Bericht: Supernova 2017ein in NGC 3938
(11. - 15. 6. 2017, Mistelbach)

Es gibt viel zu tun für mich, die aktuellen Himmelsereignisse würden mich kaum erreichen. Andi macht mich immer wieder auf diverse Sachen aufmerksam. So auch auf die Supernova in der Spiralgalaxie NGC 3938. Diese Galaxie wäre aus meiner Einfahrt gut zu erreichen, in UMa, zur Zeit am Westhimmel. Sie steht bei Einbruch der Dunkelheit noch relativ hoch. Da am 11. Juni mal nichts auf dem Programm stand, und sich eine klare Nacht anbahnte, beschloss ich kurzerhand aufzubauen und einen visuellen Beobachtungsversuch zu starten.

Der 102/700 Triplet APO auf der iOptron ieq45, im visuellen Einsatz zur Beobachtung der Galaxie NGC 3938 mit der Supernova 2017ein

Wenn man in der Dämmerung aufbaut, der Polarstern gerade eben durch den Polsucher zu sehen ist, zieht es sich ja im Juni, bis es dunkel wird. Was sonst, als einen Blick auf Jupiter zu werfen. Oh, fein, gutes Seeing! Tolle Performance mit diesem Teleskop! Die Farben, die Details, die Schärfe der Abbildung, ein Hochgenuss! Als Jupiter sich hinter Nachbars Dach versteckte, war der Spaß vorbei, die Dämmerung noch nicht. Aber was, es geht sowieso erst einmal um eine Orientierung im Feld, die Stelle der Galaxie zu orten. Also los geht's, drauf auf NGC 3938. Was ich wusste: Es ist eine 10 mag Face-on Spirale, die Supernova bei einer Helligkeit um die 15 mag. Naja, leicht habe ich es mir nicht wirklich vorgestellt.

Längere Zeit nur Sterne, der Himmel im Okular noch zu hell. Langsam wurde es dunkler. Ich konnte nun die Stelle besser eingrenzen, weil auch schwächere Sterne sichtbar wurden, und spechtelte die vermutete Stelle der Galaxie an: Ja, da könnte was Nebeliges sein! Das Feld wurde zunehmend dunkler, und damit hatte ich Sicherheit, wirklich auf der Galaxie drauf zu sein. Ich versuchte, ob konkret was zu erhaschen wäre, da kam ich auf das Kerngebiet und da blinkte gleich ein "Sterndl" frech raus. Billige Jause, dachte ich mir erst. Es wurde noch dunkler, und ich versuchte meine Sichtung zu wiederholen. Einmal, so aus dem Augenwinkel, traf ich die Galaxie goldrichtig, da konnte ich den inneren Spiralbereich sogar ausnehmen. Also 100%, das ist die Galaxie und nicht irgendwas. Ein paarmal noch gelang es mir, diesen Eindruck erneut zu erhaschen. Den Kern selbst konnte ich öfter sehen, doch nicht nach Belieben. Dafür stachen nun weitere feine "Spitzen" raus. Oh, oh. Also nicht gar so einfach? Da muss man schon genauer ran, man kann doch nicht irgend ein Sterndl, das man indirekt aufspießt, einfach als Supernova deklarieren... 

Es wurde nun ein diffiziles Gekletzel. Die Vergrößerung wechselte ich zwischen 70x und 93x, je nachdem wie ich es brauchte. Da war eine Reihe von drei stellar wirkenden Spitzen, gleich hell, in einer Reihe, und etwas versetzt Richtung Kern meine vermutete Supernova als helleres Objekt. Die Gruppe bildete quasi ein stark asymmetrisches "T". Ich spechtelte weiter, und konnte auf der anderen Seite des Kerns der Galaxie noch ein  weiteres "stellares" Objekt ausnehmen. Mit soviel Information ging ich mal ins Haus zurück, das Entdeckungsfoto der Supernova zu konsultieren. Allein, so richtig schlau wurde ich nicht draus. Ich konnte grad nur mutmaßen, dass dieses Ding, das mich gleich mal "begrüßt" hat, eh die Supernova sein müsste. Aber um sicher zu gehen, ging ich erneut ans Teleskop. Ich brauchte freilich etliche Zeit zum Wiedererlangen der Dunkeladaption. Ja, das Gesehene konnte ich so nochmals abklappern, mit den selben Eindrücken. Gut, damit musste ich es bewenden lassen, und baute ab.

