Eine winterliche Astrofotonacht auf der Steyersberger Schwaig

1./2. Februar 2011

Orion und die Wintermilchstraße, 6 min Orion und die Wintermilchstraße, 30s
Orion und die Wintermilchstraße über dem Skihang Arabichl, Strichspuraufnahmen 6 Minuten und 30s.

Seit Tagen schon lag über dem Flachland zäher Hochnebel, in Wien und Umgebung gab es keine Chance auf klaren Himmel. Aber diese Wetterlage bringt es mit sich, dass man über dem Nebel mit besonders dunklem Himmel rechnen kann, weil der Nebel das meiste Licht von unten absobiert. Sofern nicht über dem Nebel eine zweite Wolkenschicht liegt... Howdii hat es in der Nacht zuvor zunächst auf der Ebenwaldhöhe probiert, hatte dort aber Pech: Er stand dort mitten im Nebel. Im Zenitraum haben immer wieder mal Sterne durchgeblinkt. 50 Höhenmeter mehr hätten vielleicht ausgereicht... Er fuhr dann weiter zur Steyersberger Schwaig, immerhin 1357m hoch, und fand dort klaren Himmel vor, allerdings auch relativ starken Wind und schlechtes Seeing.

Angespornt durch Howdiis Bericht wollte ich es am 1.2. auch auf der Schwaig riskieren. Die INCA Analyse der ZAMG zeigte wenig bis gar keinen Wind für das Wechselgebiet an, in dem die Steyersberger Schwaig liegt, das klang ja mal ganz gut. Bisher war ich von diesem Beobachtungsplatz weniger begeistert, weil der Himmel meist nicht perfekt dunkel ist, dafür gibt es zu viel Licht durch umliegende Orte. Aber wenn die alle unter dem Nebel liegen und die Schwaig darüber hinausragt, dann müsste es doch ganz gut gehn...?

An diesem Tag, ein Dienstag, konnte ich schon relativ früh aufbrechen. Allerdings hatte ich das Handicap, am nächsten Tag früh aufstehen zu müssen, daher konnte ich längstens bis Mitternacht bleiben. Dienstag ist ein guter Tag für astronomische Unternehmungen auf der Schwaig, weil das Wirtshaus Ruhetag hat. Als ich kurz nach 18 Uhr raufgekommen bin, war in der Hütte trotzdem Licht, aber das war nur der Wirt, der gleich darauf abgedreht hat und runtergefahren ist. Die ganze Schwaig präsentierte sich tief winterlich schneeweiß. Der Tages-Skibetrieb war aber schon lange vorbei.

Es war windig, Westwind hat durchgeblasen, nicht stark, aber beständig. Hmm, also so hat das die INCA-Analyse das aber nicht angezeigt... Auf der Nordseite der Schwaig, gleich neben der Bergrettungshütte, war der Wind weniger stark zu spüren, dort ist man relativ gut geschützt bei Westwind. Der Südhimmel hat mir an diesem Platz auch besser gefallen als an jedem anderen Punkt auf der Alm, da der Horizont von dort aus gesehen etwas tiefer liegt. Dort habe ich daher aufgebaut, nahe am vor Wind schützenden Waldrand, auf einem Untergrund aus gepresstem Schnee.

Beobachtungsplatz
Mein Astrofoto-Arbeitsplatz nahe dem Waldrand, auf der Nordseite der Schwaig, hier fotografiert knapp vor Untergang der Milchstraße. Sirius zieht die hellste Strichspur unten nahe dem Horizont. Die roten LEDs leuchten schwach und stören nicht, die 24 Minuten-Belichtung integriert aber das Licht. Das Foto entstand nach Abschaltung der Semmering-Pistenbeleuchtung.

Mit im Gepäck hatte ich den 4.9" Wright-Newton, mein Spezialist für große Bildfelder, in Kombination mit der QHY8 Pro CCD Kamera; die Canon 350D mit 50mm Objektiv für piggy-back Aufnahmen der Milchstraße; und meine Nikon D40 samt Zoomobjektiv, das ich in der 18mm-Stellung für Sternstrichspur-Aufnahmen auf Stativ verwenden wollte. Mit der Nikon-Kamera und diesem Ojektiv sind dann auch die ganzen Dokumentationsfotos in diesem Bericht entstanden.

Nach ausreichender Dunkeladaption musste ich leider feststellen, dass der NW-Horizont bis hoch hinauf in den Zenitraum stark aufgehellt war. Verursacht wurde das von der Pistenbeleuchtung am Semmering, nur 9 km Luftlinie vom Standort entfernt. Im Zenitraum habe ich zunächst nur 21.0-21.1 mag/arcsec2 mit dem SQM-L gemessen. Effektiv hellt diese Lichtverschmutzung den gesamten Himmel auf, wie ich auf meinen CCD- und DSLR- Aufnahmen feststellen musste, selbst der Südhimmel, wo ich meine Deep-Sky Aufnahmen gemacht habe, war davon betroffen. Das Seeing konnte ich nur anhand meiner Aufnahmen beurteilen, weil ich kein visuelles Teleskop mit dabei hatte, es hat aber gar nicht übel ausgesehen. Freisichtig haben nur Sterne in Horizontnähe gefunkelt. Offenbar bläst der Westwind dort recht laminar durch und erzeugt kaum Turbulenzen, die das Seeing verschlechtern würden. Durch den Wind war es wenigstens weitgehend trocken, die Autoscheiben sind fast gar nicht beschlagen und das CCD-Fenster blieb auch frei von Tau und Eis. Es hatte -7C.

