Celestron C11 SC

Blick auf die Schmidtplatte und Sekundärspiegeleinheit des C11. Die Justierschrauben sind hier sichtbar. Durch verdrehen des "Propellers" lassen sie sich verstecken. Was hier noch zu sehen ist: Die grün reflektierende Schmidtplatte (linke Bildhälfte) zeigt so das Multi-Coating. Dort wo die Schmidtplatte nicht reflektiert, meint man, dass gar kein Glas vorhanden wäre (rechte Bildhälfte). So soll es sein.

Prolog

Das Celestron C11 Schmidt-Cassegrain Teleskop ist seit Jahrzehnten eine bekannte Größe unter den Amateurteleskopen. Es ist das zweitgrößte der Celestron SC Baureihe. Das C14 kann man eigentlich nicht mehr als transportabel bezeichnen, das würden sich nur ganz wenige antun wollen. Hingegen ist das C11 noch relativ kompakt und mobil noch akzeptabel. Der Tubus ist mit 600mm etwa so lang wie der des C9.25, aber doch wesentlich voluminöser und bringt mit gut 13kg auch einige Kilogramm mehr auf die Waage. Somit ist schon ein tragfähigerer Unterbau gefragt, also Stativ und Montierung.

Die Öffnung wird unterschiedlich angegeben: Man findet 279mm genauso wie 280mm. 11 Zoll, umgerechnet, liegt halt dazwischen - die einen runden ab, die anderen auf? Auf der Blende der Schmidtplatte steht: 11" (279mm). Sei's drum, der eine Millimeter macht das Kraut nicht fett... Die Nenn-Brennweite beträgt 2800mm. Daraus ergibt sich ein Öffnungsverhältnis von f/10. Es paart sich ein f/2 Hauptspiegel mit einem 5-fach vergrößernden Sekundärspiegel. Durch die Hauptspiegel-Fokussierung wird die Brennweite, je nach angeschlossenem Zubehör, leicht verändert, somit ändert sich dabei auch das Öffnungsverhältnis. Die Obstruktion durch den Sekundärspiegel und seine Fastar Befestigung beträgt 95mm, das ergibt 34% der Öffnung und entspricht den Angaben.

Im Lieferumfang ist ein 1,25" 40mm Plössl Okular enthalten, ein 1,25" Visual Back, ein 1,25" Zenitspiegel, und ein 9x50 Sucher. Der Sucher geht in Ordnung, wiewohl Sucherhalter und Sucherschuh unkonventionell massive "Möbel" sind. Das 1,25" Zeug wird diesem Teleskop nicht wirklich gerecht. Wer ernsthaft mit dem C11 beobachten will, wird um 2" Okulare für den niedrigen Vergrößerungsbereich nicht herumkommen. Der Fokussiertrieb läuft butterweich, bei diesem Exemplar ist ein minimales Shifting bei Umkehr der Drehrichtung feststellbar. Bei höherer Vergrößerung ist beim C11 der Trieb nicht genug feinfühlig. Man könnte eine Untersetzung nachrüsten, jedoch ist ein externer Fokussierer die bessere Lösung.

Wahlweise kann das C11 mit einer 2" oder 3" Prismenschiene geliefert werden. Da sowieso eine kräftigere Montierung drunter sein soll, wird diese auch eine Aufnahme für 3" Schienen haben. Dann ist es keine Frage - mit der 3" Schiene sitzt das C11 stabiler auf der Montierung.