Am  12. Juni, die folgende Nacht, war Andi bei mir, wir wollten die Galaxie mit der Supernova fotografieren. Wir hatten dazu selbiges Instrument wie bei meiner gestrigen Beobachtung auf der iOptron ieq45. Schon an Arktur fiel uns freisichtig ein sehr schnelles Seeing Geflacker auf. Beim Fokussieren der Kamera wurde es schwierig.  Schnelles, "pumpendes" Seeing, den kleinsten Spot des Sterns hier zu finden so gut wie unmöglich. Das erste Foto der Galaxie: Schrecklich dicke Sterne, da sind wir doch meilenweit aus dem Fokus! Also nochmal zu einem schwächeren Stern, neu fokussieren, zurück zur Galaxie, hm, etwas besser, aber lang nicht gut. Es war einfach nicht zu wollen. Das Foto, hätte ich sonst nichts, wäre wohl hier im Bericht erschienen. Die Galaxie war drauf, die Supernova deutlich zu erkennen, reicht für einen Nachweis.

Auch die nächste Nacht (13. 6.) versprach klar zu werden, zumindest sah es in der Dämmerung so aus. Ich hatte hier einen 254/1200 Dob zum Test, den ich am Tage zusammengebaut und justiert hatte. Ich wollte nun die Abbildungsleistung checken und auch die Gängigkeit in den Achsen, ob sich das Teleskop weich nachführen lässt. Leider bildeten sich in der beginnenden Nacht lokal Wolken, die zwar auch rasch weiterzogen, aber es bildeten sich immer wieder neue, und am Ende war der Himmel fast bedeckt. Zumindest waren die ersten Blicke auf den Himmel noch frei, das reichte zum Justieren des Suchers und für erste Eindrücke. Ich hatte sogar eine Aufsuchkarte für die Galaxie NGC 3938 aus dem Triatlas B-Kartenset ausgedruckt, und wollte mit dem 10 Zöller die Galaxie sehen. Just in der Gegend meines Objekts und dort wo ich die Suche beginnen wollte, hingen ständig irgendwie Wolken. Somit guckte ich sonst wo herum. Mein Auto stand in der Einfahrt, ich hatte nur den schmalen Streifen daneben. Wie der Westhimmel mal mehr frei war, hielt ich über das Autodach drüber, und wollte möglichst tief herunter, um auch an Objekten mit niedrigerer Höhe die Beweglichkeit des Dobs zu testen. Wie ich so langsam über den Himmel rührte und das Teleskop hin und her bewegte, ich sah dabei natürlich ins Okular, hatte mein 22mm Panoptic im Auszug, blieb mein Auge auf einmal an einem mir bekannten Sternmuster hängen. Hä? Bin ich da etwa? Ich schaute nochmals, nahm das Feld genauer in Augenschein, wirklich, voll auf der Galaxie drauf! Also das kommt einem Lottotreffer gleich! Freilich, nun im Newton hatte ich ein "astronomisch richtig" orientiertes Bild, musste also wieder umdenken gegen das, was ich im Refraktor gesehen hatte.

Nun denn, 10" sind 10" Öffnung, das bietet andere Möglichkeiten. Obwohl ich bei der genauen Untersuchung immer wieder von Wolken gestört wurde, gab es doch bessere Phasen. Also ja, die Galaxie selbst war leichter zu orten, sogar ein Anflug von Spiralstruktur. Der Kern fast nach Belieben zu sehen. Damit war auch die Supernova ziemlich leichte Beute. Ich entdeckte da zwei neue fast "stellare" Objekte nahe der Supernova, und war erst recht ein bisserl verunsichert, was ich da gesehen hatte. Jedenfalls, relativ zum Kern, die Lage der Supernova war eindeutig.

