Erneuter Ausflug in die Vergangenheit: Celestron Celestar 8 im Test

Was mir so alles "zuläuft"... Ein "C8", das ich zur Justierung und Inspektion bekommen habe. Dunkel erinnere ich mich noch an die Werbung in Sky & Telescope, wo dieses Teleskop vorgestellt wurde. Aber das ist auch schon lange her... Meine Recherchen ergaben, es ist ein Celestar 8. Diese Version war der Nachfolger des C8+ und wurde ab 1996 gebaut, es war einfacher aufgebaut, leichter und billiger zu produzieren.

Celestron Celestar 8 - hier erkennt man die vereinfachte Lösung von Stativ und Polhöhenwiege

Erkennbar ist das Celestar 8 an dem "Wedgepod", wo Stativ und Polhöhenwiege zu einer Einheit zusammengefasst wurden. Die Stativbeine sind nicht höhenverstellbar. Das Stativ kann somit nicht nivelliert werden, und mit den wackeligen Beinen, die mit sehr viel Spiel in den Scharnieren hängen, wird man auch kaum eine brauchbarere Poljustierung hinbekommen, als Daumen mal Pi, zumal es auch keine Feinverstellungen in Azimut und Polhöhe gibt. Somit handelt es sich um ein rein visuelles Instrument. Die Teilkreise in RA und Dec sind aber bei unzureichender Poljustierung auch nur Zierrat, so trifft man sicher kaum etwas. Allenfalls mit Differenzkoordinaten, wenn der Weg zum Zielobjekt nicht weit ist, kann es einigermaßen funktionieren.

Gabel und Tubus/Optik des Celestar 8 sind ident mit der des Vorgänges C8+. Wer genau hinsieht, entdeckt den Tangetialarm des Dec Triebes

Gleich wie beim C8+ ist die Gabel und der von einer 9V Batterie gespeiste Schrittmotor-Antrieb. Dabei handelt es sich aber nur um ein normales Zahnrad, das vom Motorritzel getrieben wird. Ein Dec Motor war optional erhältlich, bei meinem Testmodell nicht dabei. Manuelle Feinverstellung in beiden Achsen gibt es. Auf der Konsole ist ein Anschluss für eine Handsteuerbox vorhanden, sowie der Anschluss für den optionalen Dec Motor. Also mittels Schrittmotor könnte man das Teleskop in Rektaszension verfahren, mit dem optionalen Dec Motor auch in Deklination, was zumindest einen Griff zu den manuellen Feinverstellungen und damit Gewackel spart. Bei meinem Testgerät war eine Losmandy Handsteuerbox dabei. Ich habe aber auf den Betrieb damit verzichtet, und mit den manuellen Feintrieben mein Auslangen gefunden, zumal man mangels Motor in Deklination sowieso zur manuellen Feinverstellung greifen muss. Der Dec Antrieb ist als Tangentialarm ausgeführt. Die Optik des Celestar 8 ist  gleich wie beim C8+, mit "Starbright" Coating, und einen 6x30 Sucher gab es dazu. Am Testgerät ist zwar ein 6x30 Sucher drauf, aber sicher nicht der Originalsucher, auch sitzt dieser Sucher improvisiert auf einer Halterung, wo sonst wohl eher eine Kamera Huckepack "mitfahren" darf.

Control Board: Erkennbar ist das Batteriefach für einen 9V Block, Anschlüsse für die Handsteuerbox und Dec Motor, einen externen 12V Anschluss gab es auch

Bei meinem Testgerät geht es weniger um die Mechanik, sondern um die Optik. Die Mechanik nehme ich mehr oder minder "zur Kenntnis", und beurteile maximal ob alles funktioniert wie es zumindest sein soll. Schließlich ist an den Gebrauchsspuren zu erkennen, dass dieses Instrument schon einiges mitgemacht hat. Speziell die manuelle RA Feinverstellung fiel mir auf. Da gibt es eine Stelle, wo die Verzahnung arg verschlissen ist, das Antriebsrad rutscht ratternd durch und blockiert sogar fallweise, wenn man bei offener Klemmung die Gabel in RA schwenkt. Das war schon hinderlich beim Test, und macht keine Freude bei der Beobachtung. Nicht nur die Feinverstellung, die könnt man mit der Handsteuerbox kompensieren, eben auch das Schwenken des Teleskops zum Aufsuchen eines Objekts ist damit behindert. Zum Glück greift die manuelle  RA Feinverstellung auf einem anderen Zahnrad an als der Schrittmotor, damit ist wenigstens der Antrieb nicht von diesem Problem betroffen. Was sonst zu den manuellen Feintrieben zu sagen ist: in Dec ausreichend feinfühlig, in RA viel zu grob, da hätte es einer Untersetzung bedurft, oder eben einer anderen Übersetzung von Zahnrad und Ritzel.

