Howdiis 18" Dob

Seit dem Spätherbst 1996 bin ich nun stolzer Besitzer eines 18" Dobs. Zusammen mit meinem Beobachtungspartner Mag. DI Walter Koprolin, der alles von Anfang an miterlebt hat, haben wir mittlerweile wohl einiges an Erfahrung gesammelt, wie sich so das Leben und das Beobachten mit diesem "Monster" gestaltet. Darüber möchte ich im nachfolgenden Artikel berichten, und auch das Gerät selbst näher beschreiben.

Howdii und sein Dob

Der stolze Besitzer neben dem fertig aufgebauten Teleskop.
(zum Vergrößern anklicken)

Inhaltsverzeichnis:

Motiv und Entscheidung

Jeden leidenschaftlichen Sterngucker erfaßt irgendwann einmal das "Aperture Fever", ich war da keine Ausnahme. Nebenbei bemerkt, bin ich seither auch schon bei der nächsten "Entwicklungsstufe" des Amateurs gelandet: beim APO Refraktor. Aber nicht, weil mein Dob zuwenig Qualität hätte - für den Refraktor gab es andere Beweggründe.

Wie ist aber damals die Entscheidung für den Dob gefallen? Aperture Fever hin oder her, die 5.7" Öffnung meines kleinen Maksutov-Newtons eignen sich zwar besser für Deep Sky Beobachtung, als man das gemeinhin annehmen möchte, doch der Wunsch, noch tiefer vorzudringen, führt nur über höhere Lichtleistung und damit über mehr Öffnung. Um einen deutlichen Abstand zum 5.7" zu legen, war mir ein 10 Zöller schlicht noch zu wenig. Die Überlegungen gingen bei 12 Zoll los, vielleicht doch 14 Zoll, oder gar 16? Man macht sich schließlich Gedanken über den Anschaffungspreis, die Transportabilität des Geräts, Seeingprobleme bei großer Öffnung, optische Qualität usw. Irgendwie waren auf einmal 18 Zoll das Maß der Dinge. Ich bekam ein Prospekt der Starsplitter Gitterrohr Dobs zu Gesicht, und das Dobkastl schien geeignet, einen 18 Zoll Brummer für mich noch transportabel zu halten. Zudem schien der Starsplitter Dob auch noch erschwinglich.

Freilich war die Frage des Optikherstellers noch nicht entschieden. Durch die Starsplitter Vertretung Grab Astro Tech (GAT) wurden amerikanische Pegasus Optics Spiegel angeboten. Zur Diskussion standen ferner Galaxy, Lomo und Intes. Die Wahl fiel letztlich doch auf Pegasus Optics.

Pegasus bietet, wie z.B. auch Galaxy, Spiegel aus Fine Annealed Pyrex #7740 mit einer Dicke von 2 Zoll an. Anfänglich war ich irritiert durch die von GAT angegebene Mindestqualität, und verwirrend lasen sich auch die Anzeigen von Pegasus selbst in Sky&Telescope. Auf eine konkrete Anfrage bei GAT bekam ich die Auskunft, daß die Spiegel generell besser seien als die angebotene Mindestqualität von lambda/4 Wavefront, das wäre halt das absolut untere Limit, und ich könne gerne zu einer Testbeobachtung kommen. Zufall oder nicht, auch die Pegasus Anzeigen in S&T gaben auf einmal klare Auskunft. Es wurde nun mit einer durchschnittlichen Wavefrontqualität von 1/8 wave p.t.v. geworben.

Gut, dachte ich, keine Experimente mit Testbeobachtung, wer weiß schon, ob das Wetter mitspielt, und ich wollte mich auch nicht durch Emotionen beeinträchtigen lassen. Lieber schrieb ich eine scharf spezifizierte Bestellung: Mindestens 1/8 wave p.t.v., und Queraberration kleiner als der theoretische Durchmesser des Beugungsscheibchens. Nebenbei natürlich Freiheit von anderen Fertigungsfehlern, wie Astigmatismus, Turned Edge, Microripple etc.

Mit diesem "frechen" Papier marschierte ich zu meinem Wiener Astrohändler, Hrn. Rhemann, und bestellte über ihn einen 18" Starsplitter Dob mit Pegasus Spiegeln nach Spezifikation - eigentlich nur die von Pegasus als Durchschnitt beworbene Qualität. Bald darauf kam das OK von GAT, die Bestellung wäre so akzeptiert. Na bitte, wir würden ja sehen...

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Ankunft

Bis das Trumm abholbereit in Wien war, verging mehr als ein halbes Jahr. Auf den ersten Blick machte die Holzverarbeitung der Dobkiste einen guten und soliden Eindruck. Natürlich öffneten wir gleich die Schachtel, in der der Hauptspiegel verpackt war: unser Interesse galt dem Testprotokoll. Etwas ungläubig starrte ich auf die angegebenen Werte: Wavefront Error bei 570nm 1/17 wave p.t.v., Wavefront Error RMS 1/36 wave. Na schön, sagten wir, wenn wir nur die Hälfte des PV Wertes glauben, hätte er die geforderte Qualität.

Dazu möchte ich anmerken, daß bei Pegasus mit der Messerschneidenmethode nach Foucault getestet wird. Dabei wird der Spiegel vom Zentrum bis zum Außenrand in konzentrische Zonen unterteilt, beim 18" sind es neun an der Zahl, deren Korrekturzustand mittels einer Maske für jede Zone einzeln bestimmt wird. So kann letztlich ein Wavefront Profil erstellt werden, aus dem die Spiegelqualität ablesbar ist. Keine Kritik am Foucault Test, er ist eine probate Methode, gute Spiegel herzustellen, aber das Ergebnis des Foucault Test muß nicht unbedingt mit einem interferometrischen Test konform gehen. Man muß korrekterweise diverse "worst case Szenarien" berücksichtigen. Somit kann freilich dieser Spiegel eine tatsächlich schlechtere Wavefront Qualität liefern, er sollte aber doch noch auf der "sicheren" Seite sein. Wie gut oder wie schlecht meine Optik nun ist, würde sich wohl im praktischen Einsatz am Sternenhimmel zeigen.

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Lieferumfang

Bestellt war ein 18" f/4.5 Starsplitter II, mit Pegasus Optics Spiegeln, 96% Verspiegelung (Aufpreis), Fönsystem zum rascheren Abkühlen des Hauptspiegels, Schubkarrengriffe mit luftbereiften Rädern und Telrad Finder. Dies alles, bis auf die aufpreispflichtige hochreflektierende Verspiegelung, war standardmäßig im Lieferumfang enthalten. Zusätzlich orderte ich ein schwarzes Hülltuch für den Gittertubus, einen 11x55 Sucher inkl. Halterung, Chesire Justierokular und Justierlaser, und digitale Teilkreise. Knapp 97.000 ATS (= 7.050 Euro) habe ich damals für alles zusammen bezahlt.

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Konstruktion

Wer nicht wissen sollte, was ein Dob ist und wie ein Dob prinzipiell aufgebaut ist: Dob ist die Kurzform für Dobson. Das ist eine von der Astrolegende John Dobson entwickelte Form, einen Newton einfach und billig, aber stabil, zu montieren, so, daß er sich in Azimut und Höhe bewegen läßt. Damit kann der Dob auf jede beliebige Stelle des Himmels gerichtet werden. Baute Dobson seine Teleskope noch aus Recycling-Materialien, so hat die Industrie diese Bauart aufgegriffen, und produziert mehr oder minder verbesserte und veredelte Lösungen. Dabei differieren in erster Linie die Materialien, was aber entscheidenden Einfluß auf die Stabilität und perfekte Beweglichkeit hat. Man muß schon unterscheiden, zwischen Low-End "Spanplatten und Pappendeckeltubus" Dobs, und High-End Dobs, die perfekte Beobachtungsgeräte darstellen. Das Grundprinzip ist hingegen immer dasselbe:

Zuunterst befindet sich eine meist kreisrunde, stabile Holzplatte, auf drei kurzen Fußerln, wodurch ein sicherer und wackelfreier Stand gewährleistet ist. Darauf, um die Mittelachse drehbar gelagert, steht die sog. Rockerbox. Diese ist für die Stabilität des gesamten Dobs maßgeblich verantwortlich, und hat außerdem die Aufgabe, die Höhenlager für den Tubus bereitzuhalten. Das Bestreben sollte immer in die Richtung gehen, den Schwerpunkt der gesamten Konstruktion möglichst niedrig zu halten. Am Tubus, ob im Querschnitt rund oder eckig, geschlossen oder Gitterkonstruktion, befinden sich exakt im Schwerpunkt seitlich zwei Scheiben oder Halbscheiben, die in die dafür vorgesehenen Ausschnitte der Seitenwände der Rockerbox gelegt werden. Somit ist die Rockerbox auf der Grundplatte in Azimut drehbar, der Tubus ist mit seinen seitlichen Scheiben in der Rockerbox gelagert und kann so in Höhe bewegt werden. Die leichte Beweglichkeit in Höhe und Azimut wird durch Gleitlager gewährleistet. Unter den "Dobsonauten" hat sich ein spezieller Jargon entwickelt, wo z.B. die am Tubus befestigten Scheiben für die Höheneinstellung als "Dec-Räder" bezeichnet werden. Einige weitere typische Begriffe werden auch im folgenden Text auftauchen.