Am nächsten Tag konsultierte ich das Planetariumsprogramm SkytechX und lud das DSS Color Bild der Galaxie NGC 3938 rein. Mmm. Diese zwei stellar wirkenden Objekte nahe der Supernova, die ich im 10" gesehen hatte, waren wohl Knoten in den Spiralarmen. Und meine drei stellar wirkenden Objekte in einer Reihe, die ich im Vierzoll Refraktor gesehen hatte, war wohl die leicht schräg laufende Kette von helleren Knoten in den äußeren Spiralarmen. Das "stellare" Ding jenseits des Kerns ist vielleicht wirklich ein Stern nahe am äußeren Spiralarm.

Auch die Folgenacht (14. 6.) war klar, wir, Andi und ich, standen wieder draußen, hatten den Vierzöller auf einer neuen iOptron CEM60, in erster Linie um diese Montierung zu testen, aber dabei hatte ich Gelegenheit, nochmals einen Blick auf die Supernova zu werfen. Ja, hier hat sich erhärtet, dass meine "Dreierreihe" stellar wirkender Objekte die Kette der Knoten in den äußeren Spiralarmen sein muss. Die Supernova war bei der schwachen Vergrößerung (70x) natürlich recht nahe am Kern zu finden, wie schon gehabt.

Nochmal klarer Himmel (15. 6.), zumindest bis Mitternacht sollte es vor der herannahenden Front halten. Andi war hier, hatte sein C8 mit, und wir wollten fotografisch nochmal auf die Supernova drauf halten, mit dem Achtzöller und fast 1300mm Brennwweite sollte mehr rausschauen. Also wurde im Prinzip genau dafür aufgebaut, wir hatten vor, uns umgehend der Fotografie zu widmen. Freilich, bevor die Kamera dran kam, durfte ein visueller Blick durchs C8 nicht fehlen. Ich nahm mir durchaus Zeit, am Okular ordentlich dunkel zu adaptieren und die Sache in Ruhe nochmals zu begutachten. Also das was ich mittlerweile rausgefunden hatte, bestätigte sich. Die Supernova konnte ich fallweise sogar für etwa eine Sekunde indirekt halten.

Andis C8 im Fotoeinsatz, dran ist die Canon 1000D mit AP 0,67x Reducer, auf der iOptron CEM60

NGC 3938 mit der Supernova 2017ein. Die Supernova ist das helle Sterndl links leicht oberhalb des Kerngebiets, an der Grenze der "inneren Scheibe".
Foto: 5x 10 Minuten bei ISO 800, Canon 1000D am C8 mit AP 0,67x Reducer, auf der iOptron CEM60 Montierung. Stadthimmel mit etwa 5,3 mag vis. Grenzgröße im Zenit.

DSS Color Bild aus dem SkytechX Planetariumsprogramm, NGC 3938, hier freilich ohne Supernova

Meine Sorgen, die Supernova mit Sternen in der Umgebung verwechseln zu können, war im Prinzip unbegründet. Es gibt dort in unmittelbarer Umgebung schlicht keine überlagerten Sterne unserer Milchstraße, nur Knoten in den Spiralarmen. Aber Vorsicht ist eben die Mutter der Porzellankiste. Helle Knoten, die geringe Vergröpßerung, das schlechte Auflösungsvermögen der Stäbchen-Zellen beim indirekten Blick, somit "sieht" man stellare Objekte, die eigentlich keine sind. Die zweimalige Beobachtung im Vierzoll Refraktor, die Beobachtung im 10" Dob und im 8" SC hat mir ermöglicht, die Galaxie und die Supernova eingehender zu "untersuchen". Ich kann am Ende sagen, die Supernova sicher gesehen zu haben, und so schwierig war sie für mich auch im Vierzöller nicht. Die Recherche im Nachhinein, anhand von Fotos, erleichterte die Sache. Neue Zeiten, neue Möglichkeiten. 

Zu unserem Foto auch noch ein Wort: 50 Minuten unter aufgehelltem Stadthimmel ist natürlich auch noch eine ziemlich verhungerte Belichtung. Es gilt, sich nach der Decke zu strecken, möglichst viel heraus zu holen, ohne das Bild komplett zu vergrausen. Ein heikler Balance-Akt. Für die "Gallery" ist dieses Bild nicht gedacht, es ist ein Dokument, eine Erinnerung an dieses Ereignis.

Howdii

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