Kurztest: Scopos 90/600 ED Triplet APO

Prolog

Testgegenstand ist gebrauchter Scopos 90/600 ED Triplet APO. Dieses Teleskop wird nicht mehr hergestellt. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, wurden diese Teleskope 2007 neu vorgestellt und beworben. Was bei diesem Gebrauchtteleskop alles dabei ist, vom Vorbesitzer her: der OTA mit CNC gefertigten Rohrschellen und 2" Prismenschiene, mit Sucherschuh (für einen Sucher mit Guiderkamera), dazu ein Rigel Systems QuikFinder (sic) für das Alignment einer Goto Mount. Eine Taukappenverlängerung aus Isomatte gibt es. Für die fotografische Anwendung ist ein 2" Flattener dabei. Der Scopos Dreilinser ist nicht sehr schwer, aber mit allem Drum und Dran für den Einsatz kommen schon gut 4 bis 4.5 kg auf die Montierung. Für fotografische Zwecke ist daher eine mittelstarke Montierung gefragt, konkret denke ich da an eine Skywatcher HEQ5 oder Celestron AVX.

Die Taukappe des Refraktors ist einziehbar, wodurch sich ein recht kompaktes Transportmaß (52 cm) ergibt. Dass diese doch eher kurzen Taukappen in erster Linie mehr Streulichtschutz als Tauschutz sind, ist klar. In Gegenden mit häufig feuchten Nächten ist eine Taukappenverlängerung oder Heizung sinnvoll. Dieser Scopos wurde vom Vorbesitzer mit einer selbstgebauten Taukappenverlängerung aus Isomatte versehen.

Der Refraktor ist mit einem 2" Crayford Fokussierer ausgestattet. Das konkrete Exemplar tut zwar was es soll, aber man muss den Anpressdruck schon fein einstellen, sonst würgt und ruppelt es, oder der Fokussierertubus verkippt. Aber ja, einen besseren Fokussierer kann man wohl jederzeit nachrüsten, sollte man mit diesem nicht zurecht kommen.

Das Objektiv des Scopos. Selbstbewusst nennt sich dieses Objektiv "Triplet APO".

Was darf man von der Optik erwarten? Es ist ein Triplet Objektiv, multi-coated. Some say, FPL-53 wäre drin. Das kann ich weder bestätigen, noch dementieren. Relevant ist, was am Ende herauskommt. Die Innenblenden im Tubus sind korrekt ausgelegt, was man beim Blick von hinten durch das Teleskop sehen kann.

Hier ein Blick auf die Innenblenden. Auch die Taukappe weist am vorderen Ende einen Blendring auf.

Erstes Anschnuppern

Am selben Abend, als ich das Teleskop in der Hand hatte, gab es ein paar Wolkenlücken. Eine Montierung raus zu stellen, dafür war es zu unsicher. Kurzerhand setzte ich einen 1,25" Zenitspiegel mit einem Plössl Okular ein, und ging raus mit dem Teleskop. In der Hand gehalten, natürlich aufgestützt, konnte ich den Viertelmond bei 24x einfangen und auch scharf stellen. Was soll ich sagen: ja, scharf. Aber wenn eine Optik da versagt, braucht man gar nicht erst weiter testen.

Startest

Der folgende Abend versprach eine klare, aber nicht ganz störungsfreie Nacht. Andi Berthold kam, um mich bei meinem Test zu unterstützen. Wir waren ein bissl in Eile, weil von Südwest Wolken heraufdrückten und uns den Spaß verderben hätten können. Da muss man sehen dass man ehebaldigst mit dem Programm durch ist. Noch in der Blauen Stunde wurde aufgebaut, die Montierung poljustiert, das Teleskop mit allem Klimbim dran aufgesetzt - erstmal für visuelle Anwendung, für den Startest.

Der Scopos 90/600 ED Triplet APO in visueller Konfiguration, hier auf meiner iOptron ieq45.
Sucher mit Taukappe gehört nicht zum Paket. Detto mein 2" Zenitspiegel und Okular.
Der Rigel QuikFinder und die Taukappe für's Teleskop hingegen schon.

Mit meinem 22mm Panoptic Okular gab es einmal feine Sterne zu bewundern, keine Spur von einem Farbfehler. Bei deutlich höherer Vergrößerung ging es an den Startest. Mit meinen Zeiss Abbe Okularen bleibt mir kein Geheimnis einer Optik verborgen. Ganz offensichtlich war die Optik noch im Austemperieren. Ja, selbst ein 90mm Triplet APO nimmt sich einige Zeit dafür... Ansonst: Farbe findet man nur im engsten Bereich um den Fokus, ansonsten ist das defokussierte Beugungsbild farblos. Die Farbkorrektur kann man als sehr gut ansprechen. Sphärische Unterkorrektur ist deutlich merkbar, ein Anflug von Pinching. Kein Astigmatismus, keine abgesunkene Kante. Die Optik ist perfekt zentriert und justiert.

