt aus der Übung, wenn man lange nicht damit gearbeitet hat, und die Technik hat sich auch ein bissl geziert. Roland hat schon auf das Elektronik Zeug geflucht. Nur, wenn alles passt, einfach rein gucken und nicht am Teleskop rütteln zu müssen, ist halt schon fein ;-)

Der Pannen genug. Weiter mit der Beobachtung. Wir hatten durchwegs mein 22mm Panoptic drinnen, 130x, eine angenehme Vergrößerung, wo man schon was sieht. So ganz gut war das Seeing doch nicht, speziell in tieferen Himmelsgegenden ernteten wir schnell dickere Sterne, somit, auf hohe Vergrößerung gehen zu wollen, wäre sowieso nicht sehr sinnvoll gewesen. Es war halt ein recht warmer Tag, und nun kühlte es merklich ab. Die Erde strahlt somit Wärme ab, was eben das Seeing verschlechtert. Ganz normal, der übliche Gang. Im erweiterten Zenitraum war es aber soweit ok, da gab es auch feine Sterne zu sehen.

M13 war unser nächstes Objekt. Auch hier, gewaltig! Der Haufen natürlich quer drüber aufgelöst, das Kreuz aus helleren Sterne, der dunkle "Propeller", und im "Hintergrund" immer noch feiner Grieß!

Bislang war unsere Beobachtung vom letzten Licht der Dämmerung und dem des Mondes begleitet. Die Mondsichel stand nun orange leuchtend tief über dem Westhorizont. Wir schwenkten einstweilen auf die "Feuerwerks-Galaxie" NGC 6946. Andi kletterte als erster auf die Leiter, und zentrierte das Objekt so, dass die Supernova 2017eaw mehr in der Mitte zu sehen war. So kam es, dass ich beim ersten Blick durchs Okular, noch nichtmal ganz dran, gleich dieses Sterndreieck und die Supernova zu sehen bekam. Während wir uns mehr auf die Galaxie konzentrierten, ging der Mond unter, und gab einen 5,6 mag Himmel (Zenit) frei. Nun war die Galaxie deutlicher zu sehen, das Zentrum, die Spiralarme, also mindestens so gut wie das Foto, das wir mit Andis C8 gewonnen haben. Jedoch toll, so etwas mit eigenen Augen sehen zu können!

Es war merklich kühler geworden, Roland zog sich ins Auto zurück, und schlummerte ein Weilchen. Andi und ich waren derweil nicht untätig, wir knöpften uns eine Reihe weiterer Objekte vor. Gleich mal die Kugelhaufen M10, M12 und M14 im Ophiuchus. Tiefer unten waren die Sterne freilich dicker, das Seeing nicht so gut. Wohl, die unterschiedliche Charakteristik von M10 und M12 kam gut heraus, und bei den schwächeren Sternen von M14 kommt das schlechte Auflösungsvermögen des Auges zu Hilfe, so war dieser Kugelhaufen eine geballte Ladung von feinstem Grieß, ohne großartige Helligkeitsunterschiede.

M57 war unser nächstes Ziel. Zum ersten mal sah ich den "15 mag Stern" in der Dreierkette nordwestlich, entlang der Breitseite des Ringnebels, getrennt. Trotz der relativ niedrigen Vergrößerung und des daraus resultierenden sehr hellen Zentrums konnte ich den Zentralstern einige Male aufblitzen sehen. Und, wer hätte das gedacht: von dem rosettenartigen Halo des Ringnebels waren einige hellere Filamente südöstlich von M57 auszunehmen, ohne Nebelfilter! Andi hat es bestätigt.

M27 war ebenfalls toll. Das erinnert schon an Fotos, was man hier an Strukturen sieht. Und viele Sterne als nadelfeine Punkte im Nebel drin, der Zentralstern natürlich auch. Selbst von dem Halo haben wir etwas erspäht, als bogenförmige Aufhellung nordwestlich des Hantelnebels. Ohne Nebelfilter!

Der Kugelhaufen M56  hat uns überrascht. Man erwartet nicht viel, was man von kleineren Teleskopen her kennt. Hier, die "paar" helleren Sterne, locker gestreut, aber "dahinter", eine Wucht an feinem Grieß! Ein Hammer Anblick, den kein Foto so rüberbringen kann!

Was noch? Wir hatten schon so viele tolle Eindrücke, aber ja, im Zenitraum gibt es noch ein paar Galaxien, also drauf, gleich einmal M51. Ok, von den Beobachtungen mit unseren 18" Dobs sind wir schon auf was gefasst. Auf den ersten Blick: Du liebe Güte, das ist brutal hell! Also ja. die Spiralarme, mehr als deutlich, die Brücke rüber zum "Anhängsel" NGC 5195, dort die Staubstrukturen und der merklich "wärmere" Farbton! Bei genauerem Blick sieht man, wie sich die Spiralarme aus dem Zentrum heraus winden, und viele, viele Knoten in den Spiralarmen. Wenn man da noch mit höherer Vergrößerung nachgraben würde, ein Fest! 

