Testbericht: Meade 6" f/8 Achromat

Meade 
AR-6 auf LXD55 Montierung

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

Refraktoren sind seit einigen Jahren wieder stark im Kommen. Waren es zu Beginn dieser "Renaissance" die Apochromaten, denen man mittels sündteurer und exotischer Gläser sowie ausgeklügeltem Design den Farbfehler ausgetrieben hatte, so finden nun auch wieder die relativ einfach und preiswert zu fertigenden Achromaten, vornehmlich aus fernöstlicher Produktion, ihre Liebhaber. Achromaten sind im Grunde genommen gute Teleskope, wohl weisen sie, weil aus Gründen der Handlichkeit meist "verkürzt" gebaut, einen Farbfehler auf, doch Farbfehler ist nicht alles. Wenn ein Refraktor außer eines milden Farbfehlers keine anderen Schwächen hat, wird er durchaus schöne Bilder zeigen und gute Detailbeobachtungen ermöglichen. Bestes Beispiel dafür erbringen gute Vierzöller mit einem Meter Brennweite (f/10). Nun finden sich aber auch größere Optiken, Fünf- und Sechszöller, wie z.B. das vorliegende Testgerät, in den Regalen der Händler. Das "teuflische" am Farbfehler: er skaliert nicht linear mit der Öffnung. Sofern es um Achromaten mit konventionellen Gläsern geht, gilt: Je mehr Öffnung, umso mehr muss an Brennweite zugelegt werden, um den Farbfehler in Schranken zu halten. Ein 6" Achromat sollte demnach wenigstens ein Öffnungsverhältnis von f/15 aufweisen. Da mag die "Farbe" erträglich sein. Konservativ bis erzkonservativ ausgelegt käme man auf  f/29 bis gar f/35! Dem zu Folge "riecht" ein 6" f/8 Achromat nach starkem Farbfehler, und so ist es auch von der Papierform her. Wie würde sich der Testkandidat, gestellt von Astro-Experts, Wolkersdorf, behaupten können? Doch alles schön der Reihe nach.

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Erste Eindrücke

Das vorliegende Testgerät wurde, wie einem Aufkleber am Tubus zu entnehmen ist, nach Meade-Spezifikation in China gefertigt. Aus dieser Fertigung kommen auch die Meade Schmidt-Newton, und auch ein von mir getesteter 8" Newton, unter der Marke Leitz vertrieben, kommt offensichtlich aus selbiger Quelle. Wer genau auf Details der Ausführung und Verarbeitung achtet, kann dies eindeutig nachvollziehen.

So rein vom Ansehen her ist der Meade 6" Refraktor schon eine durchaus stattliche Erscheinung. Er wird auf einer LXD55 "GoTo" Montierung angeboten, serienmäßig mit Alustativ. Unter dem "Meterprügel" von Refraktor wirkt die Montierung ein wenig kümmerlich, und das schwachbrüstige Alustativ erweckt berechtigtes Misstrauen. Man könnte sich hier ein stabiles Holzstativ besser vorstellen.

Mit einer Tubuslänge von 116cm (mit eingefahrenem Fokussierer, inklusive Taukappe) und 11 kg ist der 6" f/8 Refraktor schon ein ganz schönes Bröckerl. Die Taukappe ist mit 16cm Länge relativ kurz, ragt nur wenig über das Objektiv hinaus, und wird demnach wenig Schutz gegen Tau bieten. Die Staubschutzkappe sitzt relativ streng auf der Taukappe, und anstatt den Deckel 'runterzukriegen, hat man eher die Taukappe in der Hand; sie ist nur aufgesteckt und lässt sich relativ leicht entfernen. Jedes Abnehmen und Aufstecken hinterlässt aber innen an der Taukappe unansehnliche "Schneckenspuren", wo die Taukappe an den drei abstehenden Objektiv-Montageböcken des Objektivflansches schleift. Der Objektivflansch selbst ist nur aus Plastik, und dürfte außen an etlichen Stellen mit einer nicht exakt passenden Farbe retouchiert worden sein. Das macht keinen guten Eindruck. Zudem, wenn man genau schaut, ist das Objektiv nicht einmal zentrisch am Flansch montiert! Das wirkt ziemlich nach Hinterhofwerkstatt, weist auf jeden Fall eine mangelhafte Fertigung aus. Zudem ist der Flansch am Tubus mit vier Schrauben befestigt, die in den Strahlengang ragen! Hat das Meade etwa so spezifiziert? Das ergibt "nette" Abbildungsartefakte - mehr darüber später. Das Objektiv selbst ist mittels dreier Paaren von Zug-/Druckschrauben justierbar.

