2. Kometennotiz 73P/Schwassmann-Wachmann 3, Fragmente B und C - 18. Mai 2006 (Mistelbach)

Nach unserer ersten Beobachtung des Kometen 73P-C wurden Walter und ich durch andere Beobachtungsberichte darauf aufmerksam, dass das Fragment B des Kometen eigentlich heller wäre als der ehemalige "Hauptkomet" (Fragment C). Walter meinte, wir sollten vielleicht in den nächsten Tagen nochmals eine Beobachtung versuchen. Allein das Wetter zeigte sich von seiner astronomisch unfreundlichen Seite. Ich studierte die Wetterprognosen, und spekulierte auf klare Morgenstunden in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai.

Am 17. Mai traf ich auf der Heimfahrt von der Arbeit im Weinviertel noch regennasse Straßen an, doch der Himmel daheim in Mistelbach war vorerst klar. Gegen Mitternacht war es wieder bewölkt. Zumindest probieren wollte ich es, und stellte den Wecker auf 2:30. Bevor ich mich schlafen legte, hatte ich jedoch noch meine "Hausaufgaben" zu erledigen. Über die WAA Homepage stieß ich auf die JPL Seite mit Bahnelementen und Ephemeriden für alle Schwassmann-Wachmann 3 Fragmente. Ich suchte mir das Fragment B heraus, und tippte die relevanten Bahnelemente in mein Planetariumsprogramm ein. Fein, nun ziehen Fragment C und B in Eintracht über meinen virtuellen Sternenhimmel...

Immer wieder, grad wenn man so richtig süß schlummert, holt einen der "Astrowecker" aus dem Schlaf... Das sind die Augenblicke, wo ich mir manchmal bedeckten Himmel wünsche, damit ich einfach weiter schlafen kann, ohne ein schlechtes Astonomengewissen haben zu müssen :-) Beim Blick aus dem Fenster präsentierte sich der Himmel seltsam matt, kaum Sterne zu sehen. Nanu? Ach so, der Mond war wohl schon aufgegangen. Also prinzipiell klarer Himmel. Ich schlüpfte schnell ins Gewand, packte den 7x50 Feldstecher, und stürmte hinaus, um die Lage zu erkunden.

Von den Pegasus Sternen, tief am Osthorizont, war mit freiem Auge noch nichts zu sehen, . Mit dem Feldstecher gelang es mir aber, mich so weit zu orientieren. Der Mond leuchtete tiefgelb zwischen den Bäumen hervor - nun war Eile angesagt, bevor der Bursche noch mehr Himmelsaufhellung verursachen würde. In Rekordtempo stellte ich meinen 5.7" f/6 Maksutov-Newton auf. Vielleicht sollte ich mit dieser Nummer einmal beim Gottschalk antreten ;-)

So, nun ein Blick durch den Sucher, aha, ja, da ist der Stern Lamda Peg, noch ein Stückerl nach Süd und ein bissl nach West, und dann ein Blick ins Okular: Voila, Volltreffer! Das Fragment B war mittig im Bildfeld zu sehen. Oh, erstaunlich hell! Da musste ich gleich ein etwas höher vergrößern. Spitze, dreiecksförmige Koma, mit breit auffächerndem Schweifansatz. Jetzt war ich neugierig auf den Vergleich mit dem Fragment C. Da schlug die Suche aber erst einmal fehl, mein Erinnerungsvermögen ließ mich einmal mehr im Stich. Also schnell ins Haus zurück, Notebook geholt, und nun war es klar, knapp daneben ist auch daneben. Das Fragment C bot einen eher enttäuschenden Anblick, naja, viel mehr war's ja bei meiner ersten Beobachtung vor ein paar Tagen auch nicht. Nun kam die noch tiefe Position am Himmel dazu.

Also zurück zum Fragment B. Nun war das Pegasus Quadrat schon freisichtig zu erkennen. Auch im Sucher waren weit mehr Sterne zu sehen, was mich aufs erste einmal etwas verwirrte. Ich brauchte ein Weilchen, bis ich mich wieder richtig orientieren konnte und zum Fragment B zurückfand. Die Sicht war jetzt deutlich besser. Bei 87x und 116x war der Schweif gut 12 Bogenminuten weit zu verfolgen. Also, hiermit nehme ich den "Schwachmann" zurück, das Fragment B war nun doch als durchaus nettes Kometl zu sehen.

Noch einmal zurück zu Fragment C, tja, ein bissl heller, weil etwas weiter aus dem Horizontdunst heraußen, aber sonst keine Neuigkeiten. Ein "Schwachmann" halt :-)

Die Himmelsaufhellung durch den Mond hatte die beginnende Dämmerung vorerst überdeckt. Nun bemerkte ich jedoch im Osten eine zunehmende Himmelshelligkeit. Damit verblasste auch das Fragment B, das war's also. Als ich nach dem Abbau meiner Gerätschaft nochmals einen Blick auf den Himmel warf, war der Osthorizont schon zart rötlich gefärbt, und die ersten zaghaften Vogelstimmen kündigten das allmorgendliche Konzert an.

#owdii


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