Der Dob von hinten

Der 18" Dob von hinten. Man sieht die Rockerbox, die Spiegelkiste mit der 18-Punkt Spiegellagerung und den seitlich montierten Dec-Rädern, die Unterseite des Hauptspiegels und den (selten benutzten) Ventillator.

Sehen wir uns den Starsplitter Gitterrohr-Dob nun näher an. Die Rockerbox selbst ist, wie alle Holzteile, massiv aus mehrfach verleimtem Sperrholz gebaut, ist unterseitig mit einer Kunststoffplatte versehen, die eine genoppte Oberflächenstruktur aufweist. Das Gegenstück der Gleitlager dazu bilden Teflonpads auf der Grundplatte. Ein gewisser Anpreßdruck zwischen Rockerbox und Grundplatte ist wohl schon allein durch das Gewicht des Geräts gegeben, durch die selbstsichernde Verbindungsschraube kann noch mehr Anpreßdruck eingestellt werden. Die Lager für die Dec-Räder werden ebenfalls durch Teflonpads gebildet.

Der Gitterkonstruktion besteht aus einem unteren Tubusteil, der Spiegelkiste, die auch die Dec-Räder trägt, des weiteren aus 8 Alustangen, die den Gittertubus bilden, und einem oberen Tubusteil, der Fokussierer und Fangspiegel trägt. Die Alustangen des Gittertubus sind mit einem schwarzen Schaumstoffschlauch überzogen. Das soll Reflexionen an den Alustangen mindern, Schwingungen dämpfen, und schließlich greift sich die Sache angenehmer an als eiskaltes Metall.

An der Spiegelkiste, respektive unterer Tubusteil (UT), befinden sich seitlich die großen Alu Dec-Räder. Genaugenommen sind es nur Halbräder, die nur den notwendigen Bogen umspannen. Die Laufflächen sind außen mit Ebony Formica Star belegt, einem Material mit leicht genoppter Oberfläche, das die Gleitfläche auf den Teflon Lagern an der Rockerbox bildet. Die Gleitflächen auf den Teflonpads werden also immer von einer strukturierten Oberfläche gebildet, so ist leichte Beweglichkeit gewährt, und ein "Festsaugen" wird verhindert.

Der Hauptspiegel wird von einer AstroSystems Fassung mit 18 Auflagepunkten gehalten. In Schräglage wird der Spiegel an der Kante von einem Gurt getragen, was ausreichend ist, da der Dob nicht überkopf geneigt werden kann. Die Hauptspiegelfassung ist fest mit der Kiste verschraubt und verleiht ihr so zusätzliche Stabilität. Die Spiegelkiste ist innen geschwärzt, ebenso alle Montierungsteile. Unten ist die Spiegelkiste offen, oben bildet ein Blendring gleichzeitig die Auflage für einen hölzernen "Klodeckel". Mit diesem Deckel wird der UT verschlossen, somit ist der Hauptspiegel geschützt, und zur Lagerung kann der obere Tubusteil draufgestellt werden. Oberhalb des Deckels befinden sich in den Ecken der Kiste die Holzklötze, die die Alustangen des Gittertubus aufnehmen und klemmen.

Der Dob von vorne

Der 18" Dob von vorne. Man sieht den oberen Tubusteil, Fangspiegelhalterung und Fangspiegel, Telrad, Sucher und ein Okular im Okularauszug.

Der obere Tubusteil (OT) besteht im Prinzip aus zwei Holzringen, die mit vier Alurohrstücken auf Distanz zueinander gehalten werden. Die Rohrstücke dienen gleichzeitig zur Befestigung der Spinne (Fangspiegelhalterung). Der Fokussierer ist an einem flachen Sperrholzbrett befestigt, das zwischen oberem und unterem Ring gehalten wird. Detto findet sich am Umfang der "Trommel" links und rechts neben dem Fokussiererbrett je ein weiteres Brett dieser Art zur Aufnahme von Telrad und Sucher. Die Tubuswand des oberen Tubusteiles bildet eine Kunststoffeinlage aus Kydex. Dieses flexible Material ist außen schwarz glänzend, innen rauh, geraffelt, und stumpf dunkelgrau bis schwarz. Die Klemmblöcke für die Aufnahmen der Gitterstangen am oberen Tubusteil sind zweiteilig ausgeführt, wobei der äußere Teil von einem Ketterl gehalten wird, wenn man ihn abschraubt. Eigentlich hätte ich eine Novak Spinne bevorzugt, geworden ist es aber eine AstroSystems Spinne. Novak hatte dem Vernehmen nach Lieferprobleme. Den bestellten JMI 2" NGF2 Fokussierer hingegen habe ich wunschgemäß bekommen. Der Fangspiegel mit ebenfalls 96% Verspiegelung mißt 3.1" (kleine Achse) und bewirkt somit grade 18% Obstruktion.

Damit man sich konkrete Vorstellungen von den Dimensionen des Geräts machen kann, nachfolgend einige Abmessungen, alle Maße in Zentimeter. Rockerbox: ca. 70 x 70 x 26, UT: ca. 63 x 63 x 40, OT: Durchmesser ca. 60 x 30, Länge Alustangen: ca. 142, Einblickhöhe Zenit: ca. 190, Gesamthöhe ca. 210.

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Installation der Optik

Wie bereits erwähnt wurden die beiden Spiegel extra verpackt geliefert. Sie sind kundenseitig zu installieren. Beim Auspacken der Spiegel sank die Begeisterung gleich einmal. Ungeeigneter kann man Spiegel sicher nicht verpacken. Beide Spiegel waren eingegraben in Unmengen von dünnem Seidenpapier, das nicht nur auf den verspiegelten Flächen auflag, sondern auch jede Menge Fuzerl und feinsten Papierstaub hinterlassen hatte, der regelrecht - statisch aufgeladen - am Glas pickte. Ein simples Wegblasen war nicht möglich. Der Hauptspiegel hatte natürlich von der Verpackung bereits einen hübsch langen feinen Kratzer... Eine gewisse Verärgerung kann ich nicht leugnen, wenn man neue Spiegel erst einmal einer Reinigung unterziehen muß... Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß auch die Optik des Suchers verstaubt war - diese Reinigung ließ Hr. Rhemann für mich kostenlos durchführen. Für den großen Hauptspiegel sahen wir aber keine andere Möglichkeit, als die Reinigung in Eigenregie durchzuführen. Von GAT kam die lapidare Auskunft: "Waschen". Mhm, ja, das hätten wir auch gewußt.

Bei der Installation der Spiegel muß natürlich auch die Optik erstmals grob justiert werden. Wobei der Fangspiegelpositionierung und -justierung einige Bedeutung zukommt. Bei einem kurzbrennweitigen Newton sollte der Fangspiegel mit einem entsprechenden Offset montiert werden, um die volle Fläche des Fangspiegels zur Bildausleuchtung zu nutzen, und eine symmetrische Ausleuchtung in der Fokalebene zu erreichen. Dazu wird der Fangspiegel aus seiner geometrisch in Tubusmitte und unter dem Fokussierer zentrierten Position um eine kleine Distanz, die rechnerisch ermittelt wird, jeweils Richtung Hauptspiegel und Richtung der dem Fokussierer gegenüberliegenden Tubusseite versetzt.

Der Fangspiegelhalter war bereits mit dem erforderlichen radialen Offset montiert, achsial mußte der Fangspiegel überhaupt einmal in einigermaßen richtige Position gebracht werden. Dies war wohl aus Transportgründen nicht vorbereitet, der Mitteldorn der Spinne würde sonst um etliche Zentimeter über den oberen Rand des OT ragen. Der erforderliche achsiale Offset wird durch die optisch zentrierte Ausrichtung unter dem Fokussierer mit Hilfe eines Chesire Justierokulars erreicht.

