Beobachtungsbericht vom 11./12. 8. 2001, Altenmarkt i.T.

Am spaeten Nachmittag des 11. August stellte ich fest, dass die Wolkenfront der letzten Tage abgezogen war, und verschwendete erstmals einen Gedanken an ein paar Stunden unter klarem Nachthimmel. Bald darauf laeutete das Telefon. Walter war dran, und wir verabredeten uns fuer 22 Uhr an unserem neuen Plaetzchen bei Altenmarkt im Weinviertel, ein bissl durchs Fernrohr spechteln bis der Mond kommt, und ein paar Perseiden schau'n.

Es war eine kuehle Nacht, bis gegen 10 Grad C sank die Temperatur, und aufgrund der zu erwartenden Feuchtigkeit waehlten wir diesmal den hoeher gelegenen Platz auf 320m. Die Situation kam mir ansonsten recht bekannt vor von meiner ersten Nacht am unteren Platz dieser "Site" - vom Norden her Disco-Laerm, und im Westen ein Skybeamer, der seinen Lichtfaecher ueber den Himmel geistern laesst, und so wesentlich zur Lichtverschmutzung beitraegt.

Der Himmel praesentierte sich recht schoen, etwas weniger Dunst als bei meinem letzten Besuch hier. Im kleinen Wagen waren Sterne 5. Groesse leicht zu sehen, ich habe nicht direkt drauf geachtet, aber im Zenit muesste es knapp an 6 mag herangegangen sein. Jedenfalls die Milchstrasse war ueberkopf schoen strukturiert zu sehen, und selbst im Suedwesten noch bis recht tief hinunter in den Schuetzen. Durch den geringeren Dunst wirkte diesmal die Himmelsaufhellung rundum weniger dramatisch als letztens. Also wohl eine der besseren Naechte hier. Was dieser Platz vielleicht noch alles kann, werden wir noch sehen.

Das Stuendlein bis Mondaufgang nuetzten wir fuer harte teleskopische Beobachtung. Ich hatten meinen 8" f/6 Maksutov-Newton mit, Walter seinen 4.1" f/6.2 APO.

Ich startete gleich mit einer ordentlichen "Nuss", dem Planetarischen Nebel PK47+42.1 (Abell 39). Mit 170" Durchmesser und 13 mag erwartet man sich ja schon ein schwieriges Objekt, mal sehen. Ich suchte einmal die Stelle des Objekts auf, und pruefte ohne Filter, ob irgendetwas zu sehen waere - nichts. Nun griff ich zum UHC Filter bei 55x. Nach langem Hin- und Herspechtln hatte ich den Verdacht, da koennte etwas sein. Blickweise schnappte ich, sehr vage, einen verdammt schwachen Schimmer auf. Nachdem das Objekt fast 3' gross ist, koennte vielleicht weniger Vergroesserung helfen. Bei 45x mit UHC wurde der Eindruck schon etwas besser, aber immer noch sehr unsicher. Naechster Versuch mit 45x und OIII Filter. Dies erwies sich als die beste Vergroesserung. Bei 55x mit OIII war es fuer mich definitiv etwas schwieriger, aber auch noch zu schaffen. Immerhin konnten wir das Objekt dingfest machen. Bei 45x mit OIII Filter war ein bleicher runder Fleck zu erkennen. Er "kam" und "ging" aus der Sicht, aber in meinem allerbesten Augenblick vermutete ich einen helleren Rand, zumindest am Suedwestrand, den ich gerade indirekt "optimalst" getroffen hatte. Das Bild von Abell 39 auf der Planetary Nebulae Homepage von Doug Snyder zeigt einen grossen runden Nebel mit schmalem, helleren Rand. Die Gegend war ohne Filter bei etwas hoeherer Vergroesserung mit etlichen sehr schwachen Sternen durchsetzt, aufgrund der aber so nicht feststellbaren Position war natuerlich nicht einmal ein Versuch auf den Zentralstern drin, der mit 15.6 mag ohnehin etwas jenseits meiner Moeglickeiten mit dem 8" liegt. Abell 39 war jedenfalls eine Beobachtung ziemlich am Limit, und dementsprechend habe ich in solchen Situationen gerne Walter zur "Kontrolle" dabei. Nachdem er ebenfalls wiederholt den Nebel sehen und sogar ein wenig indirekt halten konnte, ist die Beobachtung als "gueltig" zu rechnen.

Den Kometen Linear A2 hat Walter inzwischen in seinem 4.1" APO mittels Koordinaten eingestellt, und auch im 8" Maksutov-Newton wurde er nach einiger Suche gefunden. Die Helligkeit des Kometen hat inzwischen schon ziemlich nachgelassen, aber ein kurzer ca. 1/4 grad langer Schweif war immer noch zu erkennen.