Dec Achse und Sucher - es ist zwar ein 6x30 Sucher, aber nicht der Originalsucher

Wenn man das Stativ nur so hinstellt, wackelt die Sache fürchterlich, selbst wenn die Beine voll ausgespreizt sind. Man kann die Beine seitlich versetzen, um das Spiel in den Scharnieren zu eliminieren. Damit wird die Basis stabiler. Die Gabel ist aber auch nich gerade ultrastabil, wenn man zum Fokussierknopf greift, beginnt das Teleskop zu schwanken und das Gewackel erschwert eine saubere Fokussierung. Was ersichtlich ist an meinem Testgerät: es dürfte schon einmal aus der Gabel genommen worden sein, und hat vermutlich die meiste Zeit auf einer Deutschen Montierung verbracht. Das würde ich auch als die sinnvollste Lösung betrachten, um mit dem Instrument ordentlich arbeiten zu können.

Ein paar Worte noch zum Fokussiertrieb: der geht erstaunlich leicht und präzise. Bildshifting ist vorhanden, eher gering, und wenn man den Fokussierknopf auslässt, nimmt das Bild sofort wieder seine ursprüngliche Stellung ein. Dennoch empfiehlt es sich, die Endfokussierung immer so vorzunehmen, dass der Spiegel dabei nach oben geschoben wird, also der Fokussierknopf gegen den Uhrzeigersinn gedreht wird.

Das Teleskop bekam ich, wie schon erwähnt, zur Justierung. Bevor ich zu schrauben beginne, steht aber erst eine Inspektion der Optik an, eine Erhebung des Ist-Zustands. Gleich am ersten Tag (9. 5. 2011) schien es aufklaren zu wollen, die Wolken wurden gegen Abend auch immer weniger, doch wie ich rausgehen wollte, war der Himmel fast zu, nur da und dort schimmerte ein Stern durch Wolkenlücken.

Die nächste Nacht (10. 5.) war aber wirklich klar, also los. Die Justierung war daneben, kein Zweifel, aber nicht so arg. Die meisten SC Teleskope trifft man kaum besser justiert an. Ich ließ das Teleskop etliche Zeit austemperieren, beschäftigte mich mit ersten Eindrücken im Startest, und diversen Beobachtungen (Saturn und M3). Bevor ich die erste Test Session beendete, griff ich zum Schraubendreher - hier reicht ein Phillips, ich hab's kaum glauben können, dass ich nicht die zölligen Sechskantschlüsselauspacken musste. Die Schraube habe ich schon bewusst gewählt, die Drehrichtung war Glück und auch wie viel ich gedreht habe - beim neuerlichen Blick ins Okular war die Justierung schon fast perfekt.

Das Celestar 8 ist testbereit! Am Himmel der Viertelmond

Die folgende Nacht (11. 5.) war wiederum klar, und sogar gut, obwohl Viertelmond 4,5 mag, und wirklich gutes Seeing. Ich habe das Teleskop schon vor Sonnenuntergang raus gestellt, und gleich einmal den hoch im Süden stehenden Mond betrachtet. Ha! Das war ein Hochgenuss! Wie wenn ein Dia eingeschoben wäre, so stand das Bild, kein Zucken, kein Flirren! Gegen den hellen Himmel war der Kontrast natürlichgedämpft, aber zumindest blendet der Mond bei so einer Beobachtung nicht. Zu Beginn der "Blauen Stunde" nahm ich mir nochmals den Mond vor: Mittlerweile war das Bild nicht mehr so ruhig. Leicht fallende Temperatur hat das Teleskop thermisch zum Arbeiten gebracht... Dennoch, es war noch gut genug für eine feine Beobachtung, die mir durchaus Spaß gemacht hat. Ich ließ das Teleskop aber dann in Ruhe, und kehrte erst bei vollständiger Dunkelheit wieder zum Test zurück.