Der Hauptspiegel wurde anläßlich der Reinigung von mir auch mit einer Mittenmarkierung in Form eines Kleberingerls versehen. Dadurch ist der exakte Mittelpunkt des Spiegels frei, und ermöglicht so die Justierung mittels Laser. Das Einlegen des Hauptspiegels in die Fassung ist bereits eine heikle Sache: 19 kg nur mit den Fingerspitzen balancierend, damit man nicht mit den Handballen Fettabdrücke an der Spiegeloberfläche hinterläßt, muß man auch noch die Hände schmal machen, um durch die obere Öffnung des UT (Blendring) durchzukommen. Nachdem der Hauptspiegel in der Fassung liegt, muß der Gurt entsprechend gespannt werden, so, daß der Hauptspiegel satt darin liegt, und auch in der Fassung zentriert ist. Zu dieser Arbeit muß die Spiegelkiste etwas gekippt werden, damit man auch von unten entsprechend dazu kann, und es empfiehlt sich, die Gitterstangen und den oberen Tubusteil zu montieren, und so als "Gegengewicht" einzusetzen. Anschließend werden die drei seitlichen Exzenter der Spiegelfassung so gedreht, daß der Spiegel noch ein wenig Spiel hat, aber nicht wahllos hin- und herrutschen kann. Zur Sicherung nach oben hin werden einfach Klips nach innen gedreht, die aber etliche Zentimeter von der Spiegeloberfläche entfernt sind. Dem Spiegel ist jedenfalls beim Transport bisher noch nichts passiert, und bei extrem waagrechter Tubusneigung hebt eher der Spiegel von seinen Lagerpunkten ab, und hängt senkrecht im Gurt, als daß er nach vorne überkippen würde. Insgesamt scheint die Sache für harten Einsatz gut durchdacht zu sein.

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Transport

Jeder, der mit dem Gedanken spielt, ein Fernrohr dieser Größe anzuschaffen, sollte sich auch überlegen, wie er den Transport bewältigen kann. Es ist sinnlos ein Teleskop zu kaufen, das man alleine nicht mehr transportieren und aufbauen kann. Als Warnung sei hier das Lebendgewicht von ca. 55 kg, in unhandlicher Packung, angeführt.

Damit die Dobkiste ohne große Anstrengung bewegt werden kann, gibt es die Schubkarrengriffe zum seitlichen Anschrauben. Dabei darf allerdings der Gittertubus nicht aufgebaut sein. Mit den Griffen wird also nur das "Klo" (= Rockerbox und Spiegelkiste) transportiert. Hier liegt auch das meiste Gewicht - der obere Tubusteil hat vielleicht knapp 5 kg.

Wer einfach mit dem "Klo" aus einem Schuppen ebenerdig in den Garten fährt, für den ist das Transportproblem gelöst. Anders sieht es aus, wenn man die Kiste ins Auto verladen muß. Prinzipiell ist die Sache kompakt genug, um in einem Viermeter-Heckklappenauto Platz zu finden. Nur wie hebt man die Kiste ins Auto? Gut, man kann den UT extra packen, ist ein bisserl leichter als alles zusammen, aber fast 40 kg in äußerst unhandlichem Format bleiben. Man könnte jedesmal den Hauptspiegel rausnehmen, und extra in einer mit Samt ausgeschlagenen Kiste transportieren - der Hauptspiegel allein hat ja schon 19 kg. Ohne Spiegel hat der UT ein akzeptables Gewicht und könnte leichter verladen werden.

Ich selbst bin einen anderen Weg gegangen. Nachdem ich das Glück habe, ohnehin einen fünftürigen Mittelklassewagen zu fahren, ist bei umgelegten Rücksitzen ausreichend Laderaumlänge vorhanden. Ich habe mir zwei 3 cm starke, 1.5 m lange Bretter besorgt, die als Rampe dienen. Die Rampenbretter werden mit an ihnen befestigten Bandeisenhaken am Auto eingehängt, und dann wird das ganze "Klo" mit den Schubkarrengriffen über die Rampe ins Auto bugsiert. Ein bissl Rauferei ist dennoch dabei, da an der Ladekante eine Stufe von gut 10 cm nach unten überwunden werden muß. Alternativ können zwei kräftige Männer die Kiste an den angeschraubten Schubkarrengriffen bequem packen, hochheben und so ins Auto stellen (so praktiziere ich es mit Walter am Beobachtungsort, daheim bin ich jedenfalls auf mich allein gestellt).

In weiterer Folge wird die Kiste im Auto vorgerollt, bis die Räder an der umgelegten Sitzbank vorne anstoßen. Die Sache paßt der Länge nach gerade noch in den Kofferraum. Dann können die Schubkarrengriffe abgeschraubt werden.

Die Dobkiste wird nun per Hand noch einige Zentimeter nach vorne und ganz an eine Seite geschoben. Den verbleibenden Platz längs neben der Dobkiste nehmen im Auto die Rampenbretter, die Schubkarrengriffe, eine viersprossige Alu-Haushaltsleiter und die 8 Gitterrohrstangen ein. Den noch frei verbleibenden Rest des Kofferraums beanspruchen dann noch der OT, Zubehör und Okularkoffer, etc.

Wenn ich die Sachen hin- und herschufte, könnte man meinen, daß ich gerade eine Übersiedlung plane. Aber es ist für einen wie mich, der bereits arge Probleme mit dem Kreuz hat, nicht anders möglich, dieses Fernrohrmonster zu bändigen. Und jeder, der meint, mit roher Kraft das Verladen ins Auto zu schaffen, soll auf der Hut sein, daß er sich nicht arge Kreuzprobleme einhandelt. Nach meinem Dafürhalten ist ein 18" wirklich das Höchstmaß, was von einer Person noch sicher und einigermaßen leicht zu bewältigen ist. Ein 20" unterscheidet sich in dieser Hinsicht bereits gewaltig... zumindest bei den Starsplitter Dobs.

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Aufbau

Der Aufbau des Geräts geht so vonstatten: Das "Klo" ist mit den Schubkarrengriffen an die gewünschte Stelle zu fahren, anschließend werden die Griffe wieder abgeschraubt. Nun werden die mit Schaumstoff ummantelten Alustangen in die Klemmblöcke an der Spiegelkiste eingesetzt. Danach werden die Klemmblöcke am oberen Tubusteil so weit geöffnet, daß die Stangen hineinpassen. Je zwei Stangen werden in einer Klemme gehalten. Wenn der obere Tubusteil gut auf den Stangen aufsitzt, werden die Klemmblöcke erst am OT und dann am UT angezogen.

Nun kann der "Klodeckel" geöffnet werden, es folgt die Justierung der Optik, die am schnellsten und einfachsten mit einem Laser erledigt wird. Justierung mit dem Laser ist prinzipiell nach jedem Transport und Zusammenbau vorzunehmen. Weder hält der Hauptspiegel seine Justierung, die Schrauben verdrehen sich durch die Schüttelei beim Transport oft ein hübsches Stück, noch ist die Geometrie des Gittertubus justierkonstant.

Die Grobjustierung wird vor der Feinjustierung nochmals kurz geprüft, ob nicht durch den Transport etwas stark in Unordnung gekommen ist. Bei der Feinjustierung wird zunächst der Fangspiegel so justiert, dass der Laserstrahl genau ins Zentrum des Hauptspiegels trifft. Dies geht mit vier Justierschrauben vonstatten, die man zwischen den Fangspiegelstreben noch mit den Fingern bedienen kann, ohne Werkzeug. Die ganze Aktion ist ein wenig Spielerei, bis man exakt das Zentrum des Haupspiegels trifft, weil sich bei jedem Hintapsen die Spinne doch geringfügig verwindet. Dann wird der Hauptspiegel so justiert, daß der Laserstrahl auf dem Weg, den er gekommen ist, wieder zum Fangspiegel zurückgeworfen wird, und letztlich vom Fangspiegel wieder in die Austrittsöffnung des Lasers. Diese Justiertätigkeit mittels Laser kann allein, und auch bei Dunkelheit, in einigen Minuten erledigt werden. Leichter ist es allemal, wenn man zu zweit ist, und einer oben den Laserstrahl beobachtet und inzwischen der andere unten an den Justierschrauben dreht. Auch der Hauptspiegel ist ohne Werkzeug justierbar.

Wenn die Optik justiert ist, wird der Deckel auf die Spiegelkiste erstmal wieder aufgesetzt. Anschließend wird der "Strumpf" über das Gitterrohr gezogen. Das Hülltuch ist ein elastischer Schlauch, an dessen einem Ende ein Schnürl eingezogen ist. Der Strumpf wird von oben komplett über den Gittertubus gezogen, und mit der Schnur am unteren Holzring des OT festgebunden. Nun kann der Strumpf unten beim UT gelupft, und der "Klodeckel" wieder abgenommen werden.