Wieviel Sphärische Aberration steckt drin? Die Unterkorrektur wurde auch durch das Ronchi Okular deutlich angezeigt. De facto reitet man vom vermeintlichen Fokus auf einem Lichtzapfen dahin und sucht den besten Fokuskompromiss. Damit wird die Abbildung etwas weich. Das zeigte sich z.B. auch bei der Beobachtung des Kugelhaufen M3. Mond am Himmel hin oder her, ich habe von Vierzöller Achromaten schon eine weit knackigere Abbildung gesehen. Ein 90mm APO sollte da gut gegenhalten können. Aber nach gründlicher Abschätzung kam ich zu dem Schluss - alles noch im zulässigen Bereich. Das, was man landäufig als "beugungsbegrenzt" bezeichnet, schafft diese Optik sehr wohl.

Das Pinching zeigt sich nicht wirklich leicht. Man sieht in dem vom Seeing verursachten Gewurle von Beugungsringen am fokussierten Stern immer wieder anflugsweise sechs Spikes, und nebenbei einen etwas kräftigeren thermisch bedingten Spike. Fokussiert man ganz knapp intrafokal, zeigt sich das aus dem Fokus aufgehende Beugungsbild etwas dreieckig verformt, wird bei weiterem Defokussieren aber schnell rund. Inwieweit das Pinching eine vorübergehende Erscheinung wäre, oder unter bestimmten Umständen stärker auftreten würde, kann ich mit diesem Kurztest nicht sagen. Dies müsste man über die Zeit verfolgen. Es dürfte aber typisch für dieses Teleskop sein, offenbar ein häufig angetroffener Effekt. Für die Performance ist damit wohl ein kleiner Verlust gegeben. So richtig prickelnd scharf ist diese Optik nicht, man kann aber durchaus brav sagen. Grobe Unzulänglichkeiten sind nicht anzutreffen.

Fototest

Wir rüsteten nun sofort auf fotografische Anwendung um. Es kam statt Zenitspiegel und Okular der 2" Flattener samt Kamera (meine Canon 1000D) dran, und dem Sucher raubte ich kurzfristig das Okular, schraubte statt dessen die Guider Kamera dran. Flugs waren alle Kabel verbunden, und los ging es, fokussieren an einem hellen Stern. Das war Arktur, und davon gibt es eine erste Testaufnahme.

Der Scopos Triplet APO im Fototest. Hier sieht man den auf dem Tubus des Refraktors angebrachten Rigel QuikFinder deutlich. Nein, er ist nicht verkehrt montiert.

Arcturus ist auf diesem 5 Sekunden Einzelbild (ISO 400) schon ein fettes Ding. Der Rauschfilter bei der Bearbeitung hat daran nichts geändert. Wenn man auf langbelichteten Aufnahmen helle Sterne hat, dann sind das wohl Klescher. An der Abbildung ist aber hier nicht nur das Triplet Objektiv, sondern auch der Flattener beteiligt.

Wir hielten nun mit der Kamera auf den Kugelhaufen M3. Was soll man sagen: Bei ISO 800 ist mit 5 Minuten Belichtung der Kern des Kugelhaufens schon ausgebrannt. Der Himmel war natürlich vom Mond total aufgehellt, also da musste man erst mal was draus zaubern. Die leichten Guiding Fehler bitte zu verzeihen. Es ist so, wir hatten das Setup auf visuelle Anwendung balanciert, dann einfach auf Fotosetup umgerüstet. In der Eile, vor den herannahenden Wolken fertig zu werden, haben wir auf ein neues Ausbalancieren verzichtet. Die ieq45 ist da aber sehr heikel, dann tut sich der Guider ein bissl schwer.

M3, Canon EOS 1000D, ISO 800, 5 Minuten Einzelbild. Auf das Bild klicken, damit geht's zu einer größeren Ansicht. Auf diesem Bild findet man neben einer Satellitenspur auch die 14 mag Galaxie NGC 5263

Was sich aus diesem Foto erkennen lässt: Die Abbildung über das Feld ist mit dem 2" Flattener ok. Was auffällt: Vignettierung ist vorhanden. Nicht sehr arg, man könnte dies vielleicht auch "zurechtrechnen". Egal wie, um die Flatfield Technik kommt man bei seriöser Fotografie ohnehin nicht herum, damit ist diese Vignettierung nicht wirklich ein Thema.

Fazit

Heute bekommt man schon andere APO Refraktoren aus chinesischer Fertigung, die den Refraktoren der teuren Edelmarken durchaus Paroli bieten können. Damals war dieser Refraktor sicher eine kleine Sensation, die Farbkorrektur ist durchaus als sehr gut zu bezeichnen. Vielleicht hat man ein bissl zu viel Wert darauf gelegt, und dabei die Schärfe kompromittiert. Schlecht ist der Scopos deswegen nicht, auch wenn ich schon knackigere Refraktoren vor meiner Nase hatte. Zur damaligen Zeit musste man sicher froh sein, einen so farbreinen Triplet APO ohne grobe Optikfehler zu einem günstigen Preis zu bekommen. An der fotografischen Performance gibt es sowieso wenig zu meckern.

Howdii


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