Vixen Super Polaris 102 M im Test

Ein Freund hat gesehen, dass ich ein paar alte Teleskope zum Test da hatte, und gemeint, wenn mir das Spaß mache, dann könne er mir Nachschub liefern. Und so landete eines Tages der Vixen Super Polaris 102 M Refraktor bei mir zum Test. Nur so, "just for fun". Der Super Polaris 102 M ist ein klassischer CF Achromat, mit 102 mm Öffnung und 1000 mm Brennweite. Den Beinamen "Super Polaris" hat dieses Teleskop wohl, weil es im Paket mit der Vixen Super Polaris Montierung zu haben war. Etwa ab 1986 gab es diese Kombi zu kaufen. Konkurrenz gab es damals wenig, eher teurere, wenn man nur an den Namen Zeiss denkt. Apochromatische Refraktoren waren noch nicht groß in Mode, und die wenigen, die es gab, waren nahezu unerschwinglich. Vixen Teleskope und Montierungen waren damals auch nicht gerade billig, aber man bekam dafür eine solide Qualität.

Hier hat zusammen gefunden, was zusammen gehört: Der Vixen Super Polaris 102 M Refraktor auf meiner alten SP-DX. Gebrauchsspuren finden sich sowohl an Teleskop wie an der Montierung - beide haben schon allerhand mitgemacht, aber auf getrennten Wegen...

Ein erstes "Beschnuppern" gab es bereits am 18. Mai 2011. Es war eine Nacht mit durchaus gutem Seeing. Erste Eindrücke vom Startest, und ein paar Beobachtungen. Was mir gleich auffiel, die Optik zeigt nadelfeine Sterne. Den Mond habe ich nicht erwischt, weil er zu dieser Zeit so tief am Südhimmel dahinzog, und nur durch die Bäume schimmerte. Saturn war ein durchaus guter Prüfstein, den gab ich mir mit dem 4mm Zeiss Abbe Okular, was einer Vergrößerung von 250x entspricht. Das Bild war erstaunlich scharf, die Cassini Teilung, der Ringschatten auf dem Planeten, und das Wolkenband auf dem Planeten waren gut zu erkennen. Mit dem C-Ring tat ich mir etwas schwer, das war nicht ganz eindeutig, meiner Meinung nach ein Opfer des Farbfehlers. Ein guter 4" APO hätte den C-Ring wohl sauber gezeigt. Aber dennoch, brave Leistung. Wenn ich Saturn direkt fixierte, verschwand auch der leichte blauviolette Farbhof praktisch völlig. Der Halo wurde nur bei indirektem Blick deutlich.

Der Sucherarm ist schwenkbar ausgeführt. Er trägt einen 6x30 Sucher mit guter Optik. Fokussierer: Damals musste man noch mit 1,25" Zubehör auskommen

Das Öffnungsverhältnis von 1:10 ist beim 102 M ein Zugeständnis an die Kompaktheit des Tubus und bessere Tauglichkeit für allgemeine Beobachtungen. Für einen kaum mehr wahrnehmbaren Farbfehler müsste bei 4 Zoll Öffnung ein f/15 her. Das gab es mit dem Vixen Saturn P 102 L, mit 1500mm Brennweite eine rechte Orgelpfeife, und aufgrund des langen Hebels verlangt der auch schon nach einer stabileren Montierung. Der Beiname "Saturn" besagt wohl , dass der "L" zusammen mit der größeren Saturn Montierung angeboten wurde. Der "L" war freilich bei Mond- und Planetenbeobachtung in seinem Element, sicher auch bei Doppelsternen. Dennoch, selbst mit den damals verfügbaren Okularen war etwa ein Grad Himmelsfeld drin, da geht doch auch was mit Deep Sky (einem 8" SCT, das auch nur etwa ein Grad Feld schafft, würde ja niemand die Deep Sky Eignung absprechen wollen).

Das 1,25" Zenitprisma (es ist wirklich noch ein Prisma!) wird mit einer Schraube geklemmt. Eine mit 3 Schrauben geklemmte Ringschwalbe ermöglicht Rotation des Zenitprismas ohne den Fokus zu verlieren. Der Zahnstangenfokussierer geht etwas streng, aber komplett wackelfrei

Um "bunte" Achromaten im Startest genauer evaluieren zu können, muss man ihnen schon mit ein paar Tricks zu Leibe rücken. Das eine ist, dass ich mit Zwirnsfäden eine Papierscheibe, die einer Obstruktion von 33% entspricht, vor dem Objektiv zentriere, das andere, dass ich Grün-, Rot- und Blaufilter verwende, um die sphärische Aberration abschätzen zu können. Für diese Prozedur fand ich am 31. 5. 2011 Zeit. Bedingungen: mondloser Himmel, etwa 4,5 mag im Zenitraum, brauchbar gutes Seeing. Warm, bei 22° zu Testbeginn, etwa um 21:50 MESZ, 20° bei Testende um 0:15 Uhr. Als Teststerne dienten mir einmal mehr Arktur, und später Wega.

Selbst der topasfarbene Arktur weist ein gelbgrünes Beugungsscheibchen auf. Beobachtet wird ja im grünen e-Licht. Daher ist einmal die sphärische Aberration im Grünen von vorrangigem Interesse. Da kann ich dem Teleskop eine gute Korrektur bestätigen. Es handelt sich konkret um Unterkorrektur, wobei der Schatten der Obstruktion extrafokal nur einen Tick später kommt als intrafokal. Damit sind wir deutlich besser als das üblicherweise bemühte λ/4 Kriterium. Ich würde anhand der Beugungsringe intra- und extrafokal, sowie anhand des Randes der Beugungsfigur, intra- wie extrafokal, auf etwa λ/6 im grünen Licht tippen. Im Roten ist ein Achromat dann unterkorrigiert, im Blauen überkorrigiert. Genau das habe ich auch so vorgefunden, und etwa auf jeweils λ/4 geschätzt. Wobei man beim Blaufilter aufpassen muss: Der grüne e-Fokus kommt noch durch, man muss zur Bewertung ein Stück weiter hinten den blauen Fokus suchen (ein tieferes Blau als der F-Fokus), der aber durchaus noch als Fokus zu bezeichnen ist.