Noch während des Aufbaus ist ein Skidoo mit viel Licht dahergedüst, wahrscheinlich kamen der von einer weiter oben gelegenen Hütte, darauf eine Dame und ein Herr, die haben sich für meine Teleskope lebhaft interessiert, bevor sie mit einem Auto abgefahren sind, den Skidoo haben sie stehen gelassen. Ansonsten blieb ich in der Nacht alleine und ungestört.

Fotografiert habe ich den Rosettennebel mit dem JSO Wright-Newton. Die Canon 350D war parallel dazu montiert und belichtete die gesamte Umgebung des Rosettennebels mit einem 50mm Nikon Objektiv. Die Aufnahmen liefen ruhig und problemlos, die gelegentlichen Windstöße waren nicht stark und haben nicht weiter gestört.

NGC 2237-46 Monoceros North
Deep-Sky Aufnahmen der Nacht: NGC 2237-46 - Rosettennebel, mit dem Wright-Newton und mitsamt Umgebung mit einem 50mm Objektiv. Die verlinkten Seiten enthalten am unteren Ende zoom- und schwenkbare Versionen der Astrofotos.

Die Semmering-Pistenbeleuchtung wurde um ca. 22 Uhr abgedreht, daraufhin wurde der Himmel merklich dunkler. Danach habe ich dann mit dem SQM-L schwankende Werte zwischen 21.50 und 21.70 mag/arcsec2 im Zenitraum gemessen, im Mittel also 21.6 mag/arcsec2- sehr fein! Den Unterschied vorher-nachher am hohen NW-Horizont habe ich fotografisch dokumentiert:

25s ISO 1600 18mm f/3.5 mit LV 500s ISO 200 18mm f/4 mit LV
Hoher NW-Horizont vor Abschaltung der Semmering-Pistenbeleuchtung: Nikon Zoom Objektiv bei 18mm Brennweite, Belichtungszeiten 25s bei ISO 1600 und 500s bei ISO 200. Fotos unbearbeitet.

25s ISO 1600 18mm f/3.5 ohne LV 500s ISO 200 18mm f/4 ohne LV
Hoher NW-Horizont nach Abschaltung der Semmering-Pistenbeleuchtung: Nikon Zoom Objektiv bei 18mm Brennweite, Belichtungszeiten 25s bei ISO 1600 und 500s bei ISO 200. Fotos unbearbeitet.

Bei dem feinen Himmel nach Abschaltung der Semmering-Pistenbeleuchtung war auch der Gegenschein recht gut zu erkennen, als großer diffuser Fleck links unterhalb von Praesepe, das habe ich auch fotografiert. Ansatzweise war da sogar das Zodiakalband zu erkennen. Beide Phänomene werden durch am interplanetaren Staub reflektiertes Sonnenlicht verursacht. Whow! So habe ich das bisher nur auf der Glocknerstraße gesehen, noch nie in Ostösterreich. Die Schwaig kann's - wenn alles andere unterm Nebel liegt, und der Semmering endlich mal Ruhe gibt. Bisher war ich ja weniger begeistert von der Schwaig, aber unter diesen speziellen Bedingungen war sie Weltklasse!

Gegenschein, 18mm, 3 min egenschein, 18mm, 3 min
Der Gegenschein auf Strichspuraufnahmen als schwacher diffuser Fleck jeweils knapp unterhalb der Bildmitte, links unter M44 (auffälliger Sternhaufen). Nikon Zoomobjektiv bei 18mm f/3.5, 3 Minuten und 5 Minuten belichtet. Der Gegenschein ist fotografisch schwierig herauszuholen, den Hintergrund habe ich bei der Nachbearbeitung stark aufgehellt. Die Vignettierung des Objektivs wurde weitgehend korrigiert. Die Aufhellung am rechten Bildrand stammt von der Wintermilchstraße. Prokyon zieht die hellste Strichspur im rechten unteren Quadranten.

Ganz ohne Lichtverschmutzung ging es trotzdem leider nicht, am tiefen Osthorizont filtert schon Licht aus dem Flachland durch den Nebel hindurch, auch das habe ich fotografisch dokumentiert.

500s ISO 200 18mm ohne LV
Lichtverschutzung am tiefen Osthorizont. Nikon Zoomobjektiv bei 18mm Brennweite f/3.5, Belichtungszeiten 30s bei ISO 1600. Foto unbearbeitet.

Mir hat es in dieser Nacht leid getan, kein Zweitteleskop mit dabei zu haben, zur visuellen Beobachtung. Aber darauf habe ich bewusst verzichtet, weil ich wenig Zeit hatte. Kurz nach Mitternacht musste ich schon zusammenpacken, ich wäre gerne noch länger geblieben in so einer feinen Nacht... Beim Ortsteil Molz, der zu Kirchberg am Wechsel gehört, war ich bei der Talfahrt in dichtem Nebel. Im Gegensatz zur Bergfahrt merkte ich den Wiedereintritt in die Nebelschicht deutlich.

Walter


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