Testbericht: TS Photoline 102/700 Triplet APO

Prolog

Der TS Photoline 102/700 APO ist preislich durchaus als günstig einzustufen (ich gebe hier allerdings keinen Preis an, da sich Preise ändern können). Man kann ruhig auch das Doppelte für einen Vierzoll APO hin legen. Ob die teureren Exemplare im Endeffekt besser sind? Das möge letztlich die p.t. Leserschaft für sich selbst bewerten... Was bekommt man für's Geld? Der APO kommt in einem soliden Alu Koffer mit passend ausgeformter Schaumstoff Einlage. Es gibt eine ausziehbare Taukappe, CNC gefertigte Rohrschellen, einen 3" Crayford Fokussierer mit Feintrieb. Das Objektiv ist dreilinsig, mit Luftspalt ausgeführt, der Beschreibung nach sitzt es in einer voll justierbaren temperaturkompensierten Fassung. Multi Coating erwartet man heute sowieso. Alles sieht sauber verarbeitet aus.

Der APO in seinem Koffer. Der heikle Feintrieb des Fokussiers ist zusätzlich auf Luftpolsterfolie gebettet.
Die Ausformungen für die Rohrschellen passen halt nicht genau, wenn der APO bereits für den Praxiseinsatz konfiguriert ist.

Der 2" Flattener mit Schachtel passt noch dazu, den kann man somit gar nicht vergessen mitzunehmen...

Mit voll ausgezogener Taukappe ist der APO kaum länger als sein Koffer

Der 3" Fokussierer ist rotierbar. Zum leichteren Auffinden der Fokusposition weist er eine Millimeter Skala auf (hier nicht sichtbar), das gehört heute zum guten Ton.
Für den 3" Flattener wird der 2" Ansatz abgeschraubt, der große Flattener wird direkt am Fokussierer verschraubt

Wer jedoch ein bisschen Einblick in die heutige Teleskop Landschaft hat, merkt die "Modulbauweise". Mir kam gleich alles sehr bekannt vor. Der Tubus, die ausziehbare Taukappe mit aufgeschraubtem Frontdeckel, die Rohrschellen, das ist genau gleich gehalten wie an dem 102/1100 Achromat, den ich sehr liebe. Den 3" Fokussierer kenne ich auch bereits, er findet sich z.B. an dem 152/900 Achromat, den ich auch sehr schätze. Es ist nun eine Sache, aus all den Komponenten ein funktionierendes Teleskop zu machen. Speziell die "generische" Linsenfassung ist ein Knackpunkt. Manchmal hat man den Eindruck, es ist schon schwierig genug, zwei Linsen korrekt zueinander zu halten, wie ist es dann erst bei drei Linsen? Da muss beim Einbau der Optik in die Fassung sehr penibel gearbeitet werden. Darf man das zu diesem Preis erwarten? Wo doch andere Hersteller locker mehr dafür nehmen? Immerhin, es ist ein APO, er will farbrein sein, da lege ich beim Test schon andere Maßstäbe an.

Der TS 102/700 APO im Foto Setup auf meiner iOptron ieq45. Als Leitrohr dient ein 8x50 Sucher, mit einer langen Karton Taukappe.

First Light

Nach dem ersten Beäugen und Befingern montierte ich eine 2" Prismenschiene. Nun war einmal alles bereit für einen ersten Test. Normal ist es mindestens vier Wochen bewölkt, wenn man ein neues Teleskop ausprobieren möchte. Ich habe manchmal bei St. Petrus Sonderrechte, eine klare Nacht ließ nicht allzu lange auf sich warten. Konkret hatte ich sie bei nächstbester Gelegenheit, wo ich Zeit hatte. Es war Anfang Oktober, um die Testphase zeitlich zu umreißen.

Das Teleskop war gerade auf die Montierung aufgesattelt, und vor dem Balancieren bringe ich es in den Fokus, um gleich die richtige Gewichtsverteilung zu haben. Da schau ich natürlich ein erstes Mal durchs Okular. Wui, das sind feine Sterne! Richtige Nadelspitzen! Unbedarfte Beobachter müsste man fast warnen - Vorsicht, sticht! Beobachten konnte ich der Jahreszeit entsprechend einige Spätsommer- und Herbst Objekte, wie z.B. M13, M92, M57, M 56, M27, M71, M15, M31, etc. Es war kein so schlechter Himmel, aber eben Mistelbacher (NÖ) Stadthimmel, 5 mag freisichtig. Der Vierzöller schlug sich mehr als tapfer. In der Umgebung von M57 konnte ich locker bis 15,3 mag "durchmarschieren". Die nadelfeinen Sterne waren ein Hochgenuss, die Kontrastleistung superb. Für mich halt als visuellen Beobachter etwas ungewohnt, dass ich für halbwegs hohe Vergrößerung schon zu den kürzesten Okularbrennweiten meines eigenen Sets greifen musste. Das ist aber so bei nur 700 mm Brennweite. Dafür kann man sehr weite Himmelsfelder einsehen. Jedes Ding hat seine zwei Seiten...