Abschließend werden noch Telrad und Sucher montiert und justiert. Dazu möchte ich noch anmerken, daß sich jeder die Position von Sucher und/oder Telrad nach seinen Erfordernissen einrichten muß. Ich habe beipielsweise ein weiteres Montagebrett am OT eingezogen, das obenauf, fast mittig, am Tubus liegt. Dort ist die Telradbasis fix installiert. Der Sucher sitzt gleich daneben, zwischen Fokussierer und Telrad. Die Schwalbenschwanzbasis des Suchers verbleibt - wie die Telradbasis - ebenfalls am Tubus, der Sucher wird jeweils nur eingesetzt. So nebenbei bemerkt, ich würd's weder mit Telrad noch Sucher allein tun, die Kombination von beiden finde ich schlicht ideal.

Meine Anordnung von Sucher und Telrad hat folgenden Grund: Wenn ich ein Objekt im Zenitraum suche, muß ich bereits mit Leiter arbeiten. Durch den Telrad kann man aber auch noch aus einiger Entfernung durchvisieren, ich kann das Rohr also mittels Telrad, noch am Boden stehend, bereits auf einen Stern in der Nähe des gesuchten Objektes richten. Dann gehts auf die Leiter, und es ist möglich, mit dem Auge zwischen Sucher und Okular zu wechseln - etwas Wirbelsäulengymnastik ist dazu freilich vonnöten.

Der Telrad obenauf bringt vor allem auch Bequemlichkeit beim Einstellen horizontnaher Objekte. Die gewählte Anordnung ist für mich sehr praktisch, und hat sich erst nach zwei Umbauten so herauskristallisiert.

Noch eine Bemerkung zum 11x55 Sucher: Dieses Ding hat zwar nur etwa 4 Grad Gesichtsfeld und etwas Randverzeichnung, die leicht höhere Vergrößerung und die Austrittspupille von 5 mm wirken Wunder im Vergleich zu den sonst üblichen 7x50 Suchern, was die Erkennbarkeit schwächerer Messier Objekte betrifft. Das engere Gesichtsfeld ist aber dennoch gewöhnungsbedürftig.

Der gesamte Aufbau des Dob, wie eben beschrieben, nimmt etwa 20 Minuten in Anspruch, wenn alles problemlos läuft, was normalerweise der Fall ist. Es sei denn, ich setze irrtümlich im Finstern Telrad oder Sucher nicht korrekt in ihre Halterungen, was manchmal passiert, dann erlebt man beim Justieren der Visierbehelfe seine blauen Wunder...

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Optische Performance

Wie bereits erwähnt, habe ich wohl geachtet, einen guten Spiegel zu bekommen, und wollte nichts dem Zufall überlassen. Hintergedanke war, die Performance, die ich von meinem kleinen 5.7" f/6 Maksutov-Newton gewohnt bin, auf das große Gerät zu übertragen. Freilich hieße es Eulen nach Athen tragen, sich über die Off-Axis Koma eines f/4.4 Spiegels, was es letztlich ist, zu beklagen. Damit muß man bei einem kurzbrennweitigen Newton leben, und ein solcher stellt halt höhere Ansprüche an die Okulare.

Im unteren Vergrößerungsbereich kommen eigentlich nur die astigmatismuskorrigierten Nagler- und Panoptic-Okulare von TeleVue in Frage. Mit letzteren erreicht man bereits eine weitgehend akzeptable Off-Axis Abbildungsqualität. An meinem Gerät kommt zusätzlich der TeleVue 2" ParaCorr (Komakorrektor) zum Einsatz. Dieses Ding harmoniert mit den angesprochenen TeleVue Okularen perfekt. Mit ParaCorr und Panoptic erreicht man etwa die Performance eines Nagler, ParaCorr mit Nagler ist noch eine Spur besser. Zugegebenermaßen, in meiner Okularsammlung gibt es nur Panoptic, aber keine Nagler, und ich vermisse sie auch nicht wirklich. Ich möchte schließlich nicht zum reinen TeleVue Sponsor werden, zählen doch die besagten Nagler und Panoptic so ziemlich zu den teuersten Okularen, die es am Markt gibt. Der ParaCorr hat eine leichte "Barlow"-Wirkung, und macht aus dem f/4.4 quasi einen f/5, zudem wird das Bildfeld geebnet, was weit angenehmeres und ermüdungsfreieres Beobachten bedeutet, weil das Auge nicht ständig die Bildschärfe zwischen Randbereich und Bildmitte durch Akkommodation ausgleichen muß.

Für höhere Vergrößerungen verwende ich Eudiaskopische Baader sowie Zeiss Abbe Okulare. Es sei noch erwähnt, daß der ParaCorr nicht mit allen Okularen gut arbeitet, z.B. mit dem 2" 40mm Pentax ist die Abbildung grauenhaft, das verwendet man besser solo, wenn überhaupt. Zum Einsatz kommen bei mir auch noch eine 2x Celestron Ultima "short" Barlow, und die TeleVue 5x "PowerMate".

"Standard"-Vergrößerung bietet das 22mm Panoptic Okular, mit ParaCorr ergibt das 104x, bei 4.3mm Austrittspupille (AP), sehr angenehm. Nach unten zu kann auch das 27mm Panoptic noch gut verwendet werden, mit ParaCorr 85x bei 5.2mm AP. Das 35mm Panoptic ist nur mehr in Ausnahmefällen einsetzbar - so dunklen Himmel gibt es bei uns meist nicht, mit ParaCorr halten wir bei 65x und knapp 7mm AP. Die "Standard"-Vergrößerung erweist sich in den meisten Fällen als ideal, auch zum Suchen. Das Bild ist hell genug, und die Vergrößerung reicht, um auf Anhieb etliches an Details zu zeigen.

Es ist tatsächlich gelungen, was ich wollte - der 18" zeigt nadelfeine Sternabbildung über einen großen Teil des Gesichtsfeldes, wie wir es gerne sehen, gutes Seeing natürlich vorausgesetzt. Mit der Vergrößerung muß man bei 18" Öffnung seeingbedingt meist etwas bescheiden sein, und kann nicht wirklich die Power einsetzen, die man der Optik zubilligt - über 522x gehen wir sehr selten, haben dabei aber unter gutem Seeing immer noch exzellente Abbildungsqualität. Z.B. Kugelsternhaufen wie M13, M3, oder M15, sind bei 522x wirklich spektakulär. Am Planeten kommen wir unter gutem Seeing in Gegenden von 300x bis etwa 600x, und haben bei voller Öffnung Planetenbilder, die einen nach Luft schnappen lassen. Jupiter hat sich im 18" schon so gezeigt, wie wir es nur von den besten erdgebundenen CCD Aufnahmen kennen. Details, so hauchfein, daß man einen Stift nicht fein genug spitzen mag, um sie in Originalgröße nachzuzeichnen, von den farbigen Eindrücken am Planeten ganz zu schweigen... Mit Fug' und Recht kann ich sagen, der 18" ist mein bestes Planetenrohr. Nur eines sei gewiß: Mars, Jupiter oder Saturn sind im 18" so hell, daß die Dunkeladaption nachhaltig beeinträchtigt wird.

Und was sagt der Startest? Hat der Howdii nicht auch seinen Dob schon diesbezüglich bewertet? Jein, erstens betreibe ich exzessiven Startest nur dann, wenn die Abbildungsleistung zu wünschen übrig läßt, um dem Problem auf den Grund zu gehen, zweitens ist das Seeing selten gut genug, um die winzigen defokussierten Beugungsbilder einer derartigen Optik ausreichend begutachten zu können. Und WENN das Seeing so gut ist, haben wir meist anderes im Sinn als Startest... Wohl habe ich schon eine Meinung, wie die optische Qualität im Vergleich zum Prüfzertifikat ist: Die von mir geforderte Qualität hat die Optik allemal.

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Beobachtung

Was darf man sich von einem 18" erwarten, bei dreifacher Öffnung, wenn man - so wie ich - die Ergebnisse eines guten Sechszöllers kennt? Die große Lichtsammelleistung kommt natürlich bei Deep Sky Beobachtungen voll zum Tragen. Ob Gasnebel, Planetarischer Nebel, Galaxie, schwacher offener oder Kugelhaufen, die gewaltige Lichtleistung gepaart mit guter Bilddefinition zeigt oftmals Details, die wir nur von langbelichteten Fotografien kennen.