Der Tubus selbst ist weiß glänzend lackiert, und macht einen durchaus soliden Eindruck. Am hinteren Flansch, wo der Fokussierer ansetzt, ist ein Haltegriff integriert. Das ist eine gute Idee, man kann den Tubus dort anpacken und führen, wenn man das Teleskop manuell auf Himmelsobjekte positioniert, der Griff ist auch hilfreich beim Tragen des Instrumentes.
Der Zahnstangenfokussierer ist soweit ok. Das Spiel kann eingestellt werden, aber es sollte nicht zu weich justiert werden, da ansonsten das Gewicht des angeschlossenen Zubehörs den Fokussierer immer nach unten ziehen würde. Wenn der Trieb in dieser Weise gut eingestellt ist, geht er aber ein bisserl streng, was zu Wackelei beim Fokussieren führt. Weniger toll wirkte der Klemmring zur Schnellverdrehung des Zenitprismas. Er ließ sich nur störrisch bewegen und die Klemmung erschien unsicher, das Prisma konnte sich relativ leicht verdrehen und einen "Purzelbaum" machen. Wenn dann das Okular nicht gut geklemmt ist - - - brauch ich noch weiter zu schreiben?
Als Sucher dient ein 8x50 Stück in akzeptabler Qualität, nur die Plastikschrauben zur Sucherjustierung irritieren etwas. Plastikschrauben finden sich auch an der Sucherhalterung. Die Schnellmontage des Suchers ist gut gelöst, mittels Schiene und Halterung lässt sich das Sucherfernrohr justierkonstant wiederbefestigen. Allerdings ist der Sucherhalter zu kurz geraten, dadurch wird das Sucherfeld von der Taukappe beschnitten, die in den Blick des Suchers ragt. Dieser Mangel weist ebenfalls auf eine im Detail nicht voll durchdachte Konstruktion hin.

Die Rohrschellen sind als "Käfig" ausgebildet, was der Konstruktion durchaus an Stabilität gut tut. Dieser Käfig ist klappbar, und an der Unterseite ist eine Prismenschiene angeschraubt, wie sie heute generell zum Anschluss an mittelschwere Montierungen a la Vixen GP/-DX üblich ist. Interessanterweise ist der Tubus auf der Schiene justierbar, um Winkelfehler bei der Ausrichtung der Optik vermeiden zu können. Dies hilft, eine bessere Zielgenauigkeit des GoTo Systems zu erreichen. Da ich die Optik alleine im Test hatte, und diese Schiene nicht an meiner SP-DX verwendet werden kann, bastelte ich mir kurzerhand aus einem Stück Bandeisen eine "Ersatzschiene", mit der ich den Tubus an meiner Montierung anschließen konnte.

Eine erste Kontrolle der Optik zeigte eine erhebliche Dejustierung. Ich beließ es aber vorerst bei einer nur groben Justierung, um zu sehen, inwieweit die Optik justierkritisch ist. Die Linsenvergütung zeigte einen gelbgrünen und einen blass bläulichen Reflex. Im Fokussierertubus befinden sich zwei Blenden, zwei weitere im Tubus - was sich so beim Blick von hinten, ohne Okular, feststellen ließ. Da man zwischen den Blenden hell reflektierende Tubuswand sah, mag die Wirksamkeit der Blenden angezweifelt werden. Der Fokussierer selbst mag halbwegs gerade am Tubus sitzen, bei der Überprüfung mittels Laser kam der rote Lichtpunkt wenigstens augenscheinlich in der Mitte des Objektivs an.

