Beobachtungsbericht vom 28. 3. 2003, Gschwendt/Waldviertel (verhinderter Messier Marathon)

Nach meinem ersten Messier Marathon Anfang März hätte ich gerne einen zweiten Anlauf unternommen. Dazu wäre ein Platzerl im Waldviertel mit weitgehend flachem Horizont angedacht gewesen. Nun hat sich tatsächlich gegen Ende März ein Hoch ausgebildet, das allerdings hartnäckigen Dunst mit sich brachte. Immer wieder durchziehende Wolkenfelder machten die Sache auch nicht einfacher. Am 27. 3. schien sich eine Gelegenheit zu ergeben, ich brach zeitlich Richtung Waldviertel auf, musste aber schon auf halber Anfahrtsstrecke aufgeben, weil von Westen her immer mehr Schleierwolken herein zogen.

Die Nacht darauf versprach jedoch wolkenlos zu werden. Bei meiner Abfahrt in Wien waren zwar bedrohlich wirkende Quellwolken am Himmel, doch abgesehen vom zähen und argen Dunst war bei der Anfahrt Richtung Wachau der Himmel wolkenfrei. In gut 700 Meter Höhe rechnete ich auch mit weniger Dunst.

Um etwa 18:30 Uhr hatte ich schließlich den Beobachtungsplatz erreicht. Walter hatte angekündigt, später nachzukommen. Ich baute vorerst einmal meinen 5.7" f/6 Maksutov-Newton auf, und versuchte mit dem Feldstecher den Polarstern am noch sehr hellen Himmel aufzuspüren. Es ist halt so, an einem "fremden" Beobachtungsplatz kann man die Montierung nicht schon aus Erfahrungswerten gut nach Norden ausrichten. Nach einigem "Herumfischen" konnte ich den Polarstern finden, die Montierung nivellieren und poljustieren. Knapp nach 19 Uhr war ich startklar für den Messier Marathon. In der Dämmerung sah der Himmel ja nicht so schlecht aus, gut, gegen den Horizont zu war wohl der Dunst merkbar, die allerbeste Nacht würde es wohl nicht werden.

Für die Suche nach M74 am noch immer hellen Himmel versuchte ich die Sterne Hamal und Sheratan im Widder zu finden. Die Sache gestaltete sich jedoch schwieriger, als ich erwartet hatte. So ganz unerfahren, was den Anfang eines Messier Marathons betrifft, bin ich ja nicht. Voriges Jahr hatte ich bei einem "Mini-Messier-Marathon" in der Abenddämmerung sehr wohl die ersten Objekte erfolgreich absolviert. Nun schien mir aber die Zeit davonzulaufen. Ich versuchte es daher mit der "Brechstange", stellte Sirius ein - es war der einzige Stern den ich freisichtig schon gut ausnehmen konnte - und steuerte über Differenzkoordinaten einmal die Gegend von M74 an. Uijegerle, grad knapp unter den Wipfeln eines kleinen Wäldchens im Westen...
Also gleich weiter zu M77. Auch da gab es Probleme, die Gegend richtig zu lokalisieren. So hart hatte ich mir das nicht vorgestellt. Nach etlichen Versuchen - Walter war inzwischen eingetroffen - hatte ich jedoch ein extrem schwaches Nebelfleckerl im Okular. Walter bestätigte. Bingo! M77 geloggt, um 19:45 Uhr. Gleich weiter zu M79, kann doch kein Problem sein. Doch, es sollte eines werden. M79 ging schlicht im Dunst verloren. Der 5 mag Stern nahe bei M79 war im Okular nur sehr schwach, wie soll man da bitte noch einen 8 mag Kugelhaufen sehen können? Dabei waren die Sterne Alpha und Beta Leporis noch recht gut im Sucher zu erkennen, doch ein paar Grad drunter wurde der Dunst quasi undurchdringlich.

Nun war es bereits dunkel, und das Ausmaß des Dunstes sichtbar geworden: schlicht katastrophal - der Himmel stumpf, im Zenitraum grad mal müde 5 mag. Etwas "ernüchtert" fuhr ich mit meinem Programm fort. M31 war schon im Sucher zu sehen, im Teleskop ja noch recht gut erkennbar, M32 auch, M110 jedoch erwies sich schon als einigermaßen schwierig. M33 wäre knapp über dem Wäldchen im Westen gestanden, aber mir war mittlerweile die Lust auf die Durchführung des Messier Marathon völlig vergangen. Unter solchen Himmelsbedingungen wäre ich wohl mit einem schlechteren Resultat als beim ersten Anlauf weggekommen.

