Beobachtungsbericht vom 8. 4. 2010 (Steyersberger Schwaig)

Die Idee, es auf der Steyersberger Schwaig einmal zu versuchen, kam von Michi Tittl. Ich war durchaus bereit, mitzukommen, und auch Walter war interessiert an diesem für uns neuen Beobachtungsplatz - sagen wir so: potentiellem Beobachtungsplatz. Der Hüttenwirt war grad auf Zeitausgleich, somit war der Parkplatz verlassen und wir hatten eine "heilige" Ruhe. Wie es ausschaut, wenn Hüttenbetrieb ist, wie lange da mit Licht zu rechnen ist, wieviel "Autogefahre" da noch ist, wissen wir noch nicht. Es steht also noch "in den Sternen", ob wir da einen neuen gut erreichbaren Beobachtungsplatz gefunden hätten...

Orion-Untergang hinter Bäumen
Orion-Untergang hinter Bäumen, 50mm Objektiv, f/1.4, ISO800, 15s belichtet in der Abenddämmerung auf fixem Stativ.
Sämtliche Fotos in diesem Bericht sind unbearbeitet (und daher etwas dunkel), Walter wollte damit die Himmelsqualität dokumentieren.

Bei meiner Ankunft um ca. 21:45 MESZ waren Michi und Walter schon dort, Walter bereits fotografisch "am Objekt". Ich wollte eigentlich so mit Einbruch der Nacht oben sein, habe mich aber etwas verspätet, weil ich in Kirchberg nicht gleich gefunden hab' wo ich raus muss, damit ich dort rauf komm'... Jetzt ist die Sache aber klar, und ich würd' zügig direkt hintreffen, auch ohne Navi ;-)

Als "Spechteleisen" hatte ich einen Galaxy D8 mit Quarz Hauptspiegel mitgebracht, auf einer alten, von mir bereits etwas "gepimpten", GSO Rockerbox. In erster Linie wollte ich den Himmel auf der Steyersberger Schwaig begutachten, also hatte ich kein großartiges Beobachtungsprogramm. Meine erste Tat war, das Dobserl rauszustellen, und mit dem SQM-L am Himmel rumzufuchteln. Ich kam im Zenitraum auf 21.50 mag/sec2, Walter schätzte in der UMi Gegend auf 6.3 mag. Passt zusammen. Also durchaus ein feiner Himmel. Naja. Der Landschaftshorizont ist bis auf Nordost ziemlich hoch, und deckt so das Streulicht rundum gut ab. Damit macht der Himmel dort einen besseren Eindruck als es bei guter Rundumsicht wäre... Auf der sicher einige Jahre alten Lichtverschmutzungskarte liegt dieser Platz auch nur in einer "grünen" Zone, so darf es nicht weiter wundern, dass hier außerhalb des Zenitraums, selbst gegen den hohen Landschaftshorizont, schon leichte Aufhellung zu merken ist. Es geht aber dort, solange man nicht gegen den grauslich hellen Nordosthimmel, wo man freie Sicht ins Tal hinunter hat, schaut. Wiener Neustadt und Wien lassen grüßen... Auf der Bortle Skala würd ich, abgesehen vom NO Himmel, dem Platz eine Vier geben, was bei Dunst relativ leicht auch abrutschen kann. Wir hatten sicher eine gute Nacht von der Transparenz her. Das Seeing war nicht berühmt. Die meiste Zeit über war es windig. Der Wind hat später nachgelassen und ist eingeschlafen, das Seeing wurde aber deswegen nicht besser. Dafür ist es ein bissel feucht geworden. Allerdings hat bei meiner Abfahrt nach 2 Uhr früh (MESZ) der Wind wieder merklich aufgefrischt. Vor der Abfahrt nahm ich noch eine Messung mit dem SQM-L vor, und war erstaunt, im Zenitraum nun 21.61 mag/sec2 vorzufinden. Bei etlichen Messungen zwischendurch waren nämlich die 21.50 mag/sec2 konsistent.

Corvus am Südhimmel
Der Rabe am Südhimmel über den Bäumen, 50mm Objektiv, f/1.4, ISO 1600, 10s belichtet

Nun zu den Beobachtungen im Teleskop... Walter wollte gleich einmal sein erstes Fotoobjekt sehen, die Balkenspirale NGC4236 im Drachen. Er stellte es selbst ein, und ich hatte nur zu schauen :-) Aha, Riesending von Zigarre da im Okular, erst einmal bei 55x. Bei 80x war der Hintergrund im Okular dunkler, und kleinere Details sind für das Auge leichter zugänglich. So konnten wir noch einige Knoten am Rand erkennen. Also im Wesentlichen ist der ausgeprägte Balken als "Zigarre" erkennbar, mit kaum ausgeprägtem Zentrum, und in den Bereichen der abgehenden Spiralarme (man sieht auch nur sehr schräg auf die Galaxie drauf) sind einige Lichtknoten erkennbar. Eine erste Augengymnastik-Übung war das...

NGC 4236
Walters Deep-Sky Aufnahme: NGC 4236 im Drachen, belichtet insgesamt über 2 Stunden mit dem 9.5" Newton

Walter war dann neugierig auf die Optik im Startest. Dafür musste wieder einmal Arktur im Bootes herhalten. Langsam muss ich mir wohl wirklich einen anderen Stern suchen, der muss doch von den vielen Startests schon Abnützungserscheinungen aufweisen ;-) Über den Startest selbst werde ich mich in einem anderen Bericht näher ergehen.

Mars war auch noch ein Ziel, wobei wir uns mit 200x bescheiden mussten, obwohl mit 300x die Erkennbarkeit von Details halt für's Auge schon stark verbessert wäre. Aber das hat's vom Seeing her nicht gut vertragen. Die Polkappe ist schon wunziklein, Mars zeigt deutlich Phase, und irgendwas Dunkleres war Blickweise wahrzunehmen. Keine Sensation also...