Der Vierzoll APO ist mit ca. 6 kg Einsatzgewicht (mit Sucher, Zenitspiegel und Okular) zwar nicht ganz so leicht, aber kompakt. Meine ieq45 Montierung hat er nicht wirklich gefordert. Für visuellen Betrieb würde eine Montierung der GP Klasse durchaus reichen. Fotografisch sollte etwas Stabileres drunter. Der Refraktor versteht sich als Fotomaschine, es wäre aber Jammerschade, wenn man nicht öfter auch durchgucken würde. Bei dieser Performance zahlt es sich auf alle Fälle aus.

Star Test

Einen Refraktor im Startest zu bewerten bedeutet erhöhten Aufwand. Dafür reicht aber auch eine Mond helle Nacht, das Seeing sollte jedoch gut sein. Eine solche Nacht fand ich in der Vollmondzeit Mitte Oktober. Es "herbstelte" schon gewaltig, immer wieder bildeten sich Nebelwolken, die auch oft so schnell verschwanden wie sie gekommen waren, manchmal jedoch beharrlich ein ganzes Himmelsareal blockierten. Deshalb mussten mehrere Sterne (Vega, Deneb, Atair) herhalten, um den Test durchziehen zu können.

Erst zentrierte ich eine kreisrunde Kartonscheibe an Zwirnsfäden vor der Linse, um eine 33% Obstruktion zu bewirken. Damit lässt sich das Ausmaß der sphärischen Aberration abschätzen. Farbfilter (rot, grün und blau) lagen bereit, mein Zeiss Abbe 4mm Okular auch. Nach dem ersten Durchgang mit der Obstruktion im Strahlengang nahm ich dieses Plattl weg, und sah mir die Sache nochmal an. Ich darf dem getesteten Exemplar dieses Refraktors im grünen Licht eine nahezu perfekte Korrektur bescheinigen. Die Beugungsbilder auf beiden Seiten des Fokus sind nahezu identisch. Es ist schon schwierig festzustellen, ob es Unter- oder Überkorrektur sein soll. Eine Spur sphärischer Abberation höherer Ordnung habe ich auch gefunden, nicht ungewöhnlich für Triplet Objektive, aber das ist kein Grund zur Aufregung. Im roten Licht gibt es eine milde Unterkorrektur, im blauen Licht eine geringe Überkorrektur. Kein Pinching, kein Astigmatismus, keine Dezentrierung. Ein perfektes Beugungsscheibchen mit einem zarten, geschlossenen und gleichmäßig verlaufenden ersten Beugungsring gab es zu bewundern. Farbe findet man nur im engsten Bereich um den Fokus, im Fokus selbst ist keine Spur davon zu sehen. Nicht einmal ein Hauch von Blausaum.

Ich sage es einmal so: mein eigener 100/800 Triplet APO, der wiederum ein Zwilling des Takahashi TSA 102 sein könnte (die beiden sind im Test nicht voneinander zu unterscheiden) ist farbreiner, d.h. wenn man den durch fokussiert, findet man praktisch keine Farbe, man glaubt eher eine Spiegeloptik vor sich zu haben. Sphärisch muss er aber beigeben. So scharf wie der TS Photoline 102/700 ist er nicht, wiewohl selbst eine Referenzoptik. Das will was heißen. Auch Astro Physics und TMB APOs hatte ich schon vor meinen Augen, und ich darf sagen, der getestete 102/700 ist der schärfste Dreilinser der mir bislang in die Hände kam! Dieser TS Photoline 102/700 Triplet APO hat eine exzellente, nahezu perfekte Optik!

