Produkt Test: Skywatcher NEQ6-R SynScan

Die NEQ6 war lange Jahre die "Standardmontierung" für schwerere Teleskope und Astrofotografie. Sie hat gute Dienste geleistet, wiewohl einige Details verbesserungswürdig waren (siehe mein ehemaliger Testbericht). Mit der NEQ6-R hat Skywatcher nachgelegt. Einige Dinge sind wirklich verbessert worden, andere nicht, aber rundum: die R-Version ist sehr wohl bemerkenswert überarbeitet worden, und man hat auch ein bisserl auf Design gemacht.

Was ist nun neu an der NEQ6-R? Auf jeden Fall fällt der verbesserte Polblock auf, und die verbesserte Einstellung der Polhöhe. Auch die Skala der Polhöheneinstellung ist nun besser ablesbar. Weiters ist das Kunststoff-Feingewinde bei der Polsucherabdeckung nun Vergangenheit, die neue Abdeckkappe wird einfach draufgesteckt und mittels einer Klemmschraube gesichert. Die kombinierte 3"/2" Schienenaufnahme, also der Sattel der Montierung, hat ein neues Design erhalten, ist nun länger geworden, d. h. die Schiene eines aufgesetzten Teleskops hat nun eine bessere Führung in der Klemme. Die Gegengewichtsstange hätte durchaus stärker ausfallen können, es ist aber bei dem 18mm Stangl geblieben. Schade. Ob der alte Klemmhebel der ausfahrbaren Stange nun besser war oder der neue Drehknopf dafür, darüber könnte man streiten. Auffällig ist der Tragegriff an der Oberseite der Polachse. Damit kann man die Montierung gut packen. Wer die "R" in einer Sternwarte betreiben will, kann diesen Griff abschrauben. Wesentliches hat sich im Innenleben getan: nun verfügt auch die "R" über einen Zahnriemen, zur Kraftübertragung vom Motorritzel auf die Schneckenwelle. Somit hat die neue NEQ6-R nun mit der AZ-EQ6 und auch der EQ8 gleichgezogen, was den Antrieb betrifft. Die Zahnriemen Sache war wohl oft der eigentliche Grund, warum die AZ gekauft wurde. Die AZ-EQ6 wird wohl nun einen schwereren Stand haben. Weil jetzt ist sie wirklich nur mehr für jene Amateure interessant, die tatsächlich auf den azimutalen Modus aus sind.

Die NEQ6-R SynScan im Testbetrieb. Hier ist der TS 102/700 Triplet APO aufgesattelt. Der Tubus des Teleskops ist "gefrostet", deswegen diese Flecken.

Die Details der NEQ6-R SynScan


Die NEQ6-R im Überblick: Man sieht hier den neuen Polblock mit den Einstellschrauben für Azimut und Polhöhe, die Polhöhen Skala, die Libelle, und die Anschlüsse der NEQ6-R, genauso wie den Griff auf der Oberseite der Polachse. Alles ist hier nicht mehr so auf "form follows function", sondern auf Design gemacht.

Hier ein genauerer Blick auf den Polblock. Eine breitere Basis, die Einstellbolzen für Azimut und Höhe sind griffiger, im Süden gibt es einen neuen Hebel für die Polhöheneinstellung. Dazu später mehr. Man sieht hier auch die Polachse und die Klemme dieser Achse.

Das ist keine Temperatur Anzeige, kein Drehzahlmesser, es ist die Anzeige der Polhöhen Skala. Stylish, isn't it?

Die Libelle, in diesem Fall nicht nur Zierrat, stimmt sogar ziemlich gut. Es wäre schön, wenn das bei allen Exemplaren so wäre.

Die Anschlüsse der NEQ6-R: Wenn die Form der Abdeckung differiert, die Platine drunter ist wohl gleich wie bei der AZ-EQ6. Die Stecker der Spannungsversorgung sollte vorsichtig eingesetzt werden, um die zwei dünnen Kontaktstifte nicht zu verbiegen. Eine Nase verhindert falsches Einsetzen. Der Stecker wird durch eine Überwurfmutter gesichert, so kann keine Unterbrechung durch unbeabsichtigtes Herausziehen oder Wackeln des Steckers entstehen. Rechts drüber die Western Stecker Buchsen für die Handbox und den Autoguider. Daneben die Power LED und der Snap Port. Über diesen Port kann eine Kamera Aufnahmesequenz angesteuert werden. Die Funktion des On-Off Schalter ist wohl klar. 