Logischerweise sind die Schaustücke des Himmels im 18" nocheinmal so schön. Orionnebel, Lagunen-Nebel, Trifid-Nebel, Omega-Nebel, die Paradekugelhaufen, die schönen offenen Haufen, Planetarischen Nebel wie M57 oder M27, der Cirrusnebel, etc., das sind im 18" wahre Hämmer - schöner noch als auf allen Fotos.

Jedes Fernrohr hat seinen Himmel, auch ein 18 Zöller. Wo sind die Grenzen? An Sternen darf man gegen 17 mag erwarten, allerdings auch nur mit entsprechender Erfahrung und unter besten Bedingungen. Galaxienfuzerln mit 15 mag oder ein wenig schwächer sind harte Nüsse, erfordern einiges an Beobachtungsroutine, können wohl geknackt werden, aber hart am Limit. Auf unserer Abschußliste stehen auch schon schwache Sharpless Objekte, und sogar bei der Jagd auf Palomar-Haufen darf man sich einiges erhoffen.

Wer großartige Anblicke von Spiralgalaxien erwartet, kriegt sie, aber nur bei den hellsten Exemplaren, wie M101, M51, M81, etc. Und dann sind sie nur unter wirklich guten Bedingungen eindrucksvoll. Beim Umgang mit dem Gerät lernt man schnell, die Dinge richtig einzuordnen.

Andererseits, wer die Grenzen wirklich ausloten will, wird so manche Überraschung erleben. Der Horizont eines 18" ist bereits so weit gesteckt, daß eine Unmenge von Objekten erreichbar wird, und auch solche, die vielleicht überhaupt gemeinhin als visuell unbeobachtbar gelten...

Was aufgrund der 2 m Brennweite und dem damit verbundenen nur ca. 1 Grad Gesichtsfeld nicht die Stärke des 18" ist, sind extrem großflächige Objekte wie z.B. die riesigen HII-Regionen der Milchstraße. Wohl, es ist einiges drin an Detailerkennung, aber der Bildausschnitt ist so klein, daß man geistig nie ein rechtes Bild des gesamten Objektes zusammenkriegt, die Gefahr, sich zu verirren, ist groß. Da ist halt mein kleiner 5.7" Mak-Newton als RFT (Rich Field Telescope) gut drauf, da kann er dem großen Dob regelrecht die Show stehlen.

Davon abgesehen hat uns der große Dob jedenfalls bereits oft unvergeßliche Eindrücke beschert, und selbst abgebrühte Beobachter können manchmal nicht den Mund halten, wenn sie ins Okular spechteln, mich eingeschlossen... Walter verdächtigte mich nicht nur einmal, ein Dia eingeschoben zu haben :-)

Nachfolgend noch einige typische Beobachtungsbeispiele, um einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit eines 18 Zöllers zu vermitteln, relativiert durch Vergleiche mit kleineren Instrumenten, wie meinem 5.7" Maksutov-Newton. Voraussetzung für die beschriebenen Eindrücke sind aber wohl gute bis sehr gute Beobachtungsbedingungen.

Region um Zeta Orionis, mit Flammennebel NGC 2024 und Pferdekopfnebel B33:
Man kann ruhig den hellen Stern Alnitak im Gesichtsfeld lassen, mit H-Beta Filter ist der Pferdekopfnebel B33 einfach sichtbar, man kann direkt hingucken, so gut ist der Kontrast zum Nebelstrip IC434, und nebenbei sieht man natürlich auch den Flammennebel NGC2024 mit etlichen dunklen Furchen. Besser noch kommt der Flammennebel ohne Filter. Zur reinen Wahrnehmung des Flammennebels reichen übrigens nach unserer Erfahrung auch schon 60 mm Öffnung. Die Mittelfurche und eine weitere Unterteilung ist bereits mit dem kleinen 5.7" zu schaffen, und mit H-Beta Filter ist auch der Pferdekopfnebel im 5.7" zu schaffen, allerdings eine Beobachtungsaufgabe hart am Limit.

Großer Orionnebel M42 (ohne Filter):
Schon der kleine 5.7" kann phantastische Bilder dieses faszinierenden Gasnebels bieten, und bei hoher Vergrößerung wildes Gewölk im Zentrum des Nebels, der Huygenian Region, zeigen. Bei gutem Seeing sind der 5. und 6. Trapezstern kein Problem. Der Nebel selbst strahlt in einem geisterhaften Grün. Bei einem Blick in den 18" hält man zuerst die Luft an, dann klappt der Kiefer nach unten. Kein Wunder, die Bildhelligkeit beeinträchtigt schon fast die Dunkeladaption, man könnte meinen, eine Sonnenbrille zu brauchen. Die Detailfülle von feinsten Strukturen und Nebelfilamenten übersteigt alles, was man von Fotos gewohnt ist, bei denen speziell das Zentrum immer ausgebrannt ist. Der Anblick der Zentralregion bei höherer Vergrößerung erinnert nur mehr an HST Bilder, und bereits bei 100x liegen der 5. und 6. Trapezstern wie auf dem Präsentierteller da, so easy, daß sie jeder unbedarfte Beobachter auf Anhieb sehen muß. Neben der intensiv grünen Farbe des Nebels kann man in den äußeren Filamenten zarte Pink-Pastelltöne wahrnehmen.

Eulennebel M97 (ohne Filter) und Galaxie M108:
Schon bei 100x ist der Zentralstern des Eulennebels leicht rauszupicken, und wer hier die "Augen" nicht sieht, dem kann wohl kaum mehr geholfen werden. Die Augen sind jedoch indirekt schon in einem 8" beobachtbar, und eine Andeutung davon haben wir sogar im kleinen 5.7" schon entdeckt. Die benachbarte Galaxie M108 zeigt im 5.7" bereits einige Knoten, im 18" ist ein prächtiges Exemplar zu sehen, reich strukturiert, mit einigen drübergesprenkelten Sternen.

Spiralgalaxie M101:
Hier bringt ein braver Sechszöller gerade noch eine verwaschene aufgehellte Fläche, mit bestenfalls ein paar Lichtknoten ringsherum. Der Eindruck im 18" hingegen, wenn man nicht darauf gefaßt ist, kann einen förmlich umwerfen: Das "Feuerrad" steht mit seinen Spiralarmen da. Zahlreiche Knoten sind sichtbar, und etliche versprengte Knoten deuten Spiralarme an, die nur auf langbelichteten Fotografien sichtbar werden. Ich erinnere mich noch gut an unsere erste Beobachtung von M101 im großen Dob, wie wir noch unsere ersten Aha-Erlebnisse hatten. Ich hatte den Telrad auf Mizar ausgerichtet, war dann im Sucher zu M101 gefahren, und schon im 11x55 war die Galaxie deutlich sichtbar. Dann kletterte ich auf der Leiter ein Sprissl höher, um bequem ins Okular blicken zu können. Und kaum hatte ich reingeguckt, bin ich regelrecht wieder zurückgeprallt. Dann nochmals hin zum Okular - der Anblick war so schön, daß es mir augenblicklich das Wasser in die Augen getrieben hat. Auf diese Weise "kampfunfähig" geworden, überließ ich meinem Freund Walter den Platz am Okular. Ihm ist es nicht anders ergangen als mir. Vor Ort hat sich keiner von uns etwas anmerken lassen, erst viel später haben wir offen über diesen "Vorfall" geredet...

"Needle"-Galaxie NGC4565:
Im kleinen 5.7" schon recht lichtschwach, das Staubband kann indirekt mit etwas Mühe erkannt werden. Im 18" reicht die Helligkeit selbst für eine Vergrößerung, bei der die Galaxie formatfüllend quer durchs Gesichtsfeld verläuft, das Staubband ist deutlich sichtbar. Ein "Wow" entschlüpft einem bei diesem Anblick allemal.

Kugelsternhaufen M13:
Im 5.7" sind bereits quer über das Zentrum Einzelsterne erkennbar, freilich vor einem diffusen Hintergrund. Bei hoher Vergrößerung wird das Bild aber schon extrem lichtschwach, und nur unter gekonntem Einsatz von indirektem Sehen kann man dieses Objekt genußvoll beobachten. Der 18" zeigt M13 schon bei 100x großartig aufgelöst, und man sollte gar nicht zu hoch vergrößern, um den kompakten Eindruck eines Kugelhaufens zu behalten. Beim Reinvergrößern sind quer über das Zentrum tausende von Einzelsternen zu sehen, und immer noch bleibt ein nebeliger Hintergrund. Nach meiner Meinung kann kein Foto und keine CCD-Aufnahme den visuellen Eindruck eines Kugelhaufens dermaßen beeindruckend wiedergeben. In der Nähe des Kugelhaufens gibt es eine kleine Galaxie NGC6207 - sie ist für Sechszöller kein allzu schwieriges Objekt, im 18" springt sie regelrecht in's Auge und zeigt auch ein wenig Detail. Unweit davon wartet noch eine schwache kleine 15.5 mag Galaxie (IC4617) darauf, entdeckt zu werden. Im 18" schon ein harter Brocken, wir haben sie aber bei 230x indirekt definitiv als kleinen "Lichtstrich" erwischt.