Das Objektiv ist justierbar. Multi-Coating? Ja, würde ich sagen. Ich habe zwar lange suchen müssen, doch zarte rötliche und grünliche Reflexionen einer Lampe gefunden

Der Objektiv Deckel geht direkt auf die Linsenfassung, nicht auf die Taukappe, wie üblich.

Ohne Farbfilter und ohne Obstruktion ist die Farbkorrektur zu beurteilen. Die Farbabfolge ist typisch für einen Achromaten. Knapp nach dem e-Fokus findet man einen tiefroten Fokus, jenseits der C-Linie. Den CF-Fokus zu suchen ist immer reizvoll. Man findet ihn oft dadurch, dass durch Seeingfluktuationen an dieser Stelle mal Blau(ein helleres Blau) und mal Rot (ein nicht zu tiefes Rot) erscheint. Das sekundäre Spektrum zwischen e-Fokus und CF-Fokus soll 1/2000 der Brennweite betragen, das ist bei 1000 mm Brennweite 0.5 mm und passt auch hier (Drehwinkel am Fokussierknopf und Hub des Fokussierers, nachgemessen). Hinter dem CF-Fokus findet man wie schon gesagt ein tieferes Blau noch recht gut fokussiert, während weiter hinten Violett schon nur mehr als dickerer Knödel aufscheint.

Die Rohrschellen sind mittels Schrauben mit der Montierung verbunden. Prismenschienen sind bei Vixen erst mit der GP/GP-DX gekommen. Das Aufsatteln mit den Schrauben ist aber weniger schlimm als man sich das vielleicht vorstellt. Im Hintergrund das blaue Ding ist der Wassernapf von Canis Maior - ja, richtig, nicht Canis Minor!

Astigmatismus ist natürlich off-axis zu bemerken, ein achromatischer Refraktor ist per Definition ein Aplanat, also sphärisch und auf Koma korrigiert. Auf der optischen Achse ist kein Astigmatismus festzustellen. Thermisch bedingt gab es einen minimalen Anflug, der im Lauf der Beobachtung bis auf ein kaum mehr wahrnehmbares Ausmaß zurückging. Bei meinem ersten Test am 18. 5. habe ich auch diesbezüglich aufgepasst, und am Ende der längeren Beobachtung absolut nichts davon feststellen können. Auch Pinching ist kein Thema. Was aber leider der Fall ist: eine gewisse Rauhigkeit ist vorhanden. Das stärker defokussierte Beugungsbild wirkt wie mit Schmirgelpapier bearbeitet. Das bleibt nicht ohne Folgen: Helle Sterne sind nicht nur von dem blau-violetten Farbhof umgeben, sondern zeigen auch einen noch viel größeren Streulichthof, der farblos bis leicht grünlich erscheint.

Zenitbeobachtung mit dem Original Stativ - da heißt es "get on the floor". Ich habe dazu einfach den Sitz von meinem Astrostuhl ausgehängt, das Brettl auf den Boden gelegt, und mich drauf gesetzt...

Zu meinen Beobachtungen noch ein paar Worte. Nach dem Startest an Wega war es naheliegend, gleich einmal den "Double Double" ε Lyrae in's Visier zu nehmen. Bei 100x waren beide Komponenten in feine Lichtpünktchen getrennt. Der Ringnebel M57 war ein zartes Rauchringerl. Ich habe mir aber ziemlich schwer getan, den nahen 13 mag Stern zu sehen. Ein Blick zum Himmel hat dort etwas "Milchiges", was nicht hingehört, gezeigt. Später ist dieser Wolkenschleier weiter Richtung UMi gezogen. Aber gut, was bin ich auch für ein vermessener Kerl, wenn Vixen 11.8 mag als Limit angibt, und ich gleich 13 mag sehen will ;-) M13 war nett bei 167x, gut aufgelöst, bei 133x aber freilich heller. Detto bei M3, wobei hier bei 133x noch nicht viel mit Auflösen war, da brauchte es schon mehr. Enttäuschend war dann ein Blick zur Galaxie M51. Grad die beiden Kerne mit einer Andeutung von Nebel herum war zu erkennen. Tja, die beste Nacht war es freilich nicht, und wenn von mir unbemerkt noch weitere Wolkenschleier herumgezogen sind, wäre das schon klar. Weil ein bissl mehr hätte ich mir im Vierzoll Refraktor selbst unter meinem Stadthimmel erwartet. Ehrenwort, das Obstruktionsplattl vor der Linse war längst weg. Es mag wirklich an den Bedingungen gelegen sein, sonst hätte ich am 18. 5. schon irgendwelche Bemerkungen über "Lichtmangel" in meinen Aufzeichnungen gefunden.

Des Rätsels Lösung: aus Canis Minor ist Canis Maior geworden. Meine nächtlichen Tests wurden genauso bewacht wie die Foto Session für diesen Bericht...

Jedenfalls war auch das wieder ein netter Ausflug in die teleskopische Vergangenheit. Wenn ich noch gern etwas vor mein "gestrenges" Auge kriegen würde, dann wäre das der "Lange". Bei dem ist die Bezeichnung Fraunhofer wirklich noch gerechtfertigt. Die kurz bauenden, die sich so nennen, sind eigentlich allesamt Pervertierungen der Idee des Herrn von Fraunhofer.

Howdii


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