Weiter leicht fallende Temperatur hatte den Tubus "in Arbeit" gehalten, dennoch war es nun soweit gut für Feinjustierung und Beobachtungen. Für ersteres brauchte ich schon alle drei Justierschrauben, und es war ein bissl Spielerei, aber in ein paar Minuten war die Sache erledigt.. Mit diesem Justierergebnis ging ich ein paar Objekte an. Saturn bei 200x: Cassini Teilung, Ringschatten auf dem Planeten, C-Ring, Wolkenband auf dem Planeten. Recht brav. Weiter zu M3 bei 200x: feine Sterne, das macht Spaß! M13 bei 200x: ebenfalls feine Sterne, aber mir gefällt M13 besser, wenn er etwas kompakter ausschaut - aufgelöst hin oder her. Ich ging daher auf 133x zurück, da war es ein reizender Anblick. M57 hingegen nahm ich wieder bei 200x - halbhoch im Osten, aber weit genug weg vom Mond, und daher durchaus mit gutem Kontrast zu sehen. Bis an 14 mag und leicht drüber bin ich auf jeden Fall ohne große Mühe gekommen. Letztes Objekt war M51. Naja, bei mondhellem Himmel geben Galaxien sicher nicht viel her, aber bei 133x war sogar andeutungsweise Spiralstruktur erkennbar.

Mittlerweile hatte sich der Tubus thermisch weiter stabilisiert, ausreichend für einen kritischen Startest. Sphärisch ist dieses Teleskop wirklich hervorragend korrigiert. Ich gab mir etliche Mühe bei der Abschätzung, verglich auch mit Bildern im "Suiter" und spielte viel mit der Aberrator Software herum - ich komme dabei auf gut und gern λ/8! Sphärische Aberration höherer Ordnung konnte ich nicht feststellen, auch sonst keinen Zonenfehler. Astigmatismus ist thermisch bedingt, durch die Luftschichtung im Tubus und variiert daher. Bei meinen Tests war das gut zu beobachten. Bei Abschluss des Tests war davon fast nichts mehr zu merken. Detto mit der Farbdispersion, die ebenfalls durch die Luftschichtung im Tubus bedingt ist. Dass die Schmidtplatte einen Hauch Farbfehler ins System einbringt, ist kein Geheimnis. Allenfalls sollte er keine Rolle spielen. Und so ist es bei diesem Testgerät. Im Startest sind Spuren des Farblängsfehlers vorhanden, am fokussierten Stern ist von einem Farbfehler nichts zu bemerken.

Das klingt alles sehr schön, aber was mich schon in der vorigen Nacht ein bissl stutzig gemacht hat, waren die Streulichthöfe um helle Sterne. Jetzt war das Seeing gut genug, und das Instrument so gut austemperiert, dass die Ursache klar ersichtlich war: Radiale Spuren und Schleifen sind im defokussierten Beugungsbild bemerkbar - das kommt von der Schmidtplatte. Dieser Fehler soll dem Vernehmen nach häufig bei Celestron SC Teleskopen vorhanden sein. Offenbar stellt man die Korrektur der sphärischen Aberration über perfektes Auspolieren der Schmidtplatte - diese Rauheit macht sich beim Testgerät mindestens als Streulichthof bemerkbar, wenn nicht bei gutem Seeing und gut austemperierter Optik durch Speckles, die wie verstreuter Diamantstaub wirken, in dem die Beugungsringe komplett untergehen. Wäre dieser - mehr als Schönheitsfehler - nicht, das Instrument würde den Startest mit fliegenden Fahnen absolvieren. Dieses Streulicht kostet Kontrast, und erschwert Beobachtungen wo man in unmittelbarer Umgebung eines hellen Objekts ein schwaches Objekt sehen sollte. Die Stärke dieses Instruments ist also die Deep Sky Beobachtung, wenn man von speziellen Situationen absieht. Prinzipiell überzeugt es durch feine Sterne, weist nur moderate Koma gegen den Feldrand zu auf, und zeigt nur schwach ausgeprägte Geisterbildern, sofern sehr helle Objekte im Bildfeld sind. Bei Planetenbeobachtung muss man aufgrund des Streulichts und nicht nur durch die systembedingt hohe Obstruktion mit Abstrichen rechnen. Was das Instrument an Kontrast durch die gute Korrektur gewinnt, geht mindestens halb wieder verloren.

Zum Abschluss nahm ich noch einmal den Schraubendreher zur Hand, um der Justierung den letzten Feinschliff angedeihen zu lassen. Insgesamt aber wieder ein interessantes Stück Optik. Wär' da nicht die Sache mit der rauen Schmidtplatte, würde ich sagen, die beste SC Optik, die mir jemals vor die Augen gekommen ist. Tatsächlich muss ich aber weiter warten, dieses Prädikat zu vergeben...

Howdii


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