Ringnebel M57 (ohne Filter):
Der Ringnebel selbst ist im 5.7" wohl hübsch, und verträgt recht hohe Vergrößerungen. Subtile Helligkeitsunterschiede im Ring sind bereits erkennbar, und daß das Innere des Rings heller ist als die Umgebung, außerhalb des Ringes fällt einem aufmerksamen Beobachter ohne Zweifel auf. In der Nähe des Ringnebels gibt es außerdem etliche schwache Sterne, an denen man die Reichweite des Geräts prüfen kann - der kleine 5.7" kommt auf 14.17 mag. Und was ist im 18" zu sehen, geht der Zentralstern? Ja, geht, aber doch immer wieder schwierig. Je nach Seeing reicht manchmal 200x, manchmal ist der beste Eindruck bei 300x und etwas darüber gegeben. Das Innere des Ringes weist in Längsrichtung ein paar Lichtstreifen auf, die der 18" bereits zeigt. Sterne um 15 mag in der Nähe des Ringnebels sind noch angenehm hell. Die kleine Galaxie IC1296 mit 15.4 mag haben wir auf einem CCD-Frame, das mit dem kleinen 5.7" gewonnen wurde, knapp über dem Hintergrundrauschpegel ausmachen können. Der 18" ermöglicht die Beobachtung visuell, aber man braucht dazu beste Bedingungen, und die Wahrnehmung ist hart am Limit.

Cirrus Nebel (mit OIII Filter):
Schon der kleine 5.7" kann mit respektablen Bildern dieser bizarren Nebelfilamente aufwarten, dazu eignet sich am besten das 22mm Panoptic Okular mit UHC Filter. Genauso muß man im 18" nach der besten Kombination suchen, die haben wir mit dem 27mm Panoptic Okular und OIII Filter gefunden. Spektakulärer geht's kaum mehr - oh ja doch, z.B. in einem 30 Zöller. Ob man nun den Feuervogel NGC6960 entlangfährt, oder den großen Bogen NGC6992-95 östlich davon, der Eindruck ist gewaltig, und kein Foto kann da mithalten. Fotos können zwar noch die schwächsten Ausläufer der Nebelfilamente zeigen, der zart-luftige Eindruck, der dem Gebilde auch den Namen "Veil Nebula" eingebracht hat, geht komplett verloren - visuell, im 18" ist er da, und mit einer Vielzahl an Filamenten. Und wer die Umgebung etwas genauer absucht, findet noch etliche weitere versprengte Nebelfetzen und zerzauste Filamente. Auch dem 5.7" entgeht der etwa dreieckige Nebelteil zwischen Feuervogel und dem östlichen Bogen nicht, der 18" bringt hier noch zahlreiche Strukturen.

Trifid-Nebel M20 (ohne Filter):
Die dunklen "Rüssel" sind ohne Zweifel schon recht schön in einem guten Sechs- oder Achtzöller zu sehen. Der 18" zieht an diesem Objekt eine gewaltige Show ab. Nicht nur, daß der Trifidnebel mit den dunklen Kanälen wie ausgestanzt dasteht, so zeigen sich auch noch subtil die Farben: Der Emissionsteil pastell-pinkfarben, der Reflexionsnebel deutlich bläulich.

Man könnte noch unzählige Beispiele anführen, vielleicht kennt der eine oder andere unserer Leser die einschlägigen Beobachtungsberichte, wo wir von unseren Abenteuern mit dem 18" Dob erzählen. Die oben genannten Beispiele und Vergleiche zeigen wohl, daß viele Objekte schon mit kleinen Instrumenten beobachtet werden können, der 18" jedoch bringt erst so richtig Details. Andererseits, wenn wir mit CCD auf Jagd gehen, sehen wir, daß uns der kleine 5.7" bereits mit einminütigen Belichtungen in die visuellen Grenzbereiche des 18" führt. Sicher ist die visuelle Beobachtung ein anderer Thrill, als mit dem Photonensauger auf Objekte zu halten. Dieser Vergleich ist allenfalls interessant, und vielleicht für manchen, der in die eine oder andere Richtung überlegt, eine Entscheidungshilfe.

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Leben und Beobachten mit dem großen Dob...

Aufwand und Häufigkeit des Einsatzes

Man soll sich im Klaren sein, daß der Einsatz eines derart großen und schweren Geräts einiges an Überwindung kostet. Je mehr Aufwand damit verbunden ist, umso höher ist die Hemmschwelle, das Teleskop oft zu benutzen. Bei mir nimmt das Einladen daheim, bis alles fix und fertig im Auto verstaut ist, gut eine halbe Stunde in Anspruch. Genausolang brauche ich natürlich auch, um das Gerät nach einem Beobachtungseinsatz auszuladen und wieder an seinem vorgesehenem Ort zu verstauen. Am Beobachtungsplatz selbst muß man ebenfalls eine halbe Stunde für Ausladen und Aufbau des Teleskops rechnen, detto für Abbau und Verladen ins Auto. Sind bereits zwei volle Stunden. Jetzt kommt noch die Fahrzeit dazu, um einen Beobachtungsplatz mit dunklem Himmel aufzusuchen. Für mich bedeutet das in der Regel etwa zwei Stunden Anfahrtszeit, und nach der Beobachtung wieder zwei Stunden nach Hause. Wir halten nun bei sechs Stunden, ohne noch einen Blick durch das Fernrohr gemacht zu haben! Klarerweise nimmt man diesen Aufwand nur bei stabiler Wetterlage in Kauf, um auch eine möglichst lange Beobachtungsnacht nutzen zu können. Wenigstens vier Stunden, mehr ist beispielsweise im Juni nicht drinnen, ansonsten wird bei uns vielfach, wenn es von der Temperatur her auszuhalten ist, die Nacht fast zur Gänze genutzt. Also Beobachtungszeiten von etwa 5 bis 7 Stunden sollten schon möglich sein, um ein halbwegs akzeptables Verhältnis von Aufwand zu Beobachtungszeit zu erhalten. Deswegen bleibt der Dob bei stabiler Wetterlage gleich im Auto, und wir setzen oft noch eine zweite oder gar dritte Nacht drauf. Wenn's dann auch schon wieder stressig wird, kommt so der Dob wenigstens in etwa ein Dutzend Nächten pro Jahr zum Einsatz. Jeder, der die Anschaffung eines Dobs in dieser Größe plant, sollte sich Aufwand und Einsatzhäufigkeit für seine speziellen Gegebenheiten durchkalkulieren.

Handlichkeit, Nachführung

Keine Angst, der Umgang mit diesem "Monster" gestaltet sich bei der Beobachtung recht harmlos. Freilich braucht man im Zenitraum schon eine Leiter, um den Einguck zu erreichen, und kriecht bei horizontnahen Beobachtungen fast am Boden herum. Dieser "Komfort" ist generell Dob-bedingt, da sich die Position des Eingucks stark verändert, je nach Lage der beobachteten Objekte. Eine leichte Alu-Haushaltsleiter ist einem "Biertragerl" oder sonstigem niedrigen Behelf zum Draufsteigen unbedingt vorzuziehen, da man sich an der Leiter ordentlich festhalten und anlehnen kann. Dadurch wird eine entspannte Beobachtungshaltung ermöglicht, man wackelt nicht ständig herum, packt den Dob an irgendeinem Eck, und zieht ihn sicher und bequem mit, um nachzuführen.

Wichtig ist, daß sich der Dob in Höhe und Azimut gleich leicht bewegen läßt. Dies gewährleistet auch im Zenitraum, wo alt-az Montierungen generell unhandlich sind (wie eben auch parallaktische Montierungen um den Himmelspol) noch eine gute Beweglichkeit. In Azimut läßt sich der Anpreßdruck jedenfalls über die Verbindungsschraube Rockerbox/Grundplatte in gewissen Grenzen einstellen.

So läßt sich der Starsplitter Dob weich und leicht bewegen, neigt aber ein bissl zum "Picken", wenn man ihn aus dem Stillstand anschubst. Es ist aber durchaus möglich, bei hoher Vergrößerung gleichmäßig mitzuziehen. Alternativ kann man das Objekt immer so positionieren, daß es quer durchs Gesichtsfeld läuft, und schubst dann den Dob etwas weiter. Dabei ist wichtig, daß das Rohr dort stehenbleibt, wo man es ausläßt, und nicht noch "nachgibt". Dafür ist natürlich eine perfekte Balance Grundvoraussetzung.