Vorerst saßen wir frustriert herum, und ließen die Zeit verstreichen. Halt, Jupiter war einstweilen im Teleskop eingestellt, zeigte bei 175x und halbwegs brauchbarem Seeing einige Details in den Wolkenbändern, den GRF im Verschwinden, und nahe beim GRF den Schatten von Io. Mit der Zeit wurde es etwas kühler, obwohl immer noch mild, und zumindest in der Zenitgegend sah der Himmel etwas besser aus. Walter schlug vor, einige Galaxien zu beobachten, und dieser "Sport" beschäftigte uns letztlich doch bis Mitternacht. Dann ließ aber die Transparenz auch im Zenitraum nach, es wurde feucht und noch etwas kühler. Zeit zum Einpacken und Heimfahren.

Nun im Detail zu den beobachteten Objekten: Ein bisserl sarkastisch stellten wir M3 ein, um ein weiteres Messier-Objekt zu "loggen" ;-) Bei 175x zeigte sich der Kugelhaufen recht nett, mit zahlreichen Einzelsternen. Nun ging es aber endgültig auf zu ferneren "Welten"...

Unser erstes Interesse galt Leo I (UGC5470). Diese zur Lokalen Gruppe zählende Zwerggalaxie gilt als relativ schwieriges Beobachtungsobjekt. Eine Gesamthelligkeit von 10.2 mag auf eine Fläche von 12' x 9.3' verteilt, ergibt herbe 15.1 mag Flächenhelligkeit. Ohne allzu große Hoffnung stellte ich einmal Regulus ein und warf einen prüfenden Blick ins Okular. Dann positionierte ich Regulus aus dem Feld des 22mm Panoptic, um das knapp nördlich gelegene Himmelsgebiet ohne Blendung durch den hellen Stern besser sehen zu können. Beim leichten Schwenken des Teleskops vermeinte ich tatsächlich eine größere Aufhellung zu erkennen. Auswendig wusste ich die genaue Position nicht. Ich checkte die Himmelsrichtungen im Okular kurz nach, und meinte dann zu Walter: nördlich und ein bissl östlich von Regulus. Antwort: könnt stimmen. Etwas ungläubig - Leo I bei diesem Himmel? - machte sich Walter an die Arbeit. Nach kurzer Zeit meinte auch er, dass da etwas sein könnte. Er versuchte die Position noch genauer, relativ zu schwächeren Sternen, zu evaluieren. Anhand guter Sternkarten nachgeprüft macht es mich fast sicher, dass wir Leo I tatsächlich erhascht haben. Eine weitere Beobachtung unter gutem Himmel steht aus. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, sollte es da aber eher ein Leichtes sein.

Unser nächstes Objekt war NGC3184 im Großen Bären: eine face-on Spirale, die Walter kürzlich fotografiert hat. Visuell gerade einmal ein ovales, 9.8 mag schwaches Lichtfleckerl (7.8' x 7.2', Flächenhelligkeit 14 mag), von ein paar helleren Vordergrundsternen fast "überstrahlt" (bei 40x). Von höherer Vergrößerung profitierte dieses Objekt nicht, bei 87x war das Bild schon reichlich dunkel, die Galaxie nur sehr schwach wahrzunehmen.

Weiter ging's mit NGC2841, ebenfalls im Großen Bären. Eine 9.2 mag Spirale mit einer Flächenhelligkeit von 12.4 mag bei 6.8' x 3.3' Ausdehnung. Zu sehen war ein ovaler Nebel mit hellerem Kern. Ein durchaus nettes Objekt (87x).

NGC2683 im Sternbild Lynx ist eine 9.8 mag Spirale (Flächenhelligkeit 12.9 mag, Größe 8.4' x 2.4') in nahezu Kantenlage. Bei indirekter Beobachtung ein feines Objekt, es wurden einige Knoten sichtbar - Hinweise auf Staubstrukturen (87x).

NGC2403 in Camelopardalis ist mit 8.5 mag ein helleres, aber bei 25.5' x 13' Ausdehnung ein relativ großes Objekt (Flächenhelligkeit 14.6 mag). Bei 59x ergab sich der beste Gesamteindruck, jedoch konnten bei 87x doch einige Details herausgespechtelt werden. Zumindest einige hellere Knoten fielen uns beiden auf, und indirekt war ein Spiralarmansatz recht gut zu erkennen. Auf Fotos sieht diese Galaxie wie eine Miniatur von M33 aus. Es wäre angebracht, mit mehr Öffnung nachzustoßen. Ein schönes Bild ist im Internet unter http://www.janis.or.jp/users/kitahara/e-n2403-95.jpg.html zu finden.

Weiter ging es in die Jagdhunde zu M63. Diese Galaxie ist mit 8.6 mag Gesamthelligkeit und einer Ausdehnung von 13.5' x 8.3' (Flächenhelligkeit 13.6 mag) mäßig hell. Bei 59-facher Vergrößerung erschien M63 oval, mit hellerem Zentrum.

