Bericht: M82 Supernova 2014J (3. und 6. 2. 2014, Mistelbach)

Es war der Abend des 3. Februar 2014, endlich sah es nach einer klaren Nacht aus. Der Hochnebel zog sich von Osten her immer weiter zurück. Ein kurzes Telefonat mit Andi Berthold, und eine halbe Stunde später war er schon bei mir. Es war noch etwas zu früh zum Aufbauen. Zu Beginn der nautischen Dämmerung gingen wir ans Werk.

Da wir die Supernova 2014J in der Galaxie M82 fotografieren wollten, kam der TS 102/700 Triplet APO Zum Einsatz. Bis ein Foto Setup "knipsbereit" da steht, dauert es doch ein Weilchen. Wegen des böigen Windes hatten wir uns mit dem Fernrohr unter das Garagenvordach zurückgezogen, dementsprechend weigerte sich der GPS Empfänger meiner iOptron ieq45 irgendwas zu tun. Ich musste halt Datum und Uhrzeit selbst eingeben. Die Standortdaten stimmten sowieso noch vom letzten Einsatz.

Der Himmel zeigte sich nicht gerade von seiner besten Seite. Nebelschwangere Luft, das Zielgebiet stand noch relativ tief am Himmel. Man sah grad die Kastensterne des Großen Wagens, und die nur schwach, das war eher nur ein 2,5 mag Himmel. Aber wenn man schon so „ausgehungert“ ist, meine letzte astronomische Tätigkeit liegt ja schon drei Monate zurück, nimmt man halt, was man kriegt. Und schon während die Belichtungsserie lief, zogen die ersten Nebelfetzten durch, unser Zielgebiet bliebt vorerst frei. Irgendwann war es aus, die geplante Belichtungsserie war noch gar nicht durch. Wir haben sowieso gerechnet, dass es knapp werden könnte, und daher mit ISO 1600, aber nur der sonst üblich halben Belichtungszeit gearbeitet. Den Umständen geschuldet ist es kein sehr tolles Bild geworden, die Supernova 2014J ist aber deutlich zu sehen. Mehr als ein "Dokument" wollten wir auch nicht wirklich.

M82 mit der Supernova 2014J. Canon 1000D (unmodifiziert) am TS 102/700 Triplet APO mit 2" Flattener. 6x 5 Minuten bei ISO 1600. Ausschnitt in voller Auflösung.
Die Supernova ist der helle Stern auf der Längsachse der Galaxie, rechts des Zentrums. Norden ist oben.

Eigentlich wollten wir die Supernova auch visuell beobachten. Wenn es zu zieht geht's halt nicht. Aber ja, typisch, wie das Teleskop bereits abgebaut war, war das Zielgebiet auf einmal wieder frei... Nur, nochmal anfangen hätte nichts gebracht, wenn die Nebelfetzen über den Himmel ziehen geht das mit auf und zu ganz schnell und nicht vorhersehbar bis irgendwann gar nix mehr geht, und an dem Punkt waren wir nahe dran...

Es sah eigentlich so aus, na, mit einer visuellen Beobachtung wird das nichts mehr. Doch dann, am 6. Februar machte ich mir Hoffnungen, könnte sich eine Chance ergeben. Die Wolken wurden immer weniger, und es könnte klaren Himmel geben, bis halt der Nebel irgendwann wieder drüber schwappt. In der bürgerlichen Dämmerung noch ein paar Wolken am Himmel, die würden sich schon noch auflösen. Es war noch viel zu hell. Also zuwarten. Ich schaute zu Beginn der nautischen Dämmerung noch mal raus, ah, passt, in zehn Minuten geh ich raus, aufbauen. Nach diesen zehn Minuten war aber nichts mehr zu sehen. Mond weg, keine Sterne, trübe Suppe oben. Hm. Also gut, dann halt ein gemütlicher Abend in der warmen Stube...

Gegen 23 Uhr startete ich mit Canis Maior los zur "Nachtrunde". Ich trat aus der Tür - hä? Mond? Was macht den der da am Westhimmel? Ich heb' die Nase - oh - Sterne! Wie bitte ist das gegangen? Die Antwort fand ich auf meinem Auto - gefrostet, mit Reif überzogen. Es war wohl eine dünne Nebelschicht, die sich runter gelassen hat und gefroren ist. Die Wuffi Runde wurde also abgekürzt, ich trachtete danach, möglichst rasch wieder daheim zu sein.

Flugs wurde aufgebaut. Naja, 4 mag Himmel, immerhin besser als letztens bei der Foto Session, und das Zielgebiet stand nun hoch am Himmel, im Zenitraum. Somit dachte ich, ein Vierzöller sollte es tun, und holte den 102/1100 LD Refraktor. Zum Glück windstill, somit konnte ich "normal" aufstellen, und hatte auch alsbald GPS Kontakt - Montierung war wie üblich meine ieq45. M82 war auch flugs im Feld. Mit 110x war die ideale Vergrößerung gefunden. Die Supernova war nicht wirklich schwer zu sehen.

So wie ich halt einmal bin, wollte ich das schwache Sterndl direkt unterhalb der Supernova auch knacken. Das war aber hart. Ich brauchte ziemlich lange, um mein Auge vor der hellen Umgebung (umzingelt von Straßenlaternen, auch wenn es mittlerweile fast full-cutoff Leuchten sind) abzuschirmen, aber weit genug vom Okular weg zu bleiben, damit es nicht beschlägt. Nach sehr viel Augengymnastik - zapp - war das Sterndl da. So im Nachhinein kommt's mir halt erst... Das ist ein Stern mit knapp jenseits von 15 mag. 15 mag in diesem 4" Refraktor regt mich ja nicht mehr auf, aber bei einem 4 mag Himmel? Na hallo, da wird die Luft für sowas schon ganz, ganz dünn... Ich habe den Verdacht, dass dies die extremste Annäherung an das absolute Limit, was visuell überhaupt geht, gewesen sein könnte, die ich bislang geschafft habe...

Howdii


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