Kalte Oktobernacht - Beobachtungsbericht vom 11. 10. 2004 (Schrick)

Die Neumondphase im Oktober gab für mich eine einzige spärliche Beobachtungsnacht her. Es war die bislang kälteste Herbstnacht dieses Jahres, in der sich schon Eis auf Autoscheiben und Autodächern bildete, in der es aber grad noch nicht zu Bodenfrost kam. Die klare Nacht war schon absehbar, deshalb machte ich mich rechtzeitig auf den Heimweg von der Arbeit. Um vor dem kräftigen Ostwind geschützt zu sein, war das Beobachtungsplätzchen bei Schrick angesagt. Auch Walter wollte kommen, um ein paar Testfotos zu machen.

Um 21:40 MESZ war ich schließlich draußen am Beobachtungsplatz und baute meinen 5.7" f/6 Maksutov-Newton auf. Den heftigen Ostwind spürte man hier nicht, dicht am Gehölz und zusätzlich geschützt durch einen vorgelagerten Hügel. Der Himmel präsentierte sich gar nicht so übel: im Zenitraum lag die freisichtige Grenzgröße bei 5.9 mag, die Milchstraße war recht schön zu sehen. Auch der Norden und Osten sahen recht gut aus, im Süden und Westen war der Himmel jedoch milchig und stark aufgehellt - ein bissl Dunst lag also in der Luft. Das Seeing war allerdings weniger toll. Schon freisichtig "schepperten" die Sterne richtig, dass man meinte, sie könnten vom Himmel fallen :-)

Diesmal wollte ich ein wenig Galaxien spechteln, und begann gaaaanz locker mit M33 und M31 An diesen Objekten, speziell an M31, spechtelte ich eine ganze Weile herum. Es ist auch ein guter Test für die Himmelsqualität, wenn man bei M31 die Ausdehnung der Spiralarme, die Sichtbarkeit der Staubbänder, etc. beachtet. Nun ja, trotz der freisichtig erreichbaren 5.9 mag war der Himmel für diese Zwecke doch nur eher durchschnittlich - der Dunst forderte hier seinen Tribut.

Als nächstes Ziel hatte ich NGC185 und NGC147 auserkoren. Grad als ich daran spechtelte, kam Walter. NGC185 hat kein ausgeprägtes Zentralgebiet, die meiste Helligkeit ist über ein größeres Gebiet verteilt. Diese Galaxie weist eine recht niedrige Flächenhelligkeit auf,  ist aber doch relativ einfach sichtbar, schon bei 40x. Sie gibt fürs Auge einfach mehr Substanz her als  NGC147. Die ist sehr diffus, hat so gut wie gar kein Kerngebiet, und eine mindestens so niedrige Flächenhelligkeit wie NGC185. NGC147 war bei 40x schon etwas schwieriger, bei 87x aber doch auch gut zu erkennen, vor allem in der Mitte war ein wenig Aufhellung da, vielleicht auch nur vorgetäuscht durch Sterne.

DSS Bilder: Links NGC185, rechts NGC147

Walter beobachtete bei diesen beiden Objekten schon mit, und meinte, na, so schwer ist das doch gar nicht. Richtig, es gibt Schwierigeres. Ich kann mich aber noch gut an eine Nacht mit durchschnittlichen Bedingungen erinnern, in der ich diese beiden Galaxien mit meinem 4" APO beobachtet habe. Speziell NGC147 kostete mich damals schon einige Zeit, bis ich sicher war. Immer wieder hatte ich dieses Objekt schon indirekt erwischt, suchte aber die ganze Zeit herum, wo es wäre :-) Naja, ich war damals auch recht müde zur Beobachtung gefahren, und erst die kühle Nachtluft hatte mich wieder etwas in Schwung gebracht. Und aus heutiger Sicht, wo wir schon etliche andre urschwache Fuzln beobachtet habe, erscheint das freilich eher als ein Klacks.