Als Sattel finden wir eine Klemme für 2" und 3" Prismenschienen. Geklemmt wird mit der ganzen Backe, nicht nur mit zwei Schrauben, die sich in die Seite der Schiene bohren. Die Klemmschrauben sind gut zu greifen. Die Klemme ist nun länger, d.h. die geklemmten Prismenschiene haben eine bessere Führung. Auch hier: Stylish, right?


Hier ein Blick auf die eingefahrene Gegengewichtsstange und deren Klemmung. Der Stangendurchmesser ist nach wie vor 18mm, und ob der Drehknopf zur Klemmung nun besser ist als ein kurzer Hebel, wie bislang, sei dahingestellt.


Ein genauerer Blick auf den Polsucher und seine Abdeckung - kein Gefummel mehr mit dem Kunststoff Feingewinde, die Abdeckung wird einfach mittels einer Klemmschraube, die in die umlaufende Nut eingreift, fixiert.

Im Polsucher ist die neue Strichplatte verbaut. Kein Gefummel mehr mit externen Skalen. Die RA Achse muss einfach so verdreht werden, dass die 0 Uhr Position genau senkrecht oben ist. Um wieviel die RA Achse aus der Polstellung zu drehen ist, kann man einmal ermitteln und anhand des RA Teilkreises einstellen. Die Handsteuerung gibt im Setup Prozess die "Clock Position" des Polarsterns aus. Man stellt den Polarstern einfach an die angegebene "Uhrzeit" in diesem Zifferblatt der Strichplatte. Hier nicht sichtbar: Eine Memo Grafik rechts neben der 3 Uhr Position gibt den Radius für das jeweilige Jahr an. Die Präzession ist hier somit berücksichtigt. Also, sofern man weiß welches Jahr wir schreiben, braucht man keine Anleitung, man findet sie auf der Strichplatte des Polsuchers, man braucht nur durchgucken.


Der RA Teilkreis ist simpel gehalten. Eine Vernier Skala zur genaueren Ablesung gibt es nicht. Die RA und Dec Teilkreise sind offenbar nur mehr ein Relikt aus der Vergangenheit. Nein, doch nicht ganz. Genau: Für die Poljustierung ist der RA Teilkreis schon noch hilfreich, siehe oben.

Praxiserfahrungen

Das Stativ ist gleich geblieben wie bei der NEQ6, die neue "R" passt also auch auf alle bestehenden "EQ6" Säulenadapter. Der Nord-Pin war unverständlicherweise zwischen zwei Stativbeinen angeordnet. Ich habe dies sofort geändert, den Pin umgeschraubt, damit er in Linie mit einem Bein, dass dann nach Nord zeigt, liegt. Es ist einfach so: Man bringt erst die Gegengewichte an, bevor man das Teleskop aufsetzt. Gerade bei schwereren Teleskopen muss man auch ordentlich Gegengewichte auf die Stange schieben. Ein nach Nord weisendes Bein kann dies besser abstützen. Wenn ein Bein nach Süd zeigt und zwei nehmen die Nordrichtung in die Mitte, kann es speziell beim Aufsetzen des Teleskops kippelig werden - die Schwerkraft könnte so leicht unerwünscht wirksam werden und die Gegengewichte samt Montierung dem Erdboden zustreben. Einfacher ausgedrückt, es fehlt nicht viel zum Umfallen.

Die Achsklemmen an diesem Modell wirkten für mich eher wie Rutschkupplungen. Also man muss die Klemmen schon ordentlich anziehen, sonst bewegt sich die Montierung wenn man sie in den Händen hält in den Achsen.

Die Polhöheneinstellung verdient besonderer Aufmerksamkeit. Am Südende ist ein Hebel dran, der mit Federkraft von dem Sechskant, auf dem er angreift, weggedrückt wird. Man sucht also Grip auf dem Sechskant, indem man leicht andrückt, dann den Hebel fest andrückt und nach Bedarf nach links oder rechts dreht. Muss man weiter drehen, lässt man den Hebel aus, stellt ihn senkrecht oder so, dass man mehr Weg hat, und sucht erneut Grip auf dem Sechskant, usw. Was ich sagen will: Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Innensechskant im Kunststoffhebel ausgeleiert ist. Man kann den Hebel dann halt auch abschrauben, und einfach mit einer Nuss und Ratschengriff auf dem verbliebenen Sechskant ansetzen. Werkzeuglos geht es halt nicht mehr, aber verstellen wird man die Polachse weiterhin können. Ob es sinnvoll wäre, einen defekten Hebel zu ersetzen, ist sehr zu bezweifeln.