M94 weist bei einer Ausdehnung von 13' x 11' eine Gesamthelligkeit von 8.2 mag auf (Flächenhelligkeit 13.5 mag), erschien rund mit einem sehr hellen und relativ großen Zentrum. Dieses Objekt ließ sich einiges an Vergrößerung gefallen, bei 175x waren einige Strukturen im Halo um den Kern zu erkennen - wohl Staubstrukturen in den eng gewundenen Spiralarmen.

NGC4490/4485 ist ein offensichtlich wechselwirkendes Pärchen, wenn man die beiden Objekte auf Großteleskopaufnahmen begutachtet. Visuell war NGC4490 (9.8 mag, 6.4' x 3.3', Flächenhelligkeit 13 mag) bei 59x als längliches Nebelfleckerl ohne weitere Struktur zu erkennen, NGC4485 (11.9 mag, 2.7' x 2.3', Flächenhelligkeit 13.8 mag) als kleines, rundes Nebeltupferl, knapp nördlich und ein wenig östlich von NGC4490.

NGC4244 ist mit 10.4 mag Gesamthelligkeit auf einer Fläche von 17' x 2.2' (Flächenhelligkeit 14.2 mag) eine lichtschwache Galaxie in Kantenlage. Indirekt, bei 59x betrachtet, "wuchs" die Galaxie noch beträchtlich in der Länge, ein ganz schön großer "Apparat" im Okular.

NGC4618 (Arp 23) ist mit einer Ausdehnung von 4.1' x 3.4' bei 10.8 mag Gesamthelligkeit mäßig hell (Flächenhelligkeit 13.4 mag), aber ein durchaus interessantes Objekt. Von einer Schmidtkamera Aufnahme her habe ich "another black eye galaxy" notiert. In Wirklichkeit ist die Dunkelstruktur aber keine Staubstruktur wie bei M64, vielmehr handelt es sich bei NGC4618 um einen "einarmigen Banditen", eine wirklich sonderbare Galaxie mit nur einem, dafür recht kräftigen Spiralarm. Die eingeschlossene Dunkelstruktur ist nichts anderes als der Zwischenraum vom Kern zum Spiralarm. Nun waren wir auf der Suche nach dieser Dunkelstruktur. Ein paarmal, blickweise, vermeinte ich ein Dunkelgebiet quer über das leicht ovale Nebelfleckerl zu erhaschen. Walter vermochte meine Eindrücke nicht zu bestätigen. Zu Hause guckte ich nach, anhand des Fotos dieser Galaxie stellte ich fest, dass just ziemlich mittig drüber ein dunkler Streifen zieht, auch die Orientierung passt zu meiner Beobachtung. Ein gutes Bild habe ich im Internet entdeckt unter http://www.3towers.com/ap7/ap7arpJPG/arp23.jpg. Dort findet man übrigens noch weitere kuriose Galaxien aus dem Arp Katalog.

NGC4449 ist mit 9.5 mag, verteilt auf eine Fläche von 5.5' x 4.1', recht hell (Flächenhelligkeit 12.8 mag), wirkte "viereckig", mit einem asymmetrisch platzierten helleren Gebiet. Bei 59x und 87x waren sogar einige Strukturen angedeutet.

Zum Abschluss wollten wir ein paar gut bekannte Objekte sehen. Zum Beispiel NGC4565, die 9.6 mag "Needle" Galaxie (14' x 1.8', Flächenhelligkeit 12.9 mag). Naja, sicher schon besser gesehen. Das markante Staubband war nur schwach unterhalb des Kerngebietes zu erkennen.

Die 9.2 mag "Heringsgalaxie" NGC4631 (Flächenhelligkeit 13.3 mag, Ausdehnung 15.5' x 3.3') wirkte auch ziemlich matt, wir machten uns deshalb erst gar nicht auf die Suche nach der 12.4 mag schwachen Begleitgalaxie NGC4627.

Die 10.5 mag Galaxie NGC4656 (Flächenhelligkeit 14.8 mag, Ausdehnung 20' x 2.9') erschien enttäuschend schwach, keine Spur vom "Hockeystick" (10.5 mag Galaxie NGC4657). Die nachlassende Himmelsqualität machte sich nun bemerkbar. Es war wohl damit der Nacht wirklich das Beste abgerungen. Schade, die hartnäckig dunstige Wetterlage hat diesen Beobachtungsplatz weit unter seinem Wert geschlagen, und zudem meinen geplanten Messier Marathon ordentlich "versalzen". Nun, hätt' ich's gewusst, dass eine Kaltfront den Dunst in Kürze ausputzen würde, hätte ich wohl anders geplant: die Nacht vom 31. März auf 1. April wäre sehr klar gewesen. Aber was soll's, aus beruflichen Gründen hätte ich diese letzte Chance ohnehin nicht nutzen können. Vielleicht hab' ich ja nächstes Jahr mehr Glück...

Howdii


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