Astronomietag 2010: "Nacht der Astronomie" (Großmugl)

Über Großmugl, so liest man immer wieder, gäbe es den besten Sternenhimmel weit und breit im Weinviertel. Etwas nüchterner betrachtet: die Wiese beim Leeberg ist der Außenstandort des Vereins Kuffner-Sternwarte - aus gewissen logistischen Gründen, wie: leichte Erreichbarkeit von Wien, Größe der Wiese beim Tumulus draußen, Gasthaus in der Nähe. Der Rest ist Werbung. Als alter Weinviertler kenne ich ja den eher bescheidenen Himmel hierzulande zur Genüge, und weiß, dass es nirgendwo signifikant besser ist, dass es wohl bessere und freilich auch schlechtere Plätze gibt. Aber ich habe natürlich andere Ansprüche als "Privatspechtler" als ein Verein. Grad wo ich diese Zeilen schreibe, hat es Großmugl in die ORF Online News geschafft. Dazu seien mir einige kritische Anmerkungen erlaubt: Die Gründe, warum Großmugl "dazu" kommt, den Nachthimmel als besonders schützenswert zu sehen, siehe oben. Die Bemühungen dazu in aller Ehre. Jedoch, wenn man das Thema ernst nimmt, könnte man sich die Kirchenbeleuchtung gleich gänzlich sparen. Gerade noch in der Dämmerung wäre eine Illumination zulässig. Und, dass die Beleuchtung im Ort auf neustem technischen Stand wäre, wie ich in dem ORF Artikel lesen durfte, halte ich auch für ein Gerücht. Man sehe sich die Beleuchtung in Nodendorf an. Dort findet man eine vorbildliche Straßenbeleuchtung auf dem letzten technischen Stand. Wenn ich draußen auf der Wiese beim Leeberg stehe, sehe ich einfach zu viel direktes Licht. Und, da war eine Aktion, am Astronomietag 2008, wo wirklich die Ortsbeleuchtung von Großmugl abgeschaltet wurde. Das wurde fotografisch von Leuten von der Kuffner Sternwarte dokumentiert. Auf diesen Bildern erkennt man deutlich, dass die Ortsbeleuchtung einen nicht unerheblichen Anteil an Streulicht verursacht - hier zu sehen. Freilich "sieht" die Kamera das deutlicher als das Auge. Mit freiem Auge fallen nur die direkten Lichter auf, der Lichtschein von Wien dominiert aber für das Auge die Himmelshelligkeit. So weit ist es also nicht her mit dem so dunklem Himmel. Ich warne in diesem Sinn vor übertrieben positiver Berichterstattung! Wenn das, was hier präsentiert wird, als eh schon so gut und gut genug dargestellt wird, untergräbt man die eigenen Bemühungen im Kampf gegen die Lichterflut...

Gar so toll war der Himmel an besagten 24. April 2010 sowieso nicht. Dunstig, Mond, kurz, ein sehr heller Himmel, mit dem eigentlich relativ wenig anzufangen ist. Egal, ich habe, nachdem dieses Ereignis auch per Mail Rundschreiben an die Teilnehmer der Astro-Runde Leiser Berge gegangen ist, gemeint, dass ich den einen oder anderen vielleicht treffen würde, und bin am Abend nach Großmugl gereist, den 8" Dob im Gepäck...

Ein paar Minuten vor 20:30 MESZ war ich bereits draußen beim Leeberg. Etwas verwundert stellte ich fest, dass die Wiese komplett einsam da lag. Gut, 20:30 Uhr war der offizielle Treffpunkt drin im Ort beim Gasthaus, doch kenne ich solche Veranstaltungen der Kuffner Leute so, dass durchaus schon Betrieb auf der Wiese herrscht. Ich stellte mich halt dort hin, wo die Wiese am ebensten ist, und baute den 8" Dob auf. Kurios: Das Zeugl hat die Justierung perfekt gehalten, also den Transport vom Hochbärneck nach Hause und den neuen Transport nach Großmugl, inklusive holprigem Zufahrtsweg zur Wiese...

Es war also genug Zeit, die Dämmerung (nicht außergewöhnlich farbenprächtig) zu beobachten. Mein erstes Ziel im Teleskop war Venus, solange sie noch so hoch am Himmel stand. Naja, ungefähr soviel Phase wie der Mars grad zeigt, sonst keine Details, wenig interessant.

