Außer Spesen fast nichts gewesen... (Teil 2)

14. Februar 2015, Ebenwaldhöhe

Jaja, manchmal spielen einem Technik & Witterung einen ganz schönen Streich, und das wird mitunter teuer. Howdii hat sein Erlebnis von der Steyersberger Schwaig geschildert, und ja, "lustigerweise" ist es mir kurz darauf ganz ähnlich ergangen wie ihm. Eigentlich wollte ich von dem Fehlschlag ja gar nichts schreiben, aber sein Bericht hat mir Mut gemacht, doch davon zu berichten. Auch um mir ein bisserl Astro-Frust von der Seele zu schrieben. Denn die Hobby-Astronomie bringt eben nicht nur schöne Erlebnisse und erinnernswürdige Nächte, sondern manchmal auch ganz schön viel Ärger. Das gehört eben auch dazu.

"Hochdruck, Nebelfelder in den Niederungen, Sonne auf den Bergen." - Jaja, da werde auch ich unruhig und will rauf, ganz so wie Howdii! Über dem Nebel muss die Freiheit - äh, der Sternenhimmel - doch grenzenlos sein! Am Samstag, den 14. Februar, fand auch ich endlich die Gelegenheit, mal rauszukommen aus der Stadt. Mein Ziel war die ca. 1000m hohe Ebenwaldhöhe nahe Kleinzell, mir wohlbekannt als Astro-Standort seit zwei Jahrzehnten. Die Wetterprognose prophezeite einen klaren Himmel über den Bergen für die ganze Nacht, allerdings bei mäßigem Ostwind. Ob in den Niederungen Nebel einfallen würde oder nicht war nicht klar, das kann halt keine Wetterprognose so genau vorhersagen. Wünschenswert wäre eine geschlossene Nebeldecke über Wien, die das ganze künstliche Licht abschirmt... "Mäßiger" Ostwind, hmm, der kann dort oben unangenehm werden. Der pflegt nämlich so richtig schön durchzupfeifen über die Hochfläche. Aber nach so vielen Jahren Erfahrung vor Ort weiß man schon, wo man sich vor dem Wind gut verstecken kann, das konnte mich also nicht abschrecken.

Die Auffahrt von Kleinzell auf die Ebenwaldhöhe war anspruchsvoll. Schneefahrbahn, angetaut und wieder gefroren, kaum bis gar nicht gestreut. Da heißt es: Bergauf ja nicht stehen bleiben, sondern immer in Bewegung bleiben! Das ging so lange gut, bis mir nach der 6. Kehre jemand entgegenkam. An einer Ausweichstelle blieb ich höflicherweise stehen, und das war's dann auch schon, es ging weder vorwärts noch rückwärts, da der Schnee auf der Fahrbahn stark komprimiert und vereist war. Der Wagen hing in einer Folge von kleinen Mulden fest. Die erst 5 Monate alten Winterreifen drehten durch und begannen zu rauchen. Noch ein Fehler, wenn man schon feststeckt, nicht einen Tango auf dem Gaspedal spielen! Zum Glück war im entgegenkommenden Fahrzeug ein freundliches Paar aus Wien, das meine missliche Lage gleich erkannte und mir half, meinen schweren Wagen da "rauszuschaukeln". Also hinten antauchen und gleichzeitig kurz auf's Gas tippen, dann zurückrollen lassen. Immer wieder. Nach einigen Fehlversuchen hatte diese Methode tatsächlich Erfolg, das Auto blieb in Vorwärts-Bewegung und ich hatte wieder Grip unter den Reifen. Zweiten Gang reinwerfen und gehma. Einen schönen Dank noch an die beiden! Puh, das ist gerade noch mal gut gegangen. So dachte ich jedenfalls.