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First Light

Sein First Light in meinem Test hat dieses Instrument am 27. 4. 2003 in einer, nach Durchzug einer Kaltfront, wolkendurchsetzten Nacht. Das Testgeräte wurde mir ohne Zenitspiegel übergeben, deshalb verwendete ich meinen eigenen, bestens bewährten, Intes 2" Zenitspiegel. Über den Meade Zenitspiegel kann ich daher keine Aussagen machen. Die Temperatur in dieser ersten Testnacht war relativ konstant bei ca. 13 Grad. Das Seeing erwies sich als gar nicht so schlecht. Hätte ich nicht immer wieder längere Unterbrechungen wegen durchziehender Wolkenpakete gehabt, wäre es eine durchaus feine Spechtlnacht gewesen. Ich kam aber doch auf ein gewisses Testrepertoire.

Jupiter zeigte eine deutliche gelbgrüne Tönung, die Bänder wirkten rötlich. Der Planet "schwamm" in einem überdeutlichen und nicht zu übersehenden blauviolettem Halo. Von den sichtbaren Details her war die Abbildung bis 200x einigermaßen ok, ab 240x ließ die Abbildungsqualität deutlich nach.

Dann ein erster Startest an Arcturus. Beim Durchfokussieren war der typische "Farbgang" eines CF-Achromaten zu sehen: intrafokal eine grüne Scheibe mit magentafarbenem Außenrand, extrafokal, knapp auf den grünen e-Fokus folgend ein tiefroter Punkt (hier fokussiert Rot jenseits der C-Linie) und dann sollte der CF-Fokus folgen. Ich erkannte ihn aber eher nur am helleren Rot, das Blau wollte nicht "hereinblitzen", wie ich es schon vielfach bei Achromaten gesehen habe. Weiter extrafokal dann ein ziemlich langer "Blauzapfen" mit einer grünen Scheibe rundherum, relativ weit extrafokal konnte ich sogar einen recht scharf definierten Violettfokus finden. Eine Abschätzung der Sphärischen Aberration ist bei einem derart kurzbrennweitigem Achromaten nicht einfach möglich, zu sehr mischen sich die Farben. Es waren denn auch nur intrafokal schwache Beugungsringe sichtbar, extrafokal  fast gar nicht.
Was ein wenig "verdächtig" schien: es war nicht leicht, den besten Fokus zu finden. Das fokussierte Sternenbild zeigte wohl bei 240x die Airy-Disk, es war aber auch ein recht kräftiger Astigmatismus erkennbar. Die Dejustierung der Optik bewirkte einen einseitigen Lichtbausbruch. Irritierend war ein Geflirre von "Spikes" um den hellen Stern. Im ersten Moment denkt man an Pinching, also verspannte Optik. Bei genauerer Betrachtung des intra- und extrafokalen Bildes sah ich in einer Richtung Strahlen aus dem Beugungsbild, in der anderen Richtung Eindellungen am Rand, sah irgendwie aus wie ein Zahnrad. Verspannung? Hm, - halt! Da sind doch vorne vier Schrauben, die in den Strahlengang ragen! Also, das sind die Bösewichte, die Verursacher der 8 Spikes. Es war nur durch das Seeing-Geflirre schwierig, sie zu zählen. Sowas, ein Refraktor mit Spikes im Beugungsbild!

Nun machte ich mich an Doppelsternen zu schaffen: Castor war bei 120x getrennt, locker. Die Sterne waren selbst bei 120x im besten Fokus kleine "Kreuzerl", ein Zeichen des Astigmatismus. Und natürlich schwamm alles in einem blauen Farbhof. Ein weiterer Test an Epsilon Lyrae bestätigte nur den Astigmatismus: da die Paare nahezu im rechten Winkel zueinander stehen, war auf der tangentialen Fokusschale das eine Paar, auf der sagittalen das andere Paar leichter zu trennen (120x). Die Sterne selbst erschienen gelbgrün, und auch diese schon relativ schwachen Sterne waren noch von einem Farbhof umgeben.