In dieser Hinsicht erweist sich der Dob als zufriedenstellend. Je nach Zubehör, das vorne drangehängt wird, ist bei extrem schweren Okularen, die sowieso meist im Auszug stecken, ein kleines Gegengewicht (im Lieferumfang enthalten) notwendig, das einfach unten an die Spiegelkiste angeschraubt wird. Alternativ dazu könnte ich die Gitterstangen etwas kürzen, dann kann der Hauptspiegel etwas "tiefergelegt" werden (die Justierschrauben bieten einen ausreichend langen Weg) und der Fokus würde trotzdem weit genug über dem Tubus zu liegen kommen. Die Masse des Hauptspiegels weiter unten wäre genug, um das kleine Gegengewicht zu erübrigen. Durch die großen Dec-Räder hat der Dob jedenfalls genug Balancestabilität, und kommt nicht bei jedem Okularwechsel gleich in Probleme. Eine Auslegung für die schwersten Okulare reicht.

Die Höhe der sinnvoll nachführbaren Vergrößerung ist relativ. Bei bis zu 500x gibt es noch keine Probleme, darüber wird es langsam schwieriger, das Objekt nach Okularwechsel zu finden und zu halten, es wird ja auch der eingesehene Himmelsausschnitt immer kleiner. Z.B. den Ringnebel bei 1150x einzufangen und nachzuführen ist schon ein Stück harte Arbeit.

Seeingprobleme, Wind und Tau

Nun zu Dingen, die für die Beobachtung selbst relevant sind: Wie schnell temperiert der Pyrex-Spiegel aus, gibt es Probleme mit der Bildqualität, wie anfällig ist der 18" für Seeingprobleme, wie wirken sich Wind und Tau aus?

Thermische Probleme sind praktisch noch nie aufgetreten, auch den Ventilator zum schnelleren Abkühlen des Hauptspiegels habe ich noch nie in Betrieb genommen. Und das unter allen erdenklichen Umständen. Ob das Teleskop nun stundenlang im Sommer im heißen Auto gelagert war, oder ob es im Winter im beheizten Auto zum Beobachtungsort gekarrt wurde, um in eine klirrend kalte Nacht gestellt zu werden, egal. Die thermische Trägheit des riesigen Glasblocks ist freilich enorm. Klar fördert die offene Konstruktion der Spiegelkiste die Belüftung, und klassische Tubusturbulenzen gibt es bei der Gitterrohrkonstruktion in der Form nicht. Schlicht gesagt, man merkt von thermischen Effekten praktisch überhaupt nichts, zumal die Spiegelkiste auch ausreichend groß dimensioniert ist.

Wohl hat die Änderung der Temperatur über lange Zeit Einfluß auf den Korrekturzustand eine Pyrex-Spiegels. Pyrex ist eben ein "low-expansion", aber kein "zero-expansion" Material. Offenbar hat der Pegasus Spiegel aber genug Qualitätsreserven, um gleichbleibend gute Bildqualität zu liefern. In den Vergrößerungsbereichen, in denen man sich hauptsächlich bewegt, ist rein nichts zu merken. Und wer opfert schon aus Jux seine kostbare Beobachtungszeit, um im Startest dem Spiegel beim Auskühlen zuzusehen? So gesehen können Überlegungen betreffend eines Sital-Spiegels hintangestellt werden, man kann so Geld und Gewicht sparen.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, daß man wohl nicht gleich nach dem Aufbau des Teleskops mit Planetenbeobachtung beginnt. Dagegen spricht auch die generelle Tendenz, daß in den Morgenstunden typischerweise besseres Seeing herrscht.

Wie sieht es mit der generellen Seeing-Anfälligkeit des 18-Zöllers aus? Man hört ja soviel, daß große Öffnungen bei schlechtem Seeing um etliches mehr in der Performance beeinträchtigt werden als weit kleinere. Stimmt auch, nur wenn das Seeing so grauenhaft ist, daß die Beobachtung mit dem 18" keinen rechten Spaß macht, motzen sogar Besitzer von vierzölligen Refraktoren. Offenbar hat auch hier die Optik genug Qualitätsreserven, um die Abbildung nicht gleich kippen zu lassen. Bei halbwegs brauchbaren Bedingungen liefert der Dob tadellose Bilder, und wenn wir die Luft ruhig genug finden, um mit voller Öffnung auf Planeten draufzuknallen, sehen wir im 18" immer noch weit mehr Details, als selbst mein 5.7" Maksutov-Newton, der am Planeten wirklich gut geht, zeigt. Insgesamt möchte ich sagen, mit Seeingproblemen kämpfe ich im kleinen 5.7" genausoviel oder genausowenig.

Das Seeingproblem stellt sich nur unterschiedlich dar: Bei Fernrohren mit kleiner Öffnung "eiern" Sterne etwas herum und hüpfen fallweise, bei der großen Öffnung werden Sterne zu planetenscheibchenähnlichen Gebilden breitgedrückt. Damit kann man mit der kleinen Öffnung vielleicht noch kurze Augenblicke finden, in denen die Definition besser ist, beim 18" wird in solchen Fällen vielleicht im dicken "Lichtknödel" fallweise der Stern als Punkt durchschimmern. Wenn das Seeing so schlecht ist, sollte man ohnedies seine Zeit nicht mit Planetenbeobachtung vergeuden, egal mit welchem Teleskop.

Eine gewisse Bedeutung kommt natürlich dem lokalen Seeing zu, wofür man selbst am Beobachtungsplatz verantwortlich ist. Dazu zählt z.B., daß man nicht über aufgeheizte Auto- oder Hausdächer hinweg beobachtet, nicht über andere Beobachter hinweg, die ebenfalls Wärmestrahler sind, wie auch, daß man nicht selbst Körperteile wie Hand oder Fuß so ungeschickt positioniert, um vor der Öffnung aufsteigende Wärme zu erzeugen. Beim Planetenbeobachten konnten wir oft schon solche Effekte feststellen, unglaublich, wie man selbst die Bildqualität beeinträchtigen kann. Dazu gehört auch unbedingt die Verwendung des Stoffschlauchs über dem Gittertubus. Dieser dient nicht nur der Vermeidung von Streulicht, sondern verhindert auch, daß vom Körper des Beobachters abstrahlende Wärme quer durch den Strahlengang zieht.

Nicht alle Nächte sind trocken und windstill. Bisweilen kämpft man mit böigem Wind, und die Spätsommer und Herbstnächte bescheren uns oftmals reichlich Tau. Was kann das dem Dob anhaben? Das Hülltuch um den Gittertubus schützt nicht nur vor Streulicht und ist aus thermischen Erfordernissen vorteilhaft, es hilft auch gegen exzessive Verschmutzung des Hauptspiegels, und wirkt sicher auch als Tauschutz. Für den Wind ist der mit Strumpf versehene Gittertubus natürlich ein nettes Spielzeug, wie eine Wetterfahne. Extrem windige Nächte wird man sowieso meiden, aber man ist nie gefeit vor plötzlich auftretendem Wind, der zum Glück nur selten so heftig und böig wird, daß es wirklich Probleme gibt, und der Wind kräftig am Tubus zerrt.

Von Tauproblemen bleibt der Dob weitgehend verschont. Zumal ich nie ohne Stoffhülle beobachte, und der Hauptspiegel genug thermische Trägheit hat, ist der Hauptspiegel bisher niemals beschlagen, auch nicht unter extremsten Umständen. Den Fangspiegel hat es einmal, in einer sehr feuchten Nacht, erwischt. Da waren aber die Holzteile des Dobs pitschnaß und der Stoffstrumpf regelrecht zum Auswinden. In der Regel beschlagen eher Sucher und Telrad.

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Schwachstellen?

Was könnte noch optimiert werden am Dob? Eine Tubusverlängerung nach vorne ist bereits fix geplant. Das bringt einerseits Optimierung punkto Streulicht, weiters wird die Körperwärme des Beobachters leichter von der Öffnung ferngehalten, und der Fangspiegel sollte dadurch auch besser vor Tau geschützt sein.