Hinlänglich bekannt sind die thermischen Probleme geschlossener Tuben, da sind SC Teleskope nicht allein. Maksutov und Maksutov-Newton, Schmidt-Newton, sind genauso betroffen. Das Problem des "Austemperierens" stellt sich oft so dar: das SC Teleskop kommt auf die Montierung, noch in der Dämmerung, Abbildung ist fein. Keine Spur von Thermik Problemen. Die Nacht schreitet voran, es kühlt ab, und das SC Teleskop fängt mehr und mehr an, thermisch zu "arbeiten". In aller Regel beschlägt schon die Schmidtplatte, wobei immer noch Anzeichen von Tubusthermik vorhanden sind. Genau gesagt, ein "thermal equilibrium", wie es unsere Freunde jenseits des Atlantiks gerne nennen, spielt es gar nicht. Die Masse des Teleskops hat eine thermische Trägheit, und kann der fallenden Nachttemperatur nur mehr oder weniger verzögert folgen. Misst man die Temperatur an der Oberseite des Tubus, die zum Himmel weist, und an der Unterseite, die zum Boden weist, ergibt sich ein merkbarer Temperaturunterschied. Dadurch erhalten wir einerseits eine Luftschichtung im Tubus, die aber einen Antrieb hat, also nicht wirklich ruhig liegt, sondern im Kreis zirkuliert. Warme Luft steigt auf, dort weist das Teleskop zum Himmel. Die Luft kühlt ab und sinkt an die tiefste Stelle, dort strahlt die Erde noch Wärme ab und wärmt die Luft wieder an, sie steigt wieder auf an die höchste Stelle. So geht das die ganze Nacht, bis sich die Temperatur gegen die Morgendämmerung hin stabilisiert.

Bei azimutal montierten SC Teleskopen, die nur etwas auf- und abgeschwenkt werden, und etwas links und rechts, hat man eben die langsam zirkulierende Luft, die sich doch ziemlich als Schichtung darstellt. Diese Thermik ist für die meisten Beobachter kaum mehr direkt merkbar, die Auswirkung auf die Beobachtung dennoch gegeben. "Schuld" ist dann halt das atmosphärische Seeing. Amateurastronomie ist scheinbar auch eine Religion, wo viel "Glauben" dabei ist. Zurück zum Thema. Auf einer parallaktischen Montierung dreht man aber beim Meridanflip das Teleskop mehr oder weniger "um". Die Tubusseite, die zum Boden geschaut hat, schaut jetzt zum Himmel und umgekehrt. Keine Frage, wie sich die Luft im Tubus darüber "freut". Die Luft muss sich erst neu "ordnen" und "setzen", bevor es wieder in die Schichtung geht. Das kann eine Bildstörung verursachen, wo man einfach nichts mehr scharf kriegt. Man muss geduldig warten... Also ohne irgend eine Maßnahme, die wirkt, ist das Leben mit einem großen SC nicht wirklich so erbaulich. Selbst ein 8" SC kann hier unerfreulich wirken.

Es gilt, die Thermik Probleme in den Griff zu kriegen. Man könnte mit aktiven Lüfter dran gehen, Löcher bohren, auch Eintrittslöcher für die Luft, wozu das SC Teleskop auch zerlegt werden müsste. Derartige Umbauten wurden bereits von Amateuren gemacht. Es ist ein erheblicher Aufwand, braucht entsprechendes Werkzeug. Drüber trauen muss man sich auch. Eine recht simple Alternative zur aktiven Belüftung ist die Isolierung des Tubus. Dazu gehört, in unseren Breiten mit mehr oder weniger feuchten Nächten zwingend notwendig, eine Taukappe, die den Namen auch verdient. Sie kann aus leichtem Material bestehen, z.B. Isomatte. Die Isolierung des Tubus, zusammen mit der langen Taukappe, wirkt. Das haben wir (Andi Berthold und meine Wenigkeit) schon an einem C8 ausgiebig erprobt. Mit Isolierung und einer langen Taukappe ist das C8 quasi "streichelweich", in thermischer Hinsicht. Es geht schlicht bei dieser Maßnahme darum, das Teleskop daran zu hindern, in den Strahlungsaustausch mit Himmel und Erdboden zu gehen. Die Isolierung ist nicht teuer. Eine Rolle Heizkörperfolie kostet im Baumarkt rund 10 Euro. Einen "Mantel" zuschneiden, und bitte nicht mit der Selbstklebefolie aufkleben, sondern einfach so um den Tubus legen, die Stoßstelle mit Tixo zusammenkleben. Die Klebestelle unter die Prismenschiene schieben, fertig. So ist dieser "Mantel" auch jederzeit wieder leicht entfernbar.

