Gurkerltest - DS Maksutov 152/1900 - sauer wie noch nie

Einige Wochen nach unserem jüngsten Startestseminar wurde ich von einem der Teilnehmer kontaktiert. Er hat mich gebeten, sein DS Maksutov 152/1900 nach einer Zerlegung zur Verbesserung neu zu justieren. Immer neugierig auf mir unbekannte Teleskope, sagte ich sofort zu.

Als ich das Gerät schließlich in Händen hatte, begutachtete ich es erst einmal von außen. Die Mechanik machte einen durchaus soliden und vertrauenserweckenden Eindruck. Der Fokussiertrieb lief weich und ruckfrei. Die vorgenommenen Verbesserungen waren eine Tubus Innenauskleidung mit Veloursfolie - eigentlich eine unnötige Fleißaufgabe, wie ich später feststellte, das Gerät ist tagblindfrei, somit sind Reflektionen von der Tubus Innenwand ziemlich unerheblich, weil das zentrale Blendenrohr jegliches Streulicht von außen verhindert. Wenn man etwas sinnvolles in dieser Hinsicht tun hätte wollen, wäre das Blendenrohr innen auszukleiden gewesen. Die zweite Verbesserung betraf die Hauptspiegeljustierschrauben: sie sind im Originalzustand nur zugänglich, wenn man die Teleskoprückwand abnimmt. Dann hat man aber keinen Okularauszug mehr - nicht gerade förderlich für eine Justierung... Demnach waren die vorgenommenen Bohrungen in der Rückwand, um die Hauptspiegeljustierschrauben von außen erreichen zu können, eine sinnvolle Sache.

Trotz Blitzlicht erscheint die Tubus Innenwand durch die Auskleidung mit Veloursfolie rabenschwarz

In der Rückwand sieht man die Bohrungen, die die Zug- und Druckschrauben für die Hauptspiegeljustierung zugänglich machen

Mittels eines Lasers kontrollierte ich zuerst die Ausrichtung von Meniskuslinse und Sekundärspiegel. Da der Laser etwas viel Spiel im 1.25" Anschluss hatte, durfte man ihn nicht klemmen. Wenn man nun so mit dem Laser plan aufliegend "herumrührte", fand man etwa in der Mitte eine Position, wo der Laserstrahl vom Sekundärspiegel wieder exakt zurückfiel. Das sah also soweit gut aus.

Dann steckte ich ein Justierokular in den 1.25" Stutzen, und betrachtete die Justierung des Hauptspiegels. Das sah schon einigermaßen kräftig "daneben" aus. Es kostete aber nur ein paar Minuten, bis hier einmal alles konzentrisch aussah. Die Feinjustierung wollte ich am Stern vornehmen.

In diesem Zustand wollte ich nun die ersten Tests am Tag durchführen. Dazu stellte ich meine SP-DX Montierung auf die Terrasse, setzte das Teleskop auf, und begann am Osthorizont Antennen, Freileitungsdrähte, Dachziegel und ähnliches zu inspizieren. Das Bild war durchaus scharf, nur nicht ganz so knackig im Kontrast, wie ich das schon oft mit anderen Teleskopen gesehen habe. Ich maß dem erst einmal keine so große Bedeutung bei, da das Blendenrohr beim Durchblick ohne Okular sehr wohl streifende Lichtreflexe zeigte. Nach etwas Suche fand ich an einem Isolator Sonnenreflexe, und damit konnte ich die ersten Beugungsfiguren studieren. Da sah ich gleich einmal ein wenig Koma, ein Zeichen dass die Justierung noch Feintuning brauchen würde, und außerdem stellte ich Pinching fest - die Beugungsringe waren nur an drei Stellen zu sehen. Meine "Sterne" waren aber so lichtschwach, somit war ein regulärer Startest nicht möglich. Was ich positiv zur Kenntnis nahm: kein Bildshifting beim Fokussieren.