Dann ein paar Deep-Sky Objekte: M3 zeigte bei 200x indirekt relativ viele Sterne, vor dem Zentrum allerdings nur wenige, das Zentrum selbst war nur "Brei". An M13 waren bei 120x noch feine Sterne zu sehen, bei 200x und 240x recht viele Einzelsterne, und andeutungsweise war das charakteristische "X" im Zentrum zu erkennen, es hätte aber durchaus deutlicher sein können, sieht man dieses Detail doch auch schon in einem guten 4" APO.  Der Astigmatismus drückte halt merkbar auf die Performance. M81 und M82 waren relativ schön zu sehen, M81 als ovaler Nebel mit hellerem Kern, an M82 bei 120x etwas Detail.

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Intensiver Startest

Gleich in der darauf folgenden Nacht, am 28. 4. 2003, nahm ich mir die Optik gründlich im Startest vor. Dazu hatte ich aber einige Vorbereitungen getroffen. Einerseits hatte ich die Optik pipifein justiert, andererseits eine Gradskala am Fokussiererdrehknopf angebracht. Wozu? Einem derart "bunten" Achromaten kommt man im Startest nicht einfach bei, indem man bei höherer Vergrößerung ins Okular guckt, und am Fokussierer ein bisserl vor und zurück dreht. Das will schon mit mehr Aufwand angegangen sein. Die Gradskala am Drehknopf gibt mir genaue Auskunft über den Fokussierweg, ich kann leicht auf linearen Fokussierweg umrechnen und habe somit direkte Werte. Und um in der "bunten Landschaft" analysieren zu können, braucht's Farbfilter. Damit man die Sphärische Aberration einigermaßen abschätzen kann, ist eine Obstruktion von 33% hilfreich. Ich fertigte eine entsprechend große Papierscheibe, die ich mit Zwirn vorne an der Taukappe befestigte.

Ein Wort noch zu der Justierung: Das Objektiv saß danach merklich schief auf dem Flansch. Genau genommen sitzt demnach der Flansch nicht gerade am Tubus - tolle Präzisionsarbeit, fürwahr...

Diese Testnacht verlief weitgehend ohne Störung durch Wolken, bei milder Temperatur (16 Grad, leicht fallend) und Blütenduft. Mit Mond wäre es ja recht romantisch gewesen, darauf habe ich aber dankend gerne verzichtet :-)

Meine Teststerne waren Arcturus und Wega. Erst einmal war auffallend, dass der Astigmatismus nun geringer war. Bei 200x war am fokussierten Beugungsbild noch nichts zu merken, bei 240x war statt eines Beugungsscheibchens allerdings ein kleines Kreuzl zu sehen. Nun ging es mit den Farbfiltern an's Eingemachte. Erst einmal prüfte ich die Korrektur der Sphärischen Aberration. Meine Abschätzung ergab durchaus erfreuliche Werte: eine leichte Unterkorrektur im grünen Licht, eine etwas stärkere Unterkorrektur im Roten, und eine minimale Überkorrektur im Blauen. Alles besser als beugungsbegrenzt. Soweit sah die Sache einmal gut und richtig aus. Dann kitzelte ich die Farbkorrektur im Detail heraus. Den roten C-Fokus fand ich in der erwarteten Distanz vom grünen e-Fokus, den blauen F-Fokus just in derselben Distanz wie den C-Fokus. Durch den Blaufilter guckte auch der e-Fokus, auch da gab es Übereinstimmung. Die Farbkorrektur ist also ok, das sogenannte Sekundäre Spektrum beläuft sich damit auf 1/2000 der Brennweite (mittels meiner Gradskala nachgemessen), und das ist es, was mit konventionellem Kron- und Flintglas erreicht werden kann