Hier das C11 auf einer iOptron CEM60. Das Teleskop wird gerade in RA balanciert. Man erkennt die Tubusisolierung und die lange Taukappe. Mit der Isolierung schaut der Tubus "spacig" aus, allein die orange Prismenschiene weist noch auf ein Celestron SC hin.


First Light und erste Erfahrungen

Beim allerersten Anschnuppern war das C11 noch im Originalzustand. Hinten habe ich einen 2" Visual Back angeschraubt, um meinen 2" Zenitspiegel und 2" Okulare verwenden zu können. Was ich sofort bemerkt habe: die Optik ist dejustiert. Also griff ich zum Schraubendreher und machte mich an die Arbeit. Ist ja nur eine Sache von ein paar Minuten. Dabei ist mir eine Justierschraube aufgefallen, die "tot" gewirkt hat - man dreht, es tut sich nix. Die Justierung bekam ich dennoch hin, sah gut aus, feine Sterne, also das passt. Und, beim Start des Tests noch perfekte Abbildung, mit der Zeit, als es kühler wurde, machte sich die Thermik mehr und mehr bemerkbar. Siehe oben.

Beim nächsten Test war schon die Isolierung auf dem Tubus und die lange Taukappe drauf. Ich fuhr den Alignmentstern an, checkte gleich die Justierung, alles ok. Dann ein paar Goto Ziele angefahren, ein Meridianflip und: hä? Optik dejustiert. Was zum Kuckuck ist da los? Als ich das Teleskop nach der Beobachtung rein trug, hörte ich beim leichten Schwenken des Tubus in der Waagrechten ein leises Klacken. Es kam vom Sekundärspiegel. Oh, so ist das also, der ist locker, eine Schraube greift wohl gar nicht... Was dieser Test deutlich gemacht hat: bei höherer Vergrößerung kann man mit dem Fokussiertrieb des Teleskops kaum mehr perfekt scharf stellen. Das ist einfach zu grob, zudem: die seitliche Drehbewegung versetzt das Teleskop gar leicht in Schwingungen. Somit war klar, es muss ein externer Fokussierer dran.

Das C11 mit Tubusisolierung und Taukappe, aber noch ohne den externen Fokussierer. Hier ist ein 2" Visual Back dran. Das sonderbare Ding von Montierung ist die iOptron CEM60, die, mit einem Berlebach Stativ drunter das C11 tadellos stabil trägt.

Das C11 von der Seite. Hier sieht man deutlich die Tubusisolierung, der externe Fokussierer ist hier schon dran.

Ich wartete die Lieferung des Crayford Fokussierers ab, montierte diesen, und zog beim Sekundärspiegel einmal alle Schrauben an. Freilich, justiert war das so nicht, ganz im Gegenteil, grässlich dejustiert, wie sich zeigte. Kein großes Thema, das kriegt man ja gebacken, und jetzt konnte ich wirklich beim Justieren mit allen drei Schrauben arbeiten. Und seither hält die Justierung. Die Tubus Isolierung hat sich bereits als wirksam erwiesen. Trotz fallender Temperatur habe ich keine Tubusthermik gesehen. Gut, wenn das Teleskop aus wirklich warmer Umgebung kommt, "kocht" es schon ein Weilchen im Tubus, es "fängt" sich nach einiger Zeit, bleibt dann stabil.

Im vollen Trim wurde nach der Justierung nun auch beobachtet, es war für Mistelbacher Verhältnisse ein guter Himmel, und die Anblicke von M3, M13, M92, M71 und M27, nadelfeine Sterne, haben Lust auf mehr gemacht. Für mich war klar: Das Ding will ich mal unter wirklich dunklem Himmel sehen!

