Skywatcher 120/1000 Refraktor im Kurztest

Immer wieder faszinieren mich Refraktoren, ich kann es nicht lassen, für mich "neue" mal zu testen. Dieses mal habe ich einen 120/1000 Skywatcher näher unter die Lupe genommen. Es ist ein zweilinsiger Achromat nach Fraunhofer. Mit 120 mm Öffnung geht schon ein bisschen mehr, und 1000 mm Brennweite ist im sehr angenehmen Bereich für visuelle Beobachtung. Mit so langen Brennweiten wie die Refraktoren nach der Theorie gebaut sein müssten, wären sie extrem unhandlich. Also baut man sie kürzer. Farbfehler ist somit schon ein Thema, aber wie weit stört der? Ich habe es ja schon mit 6" f/8 probiert, da "stirbt" man ja auch nicht wegen des Farbfehlers, und wie zu erwarten, ist der Farbfehler bei einem sogar etwas längerbrennweitigen 5“ Refraktor merkbar geringer.

Die Taukappe des Refraktors ist fix, nicht verschiebbar. Es gibt einen 2" Auszug mit recht großen Handrädern, somit ist präzises Scharfstellen kein Thema. Auch ein guter 9x50 Sucher ist dabei, ebenso ein 2" Zenitspiegel mit Reduzieradapter auf 1,25". Rohrschellen gehören auf jeden Fall zum Lieferumfang, je nach Anbieter auch eine 2" Prismenschiene. Der Refraktor ist mit ca. 6 kg (betriebsbereit) noch relativ leicht, stellt also an die Montierung keine sehr hohen Anforderungen, eine der "GP Klasse" tut es vollauf. Bei mir im Test war es eine EQ5 in GoTo Ausführung.

Der 120/1000 Achromat im Test auf einer EQ5 GoTo Montierung. Hier hatte ich allerdings mein 2" Zeiss Zenitprisma in Verwendung.

Der erste Blick durch die Optik mit meinem 22 mm Panoptic Okular: Ahhh! Feine Sterne! So will ich das sehen! Ein paar Deepsky Objekte per GoTo angefahren: Zu sehen gab es Objekte des Spätherbst/Winter Himmels, bei einem dunstigen 5 mag Stadthimmel. Also etliche Sternhaufen, z.B. M36, M37, M38 und NGC 1907, M35 und NGC 2158, M52, M31 - die Andromeda Galaxie mit M32 und NGC 205, NGC 6826 - den Blinking Planetaty Nebula, NGC 6543 - den Cat's Eye Nebula, etc. Dabei musste sich der Refraktor durchaus auch im höheren Vergrößerungsbereich behaupten, aber kein Problem, alle Objekte wurden fein abgebildet. So macht das Spaß!

Natürlich schau ich einer Optik auch auf`s Beugungsscheibchen... Also was sagt der Startest? Alles fein, eine lehrbuchmäßige Abbildung, leichte Unterkorrektur im grünen Licht, naturgemäß mehr Unterkorrektur im roten Licht und Überkorrektur im blauen Licht. Kein Pinching, kein Astigmatismus, keine Dezentrierung. Die Optik bildet scharf ab, so soll es sein. Freilich sollte auch eine Planetenbeobachtung nicht fehlen. Jupiter stand zur Beobachtungszeit halbhoch im Osten, das Seeing war nicht wirklich gut, aber ein paar bessere Momente konnte ich mit viel Geduld doch erhaschen. Na gar nicht übel, was da geht! Freilich hat man abgesehen von dem blauvioletten Farbhof, in dem der Planet "schwimmt", eine gewisse Farbverschiebung. Also Jupiter ist gelblich eingefärbt, die Bänder erscheinen braun, aber die blauen Fähnchen, die vom NEB in die EZ hineinragen, sind sichtbar. Die scharfe Optik bringt feinere Strukturen in den Wolkenbändern zur Geltung, schmale Bäder in den "gemäßigten Zonen" treten kontrastreich hervor. Das geht schon deutlich über das Können eines guten Vierzöllers hinaus, selbst wenn es ein APO ist. Ich war durchaus angetan von den sichtbaren Details.

Ich hatte in kurzer Folge zwei Exemplare dieses Refraktors in der Hand, beide waren gleich gut. Das ist erfreulich. Zusammen mit der EQ5 Montierung, ob mit oder ohne GoTo - ein Nachführmotor ist zumindest sehr empfehlenswert, und ein paar guten Okularen, hat man ein durchaus feines Set in der Hand. Für wen ist dieser Refraktor geeignet? Alle, die etwas mehr sehen wollen, egal ob Sonne, Mond, Planeten oder Deepsky, mit einem noch handlichen Teleskop, das aus thermischer Sicht nicht sehr anspruchsvoll ist, nicht vor jeder Beobachtung justiert werden muss wie ein Newton Teleskop, und vor allem, die nicht allergisch auf den Farbfehler eines Achromaten sind. Sagen wir so: andere schrauben Farbfilter für die Planetenbeobachtung ein, um den Kontrast zu steigern. Genau diesen Effekt hat man beim Achromat gratis ;-) Feinspitze sollten aber durchaus überlegen, statt des Zenitspiegels ein Zenitprisma zu verwenden, Es bringt 'was, zwar subtil, aber für Feinspitze durchaus merkbar.

Howdii


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