Freilich zeigte das Beugungsbild immer noch die 8 kurzen Spikes, und natürlich waren auch die langen Spikes von der Fadenbefestigung meines Obstruktionplattls zu sehen. Letzteres war natürlich ein testbedingter Bildartefakt und kein Grund zur Sorge. Ich beobachtet nun nochmals Doppelsterne. Algieba, der "Halsstern" des Löwen war bei 120x gut getrennt,  Epsilon Bootis etwas schwieriger, aber bei 200x zu schaffen, Epsilon Lyrae bei 120x einwandfrei getrennt, bei 200x recht schön. Natürlich muss man sich immer den Farbhof um die hellen Sterne vorstellen, und grüne Sternscheibchen mit einem sichtbaren roten Rand, speziell an rötlichen Sternen. Das Bild läßt also gerade die gewisse Ästhetik missen, die man an einem Refraktor sucht.
M13 war in dieser Testnacht eigentlich recht schön zu sehen, nach der Justierung jedenfalls eindeutig besser als am Vortag. In der Umgebung des noch recht tief stehenden M57, zudem am aufgehellten Osthimmel meines Teststandortes, versuchte ich die erreichbare Grenzgröße zu ermitteln, und kam bis auf 14.17 mag. Wenn M57 im Zenitraum steht, ist in einer guten Nacht sicher noch was drin, ich würd' tippen, bis 14.6 mag sollte es auf alle Fälle reichen.
Ach ja, Jupiter habe ich auch noch in's Visier genommen, der stand mir aber schon zu tief, um noch als kritisches Testobjekt herzuhalten. Da habe ich aber einen "plumpen" Test gemacht, mit und ohne das Obstruktionsplattl. Hm, mir soll aber keiner mehr sagen, dass der Lichtverlust durch 33% Obstruktion unerheblich ist. Es war ohne Obstruktion, als wenn jemand das Bild heller gedreht hätte... Da ich das Obstruktionsplattl auf die Taukappe montiert hatte, war es leicht möglich zwischen obstruktionsfreier und obstruierter Sicht zu wechseln, eine Flexibilität, die im Test sehr hilfreich war.

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Showdown gegen einen übermächtigen "Sparringpartner"

Der Abschlusstest fand am 29. 4. 2003 statt, in einer zumindest im ersten Teil reichlich wolkendurchsetzten Nacht. Mein Beobachtungsparter Walter Koprolin und Andi Berthold waren zugegen. Ich hatte meinen 5.7" f/6 Maksutov-Newton als "Sparringpartner" mitgebracht. Walter hat gemeint, ich würde Äpfel mit Birnen vergleichen. Gut, rein vom Preis her schon, wo allein der optische Tubus des Mak-Newton doch teuerer ist als der Refraktor mitsamt Montierung und Stativ. Ich wollte aber wissen, wie sich die kleinere und obstruierte Öffnung, wohl mit besserer Definition und farbrein, dagegen ausnehmen würde. Es war schon klar, wer hier Sieger sein müsste. Trotz der Wolken kamen wir auf einige Vergleichsmöglichkeiten. Die Nacht wäre ja so schlecht nicht gewesen, gegen Mitternacht gab es eine längere wolkenfreie Phase, das Seeing war jedoch nur mäßig gut.

Wir trachteten, an beiden Geräten mit annähernd gleicher Vergrößerung zu beobachten. Die Auswirkung von leichten Unterschieden diesbezüglich sind in meinen Erläuterungen schon berücksichtigt. An Jupiter hatte bei Vergrößerung von 174x (Refraktor 171x) überraschenderweise der Maksutov-Newton trotz kleinerer Öffnung und obstruierter Optik das hellere Bild. Er zeigte auch weit bessere Definition, härtere Kontraste, und ein farbneutrales Bild. Dem eher miesen Seeing konnte der Maksutov-Newton leichter Details abtrotzen. Im Achromaten sah man einen zitronengelben Jupiter mit recht schwachkontrastig wirkenden rötlichen Bändern, in einem blauvioletten Farbhof "schwimmend". Insgesamt bot sich das Bild des Refraktors fad und flau im Vergleich. Bei 200x konnte ich schließlich mit viel Geduld doch annähernd die gleichen Details in den Bändern erkennen, auch einige Fahnderln vom NEB aus in die EZ waren zu erhaschen. Interessanterweise musste ich am Refraktor dazu aber höher vergrößern.