Das C11 hier mit dem externen Crayford. Man sieht auch den Fokussierknopf des C11 und den 9x50 Sucher


Visuelle Beobachtung

Mehr oder weniger klare Nächte waren nach Durchzug einer Kaltfront zu erwarten. Wir sondierten etwas. Aufgrund der Prognose fiel unsere Wahl auf Mittwoch, den 23. August 2017. Das Wetter präsentierte sich wirklich gut, gewisse Befürchtungen hatte ich wegen flacher Dunstfelder. Unser bevorzugter Beobachtungsplatz, die Ebenwaldhöhe, ist mit 1000 Meter Seehöhe halt nocht nicht wirklich so hoch. Aber wir waren mal entschlossen und brachen zu unserem Ziel auf.

Bei unserer Ankunft war die nautische Dämmerung schon fortgeschritten. Somit konnten wir mit dem Aufbau gleich loslegen. Als Montierung diente mein "Arbeitspferd", die iOptron ieq45 auf einem Berlebach "Planet" Stativ. Zu zweit baut man nicht nur schneller auf, wenn man das "Dickerchen" von C11 auf die Montierung sattelt, ist eine helfende Hand mehr als wünschenswert. Es ginge schon noch allein, aber dazu hätte ich gerne ausreichend Licht. Somit, wollte ich allein mit dem C11 ausrücken, müsste ich schon in der bürgerlichen Dämmerung am Beobachtungsort sein.

Ein Bild mit Symbolcharakter: "Anbetung des C11 vor dem Kniefall". Mmm, schlechtes Karma in der Vergangenheit angehäuft. Ich war ja nicht gerade als Freund der SC Teleskope bekannt. Die Aussicht, dereinst in der Hölle schmorend, vom Teufel alle paar Wochen noch eine ärgere SC Gurke serviert zu bekommen, mit der ich dann schauen müsste, ist fürchterlich. Ich sollte noch zu Lebzeiten mit dieser Teleskopgattung meinen Frieden finden.

Einige Anmerkungen: Zum Poljustieren, um durch den Polsucher blicken zu können, muss man halt auf die Knie. Ein Polsterl ist schon sehr komfortabel, die spitzen Steinchen stechen sonst recht ins Knie, und der Hose tut das auch nicht wirklich gut. Der Kerl auf dem Foto schaut grad fadisiert drein, während er auf den GPS "Pieps" wartet (wird's bald?), um endlich an die Arbeit gehen zu können - die Steuerung gibt nach GPS Sat-Fix an, wo im Polsucher man den Polarstern verorten soll. Die Höhe, wie weit man das Stativ ausfährt, will auch gut eingeschätzt sein - so, dass man im Sitzen bei Beobachtungen im Zenitraum noch bequem ins Okular blicken kann. Auf der Gegengewichtsstange der Montierung hängen 21kg, aber an einem relativ kurzen Hebelarm. Tatsache, auch bei hoher Vergrößerung kann man mit dem Feintrieb des externen Crayford das C11 fokussieren, ohne dass das Teleskop sonderlich zittert. Zu danken ist es dem Berlebach Stativ. Es geht nichts über einen soliden Unterbau.

Die Nacht: Kein Wind, toller Himmel, gut und gern 6.3 mag, die Milchstraße prächtig strukturiert zu sehen, geringe Luftfeuchtigkeit. Das Seeing war anfangs recht gut. Es hat später merklich abgekühlt, was mich von der gefütterten Wollweste schnell zur Daunenjacke wechseln ließ. Das Seeing ist dem üblichen Gang gefolgt, und mit der fallenden Temperatur schlechter geworden. Später ist es auch feuchter geworden. Papier wurde binnen kurzer Zeit "zäh", im Freien liegendes Zeug pitschnass. Der isolierte Teleskoptubus blieb staubtrocken.

Es war ein lockerer Beginn, mit dem Kugelsternhaufen M13. Bei 104x schon eine Augenweide. Das "Kreuzl" quer über den Haufen war gut zu erkennen, und den großen, dunklen "Propeller" konnte man bereits orten. Der "Propeller", bestehend aus dunklen Linien die den Haufen queren, war bei 187x deutlicher, eigentlich nicht zu übersehen. Der Haufen war gut aufgelöst, quer drüber, im Hintergrund ein feiner Grieß von schwachen Sternen.