Fotografischer Test

Gleich mal vorweg: Ziel dieses Test war nicht perfekte Astrofotos abzuliefern, sondern die Abbildungsqualität des Refraktors im Zusammenspiel mit einem 2" bzw. 3" Flattener auszuloten. Ein Wort zum Equipment: Montierung war (sofern nicht anders vermerkt) meine iOptron ieq45, als Leitrohr diente ein 8x50 Sucher, Guider war der Lacerta MGEN, Kamera war eine unmodifizierte (d.h. H-Alpha Defizit) Canon 1000D DSLR. Testfotos wurden z.T. bei mir daheim (Mistelbach) gewonnen, z.T. auf den Feldern östlich von Niederleis. Der Jahreszeit entsprechend waren es sehr feuchte Nächte. Bearbeitet wurden die Bilder ausnahmslos von den RAW Daten weg mit lediglich Dark Abzug (sofern in den Texten nicht anders beschrieben) in Fitswork. Besonders viel Aufwand habe ich natürlich nicht rein gesteckt, man sieht aber schon, was Sache ist.

Bevor es zu den Bildern geht, bitte ich die p.t. Leserschaft, Ihre Montitore einzustellen. Beim unten stehenden Graukeil sollten die dunkelsten zwei Felder gerade noch voneinander trennbar sein. Genauso sollten die beiden hellsten Felder auch voneinander unterscheidbar sein. Bei meiner Monitoreinstellung (zumindest Adobe Gamma kalibriert) sind letztere leichter zu unterscheiden als erstere, um das klarzustellen - ich fahre meinen Bildschirm (meinen Augen zuliebe) vielleicht ein bissl auf der "dunklen" Seite. Damit sollten die Bilder so aussehen, wie ich sie "konzipiert" habe.

Fotos mit 2" Flattener

Der verwendete 2" Flattener ist ein universeller TS Flattener, geeignet für f/5 bis f/8, mit dem DSLR Adapter. Dazu brauchte es nur noch den T2 Ring für die Canon EOS, und los geht's. Freilich hat man bei einem 2" Flattener Vignettierung zu erwarten. Jedoch, um Staub, der sich unweigerlich wo auf den optischen Elementen niedersetzt und im Bild dunkle "Donuts" verursacht, zu entgehen, wird man um Flat Fields nicht herumkommen. Damit korrigiert man aber auch gleichzeitig die Vignettierung. Somit ist der 2" Flattener ein preisgünstiger, gangbarer Weg. Der 2" Flattener wird im Auszug geklemmt, man muss nur aufpassen, dass der Anschlagring ordentlich sitzt und fixiert ist und dass der Flattener beim Klemmen satt auf dem Anschlagring sitzt..

M31, 5x 10 Minuten bei ISO 400 belichtet, Median kombiniert. Dunstiger Stadthimmel (Mistelbach), feuchte Nacht. Bei diesen Bedingungen hätte sich normalerweise niemand zum Fotografieren oder Beobachten raus gestellt. Dass man damit keine Bäume ausreißen wird, ist klar. Aber die Neugier hatte halt Oberhand gegen den Verstand ;-)
Auf das Bild drauf klicken, man kommt zu einer größeren Vollansicht. Man beachte die Abbildungsqualität der Sterne bis in die äußersten Bildecken!

M27, 4x 5 Minuten bei ISO 400 belichtet, Median kombiniert. 5 mag Landhimmel (Niederleis), feuchte Nacht.
Die Kamera sieht halt das rote H-Alpha Licht nicht, dadurch schaut das Foto etwas fad aus. Für die "sparsame" Belichtung geht's aber ganz schön tief, das ist der doch wesentlich besseren Himmelsqualität geschuldet.
Drauf klicken, dann bekommt man einen Ausschnitt besserer Auflösung.

h und Χ Persei, 5x 5 Minuten bei ISO 400 belichtet, Median kombiniert. 5 mag Stadthimmel (Mistelbach). So kann man es auch machen, dieses Bild ist Bias, Dark, und Flat kalibriert.
Es war dies das letzte Bild meiner Testserie, in einer Nacht Anfang November. Montierung war dabei eine Celestron AVX, die läuft mit Guiding wie ein Glöckerl.
In der linken unteren Bildecke hat irgendein fliegendes Zeug das Bildfeld durchquert.
Auf das Bild drauf klicken, man kommt zu einer größeren Vollansicht.