Ich war immer noch allein auf der Wiese. Erst um ca. 21 Uhr kamen etliche Autos angefahren. Die Kuffner Leute stellten sich allerdings nicht auf der Wiese auf, sondern am höchsten Punkt des Weges, etwa 50 bis 60 Meter von mir entfernt. Während die Teleskope aufgebaut wurden, verhielt ich mich vorerst still, und saß auf meinem Astrostuhl Prototypen. Da war etwas zu testen, ob es die Dauerbelastung durchhalten würde. Mein so Dasitzen hatte also eine wichtige Funktion ;-)

Mit der Zeit kamen auch Besucher, aus allen möglichen Richtungen... Sie scharten sich aber um die Kuffner Leute. In der dunkler werdenden Dämmerung war zwar mein Auto sicher wahrnehmbar, Teleskop und ich waren aber vermutlich gut getarnt. Auch nicht schlecht, so hatte ich einmal, etwas abseits des Trubels, meine Ruhe.

Mein nächstes Ziel war Mars. Schau ma halt einmal... Trotzdem mein Teleskop jetzt eh schon  länger draußen gestanden war, kämpfte der Spiegel noch mit der leicht fallenden Temperatur. Aber freilich, wenn ich gleich mit 300x drauf fahren muss :-) Mit einem Trick lässt sich auch diese keilförmige "Luftlinse" vor dem Spiegel überlisten. Ich stellte halt Mars eher an den Rand wo diese Luftlinse am dünnsten ist. Während Mars durch das Blickfeld wanderte, konnte man sehen, wie die Bildqualität immer mehr absackte. Wenn ich vorn mit der Pfote an den Tubus greife, um das Teleskop weiter zu schubsen, verschlechtert die Wärme meiner Hand auch das Bild, das kenne ich wohl. Nur da wo ich jetzt saß, war es höchst empfindlich. Selbst wenn die Hand vom Tubus weg war, wurde das Bild erst ein paar Sekunden nachdem ich wieder ruhig da saß, besser. Da reichten also meine sparsamen Bewegungen aus, um die Luft lokal um das Teleskop herum zu verwirbeln. Nun, das Seeing war eigentlich sehr gut bis exzellent! Es gab auf diese Weise doch ein paar sehr klare Blicke auf Mars, und das hat weit mehr hergegeben als ich von dem nun weniger als 8 Bogensekunden großen Marsscheibchen erwartet hätte. Relative nahe an der Schattengrenze war die Große Syrte zu erkennen, gleich daneben Libya als hellerer Fleck, das Hellas Becken war diesmal nicht sehr deutlich, aber die Polkappe strahlend hell.

Nach der Mars Beobachtung bin ich ein bisserl Plaudern gegangen. Später dann habe ich Saturn beobachtet, auch bei 300x, und nun war das Teleskop weit besser austemperiert. Fallweise leichtes Flirren noch, sonst ein klares, kontrastreiches Bild. Drei Monde fielen mir auf. Die Nachrecherche ergab: es waren Titan und Rhea, sowie die gerade so dicht neben einander stehenden Monde Tethys und Dione, so dass sie bei dieser durchaus hohen Vergrößerung nicht zu trennen waren. Mimas wäre auch im Blickfeld gewesen, aber sehr dicht an den Ringen, dass ich ihn, wenn überhaupt, nur mit einer genauen Aufsuchkarte identifizieren hätte können.

Später kurvte ich noch den Mond Terminator mit 300x ab, und das war es so ziemlich. Ja, M13 habe ich irgendwann noch probiert, aber bei diesem hellen Himmel ist das nur ein schwacher Abklatsch dessen, was ein 8 Zöller unter wirklich gutem Himmel zeigen kann.

Freilich habe ich noch mit dem SQM-L am Himmel herumgefuchtelt: im Zenitraum schwankten die Werte so um die 18.30 mag/sec2 bis 18.40 mag/sec2, je nachdem wie "schief" ich das Messgerät gerade gehalten habe. Am Nordhimmel war es besser, um die 19.20 mag/sec2, was auch dem visuellen Eindruck von knapp 5 mag entsprach.

Mit weiterem Geplauder verging die Zeit. Irgendwann waren alle weg, und ich fuhr als Letzter vom Platz.

Howdii


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