Immer schön in Fahrt bleibend - ich hatte meine Lektion gelernt - kam ich ohne weitere Zwischenfälle doch noch rauf auf den Parkplatz oben auf der Hochfläche. Der Parkplatz hatte jemand richtig "rausgefräst" aus dem Schnee, links und rechts 1 - 1½ Meter hohe Schneewechten. Optimaler Windschutz! Nur war es gar nicht windig. Interessant. Dafür aber feucht, bei -4 Grad. Hmja.

Two Trees and a Plane
Zwei Bäume und ein Flugzeug in der späten Abenddämmerung

Ich war noch rechtzeitig in der späten Dämmerung oben, da habe ich gleich mal die Umgebung ein wenig fotografiert und dann aufgebaut. Meine Nikon D7000 ließ ich Zeitrafferaufnahmen vom Südhimmel über dem Hochstaff machen, über 4 Stunden lang. Irgendwann war das Objektiv beschlagen, wurde dann aber von selbst wieder frei.

Zeitrafferaufnahme Ebenwaldhöhe
Zeitrafferaufnahme des Südhimmels, 19:09 - 23:25 MEZ, stehende Kamera, Orion und Wintermilchstraße ziehen vorbei. Der hellste Stern ist Sirius.
Links neben dem Hochstaff sieht man die Lichtglocke der Semmering-Schipiste, die erst gegen Ende abgedreht wird.

Der Aufbau meiner Teleskope - ich hatte meinen Wright-Newton und den APO dabei, oben drauf auch noch die Canon-DSLR mit Teleobjektiv - verlief problemlos. Der Polsucher der OTE war allerdings ein ordentliches Stück daneben, also Einscheinern, auch nix Neues... Dabei bemerkte ich, dass das Fenster meine Farbkamera, die QHY8pro, beschlagen war. Immer dasselbe, kaum ist die Nacht ein wenig feucht, schlägt der Tau auf dem QHY-CCD-Fenster sofort zu. Da die Luftfeuchtigkeit stetig zunahm, hatte ich während der ganzen Nacht keine Chance, das CCD in Betrieb zu nehmen, da half weder die bewährte Methode des Einwickelns in eine Alu-Folie noch die Reduktion der Kühlung von -30 Grad auf -20 und schließlich -15 Grad.

Trotzdem stelle ich mein erstens Fotoobjekt ein, IC 2118, den Hexenkopfnebel. Dann mach ich halt nur eine Luminanz-Aufnahme mit dem Wright-Newton und die DSLR-Aufnahme, besser als nix... Hmm, verdammt hell der Himmel dort unten im Süden, nicht mal 21 mag/arcsec2. Was ist da los? Ich hätte dran denken können, sah es aber erst bei Begutachtung der Zeitrafferaufnahmen am nächsten Tag: Der Südhimmel war lichtverschmutzt durch die nachtbeleuchtete Semmering-Schipiste. Erst um 22:30 Uhr wurde der Lichtzauber abgeschaltet. Alles dokumentiert im Zeitraffervideo... Im Zenitraum habe ich mit dem SQM-L 21.2 mag/arcsec2 gemessen, das ist zwar nicht übel, ging aber auch schon mal besser.