Der Kugelhaufen M92 zeigte sich kompakt, mit einem dichteren Kern, im Halo rundherum locker verstreute Sterne. Sehr anschaulich dargestellt, bei 187x, ein Genuss, die feinen Sterne!

Der Ringnebel M57 und dessen Umgebung gab einiges zum Kletzeln her. Die Sterne rund um den Ringnebel waren vorerst für mich interessant. Die "Dreierkette" mit 15, 14.7 und 15.3 mag war kein Problem bei 187x. Die 15 mag Komponente ist aber doppelt. Was Fotos mit moderater Öffnung schon zeigen können, ist visuell doch eine Herausfoderung - so man nicht einen 25 Zöller zur Verfügung hat. Mit dem war's leicht zu sehen. Was geht mit dem C11? Bei 280x hatte ich den Verdacht auf "länglich". Bei 467x konnte ich die Stelle indirekt mehrmals optimal "anspitzen", da erschienen zwei Punkte. Geht, aber nicht gar so einfach. Nebenbei, Ausschau nach einem 16.1 mag Stern - der war gar nicht schwierig, und einen 16.8 mag Stern habe ich auch angestreift. Es geht sicher noch tiefer.

Zum Ringnebel selbst: Bei 467x konnte ich den Zentralstern nicht nur erspähen, sogar sekundenlang indirekt halten! Auch den zweiten Stern innerhalb des Ringes sah ich einigemale aufblitzen. M57 selbst eine Wucht bei dieser Vergrößerung! Diese Strukturen, das erinnert schon an ein Foto! Und diverse "Auswüchse" aus dem Ring waren auch deutlich erkennbar. Geht der Halo? Zurück auf 104x, mit OIII Filter. Oh doch, zur Dreierkette hin war der innere Teil des Halos deutlich zu erkennen, rundherum dann etwas schwieriger, aber doch. Bei 140x mit OIII war alles noch deutlicher zu sehen. Keine Frage, im 25" war das fast zu leicht, da habe ich mir schon reale Chancen ausgerechnet, obwohl das C11 nichtmal halb so viel Öffnung bietet.

Der Hantelnebel M27 war bei 104x schon ohne Nebelfilter als volle "Blase", mit den "Ohren", sichtbar, mit OIII Filter dann brutal hell. Auch hier versuchten wir, ob wir was von dem Halo erwischen könnten. Der hellste Bogen war tatsächlich bei flächigem Blick aus dem Augenwinkel heraus erkennbar. Andi hat es so bestätigt.

Beobachtungsbetrieb auf der Ebenaldhöhe. Bei 30 Sekunden trotz ISO 1600 ist nicht allzuviel zu sehen. Kein Wunder, es war sehr dunkel, und der Kerl, der da sitzt und rein schaut, hat eine schwarze Jacke an.

Den Abschluss bildete der Cirrus Nebel. Beobachtet haben wir bei 104x mit OIII Filter. NGC 6960 bei 52 Cygni, der "Hexenbesen", zeigte Filamente im "Stiel", der auffächernde "Besen" war sehr weit zu verfolgen, mit einer fasrigen Struktur. Freilich, das C11 bietet bei 104x nur etwas mehr als ein halbes Grad Gesichtsfeld, somit musste man das Objekt mittels Handsteuerung entlang fahren. Detto beim östlichen Bogen, NGC 6992/95, der "Knochenhand". Wiederum begeisterten die sichtbaren Strukturen. Ehrlich gesagt, ich kenne kein Amateur-Foto, das beim Cirrusnebel die visuellen Eindrücke schlagen könnte.

Der Himmel war toll, wir hatten eine außerordentlich klare Nacht erwischt, das C11 hat seinen Teil zu großartigen Eindrücken beigetragen. Dass wir bei 700x, ja, diese Vergrößerung kam beim Ringnebel auch zum Einsatz, zu späterer Stunde kaum noch fokussieren konnten, liegt daran, dass das Seeing halt durchaus auch schon bei mittelgroßen Öffnungen Sterne zu Scheibchen zerrührt. Fallweise sticht eine feine Spitze raus, da gilt es den besten Kompromiss zu finden. Aber mehr an Information konnten wir so halt auch nicht mehr rausholen. Gut, mit 0,4mm Austrittspupille ist der Bogen schon ordentlich gespannt. Das ist normal "Refraktorland", wobei die Vergrößerung aufgrund der eher kurzen Brennweite der Linser wesentlich niedriger liegt. Mit zunehmender Vergrößerung macht sich das Seeing ja mehr und mehr bemerkbar. Ich kann aber sagen, die 700x sind unter guten Bedingungen mit diesem C11 machbar.