Algieba war im Maksutov-Newton ein Genuss: zwei topasfarbene Airy-Disks mit feinen Beugungsringen, dazwischen schwarzer Himmel, dass ein LKW durchfahren hätte können, wie man so sagt. Im Refraktor war der Doppelstern wohl auch deutlich getrennt, das Bild ließ aber jegliche Ästhetik vermissen. Andi ist beim Anblick von Algieba im Maksutov-Newton ein leises, bewunderndes Pfeifen ausgekommen. Eigentlich würde man sich so ein Bild in einem Refraktor vorstellen :-)

An M3 hatte der kleinere Maksutov-Newton trotz höherer Vergrößerung (174x zu 160x) das hellere Bild, und auch die bessere Definition. Gut, in diesem Fall war die höhere Vergrößerung sicher ein Vorteil. Um annähernd gleich zu ziehen brauchte der Achromat aber 200x.

Ein letzter Vergleich fand am Leo-Galaxien-Triplet M56, M66, NGC3628 statt. Speziell die lichtschwache Galaxie NGC3726 war am Weinviertler Himmel nicht allzu leicht auszumachen. Walter meinte, sie im Maksutov-Newton leichter sehen zu können, ich fand aber den Unterschied hier nicht so gravierend. Die Galaxie war auch im Refraktor letztlich sichtbar, wenngleich das Bild wieder etwas dunkler erschien.
Kurioses Detail am Rande: Walter stellte später sein 8" f/10 Schmidt-Cassegrain auf, und siehe da, der kleine Maksutov-Newton konnte sich von der Bildhelligkeit frech gegen den Achtzöller behaupten - Gleichstand. Später versuchte ich noch die Sterngrenzgröße in der halbhoch am Osthimmel stehenden M57 Umgebung zu eruieren, und kam im kleinen Maksutov-Newton wie im 8" SC auf 14.6 mag.

Für Andi war es nun Zeit, aufzubrechen. Er nahm den Refraktor gleich mit. Walter hätte zwar gerne noch  meine Startest Ergebnisse im Detail nachvollzogen, doch was soll's, der Test war gelaufen.

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Fazit

Schau'n wir doch einmal, was Meade in der Produktbeschreibung verspricht: Eine Auflösung bis zum theoretischen Limit der Öffnung (auf einer Meade Web Page fand ich sogar 0.74" zitiert), eine beugungsbegrenzte Abbildung im Rahmen des Leistungsvermögens klassischer zweilinisger Achromate, helle und kontrastreiche Bilder mit einem Minimum an Farbfehler.

Wir wollen nun diese Angaben analysieren und die Performance unseres Testkandidaten dagegen evaluieren. Die angegebene theoretische Auflösung von 0.74" ist besser als das Dawes Limit, das ist eine hohe Ansage. Wer nicht weiss, wie diese Zahlenangabe zu deuten ist, wird falsche Erwartungen setzen. Denn das Dawes Limit gilt strikt nur für das Trennvermögen einer Öffnung von 6" an weißen Sternen 6. Größe - wenn beide Sterne gleich hell sind. In der Praxis wird man wohl nur sehr schwer einen idealen Testkandidaten von Doppelstern finden, bei dem man diese Angabe überprüfen könnte. Einerlei, einige Doppelsterne habe ich in meinem Testprogramm ja drin gehabt, und die hat der Refraktor problemlos "geknackt". War auch zu erwarten, denn für einen Sechszöller sollten die gewählten Doppelsterne wirklich kein Problem sein. Zum anderen sind Doppelsterne zwar reizvoll zu beobachten, eine Bewertung der Optik daraus allein ableiten zu wollen, ist nicht ausreichend. Diese Optik wird an Doppelsternen wohl recht brav arbeiten, es mögen Zweifel am Erreichen der bestmöglichen Auflösung eines Sechszöllers dennoch berechtigt sein. Die Gründe dafür sind nachfolgend zu finden.