Nun begab ich mich in "Neuland" - für mich zumindest. Ich hatte eigentlich nur die Uranometria mit, und keinerlei Daten dabei. Da weiß man eben nicht, was einen erwartet. Mein nächstes Ziel, NGC278, war aber rasch gefunden. Ein sehr helles kleines Ding, einfach auf Anhieb sichtbar, wirklich eine nette Überraschung. Jö, ist das lieb, pipipi, darf man das füttern? ;-)

DSS Bild: NGC278

Beim Vergrößern hielt dieses Objekt recht gut bis ca. 150x her, 217x war dann aber schon etwas zu viel, und die Sterne waren dabei aufgrund des gar nicht guten Seeings recht dicke Kerlchen. Eigentlich ist NGC278 eine face-on Spirale, mit hellem und großem Zentralgebiet. Walter meinte scherzhaft, ob das eine Galaxie sein soll? Er hatte mich vielleicht im Verdacht, ihm da einen Planetarischen Nebel als Galaxie unterjubeln zu wollen. Nu, und wenn man reinvergrößerte, sah man auch einen "Zentralstern" :-) Naja, nicht ganz zentral, aber doch vor dem hellen Zentralgebiet der Galaxie gibt es einen Vordergrundstern. Also gut, da hatten wir nun den ersten Fall von Galaxie mit Zentralstern :-) In dieser Tonart  ging es weiter mit Blödeleien.

Dieses Objekt war Walter nämlich viel zu einfach sichtbar, gar kein richtiges "Howdii-Objekt". Na, das könnt sich ja schlagartig ändern, also auf zu IC65, schau ma halt, was das ist. IC65, eine Spiralgalaxie in Schrägansicht, ist ein kleiner, länglicher Nebeltupf, der an geringer Flächenhelligkeit dem Pärchen NGC185 und NGC147 kaum nachsteht.

DSS Bild: IC65

Aber da diese Galaxie wesentlich kleinere Ausdehnung am Himmel hat, ist sie auch schwieriger zu spechteln. Sie steht westlich einer leicht geknickten Reihe von drei helleren Sternen, deren mittlerer übrigens ein schöner, einfach auflösbarer Doppelstern mit etwa gleich hellen gelblichen Komponenten ist. Bei 40x war gar nichts zu entdecken. Bei 87x hatte ich das Glück, dass mein Blick indirekt recht bald dieses Objekt streifte. Wie ich dann versuchte, das Objekt gezielt anzuspechteln, war's fast ein bissl "tuff". So, nun trat Walter ans Okular, und suchte zuerst einmal an der falschen Stelle - hm, hatte ich wohl nicht gut genug beschrieben. Also stellte sich Walter nochmals hin. Nu, schön geduldig diesmal, weil ich ihn ja letztens einmal verdächtigt hatte, "zu schnell" gewesen zu sein :-) Und dann kam endlich das erlösende "Jjja!". Hehe, so geht's einem, wenn man "Howdii-Objekte" sehen möchte, dann muss man schon rechnen, mit schwachen Fuzln bedient zu werden :-)

So, und am nächsten "Brocken" bin ich dann selber "erstickt" :-) Es hätte die Galaxie NGC425 sein sollen. Ein wirklich kleines Fuzl, bei dem Seeing und auch bei niedriger Vergrößerung wohl kaum von einem Stern zu unterscheiden, dazu noch recht schwach.

DSS Bild: NGC425

Für die erfolgreiche Suche reichte die Uranometria nicht aus. Ich schaffte es nicht, mich anhand der Umgebungssterne richtig hinzutasten. Ich gab schließlich auf, es war Zeit, die Beobachtung zu beenden. Egal, diesmal war's nichts, aber solche Dinge reizen mich ja, da will ich es dann justament wissen :-) Eigentlich sollt ich an so kleine Fuzln ja von den Planetarischen Nebeln her gewohnt sein. Einen kleinen Unterschied gibt es allerdings: Die Planetarischen Nebel kann man mit Nebelfilter "fangen", bei Galaxien hilft das nichts...

Nach Abbau des Teleskops dauerte es jedoch noch ein bissl bis ich wirklich fuhr, weil ich  noch mit Walter tratschte. Beim Wegfahren hatte ich dann das "Aha-Erlebnis", als die Scheibenwischer, die den Tau von der Windschutzscheibe wischen sollten, über Eis kratzten...

#owdii


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