Jupiter in einer denkwürdigen Mondnacht (13. 3. 2014, Mistelbach)

Klare Nächte in Serie - so etwas nennt man Schönwetterkatastrophe. Blöd, wenn so etwas in die Zeit fällt, in der der zunehmende Mond den Himmel erhellt. Für mich sind aber alle klaren Nächte wertvoll. Testarbeiten, Teleskop Justierungen, all das kann man auch in Mond hellen Nächten erledigen. Die wertvollen raren Nächte in der Neumondzeit sollte man sinnvoller für Beobachtungen nützen.

Die besagte Serie begann mit dem 7. März. Die ersten Nächte waren etwas durchwachsen, mit Nebel, der dann wieder verschwand, mehr oder weniger stark auffrischendem Wind, Seeing mal besser mal schlechter. Just die vorletzte Nacht dieser Serie (13. März) hatte ich nichts besonderes zu tun, und beschloss, ich stell' mal wieder mein rußig-schwarzes Ofenrohr raus - meinen 5,7" f/6 Maksutov-Newton. Neben mir hat Andi seine Vixen SP aufgebaut, und nahm zu Testzwecken mal meinen ehemaligen, nun seinen ARO Mak 150/1500 auf die Montierung. Mein Ceravolo durfte auf der iOptron ieq45 "reiten".

Also ich habe mich wieder einmal sehr an der feinen Abbildungsqualität meines Ceravolo 145 erfreut. Dieses Röhrchen war gut, und ist noch immer gut. Eigentlich schade, dass ich in letzter Zeit so wenig damit beobachte. Aber es ist so, Arbeit geht vor Vergnügen. Nach ein paar hellen Sternhaufen und dem Eskimonebel hielt ich auf Jupiter drauf. Oh! Das sah sehr nett aus! Ich steckte schnell das 6mm Zeiss Abbe Okular rein, ergibt 145-fache Vergrößerung. Das Bild schien unbeweglich zu stehen. Also gleich nachlegen, mit dem 4mm Abbe, bei 217x. Nun sah man schon etwas Bewegung im Bild, aber es war mit dieser Vergrößerung machbar. Die guten Momente überwogen.

Mein Ceravolo und (mein ehemaliger, nun) Andis ARO Mak auf Jupiter gerichtet

Mit der Zeit wurde das Seeing noch besser. Und Jupiter zeigte seine "Schokoladenseite". Der GRF drehte sich herauf, gewann farblich zusehends an Intensität, es war ein deutlich orangefarbener Ton. Die Strukturen in den Wolkenbändern waren atemberaubend. Zu guter letzt schob sich der Mond Europa vor den Planeten. Es gelang mir, Europa bis zum Ende meiner Beobachtung zu sehen, da stand dieser Mond schon fast vor dem Zentralmeridian. Phantastisch war die dem GRF folgende Wirbelschleppe mit den weißen Ovalen, und die blauen Fähnchen vom NEB rein in die EZ, da waren zwei gegenläufige Bögen auffällig. Die Jupitermonde waren deutlich als kleine Scheibchen unterschiedlicher Größe zu sehen, mit nur leicht flirrenden bis sich nur leicht bewegenden Beugungsringen. Ich würde nach der Pickering Skala 6 bis 7 geben, in den besten Momenten fast 7. Die beste Zeit war etwa zwischen 21:30 und 22:30. Später, gegen 23:00 wurde das Seeing wieder etwas schlechter, die guten Momente seltener. Erst dann konnte ich mich vom Okular trennen.

Nach seinen Guiding Tests mit dem doch für die SP Montierung recht schweren ARO Mak (Anm. geht durchaus, wenn alles passt!) nahm Andi auch den Jupiter ins Visier. Und wir waren sehr erstaunt, in diesem Instrument einen Jupiter vorzufinden, der mehr als ansprechend war! Also dem Ceravolo kann man nicht schnell das Wasser reichen, aber gar so weit ist der 150-er Mak nicht abgefallen. Ehrlich, so ein Jupiter war mir in dem ARO Mak nie vergönnt gewesen. Die Optik habe ich vor der Übergabe an Andi perfekt justiert, nun ist ein Zenitspiegel dran, das macht sich bemerkbar. Das Prisma, das ich seinerzeit dran hatte, hat der Optik nicht wirklich gut getan. Nun kam aber etliches zusammen, was man für eine feine Performance braucht. Neben den eben genannten Zutaten eine perfekt austemperierte Optik und halt das notwendige Seeing. Ich habe nicht gewusst, und hätte es nie angenommen, dass dieser ARO Mak einen so feinen Jupiter zeigen kann. Ich war schlicht perplex.

Letztlich ist mein Ceravolo als Maksutov-Newton auch von günstigen Umständen abhängig: eine austemperierte Optik, gut ist sie sowieso, und das Seeing muss passen. Das kam diesesmal alles zusammen. Vielleicht der beste Jupiter, den ich bislang in meinem Ceravolo HD 145 gesehen habe! Einen genauso sensationellen Saturn hatte ich aber einmal anlässlich einer Beobachtung auf den Feldern bei Niederleis, damals war Walter dabei..

So ein Seeing habe ich wirklich schon lange nicht mehr erlebt. Diese raren Momente sind es wert, gute Optiken zu haben. Man muss einfach zur richtigen Zeit draußen stehen. Planen lässt sich so etwas nicht. Das zeigte sich in der Folgenacht. Da standen wir wieder draußen und spekulierten auf ähnlich gutes Seeing. Allein, es war nicht, es wollte nicht sein. Was wir im 102/1100 Refraktor zu sehen bekamen, war nicht ganz schlecht, aber halt nur Durchschnitt. Nur in ein paar seltenen Augenblicken bekam man eine Idee davon, was dieses Instrument zeigen könnte.

Howdii


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