Fotos mit 3" Flattener

Für den 3" Auszug gibt es einen 3" Flattener, der a) am Fokussierer verschraubt wird, damit ist die potentielle Gefahr des Verkippens beim Klemmen nicht gegeben, b) keine Vignettierung verursacht. Der Flattener hat ein für DSLR ausgelegtes konisch zulaufendes Distanzstück mit einem M48 Gewinde, d.h. man braucht für die Kamera einen M48 Canon EOS Ring. Jedoch scheint der Fokussierer mit dem schweren Flattener und der Kamera dran leicht überfordert zu sein. Nein, er rodelt nicht von allein raus, wenn das Teleskop steil nach oben gerichtet wird, aber er verkippt offenbar selbst ein wenig. Es sind am rechten Bildrand leicht verzeichnete Sterne zu entdecken, man muss aber schon kritisch schauen. Konkret ist das durchaus verschmerzbar. Ein besserer Fokussierer ist halt eine Kostenfrage. Meist wird sowieso nur ein Ausschnitt um das Objekt gezeigt, oder das Bild auf maximale Bildschirmgröße gesetzt. Schön, wenn's die Optik kann, aber die äußersten Ecken in voller Auflösung interessieren wohl nur Tiftlreiter ;-) Was noch aufgefallen ist: Helle Sterne im Feld verursachen Geisterbilder. Eine Folge der leichten Verkippung?

M33, 6x 10 Minuten bei ISO 400 belichtet, Median kombiniert. Sehr feuchte Nacht, zeitweise windig. Niederleis. Immerhin war M33 freisichtig auszunehmen.
Drauf klicken, man kommt zu einem Ausschnitt in größerer Ansicht. Was ich dabei zeigen will: die feine Auflösung! Dieses Bild ist sicher bis zur "Schmerzgrenze ausgewunden", mehr lässt sich da nicht mehr herausholen, vor allem nicht mit reinem Dark Abzug. Dass dabei der Hintergrund aufgehellt ist, Streifen drin sind und das Rauschen sichtbar wird, ist klar. Dieses Foto zeigt aber wohl auch, warum sich die Astrofotografen im Weinviertel nicht gegenseitig im Weg stehen...

M45, 3x 2 Minuten bei ISO 400 (krass unter)belichtet. Dieses Foto entstand in der selben Nacht wie das M33 Bild.
Auf das Bild drauf klicken, man kommt zu einem Ausschnitt in voller Auflösung.
Man beachte einerseits die Auflösung, die Gestalt des IC 349 (Barnards Merope Nebel), aber auch die Geisterbilder, die Pleiaden sind quasi in der rechten unteren Ecke nochmal drauf
...

Ich denke, der Bilder sind genug gezeigt. Im Lauf der Fotosessions sind weitere Aufnahmen entstanden. Eine möchte ich hier speziell erwähnen: M74 mit Umgebung, viel Umgebung. Der kurzen Brennweite des Refraktors geschuldet ist M74 ein relativ kleines Ding das sich fast im Feld verliert. Mit 4x 10 Minuten war M74 auch ziemlich kümmerlich belichtet, zudem stand die Galaxie schon im Einflussbereich der Wiener Lichtglocke. Die Supernova 2013ej war freilich locker drauf. In der Umgebung von M74 wimmelt es ziemlich vor lauter kleiner und lichtschwacher Galaxien. Ich habe das Foto mal mit einem TheSky Screenshot verglichen: etliche der kleinen diffusen Fuzln dieser LEDA Galaxien sind drauf, Helligkeiten zwischen 17 und 18 mag. Die schwächste, die ich identifizieren konnte, war mit 18,1 mag angegeben. Na hallo! Freilich, um das raus zu kletzeln, schaut das Bild alles andere als schön aus.

Ein paar Bemerkungen noch zu den Fotos: Die Canon 1000D war ausgeborgt, nicht meine. Deren Sensor habe ich erst im Laufe der Tests "kennengelernt". Die Streifen kriegt man mit Bias Abzug raus. Dark allein reicht nicht. Und ja, ich war nicht allein bei den Fotosessions: Andi Berthold, dem die Kamera gehört, war dabei. So hatte ich wenigstens Gesellschaft. Das Abwarten der Belichtungsserien ist ja urfad. Soll man die ganze Zeit die Montierung und den Autoguider anbeten? ;-) Wir hatten was zu Quatschen und ein bissl Spaß. Sonst hätte ich als passionierter visueller Beobachter das wohl nicht so durchgedrückt. Ich will selbst durch Teleskope gucken ;-)

Die Fotos sind nicht in der Reihenfolge des Entstehens gezeigt, sondern nach 2" und 3" Flattener gruppiert Insgesamt gab es vier Fotosessions, die mehr oder weniger intensiv waren. Wenn ich noch etwas bei den Tests gelernt habe: meiner ieq45 ordentlich geguidede Fotos "abzuringen". Nicht so leicht, da muss man auch erst mal draufkommen. Die Balance entscheidet, ob die Fotos gut werden oder ob es Guiding Fehler gibt. Wind anfällig ist die Sache dadurch allemal, ich musste speziell bei manchen Fotos ein bisschen "nachhelfen", den "Saturnring in Kantenlage", der dadurch bei helleren Sternen entstanden ist, zu eliminieren. Es sind aber eher Fotos die hier nicht gezeigt wurden (z.B. das M74 Foto). Beim Pleiaden Foto gab es einen heftigen „Luftschwall“, der gleich auch wieder vorbei war, aber dennoch drein gepatzt hat.