Star Test

Bei den ersten Tests hatte ich schon den Eindruck, das ist eine sehr gute Optik. Ist es auch, wenn man genauer dran geht. Wie bei SC Teleskopen üblich, findet man ein gewisses, hier sehr geringes Ausmaß an sphärischer Aberration niedriger Ordnung, und auch eine bissl was von sphärischer Aberration höherer Ordnung. Dieses C11 ist mindestens so gut wie das CPC 1100, das ich vor einigen Jahren kurz in der Hand hatte. Es ist eine Freude, wenn ein Teleskop bis in den hohen Vergrößerungsbereich feine Sterne zeigt, nadelpunktfein. Der Fokus ist auch einwandfrei definiert. Man weiß genau, hier ist scharf, ein bissl daneben, hin oder her, ist es nicht mehr.

Fazit

Mir, zum Beispiel, geht ja seit langem ein Teleskop mittlerer Öffnung in guter Qualität ab. Sicher, ein C11 ist eine andere Sache als ein 12" f/6 Dob, der diese Rolle auch erfüllen könnte. Man muss wissen, was man vor sich hat. Die lange Brennweite spezialisiert das C11 auf kleine bis mittelgroße Objekte. Dabei liefert es aber eine wirklich tolle Performance. Ein Dob mit weit kürzerer Brennweite ist universeller einsetzbar. Während man beim Dob im Stehen beobachtet, kann man beim C11 bequem sitzen, hat Nachführung, und kann in Ruhe beobachten, das hat schon was, vor allem, wenn man als Beobachter in die Jahre gekommen ist. Also, just ein C11 dieser Qualität könnte bei mir die Lücke füllen. Jessas, jetzt schwärmt der Howdii von einem SC? Wegn en Karma? Nein, eine gute Optik kann mich begeistern, ganz einfach gesagt.

In meiner früheren Zeit hatte ich immer wieder Gelegenheit, durch diverse SC Teleskope durch zu schauen. Meist so lambda/4 oder gar schlechter, oft dejustiert, die Thermikprobleme dazu. Es ist angerichtet. Bäh. Hätte ich damals ein so hergerichtetes und so gutes C11 in Augenschein nehmen können, ich hätte wohl kaum eine derartige Abneigung gegen diesen Teleskoptyp entwickelt. Mag sein, dass ich milder geworden bin in meinen Ansichten. Die systembedingt hohe Obstruktion ist ein Ding, an dem man nicht vorbeikommt. Das teilt sich ein SC mit allen anderen Teleskopen mit Cassegrain-Fokus. Die Hochkontrastleister müssen zwangsweise obstruktionsfrei sein oder dürfen nur gering obstruiert sein, eine feine Optik brauchen sie dennoch. Tja, sicher, man verliert mit der hohen Obstruktion etwas, aber gerade beim größeren SC, wie dem C11, bleibt noch genug über - eine scharfe Optik braucht es halt, um dagegen zu halten. Darauf kommt es an. Man hat die Öffnung, die Lichtleistung, es bleibt immer noch genug über für spektakuläre Eindrücke!

Mit dieser Ausstattung, Tubus Isolierung, langer Taukappe, schaut das C11 schon irgendwie wild aus. Ohne diese "Maskerade" kann man in unseren Breiten damit aber kaum sinnvoll arbeiten. Es ist kein großer finanzieller Aufwand, sich solche Dinge zu basteln. Der externe Crayford ist hoch anzuraten. Man hat nichts mehr mit Spiegelshifting zu tun, und kann auch bei hoher Vergrößerung noch fein fokussieren.

Howdii


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