Praesepe und Mars
Praesepe (M44) und Mars, 50mm Objektiv, f/1.4, ISO 1600, 10s belichtet

Michi hatte es eilig, für ihn war es nur ein sehr kurzer Einsatz. Bevor er fuhr, ließ er sich ein paar Blicke durch mein Dobserl aber nicht entgehen. Da war zum Beispiel M3, recht hoch am Himmel. Whow! Wie Diamanten auf mattschwarzem Samt glänzten die Sterne bei 160x! Dieser Anblick entzückte uns alle! Michi wollte dann noch die Sombrero Galaxie M104 sehen. Kein Problem, zack, da ist sie. Und was guter Himmel gleich ausmacht: Ich konnte den 8" Dob bis auf 200x "ziehen", und immer noch war ein Mehr an Details erkennbar bzw. besser erkennbar! Allerdings, der Gesamteindruck von M104 hat mir bei 160x am besten gefallen.

Michi verließ uns, Walter blieb noch ein Weilchen. Wir wollten noch Saturn probieren, aber das war nicht berauschend vom Seeing her, noch schlechter als bei Mars. Saturn steht ja auch zur Zeit wesentlich tiefer am Himmel. Wir ließen es mehr oder weniger bei einem Versuch bewenden.

Nach einer kleinen Pause zur Dunkeladaption nach dem hellen Knaller Saturn zappte ich so Freihand, ohne Karte, nach NGC4565, der "Needle" Galaxie. Also unter diesem Himmel fällt einem so ein Objekt einfach auf. Ich kenne zwar die Position ungefähr, aber weiß es nimmer genau, hab' aber locker beim "Herumrühren" mit dem Teleskop die Galaxie gefunden. Unter typischem Weinviertler Himmel z.B. brauch' ich schon die Sternkarte, da muss ich wirklich genau treffen... Bei 80x war es sicher genug mit der Vergrößerung. Die Galaxie fast schon formatfüllend, und die extreme Ausdehnung konnte man nur mehr indirekt erhaschen. Aber dennoch, eine "Whow" auch hier für einen Achtzöller!

Mittlerweile hatte auch Walter zusammengepackt, und fuhr. Ich dachte auch schon an Aufbruch, aber ein paar schöne Objekte wollte ich noch "mitnehmen". Dazu nahm ich einmal M13 ins Visier. Halleluja! Das war ein Fest für die Augen bei 160x! So einen Knaller von M13 hab ich schon lang nicht mehr in einem Achtzöller gesehen. Ha, was ein guter Himmel ausmacht! Und nur ein kleiner Schwenk, und klar und deutlich war die Galaxie NGC6207 zu sehen!

Dann machte ich mich an M10 und M12 zu schaffen. Ohne Karte. Ich weiß zwar ungefähr wo, aber genau hab' ich das nimmer im Kopf. Man wird älter... Aber bei einem so guten Himmel hängt man sich einfach an den Sucher und schaut, und findet diese Kugelhaufen einfach. Beide gleich bei 160x bespechtelt, und ich muss sagen, selten so schön in einem Achtzöller gesehen! Für M14 war es noch "zu früh", den hätte ich mir aus den Baumwipfeln maximal rausklauben können. Und leider habe ich auf den M92 vergessen, der wäre sicher auch wunderhübsch gewesen. Stattdessen nahm ich die nun bereits relativ hoch stehende Leier, und genau den Ringnebel M57 in Augenschein. Sicher kein schlechter Anblick bei 200x, aber ich kam bei den umgebenden Sternen doch nur mit einiger Mühe auf die 15.3 mag. Jagd auf den Zentralstern machte ich nicht. Angesichts der schon vorgerückten Stunde packte ich meine Sachen zusammen. Der 8" Dob ist ja schnell abgebaut und verladen, allein im Okularkoffer war Chaos. Allerdings, wenn viele Okulare aufgestöpselt herumliegen, dann ist das ein untrügliches Zeichen, dass es mir Spaß gemacht hat. In diesem Fall beides: Der Himmel war fein, und auch die 8" Optik hat sehr schöne Bilder gezeigt.

Einen Vergleich dieses Beobachtungspunktes mit der Ebenwaldhöhe möchte ich vielleicht noch ziehen: Walter war die vor-vorige Nacht ja auf der Ebenwaldhöhe und hat gemeint, dass die paar Hundert Höhenmeter hier schon was bringen könnten. Wien ist an beiden Standorten in der jeweiligen Himmelsrichtung etwa gleich dominierend. Damit ist ein Teil des Himmels mehr oder weniger stark beeinträchtigt. Was auf der Ebenwaldhöhe halt ist, man hat einen sehr dunklen Südhimmel, weil man da laut Lichtverschmutzungskarte in eine "blaue" Zone schaut. Das hat schon was für sich. Während hier, die  Steyersberger Schwaig, das ist eher eine "Oase" mitten in der Lichtwüste. Hier ist rundum heller Horizont, der nur durch den hohen Landschaftshorizont abgedeckt wird. Und noch eine generelle Bemerkung: 6.2 mag sind manchmal auch im Weinviertel im Zenitraum möglich. Dennoch, es ist ein Riesenunterschied, was auch die SQM-L Messung zeigt. Ich glaub', 21.61 mag/sec2 hier auf der Steyersberger Schwaig ist der bisherige Spitzenwert, den ich bislang gemessen habe.

Untergang der Zwillinge
Untergang der Zwillinge, 50mm Objektiv, f/1.4, ISO 1600, 10s belichtet

Howdii


Zurück zu den Beobachtungsberichten