Die folgende Nacht brachte nur stumpfen Himmel mit ein paar Sternen, genug jedoch zum Justieren der Optik und für einen Test am Stern. In Ermangelung des Polarsterns, der von meinem Standplatz aus nicht sichtbar war, nahm ich Arktur im Bootes als Ziel. Mein erstes Augenmerk galt der Justierung, ja, die war ein Stückl off. Soweit hätte ich es nicht erwartet. Demnach müsste das Blendrohr eigentlich schief zur optischen Achse des Hauptspiegels sitzen... Egal, ich machte mich ans Werk, kniend, und mit drohender Genickstarre. Dabei konnte sich immer das Auswandern des Sterns durch die Justierbewegung beobachten und musste den Stern anschließend wieder im Bildfeld zentrieren. Nach etlichen Pausen, um das Genick wieder zu entspannen, hatte ich die Optik soweit, es fehlte wohl nur mehr wenig zur perfekten Kollimation. Koma war praktisch nicht mehr sichtbar, nur bei sehr hoher Vergrößerung (ca. 300x) sah man einen Anflug davon. Die ganze Zeit hatte ich extrafokal gearbeitet, nun drehte ich einmal bei dieser Vergrößerung durch den Fokus durch auf die intrafokale Seite. Was ich dabei zu sehen kann, verschlug mir den Atem. Ehrlich, ich musste unter dem Teleskop hervorklettern, mich an die Wand lehnen und tief durchatmen. Pfui, so eine schlimme Optik hatte ich noch nie zuvor gesehen! Extrafokal ganz scharfe, kontrastreiche Beugungsringe, aber der äußerste Ring viel zu schmal, gegen den Fokus zu - wo man den vermuten wollte - wurde auf einmal ein dicker Knödel draus, drehte man weiter Richtung intrafokal, wurde "fast" ein Beugungsscheibchen draus, das allerdings in einem hellen Lichthof "schwamm", und wenn man weiter intrafokal drehte, war nur mehr der Lichthof zu sehen, ohne Struktur, und erst sehr, sehr spät kam der Schatten des Sekundärspiegels zum Vorschein. Also eine sphärische Überkorrektur, die sich gewaschen hat. Im besten Fokuskompromiss, wenn man das so bezeichnen will, war Pinching zu erkennen, und eben dass noch ein bissl Feinjustierung notwendig wäre. Angesichts der grausamen Abbildung gab ich dieses Ansinnen jedoch auf - hoffnungsloser Fall...

Ich teilte dem Besitzer meine Justier- und Testergebnisse mit, und merkte an, dass ich dieses Teleskop für astronomische Zwecke als unbrauchbar einstufen würde. Ein paar Tage später meldete sich der Besitzer wieder bei mir. Er hatte den Händler kontaktiert und den Fall angesprochen. Als Antwort wäre quasi gekommen, man dürfe dieses Teleskop doch nicht so hart testen, es wäre ausschließlich für Deep-Sky Beobachtung im Bereich von maximal 60- bis 70-facher Vergrößerung geeignet... Hoppla, weiß man seitens des Händlers leicht von dieser grauslichen Abbildung? This is not a bug, just a feature? So etwas stößt sauer auf, zumindest bei mir.

Wie auch immer, auf den Test mit niedriger Vergrößerung wollte ich es ankommen lassen. Gleich die nächste Nacht bot mir Gelegenheit dazu. Als erstes visierte ich den Kugelsternhaufen M3 an. Bei ca. 50x: Ok, was man hier sah, kann man als Sterne bezeichnen. Ich steigerte die Vergrößerung auf ca. 80x. Das ging an M3 auch noch durch. Bei knapp 120x war die Abbildung der schwachen Sterne grad noch tolerierbar. Gegen 190x war die Abbildung dann merkbar zu weich. Das selbe Spiel machte ich auch an M13. Den besten Kompromiss zwischen noch tolerierbarer Abbildung und Auflösung fand ich bei ca. 120x. Allerdings, ein müder Anblick...