Kurios: Die Anbieter schreiben alle, dass die Sprache für die Handbox wählbar wäre, auch in Deutsch. Hm. Bei aller Liebe, vielleicht bin ich deppert, aber ich habe nirgendwo einen Menüpunkt gefunden, wo man die Menüsprache einstellen hätte können. Eine weitere Person habe ich auch suchen lassen, auch diese ist nicht fündig geworden. Hm.

Wie üblich muss man die LED der Polsucher Beleuchtung so weit wie geht runter dimmen, sonst kann man einfach nicht damit arbeiten. Das ist nicht neu, alles wie gehabt. Die Helligkeit von Display und Kontrast muss man je nach Umgebungshelligkeit einstellen. Wer in hellerem Ambiente arbeitet, wird's heller brauchen, wer unter dunklem Himmel auf freiem Feld steht, wird's mehr gedimmt haben wollen.

Tracking und Guiding Performance

Was die Tracking Performance anbelangt, habe ich von der NEQ6-R das erwartet, was ich von der AZ-EQ6 und der EQ8 schon kenne: einen nahezu sinusförmigen Verlauf der PE Kurve. Um das zu sehen, wollte ich ein Tracking Protokoll ziehen. Nun ja, der erste Versuch misslang. Das PHD2 Log ist komplett anders aufgebaut als das von der PHD Software der ersten Version, somit waren die Daten unbrauchbar. Im zweiten Anlauf, mit der alten PHD Version, hat es geklappt. Ich wurde bei diesen Tests von Andi Berthold unterstützt. Wir hatten eh schon meine SBIG ST-402 dran, mit der wir das Protokoll aufgenommen hatten, was lag näher, als nun noch den Autoguider dran zu tun, und mit der CCD Kamera eine Testaufnahme zu machen. Wir hielten auf M1 drauf, das Ergebnis nachfolgend:


Messier 1 (Crab Nebula), 5 Minuten Single Shot. Kamera: SBIG ST-402 (NABG CCD, daher kommt es zum Blooming an gesättigten Sternen) am 102/700 Triplet APO; Guider: Lacerta MGEN via 50mm Sucher. Auf das Bild klicken, dann geht es zu einer auf 200% vergrößerten Version. Der Pulsar ist drauf! Nein... Doch... Oh! Um den Pulsar etwas besser darzustellen. bin ich sanft im Fitswwork mit Deconvolution drauf gefahren. Es ist kein "pretty picture", einfach mit Autodark kalibriert, und ohne aktive Kühlung des CCD Sensors aufgenommen. Es ist ein Arbeitsergebnis, mit erstaunlichem Resultat. Das Guiding lief perfekt, Sterne rund.

Dem Guider sah ich ein bisserl bei der Arbeit zu, da lief es auf der Drift Anzeige genau so, wie ich es von der AZ-EQ6 oder EQ8 kenne. Praktisch ein gerader Strich mit ab und zu einem Franzerl dran. So schloss ich mal, der Tracking Verlauf wird wohl den zu erwarteten Verlauf zeigen. Doch schauen wir uns mal das Ergebnis an...


Die Auswertung des Trackingverhaltens in PECPrep für 6 Schneckenumläufe

So kann man sich täuschen! Statt schöner, nahezu Sinus-förmiger Kurven dieses zerfurchte Auf und Ab! Das Frequenz Spektrum zeigt, die 4. Harmonische hat eine enorm hohe Magnitude. Die Schneckenperiode hat eine weit niedrigere Magnitude (der weiße Zeiger steht drauf). Der Gesamtfehler mit rund +/- 5" ist nicht sehr hoch. Wie üblich findet man langperiodische Terms, es sind hier zwei davon. Dadurch schwankt der PE Verlauf auf und ab, und weil es zwei niederfrequente Terms sind, in einer komplexeren Kuve. Filtert man mit Hochpass dieses langperiodischen Terms weg, sieht es so aus:

Nach Hochpass Filterung liegen die einzelnen Schneckenumläufe viel besser übereinander. Es ist halt so, statt in 8 Minuten einmal auf und ab geht es alle zwei Minuten auf und ab. Da der Fehler durch die langperiodischen Terms sehr langsam kommt, sieht der Guider auch eher nur den Fehler wie er hier gezeigt wird, und da liegt der PE bei nur rund +/- 4". So gesehen, wenn das alle zwei Minuten auf und ab geht, auch kein Beinbruch. Der Guider kann das locker bewältigen.