Nächstes Problem: Das Verbindungskabel zwischen Steuerung und Autoguider. Alle Jahr wieder macht der alte Pfosten-Steckverbinder am Steuerungseingang Ärger. Ich sollte den endlich mal austauschen. Vor Kurzem erst habe ich den Stecker neu verkabelt, leider danach nur kurz getestet. Und hier schlug Dr. Murphy beinhart zu: Der alte Stecker rutschte immer wieder aus der Steuerung raus, und nachdem ich ihn mit Klebeband befestigt hatte, wollte die Steuerung trotz aller "Überredungskunst" nur in Dec auf die Guiding-Kommandos ansprechen, nicht in RA. Was also tun? Aufgeben? Nein, aber nicht doch! Wer so schnell aufgibt, wird niemals ein Starfotograf. Also: Manuelle Nachführung in Rektaszension! Ja, das geht, wenn der Autoguider in halbwegs kalibriertem Zustand ist, und zwar so: Auf der MGEN Steuerbox blinkt die Richtungstaste, wenn der Autoguider ein Korrektur wünscht, und man drückt in etwa im Blink-Rhythmus auf die entsprechende Richtungstaste der Steuerung, so lange bis der aktuelle Ausreißer wieder auf 0-Linie reduziert ist. Oder so ähnlich. Wenn man sich nicht vertut. Und nicht überkorrigiert. Klingt mühsam und langweilig? Richtig, ist es auch. Aber: Noch vor 20 Jahren saß ich hier an der gleichen Stelle in irgendeiner unbequemen Position, so halb aber doch nicht ganz am Boden, und habe stundenlang mit immer steifer werdendem Hals in ein Fadenkreuzokular am Leitrohr reingeguckt, um eine Stern manuell in beiden Achsen auf einem Fadenkreuz zu halten! Verglichen damit ist stupides Tastendrücken auf "Kommando" des Autoguiders in bequemer Sitzposition dann doch als Fortschritt zu betrachten... Außerdem lernt man seine Montierung auf diese Art und Weise kennen, und zwar besser als einem lieb ist. Meine OTE wollte mal mächtig in die eine Richtung, dann wieder in die andere, in einem sich stets wiederholenden 10-Minuten-Rhytmus - stöhn.

Zwischendurch kam ich mal bei dem ganzen Herumgetue an einem Kabel an, und die ATIK CCD-Kamera hatte kurz keinen Strom. Kein Problem? O doch. Die Kühlung war weg und als sie wieder hochlief bildeten sich Tauflecken am CCD-Fenster auch bei dieser Kamera. Die brauchten ca. 20 Minuten, um langsam wieder zu verschwinden...

Eine weitere Ernüchterung kam beim Begutachten der Einzelaufnahmen. Immer wieder langgezogene Sterne in RA. Manuelles Guiding ist eben auch mit elektronischer Hilfe noch lange nicht so gut wie Autoguiding, denn das elektronische Auge wird nicht müde, korrigiert auch kleinste Abweichungen, und vertut sich nie... Und überhaupt: Vom Objekt war auf den ungefilterten Luminanzaufnahmen wenig zu sehen, zu heller Himmelshintergrund. Die sind mehr oder weniger alle für die Tonne...

Kurz nach Mitternacht verschwand der Hexenkopf hinter den Bäumen und ich hatte endgültig genug. Durchfroren, mit klammen Fingern, und müde. Auf den Teleskopen und am Auto Eisblumen. Man könnte es auch anders formulieren: Der Himmel stand schon auf "Frühling" und da hätte ich für meine relativ kurzen Brennweiten eh keine brauchbaren Fotoziele gefunden. Jedenfalls: Zeit zum Schlussmachen. Eigentlich hatte ich ja auch nach dem aktuellen Kometen C/2014 Q2 Lovejoy schauen wollen, aber ich musste stattdessen auf den Autoguider gaffen und jetzt war es dazu eh schon zu spät.

Die Talfahrt machte ich mich nur langsam und vorsichtig, dafür zum Glück problemlos. Unten im Tal lag Nebel nur an den dafür typischen Stellen, aber keine geschlossene Nebeldecke. Irgendwie war die Lenkung sonderbar weich, und war da nicht ein ungewohntes Laufgeräusch der Reifen auf der linken Seite...? Das dicke Ende kam dann erst daheim, am nächsten Tag: Patschen links hinten und der linke Vorderreifen hatte auch schon wenig Luft. Wohl eine Folge der Überbeanspruchung nach dem Hängenbleiben, möglichweise habe ich ihn mir dabei auch an einem spitzen Stein aufgeschlitzt.

Mein Fazit klingt so wie das von Howdii: Viel "Zählbares" in Form von herzeigbaren Fotos hat die Reise nicht ergeben, stattdessen aber Zahlbares, neue Reifen inklusive...

Walter


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