Was die beugungsbegrenzte Abbildung betrifft, kann ich nicht ganz zustimmen. Diese Aussage darf durchaus für die Korrektur der Sphärischen Aberration gelten, wie ich in meinem Test feststellen konnte. Der diagnostizierte Astigmatismus war bei 200x noch nicht merkbar, bei 240x war das Beugungsbild eines Sternes jedoch nicht mehr einwandfrei, ein kleines Kreuzerl anstatt eines Scheibchens. Um dieses Ergebnis zu erreichen, will die Optik jedenfalls sauber justiert sein. Nicht ganz "grün" erscheint mir jedenfalls die Fertigung. Das nicht zentrisch am Flansch sitzende Objektiv mag für den Rest an Astigmatismus zuständig sein. Und gänzlich unnötig sind die "Spikes", Beugungsartefakte, die durch jene in den Strahlengang ragenden Schrauben am Objektivflansch verursacht werden. Um das Beste aus einer Optik herauszuholen gehört halt eine korrekte Konstruktion und Fertigung der Mechanik dazu.

Der Farbfehler ist sicher, im Rahmen der Möglichkeiten eines Zweilinsers mit konventionellen Gläsern, bestmöglich korrigiert. Dass bei 6" f/8 jedenfalls ein recht "buntes" Bild entsteht, liegt in der Natur der Sache. Dem könnte man nur entkommen, indem man entweder mit längerer Brennweite baut, oder auf Sondergläser ausweicht. Das eine tut der Handlichkeit nicht gut, das andere treibt den Preis in die Höhe. Es stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit, einen konventionellen Achromaten mit dieser Öffnung und Brennweite zu bauen. Durch den starken Farbfehler beobachtet man auch alles quasi durch einen Gelbgrün-Filter. Es zeigt sich an zitronengelben Planetenbildern, an grünen Sternbeugungsbildern. Das zwangsläufig unfokussierte restliche Licht verursacht riesige Farbhöfe um helle Objekte, ist zwar an schwachen Deep-Sky Objekten nicht sichtbar, aber es fehlt einfach jenes Licht, daher ist das Bild dunkler. Man fokussiert ja im Gelbgrünen und bekommt auch nur dieses Licht. Es war daher nicht verwunderlich, dass ein Maksutov-Newton mit kleinerer Öffnung ein helleres Bild lieferte. Man darf halt nicht den "Fehler" machen, diesen Refraktor gegen eine Spiegeloptik zu vergleichen, z.B. einem 6" f/8 Newton. Selbst ein Kugelspiegel im Newton würde reichen, um dem Achromaten die Show zu stehlen.
Mit den kurzbrennweitigen Achromaten hat sich am Markt auch einiges zur "Nachbehandlung" des starken Farbfehlers getan. Es gibt Versuche den Farbfehler mit einem simplen Gelbfilter zu unterdrücken, der blaue Farbhof soll so unterdrückt werden. Dies heißt aber eher den Teufel mit dem Beelzebuben austreiben zu wollen, wo man doch ohne Filter eh schon gelbgrün gefiltert sieht. Andere, auch nicht recht zufrieden stellende Versuche gibt es mit Minus-V Filtern, die das am weitesten ausreißende violette Licht attackieren sollen. Die Definition damit rechtfertigt aber kaum die Kosten eines solchen Filters. Seltsame Blüten sind mit dem sogenannten "Chromacor" gewachsen. Die Hoffnung, aus einem Billigachromaten mittels eines hinten reingeschraubten "Optik-Zauberteils" um ein paar Netsch einen Apochromaten zu machen, hat sich so auch nicht so erfüllt. Zum einen sind diese Teile recht teuer, und finden daher nur geringen Absatz, zum anderen muss so ein Farbkorrektor auf die Optik abgestimmt sein, um die Performance nicht zu verschlimmbessern. Demnach gibt es solche für unterkorrigierte Optiken,  und solche für überkorrigierte Optiken. Rauszufinden, welchen Korrekturzustandes der jeweilige Refraktor ist, bedarf einiger Startestkenntnisse, das ist für normale Sternfreunde, die just zu solchen Instrumenten tendieren, kaum zu schaffen. In der Tat ist es nach einigem Anfangs-Hype recht still um die Chroma- Korrektoren geworden. Für hohe Vergrößerungen mag so ein Ding ja taugen, um eine fast farbfehlerfreie und gute Definition bei Planetenbeobachtung zu erreichen, wenn denn alles bestens zusammenpasst. Immerhin will so ein Chromacor auch richtig installiert sein, um die erwartete Leistung auszuschöpfen. Bei sehr niedrigen Vergrößerungen ist zudem mit Vignettierung zu rechnen. Die Kosten, um einen Billigachromaten so "aufzumotzen", sind jedenfalls nicht unerheblich, und verdoppeln etwa den Preis der Optik. Dennoch mag eine ausgesuchte Refraktoroptik mit passendem Korrektor quasi der "APO des kleinen Mannes" sein. Das wäre jedenfalls ein interessanter, eigener Test.