Die 4. Harmonische, da bildet sich das Motorritzel ab. Also die Motorwelle dreht sich viermal binnen einer Umdrehung der Schneckenwelle. Man könnte nun auf die Suche gehen, und wahrscheinlich wäre dieser 4. Harmonischen mit Feintuning von Riemenspannung, etc, wohl beizukommen. Es ist aber eine Heidenarbeit, und man muss nach jedem Optimierungsversuch ein neues Tracking Protokoll ziehen, was bei den raren Stunden klaren Himmels eine extrem langwierige Partie werden kann. Und die Frage nach der Sinnhaftigkeit darf schon gestellt werden.


Hier nochmals die PE Kurven der 6 Schneckenumläufe, etwas gedehnter dargestellt, und so schaut es gleich weniger besorgniserregend aus. Es hat sich ja auch bei dem M1 Testfoto gezeigt, der Guider scheint auch damit nicht viel Arbeit zu haben.

Wir haben insgesamt drei Fotos von M1 gezogen, alle waren perfekt vom Guiding her. Ich habe halt eines davon zur Bearbeitung genommen. Wir wollten auch noch NGC 1555 ablichten, auf dem ersten Foto war was zu erkennen von Hind's Variablem Nebel. Dennoch, das Guiding nicht so perfekt. Beim zweiten Versuch wurde klar warum: Der Leitstern verschwand hinter dem Gezweig und Geäst eines Baumes. Das hat uns wohl schon die erste Aufnahme ein bissl versaut. Weitere Spielereien mit der CCD Kamera, da habe ich einfach nur mal schnell unguided mehrere Aufnahmen mit einer Minute Belichtungszeit gezogen. Die Sterne waren augenscheinlich rund. Bei drei Minuten unguided aber leicht verzogen. Also ein "Beinbruch" ist dieser PE Verlauf sicher nicht.Ich stufe trotz des etwas anderen als erwarteten Ergebnisses dieses Exemplar der NEQ6-R im Guidingverhalten als unkritisch ein. Es zeigt halt, dass auch mit Zahnriemen nicht immer alles so "glatt" laufen muss wie angenommen. Im Endeffekt kommt's drauf an, ob sich die Montierung problemlos guiden lässt. Der Rest ist etwas für die Diskussion am Stammtisch...

Fazit

Die NEQ6-R bricht ja nicht komplett mit ihrem Vorgänger Modell, der NEQ6. Im Wesentlichen ist der Polblock verbessert worden, die Einstellung der Polhöhe war ja mein Hauptkritikpunkt an der EQ6. Das ist besser gelöst, wenngleich ich dem federbelasteten Hebel am Südende des Polblocks nicht allzu viel Vertrauen entgegen bringe. Ob der hält oder nicht, im Fall des Falles tut es Werkzeug auch. Die Montierung ist steifer geworden, das scheint so zu stimmen. Jedenfalls, wenn man einen Prügel wie den 152/1200 Refraktor drauf tut, da wackelt nichts. Ich kann aus Erfahrung sagen, mit diesem Teleskop drauf kann man bei über 200x ohne Gezitter fokussieren. Die Polsucher Abdeckung ist nun auch besser gelöst, kein Gefummel mehr. Auch der nun verschraubte Spannungsversorgungsstecker ist positiv zu vermerken, sowie die konfliktfreie Verkabelung von Handbox und Autoguider.

Die Zahnriemen Übertragung von der Motor- auf die Schneckenwelle ist sicher eine Verbesserung, obwohl das Ergebnis beim getesteten Exemplar nicht ganz so wie erwartet war. Mit diesem Feature rüttelt die NEQ6-R gewissermaßen an der AZ-EQ6, die ja vorwiegend wegen des feineren Tracking Verhaltens gekauft wurde. Die von mir bei diesem Exemplar gefundene "Macke" im Trackingverhalten stellt jedoch für den Autoguider kein Problem dar.

Was leider nicht verbessert wurde: Die Gegengewichtsstange ist dieses dünne Ding geblieben. Ok, es hat bislang damit so weit funktioniert, so wird es auch weiterhin funktionieren. Dass mit einer stabileren Gegengewichtsstange die Schwingungsanfälligkeit noch verringert werden könnte, liegt aber auf der Hand. Man hat hier Potential verschenkt. Insgesamt kann man aber sicher sagen, mit der "R" lässt sich leichter und müheloser arbeiten als mit der bisherigen EQ6, wiewohl letztere sicher keine schlechte Montierung war.

Howdii


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