Mit der Celestron AVX hingegen geht das, wie man es normal macht, mit ein bissl Überlast auf der Ostseite. Die AVX hat mich vor keine Probleme gestellt. Es ist nur so, dass ich den technischen Zugang des Menüaufbaus meiner iOptron eher bevorzuge als die Schritt-für-Schritt Benutzerführung bei den Celestron Montierungen. Man könnt auch so sagen: Die Celestron kann ein Einsteiger bald beherrschen, die iOptron ist für "mündige" Anwender...

Die Nächte waren sehr feucht, speziell nach einer langen Fotosession auf den Feldern östlich von Niederleis war der Tubus des APO waschelnass. Das Objektiv ist jedoch taufrei geblieben. Ein Triplet speichert doch mehr Wärme. Im Auto ist der Tubus dann bereits abgetrocknet, während wir noch ein anderes Teleskop auf die Montierung gesetzt haben, um ein bisschen visuell zu beobachten. Eines darf man nicht machen: Bei nassem Tubus die Taukappe einziehen und Deckel drauf. Dann wird die Optik sicher beschlagen. Wir haben es aber geschafft, dieses Objektiv trocken zu halten.

Fazit

Zur Klarstellung: Mein Testexemplar ist keine ausgesuchte Optik. Da wurde beim Lieferanten einfach ein Stück aus dem Regal genommen, und das ist es. Streuung mag es geben, ich kann dazu aber nichts sagen, wo ich ja nur ein Exemplar gesehen habe. Daher betrifft mein Resümee genau das von mir getestete Teleskop.

Die Optik überzeugt sowohl visuell als auch fotografisch. I love it! Die ausziehbare Taukappe ist ein bissl tückisch. Die Klemmschraube sollte man - Gewinde in Alu - nicht hart anknallen, dafür kann die Taukappe aber unter Umständen mitten in der Aufnahmesession mit "Rums" runter sausen, speziell wenn das Teleskop Richtung Zenit schaut. Das eine Foto ist dann hin. Ist so bei einer Aufnahmeserie tatsächlich passiert. Eventuell sollte man sich eine andere Art von Sicherung der ausgezogenen Taukappe überlegen.

Der Tubus ist sehr kurz, und die Rohrschellen waren speziell beim Setup mit dem schwereren 3" Flattener schon ganz hinten am Tubus. Wenn man eventuell eine schwere CCD Kamera mit Filterrad anschließen wollte, müsste man mehr über Versatz der Prismenschiene balancieren, eventuell eine verwenden, wo die Rohrschellen nicht ganz draußen am Ende sitzen.

Der 3" Crayford Fokussierer ist ein Zugeständnis an den günstigen Preis. Sagen wir so: wer mit Sensorgrößen bis APS-C oder DX auskommt, kann mit dem 2" Flattener durchaus leben, Flats sollten bei sauberer Bildkalibrierung sowieso dabei sein (Staub irgendwo kommt sowieso...), damit ist die auftretende Vignettierung auch kein Thema mehr. Wer mit größeren Sensoren arbeitet, sollte allerdings erst mal an einen besseren Fokussierer denken, z.B. den 2,5" Starlight Feather Touch, einen 2,5" Flattener dazu gibt es auch. Der Aufpreis hält sich noch in Grenzen. Damit sollte man für Vollformat gerüstet sein. Wer nicht gar so heikel ist, kann aber durchaus mit dem 3" Crayford und 3" Flattener auskommen.

Wenn ich eine Montierung für diesen Refraktor empfehlen kann, ist es die Celestron AVX. Für diese wiederum ist der Polsucher ein empfehlenswertes Zubehörteil. Die Steuerung bietet zwar eine Polar Alignment Routine, jedoch ist mir dieses Prozedere insgesamt zu Zeit aufwändig. Mit dem Polsucher geht es bei sorgfältiger Arbeit genau genug. Beim h und Χ Persei Foto wurden die Einzelaufnahmen z.B. einfach nur übereinander geklatscht und passt. Alsdann.

Howdii


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