Ok, lassen wir die Kirche im Dorf, immerhin waren mit dem Testgerät auch trotz des Farbfehlers kontrastschwächere Details an Jupiter zu erspähen, auch im Deep-Sky Bereich gibt's sicher genug zu sehen mit diesem Refraktor. Wenn man mit dem "bunten" Bild leben kann, soll's recht sein. Die ästhetische Abbildung, die man an einem Linsenfernrohr sucht, wird man hier jedenfalls vergeblich suchen. Als Allroundgerät, mit keinen ausgeprägten Stärken und Schwächen, mag diese Optik taugen.

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Astrofotografie

Fotografie? Möglich, aber mit Abstrichen. Mondfotos zeigen aufgrund der kurzen Belichtungszeit keinen Farbsaum. Planeten kommen zwar mit der gelbgrünlichen Tönung, doch auch hier ist die Belichtungszeit noch so kurz, dass sich der Blausaum nicht am Film manifestiert. Deep-Sky Objekte sind schwach genug, dass sie ohne Farbfehler abgebildet werden, doch hat man bei den damit verbundenen langen Belichtungszeiten blaue Höfe um die helleren Sterne. Diese Farbhöfe lassen sich vielleicht mit einem Lightpollution-Reduction Filter, kurz LPR Filter, weitgehend unterdrücken, die Belichtungszeit wird bei der mit f/8 ohnehin schon relativ langsamen Optik damit aber weiter verlängert. Wieweit die LXD55 Montierung und das serienmäßige Alu-Stativ bei Fotografie mitspielen, sei dahingestellt, zumal man in diesem Falle noch mit Kamera, Leitrohr und Autoguider eine Menge an Gewicht dranhängt. Nachfolgend ein paar Beispielbilder, anhand derer sich fotografische Ergebnisse einschätzen lassen.

Dieses Mondbild hat Walter mit dem Testgerät gewonnen, es zeigt die durchaus gute Abbildung, vom Farbfehler ist hier nichts zu sehen.

Deutlich zu sehen ist die grünliche Tönung an Jupiter, die Detailabbildung aber durchaus gut. Dieses Bild ist nur beispielhaft zu werten für die Leistungsfähigkeit eines Achromaten, trotz Farbfehlers; es wurde nicht mit dem Testgerät gewonnen.

     

Zu sehen sind die blauen Farbhöfe um hellere Sterne, die jedoch durchaus detailreiche Abbildung des Orionnebels. Dieses Bild ist nur beispielhaft zu werten für die Leistungsfähigkeit eines Achromaten, trotz Farbfehlers; es wurde nicht mit dem Testgerät gewonnen.

Wenn ich in amerikanischen Astro-Magazinen für dieses Instrument, mitsamt Montierung, Stativ, Sucher, Zenitprisma und einem Okular, einen Dollar Preis von etwa 900 USD sehe, soll sein, das ist der Leistung und der Verarbeitung angemessen. Wenn ich bei Meade Europa allerdings für das gleiche Angebot einen Preis von über 2000 EUR finde, ist das meiner Ansicht nach überteuert. LXD55 Montierung mit GoTo hin oder her, man muss konkret gleich ein stabiles Hartholzstativ dazurechnen, und angesichts der Fertigungsfehler stellt sich wirklich die Frage, ob es zu diesem Preis nicht bessere Angebote gibt. Das möge jeder Interessent für sich selbst abwägen.

#owdii

Anmerkung: Dieser Testbericht wurde Meade Europe zur Kenntnis gebracht. Eine offizielle Stellungsnahme dazu liegt derzeit noch nicht vor. Sollte eine solche erfolgen, so wird sie an dieser Stelle veröffentlicht werden.

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