Dann visierte ich Epsilon Lyrae an. Bei ca. 120x waren die engen Komponenten mit viel Mühe aufzulösen. Dabei war es schon sehr schwierig, den besten Fokuskompromiss zu finden, und die Sterne waren von dem schon erwähnten Lichthof umgeben. Tja, die Komponenten des Vierfachsterns sind schon hellere Sterne, da zeigten sich die Optikfehler bereits deutlich. Bei den schwachen Sternen von M3 und M13 half ja noch das schlechte Auflösungsvermögen des Auges mit, wodurch auch nicht grad punktfeine Sterne noch als Punkte wahrgenommen werden. Einen Versuch war auch M57, der Ringnebel, wert. Eigentlich war da nur ein heller Patzen zu sehen, ich musste schon bis gegen 190x gehen, damit ich das dunklere Zentrum wenigstens erahnen konnte. 

An helleren Sternen konnte die Optik nichteinmal bei ca. 50x überzeugen. Da war  es schon schwierig den besten Fokus zu finden, und der Lichthof um jeden Stern war bereits deutlich sichtbar. Mit einem Wort gesagt, auch im niedrigen Vergrößerungsbereich war die Abbildung dieses Teleskop mehr schlecht als recht. Wirklich, so eine miserable Optik ist mir bis dato noch nie untergekommen.

Es kam noch zu einem weiteren Test, anlässlich der Rückgabe des Gurkerls an den Besitzer. Dabei war auch Walter zugegen, und er konnte meine Ergebnisse nur bestätigen. Zudem machten sich nun thermische Effekte bemerkbar, die extrafokal das Beugungsbild hufeisenförmig erscheinen ließen. Intrafokal war sowieso nichts außer dem Lichthof zu sehen. Walter fand diesen Effekt extrem sonderbar, ich konnte ihn aber "beruhigen", dass dies nur thermisch bedingt sei. Tja, bei meinen Tests zu Hause waren die thermischen Bedingungen günstiger, da sah ich solche Effekte nur für etwa eine halbe Stunde. Nun aber war das Teleskop den ganzen Tag im Auto, an einem sonnigen Tag kommt da schon einiges an Temperatur zusammen. Und als Ergebnis kämpfte das Gurkerl-Mak praktisch den ganzen Abend und wurde die Thermikeffekte nicht los. Das ist ein weiterer Punkt, der die Tauglichkeit des Instruments noch mehr einschränkt. Ohne Lüfter wäre dem Ding auch bei guter Optik kaum beizukommen.

Es fällt mir hier sehr schwer ein Resümee zu ziehen. Ich beschäftige mich nun lang genug mit Fernrohroptiken, als dass ich dies als fertigungsbedingte Qualitätsstreuung am unteren Ende durchgehen lassen könnte. Hier muss irgend etwas gröberes passiert sein. Sieht fast so aus, als wenn man einen Newtonspiegel mit Mittenbohrung versehen hätte, und den eingebaut. Anders ist diese wirklich schlimme sphärische Überkorrektur nicht erklärbar. Stutzig macht mich allerdings die angebliche Aussage des Händlers, dass diese Optik nur für niedere Vergrößerung gedacht sei. Hat dieser Wahnsinn leicht gar Methode, dass man hier nicht zusammenpassende Optikkomponenten verbaut? Der Preis von 358 Euro muss einen ja eigentlich schon stutzig machen - zaubern können die Chinesen schließlich auch nicht - Billiglohnland hin oder her. Falls es der Fall wäre, dass dieses DS Mak "serienmäßig" diese schlimme Abbildung hätte, dürfte es ein seriöser Händler gar nicht anbieten - dann ist es schlicht nicht einmal die 358 Euro wert, nur eine Verschwendung von Rohstoffen. Der Markt sollte so etwas regeln, damit die wirklich unbrauchbaren Produkte von selbst verschwinden.

Sollte dieses von mir getestete Gurkerl allerdings wirklich ein krasser "Ausrutscher" sein? Wir sollten es in diese Richtung interpretieren, denn für den Besitzer gab es doch noch ein Happy End: der Händler nahm das Teleskop zurück, bestätigte die fürchterlich schlechte Abbildungsleistung, und bot dem Besitzer Gutschrift oder Auszahlung an. Das ist wenigstens sehr fair.

Für mich war es jedenfalls eine ganz neue Erfahrung. Ich habe ich schon viele Optikgurkerl gesehen, so ein saures jedoch noch nie.

#owdii


Zurück zu den Artikeln