Bericht: Supernova 2017eaw in NGC 6946
(18. 5. 2017, Niederleis)

Klare Nächte waren heuer bislang eher rar. Meine Tests, wenn ich dafür mehrere Nächte benötige, haben sich immer über längere Zeit gezogen. Jetzt knapp nach Mitte Mai sollten uns ein paar klare Nächte beschert sein. Anlässlich eines Guiding/Foto Tests mit einer neuen Montierung, bei dem mich Andi freundlicherweise  unterstützte, machte er mich auf eine neue Supernova in der Galaxie NGC 6946 aufmerksam. Er wolle in der kommenden Nacht bei ihm daheim was tun. Ich überlegte kurz, und meinte, ich könne ja vorbeischauen. 

Der 18. Mai kam, mit ihm lebhafter Südwind. Der sollte sich dem Vernehmen nach bis zum Abend legen. Ich telefonierte mit Andi, und da es bei ihm eng mit dem Stellplatz sein würde, vereinbarten wir, alles Zeug ins Auto, und wir fahren raus aufs freie Feld. Ich zog nach Sonnenuntergang los, gegen die tiefstehende Sonne zu fahren vermeide ich, sofern möglich. Zwischenstopp bei Andi, er lud seine Sachen ein, und wir zogen weiter, gen Niederleis. Wir nahmen den Weg raus auf die Felder, östlich, hoch über dem Ort. An der Gabelung des Weges machte ich kurz Halt, und stieg aus. Leichter Wind, immer noch, daher runter in die Senke. Dort war es tatsächlich windstill. 

Wir bauten in der forschreitenden Dämmerung auf. Zum Ausrichten des Stativs bedurfte es schon noch des Kompasses. Doch im Polsucher der Montierung war der Polarstern schon zu sehen. Ich hatte die iOptron ieq45 auf Baader Hartholzstativ dabei, Andi sein C8. Er brachte den Akku mit, ich die DSLR und, da wir die Kombi mit dem C8 probieren wollten, einen Astro Physics 0,67x Reducer. Bevor wir loslegen konnten, musste ich noch den Sattel der Montierung umbauen, von der 3" Aufnahme auf eine lange 2" Aufnahme, um das C8 sicher klemmen zu können.

NGC 6946 steht an der Grenze vom Schwan zum Cepheus. Es dauert zu dieser Jahreszeit ein bissl, bis dieses Himmelsgebiet hoch genug im Osten steht, dass man sinnvoll fotografieren kann. Um die Zeit irgendwie "totzuschlagen", spielten wir mit der DBK31 und einer neuen Steuersoftware herum. Das Seeing war am Anfang halbwegs brauchbar (wir sahen visuell doch in besseren Augenblicken einige Details in den Wolkenbändern des Jupiter, auch im Livebild der Kamera), es wurde aber immer schlechter. Daher gaben wir letztlich diesen Spaß auf, und rüsteten für die DSLR Fotografie um.

Wir steuerten Wega an, um die DSLR Kamera an einem hellen Stern zu fokussieren, und dann ging es per Goto zu der Galaxie NGC 6946. Kaum hatten wir den Guider kalibriert und wollten loslegen, kam plötzlich Wind auf. Heh, wer hat den bestellt? Noch waren stärkere Böen selten, und es gab ruhigere Momente. So konnten wir einige relativ kurz belichtete Aufnahmen gewinnen. Zumindest die Supernova war drauf und der Kern der Galaxie war zu sehen. 

Ich hatte gehofft, dass sich der Wind wieder legen würde, so kommt es manchmal ja - ein paar Böen und dann ist wieder Ruhe. Aber es wollte anders sein. Der Wind wurde immer lästiger. Wir versuchten nun mit der Brechstange zu einem Foto zu kommen. Weil es trocken war, wurde die Taukappe des Teleskops entfernt, um dem Wind weniger Angriffsfläche zu bieten. Die im Wind baumelnden Kabel habe ich auf der Montierung eingehängt, und dem Autoguider die "Zügel angezogen", damit er die Windstöße schneller parieren kann. Den ISO Wert der Kamera auf 1600 und halt eine Serie von 5 Minuten Bilder anreißen. Mehr konnten wir nicht tun. Es gab mal mehr, mal weniger Wind. Irgendwie konnte der Guider dem Wind doch trotzen, oder der Wind war nicht gar so garstig. Zwei Aufnahmen sind gelungen. Eine davon habe ich genommen und in Fitswork etwas bearbeitet.

NGC 6946 und Supernova 2017eaw. Die Supernova ist mit roten Strichen markiert. Nord ist links.

Die Supernova wurde am 14. 5. von Patrick Wiggins entdeckt. Nach ersten spektroskopischen Untersuchungen handelt es sich aktuell um eine junge Supernova vom Typ IIP. Es ist demnach ein massereicher, kollabierender Stern, der zum Neutronenstern wird. Ein Vorgänger Objekt mit rund 20 mag wurde an dieser Stelle identifiziert. 

Die Supernova sollte noch heller werden, und nach dem Überschreiten der Maximalhelligkeit über längere Zeit auf einem Helligkeitsplateau verweilen. Das sollte uns noch weitere Möglichkeiten zur Beobachtung und Fotografie geben. 

Hier das komplette Bild. Für eine größere Ansicht auf das Bild klicken. Satelliten Spuren sind zu dieser Jahreszeit kaum zu vermeiden.
Setup: iOptron ieq45,C8 mit Astro Physics 0,67x Reducer, Canon EOS 1000, astromodifiziert, 5 Minuten belichtet, bei ISO 1600.

Was wir gelernt haben: Der Astro Physics 0,67x Reducer ist durchaus für SC tauglich, zumindest mit dem C8 und der 1000er EOS (APS-C Sensor)passt die Bildqualität auch in den Bildecken. Dass wir mit rund 1,34 Meter resultierender Brennweite bei diesem Wind noch zwei brauchbare Aufnahmen mit runden Sternen bekommen haben, grenzt fast an ein Wunder. Die Sterne sind reichlich dick, das Seeing war recht ruppig.  Gegen Ende der Belichtungsreihe legte der Wind nochmals zu. Wir gaben auf. Etwas frustriert, vergaß ich prompt, selbst noch einen Blick durch das Teleskop zu werfen. Egal, es wird sich hoffentlich bald Gelegenheit dazu bieten. Und vielleicht auch für weitere Fotos, wo man sehen wird wie sich die Supernova im Lauf der Zeit von der Helligkeit her entwickelt.

Howdii

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