Wir wollten langsam ans Aufhören denken. M101 wollte ich noch sehen. Da regte sich was in Rolands Auto, er war wieder wach, stieg aus. Wir nahmen die Feuerrad Galaxie ins Visier. Ja, "Viech mit Haxen", das kenne ich schon vom 18", wo es mich damals, beim ersten Anblick, gleich einmal von der Leiter gespeckt hat. Also hielt ich mich diesmal ordentlich fest. Oha! Was ist das? Erinnert nicht nur daran, schaut aus wie ein Foto! Die Spiralarme, die Knoten in den Spiralarmen, einfach arg, und formatfüllend im Okular!

Auch Roland war wieder so weit, diesen Anblick genießen zu können. Für Roland gab es dann noch einmal M51, diese Show hatte er ja doch versäumt.

Aber ja, da gibt's noch was, das nehmen wir schnell noch mit. M97, den Eulennebel. Schaut einen einfach das Gesicht an, mit zwei Augen, und wenn man die Mitte indirekt anspitzt, kommt der Zentralstern. Und knapp neben dem etwas helleren Stern etwas südöstlich sieht man auch ein Nebelfleckerl, es ist die Galaxie PGC 34279.

M108 geht auch noch. Eine etwa linsenförmige "Bratwurst", Staubstrukturen, Knoten, Knoten, Knoten! Toller Anblick! 

Na gut, zwei noch. M82, die "Zigarre". Schon in kleineren Teleskopen nett, hier spektakulär. Also wie auf einem Foto, halt nicht in Farbe! Und das schwache Sterndl, knapp an der Galaxie, das zwischen dem helleren Stern südlich und der damaligen Supernova 2014J steht, ist auch im 25" nicht gar so einfach, das muss man sich schon indirekt holen. An dem habe ich mich ja damals bei dunstigem 4 mag Himmel gerieben, mit dem 102/1100 Refraktor. Manchmal denk' ich mir schon im Nachhinein, woran ich mich "vergriffen habe". Was soll's, gesehen ist gesehen. Siehe hier...

Wer M82 schaut, kommt an M81 nur schwer vorbei. Bode's Nebula, eine schöne Spiralgalaxie mit relativ großem Zentralbereich. Damit ist diese Galaxie freilich für kleinere Instrumente erreichbar, selbst für Ferngläser. Die Spiralarme zu sehen, ist etwas anderes. Andi war als erster auf der Leiter, und hat gemeint, sie seien nicht da. Ich dann, schau mal so aus dem Augenwinkel, aber ja sind sie da, formatfüllend, und so schwierig doch nicht. Nicht brutal hell, dennoch deutlich genug. Roland hat es bestätigt, und letztlich war auch Andi erfolgreich. Wahrscheinlich war er beim ersten Reingucken nicht perfekt orientiert, vom Einblick her, Höhe auf der Leiter, etc. Kann passieren, dann sieht man auch nur den mittigen Feldbereich.

Viele wunderbare Eindrücke, die Galaxien am Schluss haben wirklich der Beobachtung die Krone aufgesetzt. Andi hat später gemeint, er kenne mich schon seit vielen Jahren, aber so emotional hätte er mich schon lange nicht erlebt.

Das Goto hat uns recht brav zu unseren Zielen geführt. Wir hatten freilich schon eine etwas höhere Vergrößerung drinnen und haben auf die Übersichtsvergrößerung verzichtet. So waren manche Objekte halt am Feldrand, speziell die Kugelhaufen im Ophiuchus auch leicht außerhalb des Feldes. Es hängt auch stark von der Auswahl der Alignmentsterne ab, damit werden manche Himmelsbereiche besser, andere schlechter getroffen. So etwas ist auch bei handelsüblichen parallaktischen Goto Montierungen selbst mit 3-Stern Alignment merkbar. Das Tracking war einwandfrei, einmal ordentlich im Okular zentriert, hielt der Antrieb das Objekt in Position.

Was wir halt jetzt im Frühling erlebt haben: Es muss schon alles zusammenpassen, um einen Einsatz für einen großen Dobson zu rechtfertigen. Es macht keinen Spaß, statt Sternen "Planetenscheibchen" zu sehen. Solche Dinge habe ich auch mit meinem Ex-18" in Erinnerung. Es gibt Jahre, da will's nicht recht, so wie heuer. Klare Nächte eh schon rar, und wenn, "scharwenzelt" der Jetstream immer bei uns herum, und damit ist das Seeing auch noch ein Graus. Wir hofften auf die wärmere Jahreszeit, da sollte es besser werden, und ja, diese eine Nacht hat gepasst. Wenn man schon testet, und kann in einem Aufwaschen tolle Eindrücke mitnehmen, das ist großartig.

Howdii


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