Eventuell diskutabel ist eine Hauptspiegelabdeckung am unteren Ende der Spiegelkiste, um nicht von dort Streulicht reinzubekommen. Man muß aber berücksichtigen, daß dadurch die Belüftung des Spiegels beeinträchtigt wird, was wieder nicht wünschenswert ist. Andererseits könnte gerade so eine Abdeckung vom Boden aufsteigende Wärme, die sehr wohl bildschädigend wirken kann, abschirmen. Wenn, müßte die Hauptspiegelabdeckung leicht zu installieren und zu entfernen sein - fallweise wäre sie gut, fallweise sicher hinderlich. Eine wirkliche Notwendigkeit dafür sehe ich aber nicht unbedingt.

Wie schon erwähnt könnte ich die Stangen des Gittertubus ein wenig kürzen, um perfekte Balance ohne das zusätzliche Ausgleichsgewicht zu erreichen. Vielleicht bringt es etwas, die Stangen zu markieren und immer gleich einzusetzen, möglicherweise verbessert sich dadurch die Justierkonstanz des Fangspiegels. Und vielleicht könnte man sich noch etwas einfallen lassen, damit sich der Hauptspiegel durch das Transportgeschüttel nicht ständig völlig dejustiert. Das ist aber wirklich meine letzte Sorge, da eine Feinjustierung per Laser bei einem derart kurzbrennweitigen Newton vor jeder Beobachtung obligat ist.

Gibt es bessere Dobs als den Starsplitter? Hm, ja, der Starsplitter zählt sicher bereits zu den High-End Gitterrohr-Dobs, aber er hat noch gewisse Schwächen, wie wir erörtert haben. Was könnte besser sein? Die Klemmung der Gitterstangen in simplen Holzklötzen und damit die Justierkonstanz. Da haben Obsession und ICS beispielsweise bessere Lösungen.

Ein Obsession läßt sich noch leichter bewegen. Dafür stellt sich der Tubus gleich auf, wenn nur ein schweres Okular aus dem Auszug genommen wird, und der Wind ein wenig antaucht... man muß nicht übertreiben. Am prächtigen 18" Eigenbau-Dob des St. Pöltner Amateurs Thomas Maurer habe ich eine etwas schwerere Beweglichkeit gefunden als an meinem Dob, aber das besagte Eigenbaugerät pickt nicht beim Anfahren, geht völlig gleichmäßig los. Wer nichts anderes zu tun hat, kann ohnehin mit diversen Gleitbelägen experimentieren, und das Optimum für seine Bedürfnisse herausfinden. Ganz nebenbei möchte ich noch erwähnen, daß Thomas, bevor er den Bau seines Gerätes in Angriff nahm, einmal meinen Starsplitter gründlich in Augenschein nahm.

Schließlich habe ich bei Starmaster Telescopes eine schlaue Idee für den Transport gefunden: Die Hauptspiegelzelle kann mitsamt Spiegel herausgeklappt, ausgehängt, und in einem extra Transportkoffer verstaut werden. Da bleibt der Spiegel bei Nichtverwendung des Teleskops optimal gschützt, und ohne Spiegel und Spiegelfassung wird die Kiste leicht genug, daß sie problemlos ins Auto verladen werden kann.

Einerlei, der Starsplitter bietet solide Qualität zum Preis, wohl sind diverse Detailverbesserungen angebracht, und wer eine ganz spezielle Lösung haben will, und sehr viel Zeit hat, kann sich ja sein Traumgerät selbst bauen.

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Gimmicks

Digitale Teilkreise: Rausgeschmissenes Geld. Die sieben Tausender hätt ich mir sparen können. Das Zeug war nie zur einwandfreien Funktion zu bringen, immer wieder hat einer der Decoder Teile der Drehbewegung verschlafen, und schon ist wieder alles daneben. Liegt vielleicht am Montagekit für die Decoder, und an den Decodern selbst, daß die Achse leicht verkippt wird, und dadurch der Decoder innen nicht absolut frei drehen kann. Letztlich ist dann beim Dec-Decoder noch die Achse ausgebrochen, jetzt ist das Klumpert überhaupt hin, und ich wetze auch keine Mühen darein, die Sache wieder zum Laufen zu bringen. Die Angst, mich mit dem großen Dob am Himmel zu verirren, hab ich mittlerweile nicht mehr. Mit geeigneten Sternkarten, Telrad und Sucher finde ich problemlos meinen Weg, und es macht viel mehr Spaß, die Objekte selbst zu finden, als das Rohr nach der Skala zu bewegen bis beide Readouts auf 0 stehen... Auf entsprechendes Kartenmaterial ist natürlich zu achten, ein 18" hat eine enorme Reichweite. Ich finde momentan jedenfalls mit der Uranometria für die meisten Fälle mein Auslangen.

Dob-Driver: Kostet etwa ebensoviel wie die digitalen Teilkreise. Ich habe von vorneweg darauf verzichtet. Nachführung mittels Dob-Driver reicht für visuelle Beobachtung aus, verkompliziert aber den Aufbau etwas, und der verkabelte Dob ist nicht unbedingt jedermanns Sache.

Alternativ könnte man das Gerät auf eine äquatoriale Plattform stellen. Eine gute Konstruktion, wie von Tom Osypowski angeboten, ist allerdings aufwendig und teuer. In der für einen 18" geeigneten Größe muß man von 40.000 ATS (1.900 Euro) aufwärts rechnen, speziell wenn es eine Plattform sein soll, die auch in Deklination noch Korrekturmöglichkeit innerhalb gewisser Grenzen bietet. Für Do-it-your-Selfer kann die Sache natürlich erheblich günstiger kommen, nur einfach ist der Bau einer derartigen Plattform sicher nicht.

Abgesehen vom zusätzlichen Transportvolumen und dem Problem, wie man den schweren Dob auf die Plattform setzt, und dem zusätzlichen Aufwand beim Aufbau (poljustieren!) bietet diese Lösung das beste aus beiden Welten. Der Dob kann frei wie ein Dob bewegt werden - sobald man ihn ausläßt, wird nachgeführt. Und auf diese Weise kann man mit einem Dob sogar Fotografie oder CCD-Arbeit in Betracht ziehen! Im Gegensatz zum alt-az Betrieb beim Dob-Driver gibt es bei der Plattformlösung keine Bildrotation. Einziger Nachteil, nach einer Stunde muß die Plattform wieder in Ausgangslage gefahren werden, um für die nächste Stunde nachführen zu können.

Ansonsten wäre noch ein Dew-Guard für den Fangspiegel erwähnenswert, der bei Taugefahr den Fangspiegel ein wenig beheizt. Wie bereits gesagt, eine Tubusverlängerung würde ebenfalls besseren Tauschutz bieten, und nebenbei Streulicht besser abschirmen. So kann man sicher auf die Heizung verzichten...

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Noch etwas?

Wer nun denkt, ha, so einen Starsplitter mit Pegasus Spiegeln kauf ich mir jetzt auch, steht vor einem kleinen Problem. Pegasus hat sich leider aus dem Europa-Geschäft zurückgezogen. Man müßte nachfragen, welche Alternative die Starsplittervertretung GAT nun anbietet, oder selbst auf Optiksuche gehen. Prinzipiell wird's dadurch wohl um einige Tausender teurer. Ich würde durchaus Vertrauen in die von ICS angebotenen Galaxy Spiegel setzen, allerdings nur in Premium Qualität. Vielleicht hat man das Glück, einen Standard-Spiegel in einer den Premium-Spiegeln entsprechenden Qualität zu erwischen, kommt billiger. Vielleicht hilft auch ein wenig verhandeln. Intes und Lomo sind ebenso denkbare Alternativen. Über die genannten Spiegel habe ich noch nichts schlechtes gehört, durch Lomo und Galaxy 18 Zöller schon selbst geguckt, da gab's nichts auszusetzen. Vom fallweise genannten Hersteller Nova habe ich aus zweiter Hand nicht nur Positives gehört - hier wäre ich zumindest vorsichtig. Was generell für jedes Fernrohr gilt, gilt natürlich auch für solche Riesenspiegel: Der Käufer hat ein Recht auf ordentliche und brauchbare optische Qualität, und sollte in der Lage sein, festzustellen, ob das Abbildungsverhalten einwandfrei ist, oder ein schwerwiegendes Problem vorliegt.

Nun sind wir am Ende dieses laaaaangen Artikels angelangt. Die wichtigsten Punkte, denke ich, wurden diskutiert. Mit meinen Ausführungen hoffe ich vor allem jenen, die selbst mit einem großen Dob liebäugeln, und den Mund voller Fragen haben, vielleicht die eine oder andere Antwort geben zu können.

Howdii

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Links

Abschließend noch einige relevante URLs zum 18" Dob:
Andere Hersteller von 18" Spiegeln: Alternative Dobhersteller, die im Text erwähnt wurden: Hersteller von äquatorialen Plattformen:

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