Mittlerweile war der abnehmende Halbmond aufgegangen, wurde aber noch von einem Huegel im Osten verdeckt. Ich stuerzte mich schnell noch auf mein naechstes Opfer: NGC6717 (Pal 9). Mit 9.3 mag bei einem Durchmesser von 3.9' erwartet man ja kein allzu schwieriges Objekt. Die hellsten Sterne liegen mit 16 mag aber ausserhalb der Reichweite eines Achtzoellers. Ein paar Grad nordoestlich von M22 trifft man auf eine Gruppe von helleren Sternen. Knapp suedlich eines gelblich leuchtenden 5 mag Sternes war bei 55x schon ein nebeliger "Stern" zu erkennen, wirklich nicht schwierig. Bei 120x wurde die Sicht noch etwas durch den Streulichthof des hellen Sternes beeintraechtigt, bei 300x dann klar und deutlich zu sehen - aber was? Aehem, verdaechtig "klumpiges" Aussehen. Hm? Da sind einige Vordergrundsterne offenbar noch im Spiel... Der groessere Klumpen koennte aber tatsaechlich das Zentralgebiet des Kugelhaufens sein, zumindest kam mir dieser Klumpen etwas breiter vor als es auf dem POSS Auszug zu sehen ist, wo man eher den Eindruck weiterer zweier ueberlagerter Sterne hat. Hmhm, hier wird man als Beobachter ganz schoen "gelinkt". Vielleicht so: NGC6717 ist der helle, leicht sichtbare "Knoedel", Pal 9 das schwache Hintergrundglimmen, das man gerade bei hoeherer Vergroesserung noch, von einzelnen Vordergrundsternen ueberlagert, halbwegs wahrnehmen kann :-) Das ist mir jedenfalls ein interessanter Kunde, der mit dem 18" auch noch besucht werden sollte, vielleicht gibt es dann eine eindeutigere Klaerung.

Pal 9
NGC6717 (Pal 9)
Quelle: POSS

Der Mond war mittlerweile auch ueber "unseren" Horizont geklettert, und beeintraechtigte die Himmelsqualitaet deutlich. Doch immerhin konnten wir noch Sterne 5. Groesse sehen, und die Milchstrasse war auch noch matt bis leicht strukturiert wahrnehmbar - so, wie ich es daheim in Mistelbach ohne Mond meist habe...

Zwischendurch guckten wir vergleichsweise den Planetarische Nebel NGC7662 (Blue Snowball, Andromeda) im 4" und 8" an. Das Seeing war wirklich nicht berauschend, bei hoeherer Vergroesserung war es ziemlich schwierig, das kleine, dunklere Zentrum des Nebels zu erkennen, eher nur blickweise. Wir brauchten dafuer mindestens gegen 200x im 4", auch der 8" kam bei 120x nicht gut damit zu recht, erst bei 300x war der Eindruck sicherer, nicht so sehr vage. Seeing hin und her, an meinem 8" MN musste ich diesmal auch ohne Luefter leben, weil der keinen Muckser von sich geben wollte, und ohne Luefter ist das Rohr thermisch fast nicht zu "baendigen"...

Im 8" wollten wir auch einen Vergleich von M15 und M2 sehen. Beide Kugelhaufen bei 300x schoen aufgeloest, vom Durchmesser her aehnlich, aber M15 wirkt deutlich staerker zur Mitte hin konzentriert. Die etwas dicklichen Sternchen gehen auf Seeing/Tubusseeing zurueck.

Als "Indikator" fuer die Himmelsqualitaet machten wir im 8" bei 120x noch einen Blick auf M27. Freilich brauchte man diese Vergroesserung um den mondhellen Himmel halbwegs dunkel zu bekommen. Doch immerhin war ohne Filter sogar das hellere der beiden Ohren indirekt zu sehen, und etliche Sterne, darunter der Zentralstern, blitzten im Nebel auf.

Gegen 2 Uhr frueh machte sich die erwartete Feuchtigkeit bemerkbar, die Autoscheiben begannen leicht zu beschlagen. Und nachdem die Perseiden keine grossartige Show abziehen wollten, packten wir unsere Geraetschaft ein und machten uns auf die Heimreise.

Zu den Perseiden noch ein Wort: Wir stellten keine besonders hohe Aktivitaet fest, wurden aber mit etlichen helleren "Sternspritzern" verwoehnt, die meisten etwa in Jupiterhelligkeit, oft mit Nachleuchten. Sicher hat der vom Mond aufgehellte Himmel die schwaecheren Sternschnuppen "verschluckt", aber meinen spaeteren Recherchen zufolge waere das Maximum auch erst zwischen 8 und 10 Uhr UT gewesen. Wir waren also noch huebsch vor der Zeit dran... und damit soll's, von mir aus, ok sein mit der gebotenen Show :-)

#owdii


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